Aggression bei Tieren
Einführung
- lat. aggressio = Angriff
- neben Hunger, Sexualität und Fluchtangst ist Aggression einer der vier Instinkte, die
das Verhalten eines Lebewesens festlegen und orientieren
- ist nicht schlechthin ein böser, vernichtender Trieb (höchstens bei Fehlentwicklung
einer Art) sondern ein arterhaltender Instinkt für den eigenen Schutz sowie den Schutz
der Nachkommen und Partner
- = Distanzierungsverhalten
- sorgt für die Schaffung oder Aufrechterhaltung von Distanzen zwischen Artgenossen und
Artfremden
- Distanzierung wird mit verschiedenen Signalen und Verhaltensmustern erreicht
- hat eine eigene Erregungsquelle im Organismus, die bei einem Lebewesen unter bestimmten
Umständen und Schlüsselreizen (z.Bsp.: beim Anblick des Prachtkleides anderer Männchen)
aggressives Verhalten auszulösen vermag
- zugrunde liegende Handlungsbereitschaft wird als Aggressivität bezeichnet
Aggressivität:
- Angriffslust
- die Bereitschaft eines oder mehrerer Individuen, andere Organismen durch bestimmte
Verhaltens - weisen direkt oder indirekt zu schädigen bzw. sie zu zwingen ihre Ziele zu
ändern bzw. ganz aufzuheben
Wann tritt Aggression auf:
- oft an bestimmte Lebensphasen oder Situationen gebunden
- Auseinandersetzungen mit:
Artgenossen:
(intraspezifische Aggression)
- Konkurrenz um Wohn-, Nist-, Futterplätze u. Nahrung sowie um Geschlechts-, Spiel- u.
andere soziale Kontaktpartner
- um Revier u. dessen Verteidigung
- bei Aufrechterhaltung der Individualdistanz
- beim Behaupten oder Erringen von Rangordnungspositionen
- bei der Entwöhnung der Jungtiere von der elterlichen Betreuung
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Artfremde:
(interspezifische Aggression)
- beim Beutefang
- Verteidigung gegen (Freß-)Feinde
- zum Schutz vor Feinden
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- intraspezifische Aggression:
- um Artgenossen zu verdrängen, abzuschrecken oder zu
unterwerfen
- meist ritualisiertes Verhalten zum mehr oder weniger
friedlichen Kräftemessen
- interspezifische Aggression:
- richtet sich gegen Artfremde
- auf Verletzung und Tötung ausgerichtet
Kampfverhindernde Verhaltensweisen:
- man kann verschiedene Formen aggressiven Verhaltens unterscheiden
- am häufigsten sind solche, die eine Beschädigung des Artgenossen verhindern u. die
darüberhinaus kräftesparend sind z. Bsp.:
Drohverhalten
- dient der Einschüchterung oder dem Vertreiben eines Widersachers
- soll ohne Kampfhandlung zur Distanzierung führen
- durch zur Schau stellen ihrer Kampforgane od. andere auffallender Signale (z.B.:
wahrnehmbare Körperoberfläche
vergrößern durch: Spreizen von Gefieder, Sträuben von Fell, Aufblasen von Kehlsäcken,
Aufrichten von Hautkämmen od. Querstellen des Körpers)
- langsame Bewegungen, Warnlaute (knurren)
- kann erste Stufe einer Kampfhandlung sein, meist in ritualisierter Form
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Imponierverhalten
- Tiere zeigen gleiche oder ähnliche Verhaltensweisen wie beim Drohen
- bei Vögeln und Säugern treten Imponierlaute hinzu
- im Zusammenhang mit der Anlockung von Artgenossen des anderen Geschlechts
- Imponiergehabe geht meist von Männchen während der Fortpflanzungszeit aus
- wirkt auf gleichgeschlechtliche Artgenossen distanzierend
- dem Imponieren muss neben der Aggressivität die Handlungsbereitschaft für
Balzverhalten zugrunde liegen
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Fluchtverhalten
- meist erblich festgelegte Form der Feindvermeidung mit Schutz- u. Verteidigungsfunktion
- wird ausgelöst durch die innere Fluchtbereitschaft u. bestimmte Außenreize
(Unterschreitung der Fluchtdistanz durch den Feind, Anblick eines
stärkeren Gegners u.
dessen Drohsignale, Niederlage im Kampf)
- von Verhaltensmustern gekennzeichnet, die die Ergreifung des Flüchtenden erschweren (z.B.
Hakenschlagen beim Hasen)
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Auslöser für Droh- u. Fluchtverhalten kann die Unterschreitung der Fluchtdistanz
(zwischen verschiedenen Arten) bzw. der Individualdistanz (bei Artgenossen) durch Gegner
sein
- diese 3 Verhaltensweisen treten bei innerartlicher und zwischenartlicher Aggression auf
z. Bsp.:
- bei Rangordnungsfragen
- bei der Balz
- beim Beutefang
Kämpfe:
- unter Artgenossen auch echte Kämpfe weit verbreitet
- Komment- u. Beschädigungskämpfe können als Ernstkämpfe
zusammengefasst werden
- mit hohem Kraftaufwand geführte Kämpfe
- verlaufen nach bestimmten Regeln (beim Kommentkampf besonders ausgeprägt), die in
Form von Verhaltensmustern und Signalen häufig angeborenermaßen festgelegt sind
Kommentkämpfe
- intraspezifischer "Durchhaltewettbewerb"
- vermitteln zwischen Drohverhalten und Beschädigungskämpfen
- formalisierte Form des Kampfverhaltens bei Wirbeltieren
- Kräftemessen, nach dem der Unterlegene den Sieger akzeptiert
- bestimmte Regeln schwächen den wohl ursprünglichen Beschädigungskampf ab
- alle Beteiligten halten sich an diese Regeln
- die zur Tötung geeigneten körpereigenen Waffen (Zähne, Giftdrüsen, Krallen, Hufe...)
kommen nicht bzw. nicht in verletzender
Weise zum Einsatz
- artspezifische Kampfregeln schränken die Gefahr von Verletzungen aller Kampfteilnehmer stark ein bzw. schließen sie aus
- Unfälle sind Ausnahmen
- Bsp. (1) bei Huftieren mit Stirnwaffen, deren sprossenreiche Geweihe sich so
ineinander verklemmen können, dass sich die Rivalen nicht mehr trennen können und
zugrunde gehen
- Bsp. (2) Moschusochsen können bei ihren Kampfturnieren so heftig mit ihrer Stirn
aufeinander prallen, dass die Schädel platzen
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Beschädigungskämpfe
- intraspezifische Kämpfe
- körpereigene Waffen werden genutzt, um dem Rivalen schwere Verletzungen zuzufügen
- in der Regel aber Verletzungen, die wieder verheilen
(Biss-, Schlag-, Kratz-,
Quetschwunden)
- außer bei sozial organisierten Insekten (Ameisen, Bienen), die gruppenfremden
Artgenossen, die in die Kolonie gelangen, kompromisslos töten
- aber auch bei Löwen, Primaten u. Wanderratten sind innerartliche Kämpfe mit tödlichem
Ausgang bekannt
- in freier Natur kommt es durch die fast immer gegebene Fluchtmöglichkeit selten zu
lebensgefährlichen Verletzungen oder zum Tod
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Kämpfe spielen insbesondere eine Rolle bei
- der Reviergründung
- der Revierverteidigung
- Auseinandersetzungen um Rangordnungspositionen in Gruppen
- Auseinandersetzungen um Geschlechtspartner
- Beutefangverhalten sollte vom aggressiven Kampfverhalten unterschieden werden
Kampfspiele:
- spielerische Kämpfe werden Ernstkämpfen gegenübergestellt
- bei ihnen fehlt - wie bei allem Spielverhalten- der Ernstbezug
- treten vor allem bei Jungtieren der Raubsäuger und Primaten auf
- dienen
- der Einübung von Bewegungskoordinationen des
Kampfverhaltens
- der Kontrolle eigener Aggression
- führen zu wichtigen Erfahrungen im sozialen Rollenspiel
Formen der Kampfvermeidung:
- Verhaltensformen der Kampfvermeidung schränken die Häufigkeit von
Beschädigungskämpfen ein
- => Fluchtverhalten
- wenn Unterlegene die Flucht ergreifen, ist damit häufig
der Kampf beendet
- Überlegene sieht meistens von einer längeren Verfolgung
des Rivalen ab
- nicht nur verlorene Kämpfe, sondern schon der Anblick
eines Gegners oder dessen Drohsignale lösen häufig Ausweichen oder Flucht aus
- => Demutsverhalten = Teil des Beschwichtigungsverhalten
- - besonderes Signalverhalten mit aggressionshemmender
Wirkung
- Unterlegene zeigt dem Rivalen durch
"Beschwichtigungsgebärden", daß er sich geschlagen gibt
- dadurch werden weiter Angriffe verhindert
- Angriffe, die sich zum Beschädigungskampf entwickeln,
werden verhindert
- der Schwächere demonstriert dem Partner seine sozial
untergeordnete Stellung
- verwundbare Körperstellen werden demonstrativ gezeigt
- Verteidigungs- u. Kampforgane werden von Partner
weggedreht
- oft begleitet von kindlichem Verhalten
- erscheint häufig als Verkleinerung des Körpers
- = Gegenteil des Drohens bei Rivalenkämpfen während der
Fortpflanzungszeit u. bei Rangordnungskämpfen => räumliche oder soziale Distanzierung
- z. Bsp.: Hunde werfen sich auf den Rücken oder nehmen
geduckte Stellung ein und kneifen den Schwanz zwischen die Beine, Buntbarsche falten die
Flossen, Schwäne legen sich flach auf den Boden
Bedeutung aggressiven Verhaltens:
- zur Durchsetzung zahlreicher Verhaltensweisen notwendig
- wird durch die jeweiligen Handlungsbereitschaften aktiviert
- Tiere rivalisieren um viele Ressourcen in aggressiver Weise
- => Aggressionsverhalten hat hohen Selektionswert
- Tiere die nicht kämpfen würden, hätten kaum Überlebens- u. Reproduktionschancen
- trotz negativer Auswirkungen (hoher Energieverbrauch, Verletzungen, evtl. Tod) wurde in
der Evolution das Aggressionsverhalten in keiner Tiergruppe völlig zurückgebildet bzw.
gar nicht erst ausgebildet
nachteilige Auswirkungen wurden vielmehr durch zahlreiche Anpassungen vermindert (drohen,
imponieren => Stärkeverhältnisse klären sich)
(erstellt von Kristin Kern, 12. Klasse, im Rahmen eines Kurzvortrages GK Biologie am
Friedrich-Schiller-Gymnasium
Bad Lausick, 18.3.1998)
Siehe auch => Aggression beim Menschen
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