|

|
Kosmologie und Relativitätstheorie
|
 |
Grundlegende Aussagen, Ergebnisse und Vorhaben
- Einsteins Theorie der Gravitation beschreibt nach wie vor treffend
und präzise die beobachteten Phänomene.
- Die Aussendung von Gravitationswellen durch bewegte Massen wurde z.B.
durch Messungen des Binärpulsars PSR 1913+16 indirekt bestätigt.
Die Periode des Bahnumlaufes der beiden Neutronensterne nimmt genau in
dem Maße ab, wie es dem Energieverlust, der die Aussendung von Gravitationswellen
begleitet, entspricht.
- Die Entwicklung des Alls aus dem Urknall hatte höchstwahrscheinlich
mehrere "inflationäre" Epochen. Dies geht aus neuen Beobachtungen
der Galaxienverteilung hervor.
- Die Urknall-Hypothese wurde durch Messungen des Satelliten "COBE"
(Cosmic Background Explorer) im Bereich der 3 K-Strahlung weiter untermauert.
Das vom Satelliten gemessene Strahlungsfeld ist sehr gleichmäßig,
Temperaturschwankungen von einigen 10000-stel können ausgeschlossen
werden. Gleichzeitig wurden Anzeichen geringfügiger Anfangsfluktuationen
zur Rekombinationszeit, die Ursache für die heute beobachtete hierarchische
Struktur des Universums sein können, gefunden. Andere Modelle müssen
das "3 K-Nadelöhr" berücksichtigen.
- Neue Modelle gehen häufig von nichtleuchtender,
schwach-wechselwirkender,
dunkler Materie aus (z.B. massebehafteten Neutrinos), die häufig sogar
den Anteil "normaler" Materie übersteigt. Hinzu kommen Gebilde,
die der Struktur des Grundzustandes der Welt, des Vakuums entstammen (Monopole,
kosmische Strings, Texture). Auch sehr komplexe Modelle haben noch einige Schwierigkeiten, die beobachteten Prozesse zu erklären.
- Vielleicht müssen wir uns aber auch auf ein Universum ohne Urknall
einstellen, zumindest gibt es Altersprobleme im Verständnis neuester
Aufnahmen des Hubble-Space-Telescopes.
- Die Gleichheit von "schwerer" und "träger"
Masse ist eine Voraussetzung der Einsteinschen Theorie. Sie soll in Satellitenexperimenten
mit extremer Genauigkeit untersucht werden.
- Die Präzessionsbewegung der Drehachse eines Gyroskops auf der
Erdumlaufbahn soll mit einer Genauigkeit von 1:10 Millibogensekunden beobachtet
werden.
- Versuch der direkten Messung von Gravitationswellen mit Hilfe von
Laserinterferometern.
Das System soll so genau werden, dass Signale eines Gravitationskollaps
eines Sterns bis zu einer Entfernung der nächsten 1000 Galaxien nachweisbar
wird (1 Signal / 10 Tage).
Im Unterricht kann man verschiedene Modelle diskutieren. An Hand von
Zeitskalen wird deutlich, wie sehr die Vorstellungen aus unserem Zeitgefühl
von denen abweichen, die für kosmologische Prozesse anzusetzen sind.
Für die Annahme eines Urknalls bietet sich der Vergleich des wahren
Zeitpunktes und die Reduzierung der Ereignisse auf die Länge eines
Jahres an.
|
Wahrer Zeitpunkt
|
Reduzierter Zeitpunkt
|
Ereignis
|
|
15 Milliarden Jahre
|
1 Jahr
|
"Urknall"
|
|
4,5 Milliarden Jahre
|
3,5 Monate
|
Erstarren der Erdkruste
|
|
3 Milliarden Jahre
|
2,5 Monate
|
Erste Lebewesen
|
|
230 Millionen Jahre
|
5,5 Tage
|
Erste Säugetiere
|
|
2 Millionen Jahre
|
34 Minuten
|
Erste Menschen
|
|
8 Tausend Jahre
|
16 Sekunden
|
Sumerer; erste Städte
|
|
6 Tausend Jahre
|
12 Sekunden
|
Älteste Schrift
|
|
500 Jahre
|
1 Sekunde
|
Kopernikus
|
|
16 Jahre
|
0,03 Sekunden
|
Schüler der 10. Klasse
|
Wenn man ein offenes Weltallmodell mit Urknall annimmt, kann man an
der nachfolgenden log. Zeitskale deutlich machen, wie kurz der Zeitraum
der Existenz der Sonne ist.

Die Frage nach der Zukunft des Alls ist stark von der Gesamtmasse abhängig.
Obige Abbildung nimmt ein offenes Weltall an. Danach dehnt sich das All
in seiner Raumzeit immer weiter aus .Die nachfolgende Abbildung zeigt die
Abhängigkeit des "Weltradius" von der Zeit im offenen und
geschlossenen Weltallmodell (schematisch). An der mit rotem Pfeil markierten
Stelle könnte eine inflationäre Entwicklung stattgefunden haben.
Wenn wir das Alter des Weltalls mit ca. 15 Milliarden Jahren annehmen,
ist der Unterschied zwischen den "Weltradien" im offenen und
geschlossenen Modell nur gering. Wir können heute nicht sicher sagen,
welchen "Weg" das All gehen wird.

Andere
Astronomieseiten von Peter Scheuermann
|