Die Stunde steht im Kontext der Erarbeitung eines wichtigen theoretischen Konzepts von Ökologie und Evolution,- der ökologischen Nische. Dieses Konzept ist nicht ganz einfach zu verstehen und hat in der Vergangenheit häufig Anlaß zu Mißverständnissen gegeben, da der Begriff oftmals vage oder zumindest sehr uneinheitlich verwendet wurde. Tatsächlich handelt es sich keinesfalls - wie das Wort vielleicht suggeriert - um einen konkreten physikalischen Ort, der durch die dort herrschenden biotischen und abiotischen Faktoren beschreibbar wäre. Die heute gültige, allgemein akzeptierte Definition umfaßt vielmehr das gesamte System von funktionalen Beziehungen (Ansprüche an Ernährung, Konkurrenten, Feinde, u.a. Umweltfaktoren), in der eine Art zum Ökosystem steht. Statt mit der Adresse vergleicht man daher die Nische besser mit dem "Beruf" einer Art. Offensichtlich handelt es sich hier um ein mehrdimensionales Problem, das noch dadurch verkompliziert wird, dass sich die einzelnen Faktoren oftmals in ihrer Wirkung beeinflussen (additive Effekte). Um die Schüler nicht zu überfordern, wurden in der vergangenen Stunde zunächst Beispiele von Einzelwirkungen betrachtet. Dies soll in der heutigen Stunde zunächst wieder aufgegriffen werden, bevor dann die kombinierte Wirkung am Beispiel zweier Faktoren (Temperatur/Feuchtigkeit) untersucht wird. Ein wichtiger Schritt besteht darin, die Art der verwendeten Darstellung (AB 3) zu durchschauen. Dies soll durch eine schrittweise aufbauende Vorgehensweise erreicht werden, in der den Schülern durch simple Leitfragen (AB 2/3) gezielte Hilfen gegeben werden. Ist das Schema einmal verstanden, kann es dazu verwendet werden, begründete Überlegungen über die ökologischen Besonderheiten der untersuchten Art anzustellen. Gleichzeitig muß deutlich werden, dass hier eine grobe Vereinfachung vorgenommen wurde, indem aus einer Vielzahl von Faktoren lediglich zwei herausgegriffen wurden. Der Begriff der ökologischen Nische fällt in dieser Stunde noch nicht, das Konzept ist aber soweit vorbereitet, daß es in den folgenden Stunden eingeführt und damit gearbeitet werden kann.
Die SchülerInnen sollen ...
die für graphische Darstellungen (hier: Liniendiagramme) geltenden Richtlinien kennen und selbständig anwenden können;
graphisch dargestellte Ergebnisse unter adäquater Verwendung der Fachsprache korrekt beschreiben können;
Toleranzkurven als solche erkennen und biologisch sinnvoll interpretieren können;
das (additive) Zusammenwirken mehrerer Umweltfaktoren erkennen und biologisch deuten können;
das Thermohygrogramm als Darstellungsmöglichkeit für den kombinierten Einfluß von Temperatur und Feuchte auf ein biologisches Geschehen verstehen können;
Punkte im Thermohygrogramm als biologische Antwort auf eine Kombination zweier konkreter Werte von Temperatur und Feuchte formulieren können;
2-Faktoren-Diagramme (hier: Thermohygrogramme) ökologisch interpretieren und bewerten können.
(Zur Verfügung gestellt und HTMLisiert von Til Kreuels )