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Ethische Aspekte der Genetik
Mein Vortrag steht unter dem Aspekt der Ethik in der Biologie. Durch die Buntheit der menschlichen Kultur entsteht eine Vielfalt des moralischen Verhaltens. Dadurch sind auch die ethischen Aspekte vielfältig. In der heutigen Biologie tritt uns die ethische Reflexion dreifach entgegen. Als Bioethik , als evolutionäre Ethik und als epistemologische Ethik. Für meinen Vortrag arbeite ich mit der Bioethik. Im großen und ganzen geht es dort um den Umgang mit Lebewesen in der biologisch - medizinischen Forschung und Praxis. In erster Linie stellt sich die Frage , welche Eingriffe und Experiment die Ehrfurcht vor dem Leben verbietet. Der klinischen Forschung und dem Einsatz von Versuchstieren gilt das besondere Augenmerk. Es besteht heutzutage eine Übereinstimmung darin, dass die Untersuchungen an Menschen das Einverständnis der Betroffenen voraussetzt. Da man die Versuchstiere nicht fragen kann , sollte es eigentlich selbstverständlich sein , den Tieren vermeidbare Qualen zu Ersparen und die Zahl der Versuche auf das notwendige Maß zu beschränken. Natürlich darf man nicht einseitig argumentieren. Eine Überbetonung der bioethischen Argumente könnte wichtige Zweige der Forschung und Entwicklung zum Erliegen bringen , mit unabsehbaren Folgen für Leben und Gesundheit der Menschen. In der Zeitschrift Der Spiegel äußerte sich der Publizist Jürgen Dahl : Der Versuch zu heilen und zu helfen , gerät auf die unterschiedlichste Weise an die Grenzen der Unmenschlichkeit . Hierzu ein Beispiel: Seite 80 unten bzw. 81 weiter. Ich glaube nicht die Einzige zu sein , die dieses handeln des Arztes für unmenschlich hält. Ja , er wollte dem Patienten helfen , aber für welchen Preis ? Er musste höllische Qualen erleiden . Der Arzt geht hier einen Schritt zu weit. Er holt den Menschen aus dem Koma und behandelt ihn wie ein Versuchskaninchen. Aber nicht das Starzl nach diesem kläglich gescheitertem Versuch aufgibt , nein er quält weiter. Hier stellt sich für mich die Frage , warum unser Staat nicht eingreift, warum ein solcher Mann nicht bestraft wird , obwohl ersichtlich ist , dass er das Leben von zwar schon Todgeweihten mit Füßen tritt und sie unter größten Qualen am Leben erhält. Kann man behaupten , fragte sich der Molekularbiologe, Erwin Chargaff , dass die biologischen Wissenschaften in vielen ihrer Bestrebungen auf die Abschaffung des Todes abzielen? Ich fürchte man kann es." Man wirbt mit den Versprechen , Killerkrankheiten , wie Aids und Krebs zu besiegen und das Menschenleben um Jahrzehnte zu verlängern. Vor 15 Jahren gelang es erstmals , das Erbmaterial außerhalb von Organismen - im Reagenzglas - neu zu kombinieren. Trotzdem heißt es , bei der Genetik geht es nicht um die Schaffung eines neuen Menschen .Da fragt man sich doch , warum man zuerst Pflanzen , dann Tiere und jetzt versucht Menschen zu klonen ? Moralisch und ethisch gesehen , empfinden wir dies als falsch. Ein Mensch ist einzigartig , er unterscheidet sich von anderen Menschen durch äußerliche und psychische Eigenschaften. Warum also klonen , wenn es in der Genetik doch nicht um die Schaffung eines neuen , perfekten Menschen geht ? Ebenfalls geht es nicht um die Forschung an Embryonen , die künstliche Befruchtung oder die Leihmutterschaft. Ziel der Genetik wäre es , die Möglichkeiten zur Veränderung des Erbmaterials zu nutzen , um die Lebensgrundlage des Menschen in bezug auf Gesundheit , Ernährung und Umwelt zu sichern. Soviel Angst die Menschheit auch hat , setzt sie große Hoffnungen in die Genetik. Überall haben genetische Methoden Eingang gefunden , ob es sich um Probleme der Mikrobiologie , der Immunbiologie , der Krebsforschung oder um die Untersuchungen von Erbkrankheiten handelt. Man hofft , dass sich aus den hier gewonnen Erkenntnissen über Aufbau und Funktion der menschlichen Gene in Zukunft Mittel und Wege zu einer wirksamen Behandlung zahlreicher Krankheiten , vielleicht sogar Therapien , die am defekten Gen in den Körperzellen selbst ansetzen , finden lassen. Ein Lichtblick in der heutigen Zeit ist , dass man die Diagnose für eine Erbkrankheit bereits stellen kann , noch ehe das Leiden ausgebrochen ist. Schwere Erbleiden können durch Ersatz der defekten Gene in den Körperzellen therapiert werden. So lassen sich z. B. Bakterien genetisch so verändern , dass sie industriell nutzbar sind , etwa in der Pharmaindustrie zur Herstellung von Arzneimitteln und Impfstoffen. Sie produzieren dann in enormer Stoffwechselleistung Substanzen , die sonst gar nicht oder nur sehr aufwendig herstellbar sind. Dafür gibt es Beispiele wie das Insulin oder der erst seit wenigen Jahren hergestellte Faktor VIII , mit dem Bluter behandelt werden. Bisher waren Bluter auf Spenderblut angewiesen - mit all den Gefahren sich mit z.B. Aids oder Hepatitis zu infizieren. Dieser genetisch hergestellte Faktor VIII reduziert dieses Infektionsrisiko auf Null. Fachleute gehen davon aus , dass es nur eine Frage der Zeit ist , bis mit Hilfe der Gentechnik auch bei bisher noch unheilbaren Krankheiten wie Multiple Sklerose , Krebs oder Aids Durchbrüche erzielt werden. Immer schon war die Neugierde stärkste Triebfeder der Forschung. Bei der Anwendung genetischer Methoden aber scheiden sich seit jeher die Geister. Die einen erwarten von der Gentechnik in blindem Fortschrittsglauben die Heilung fast aller Gebrechen dieser Welt ; die anderen sehen in ihr die schlimmste Bedrohung der Spezies Mensch. Neben unabsehbaren biologischen und ökologischen Gefahren prophezeien diese Kassandras (Weissager , die in unserem Staat keine große Beachtung finden), dass die Gentechnik die ethischen Grundlagen menschlichen Zusammenlebens vernichtet. Die eine Position ist so überzogen wie die andere. Richtig ist , dass die Gentechnik neben der Mikroelektronik eine Schlüssellochtechnologie am Ende des 20. Jh.. ist , deren Chancen genutzt werden müssen. Falsch wäre es allerdings , dabei die Ängste der Menschen vor möglichen Risiken und Gefahren der Gentechnik zu ignorieren. Die Frage nach dem Machbaren und Wünschenswerten muss sich daher eine verantwortungsvolle Wissenschaft immer wieder stellen. Die Politik muss daher die Rahmendaten setzen. Fortschritt im Dienste des Menschen ist wünschenswert und zu fördern. Gleichfalls ist es aber auch notwendig , Mensch und Umwelt vor den Gefahren im Umgang mit der Gentechnik zu schützen und den Missbrauch dieser neuen Technik zu verhindern. Bei der Anwendung gentechnischer Methoden in Labor und Produktion steht der sichere Umgang mit genetisch veränderten Organismen im Mittelpunkt. Unmittelbare Gefahren für die menschliche Gesundheit können sich vor allem dort ergeben , wo mit pathogenen Mikroorganismen gentechnisch gearbeitet wird oder bei gentechnischen Arbeiten pathogene Mikroorganismen entstehen. Dieses Risiko ist aber nicht prinzipiell neu. Aus der Impfstoffproduktion sind Methoden der sicheren Handhabung infektiösen Materials seit langem bekannt, die ihre Schutzfunktion auch beim Umgang mit genetisch veränderten Mikroorganismen erfüllen. Bei der Freisetzung genetisch veränderter Organismen in die Umwelt müssen selbstverständlich mögliche schädliche Auswirkungen zuvor abgeschätzt werden. Denn bei Organismen die aus der Umwelt nicht wieder zurück geholt werden können (Bakterien , Fische , Pflanzen) sind Fehler bei der Risikoabschätzung später kaum noch zu korrigieren. Darüber hinaus wirft die Gentechnik auch grundlegende ethische Fragen auf. Schon bei der Anwendung auf Pflanzen und Tiere stellt sich die Frage nach den Grenzen des Eingriffsrechts des Menschen in die Natur. Der Eingriff beim Menschen ist ungleich schwerwiegender zu beurteilen. Die Anwendung der somatischen Gentherapie , die auf die Heilung schwerer Krankheiten abzielt , ist gerechtfertigt und wünschenswert und wird daher allgemein akzeptiert. Ethisch inakzeptabel dagegen sind Eingriffe in die Keimbahn des Menschen deren genetische Veränderung an die Nachkommen weiter gegeben wird und deshalb in Deutschland durch das Embryonenschutzgesetz verboten sind. Wann aber hat eine Frau das Recht , ungeborenes Leben zu töten ? Ethisch gesehen nie, oder ? Was ist , wenn sie vergewaltigt wird oder nicht im Stande ist ihr Kind zu ernähren und großzuziehen ? Was ist wenn sie selber noch ein Kind ist ? Ich denke all diese Fragen kann nur jeder individuell entscheiden. Auch wenn ich sagen würde es ist falsch , wer kann mir versichern , dass ich nicht selber einmal in diese Situation komme ? Jeder sollte dies in dieser Situation für sich entscheiden können. All diese Ängste sind verständlich und begründen den Ruf nach Vorsicht im Umgang mit der Gentechnik. Das darf aber nicht den Blick auf die Wirklichkeit verstellen. Wer ernsthaft über die Chancen und Risiken der Gentechnik nachdenken will , der ist zur Sachlichkeit verpflichtet. Schon seit Jahrzehnten spukt die Horrorvision in den Köpfen der Menschen , dass sich harmlose Bakterien in todbringende Krankheitserreger und krebsverursachende Stämme umwandeln können. Es ist möglich Bakterienstämme so zu verändern , dass sie in einem Krieg als Waffen verwendet werden können. In einem 1978 gehaltenen Vortrags meinte ein führender Molekularbiologe auf dem Gebiet der Rekombinanten - DNA - Forschung zu dieser Problematik , dass hierzu doch sehr viel geballter böser Wille zielgerichtet eingesetzt werden müsse , um solche schrecklichen Visionen zu verwirklichen. Hat aber die Geschichte der Menschheit bis in die heutigen Tage nicht gezeigt , dass genug geballter böser Wille vorhanden ist , wenn die gesellschaftlichen Verhältnisse den Konflikt zwischen Klassen oder Interessengruppen verschärfen ? Ein Appell an den guten Willen wird sicher nicht ausreichen , um die Konstruktion biologischer Waffen mit verheerenden Folgen zu verhindern. Auch die experimentelle Hirnforschung klärt gegenwärtig auf , wie bestimmte Hirninhaltsstoffe auf Gedanken und Gefühle von Lebewesen einwirken. Diese Substanzen sind in der Regel nur in geringen Mengen verfügbar , dadurch können viele experimentelle Arbeiten vorangetrieben werden. Mit Hilfe der Gentechnologie ist es möglich diese Stoffe in großen Mengen herzustellen. Sind solche Psychopharmaka erst einmal in größerem Maßstab verfügbar , dann wächst auch die Gefahr des Missbrauchs. Wenn man z. B. Aggressionen nur auf einen genetischen Defekt zurückführen kann , dann wäre das geistige Klima geschaffen , in dem die Gefahren psychischer Manipulation zur Wirklichkeit werden können. Die Möglichkeit , das politisch Andersdenkende , zu Geisteskranken erklärt werden. Diese Gefahren zu beseitigen ist jedoch ein gesellschaftliches Problem , das nur lösbar ist , wenn in aller Welt die fortschrittlichen Kräfte gestärkt werden. Offensichtlich bleibt die Sicherheit auf der Strecke , wenn es um Schnelligkeit , Priorität und finanziellen Gewinn geht. Unter kapitalistischen Wirtschaftsbedingungen stehen Tür und Tor offen für eine Manipulation der Bedürfnisse der Bevölkerung , bedingt durch die Finanzierung der Forschung durch großen Pharmakakonzerne. Der pharmazeutischen Industrie kann nicht an einer Sättigung des Medikamentenmarktes liegen. Für jedes noch so erhebliche Unwohlsein des Seele oder des menschlichen Körpers gibt es ein Dutzend neuer Medikamente , die verkauft werden wollen. So werden neue Bedürfnisse nach Medikamenten durch trickreiche Werbung geweckt , und es entsteht eine neue schädliche Einstellung zur Krankheit , weil z.B. auch Stress , Müdigkeit , Fresslust oder Depressionen mit Medikamenten behandelt werden , anstatt zuerst nach den eigentlichen Ursachen für solche Leiden zu suchen. Ich möchte nun noch ein Zitat von dem Wissenschaftler Professor Szybalski bringen. " Wie kann man ernsthafte Risiken diskutieren , wenn sie in Wirklichkeit unerheblich und lediglich imaginär sind ? Warum konzentriert man sich nicht auf die Tabak - und Alkoholproblematik , auf die Automobiltechnologie und auf die Waffenforschung , wo es derzeitig beträchtliche Gefahren von großer Tragweite für die Gesellschaft gibt ? Warum nimmt man mit der Rekombinanten - DNA - Technologie gerade die Grundlagenforschung , wo man doch die Wahl der Rekombinanten - DNA - Technologie vergleichen könnte mit der Wahl der Rot - Kreuz - Organisation als eines Modellsystems zum Studium des organisierten Verbrechens , anstatt z.B. den organisierten Drogenhandel zu wählen ? Warum sollen wir die Öffentlichkeit fehlleiten und ihre Aufmerksamkeit ablenken von den ernsthaften Problemen wie Überbevölkerung , Umweltverschmutzung , Vergeudung der Ressourcen , Hungersnöten oder Kriegsgefahren ?" (erarbeitet von Doreen Obst im Februar 98 / Gk Biologie 12. Klasse / Friedrich-Schiller-Gymnasium Bad Lausick) |
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© C. Busse 06. Dezember 2004