ZUM [Internet]

Biologie in Sachsen

Schmetterling

Alle Fächer / Koordinator: C. Busse / E-Mail

 

Reaktion auf die Seite "Sexuelles Verhalten" (Bio 12)

Die folgende E-Mail soll die Diskussion um das Thema bereichern. Erhalten habe ich sie am 27. 7. 98.

                              ++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++

Moin Christian Busse,

per Zufall bin ich auf diese Seite gestoßen. Auch wenn es normal nicht meine
Art ist, komme ich nicht umhin, sie inhaltlich zu zerreißen ;-)

> Ausgangspunkt:
> Die Vögel unserer Heimat brüten im Frühjahr und im Sommer. Hirsche haben
> ihre Brunft im Herbst. Damit haben die Jungtiere bei beiden später
> optimale Bedingungen zur Entwicklung. Weibchen und Männchen sind nur
> während der Zeit der Paarung sexuell gestimmt. Dagegen kommt es beim
> Menschen während des gesamten Jahres zur Eiproduktion und zur
> Spermienbildung.
Schon dieser Ausgangspunkt ist imho falsch. Unter den Begriff falsch muss ich
auch schon dann etwas fassen, wenn es unvollständig ist. Der Begriff "Tier"
ist so umfassend, dass eine Projektion einer solch kleinen Auswahl auf die
Gesamtmenge schon im Ansatz schief gehen muss.
Beispiel Bonobo, er ist (nach meinen Informationen) über das ganze Jahr
hinweg empfängnisfähig, sowohl das Weibchen wie das Männchen. Für den
Hunderüden gilt das gleiche, wenn er etwas zum begatten findet, dann kann er
dies auch zu jeder Jahreszeit tun.

Die Unterschiede weisen einige Ungereimtheiten auf. Als größter Punkt ist
wohl die Zeit anzumerken. Nicht neu ist die Erkenntnis, dass Primaten eine
ausgiebige Sexualität nur zum Zwecke der sozialen Bindung in der Gruppe
zeigen. Bonobos könnte man geradezu als Paradebeispiel für ein sündiges
Verhalten aus Sicht der Kirche nehmen. Sie kopulieren mehrmals pro Tag und
zeigen auch viele Verhaltensweisen der menschlichen Sexualität.
Aber auch bei anderen Arten findet man ähnliches. Hengste können bis zur
Ejakulation masturbieren, indem sie ihr Glied gegen den Bauch schlagen,
Elephanten saugen mit dem Rüssel an ihrem Glied (vgl. Spiegel 30/98, S.141),
dort ist auch noch einiges interessante mehr beschrieben.
In de.rec.tiere.katzen beschrieben mehrerer unabhängig voneinander, dass sich
ihre (z.T. sogar kastrierten Kater) ausgiebig an Bettdecken oder ähnlichem
ausließen, ebenfalls bis zur Ejakulation.

Ebenfalls die Orgasmusfähigkeit in Frage zu stellen sollte nach obigem Absatz
überdacht werden. Der Spiegel schreibt in obigem Artikel dazu:
"Wenn der Bärenmakak den selbstfabrizierten Höhepunkt erreicht, bebt der
ganze Körper, der Mund formt sich zu einem 'O'. Manche Biologen vermuten
gar, dass sich die gesamte höhere Fauna gelegentlich dem eigenen Genital
zuwendet."
Ähnliches wird jeder kennen, der seine rollige Katze von der Rolligkeit
"erlösen" will, wo aber die Kastration wegen Zucht u.ä. nicht in Frage
kommt. Schon wenn sie selber ausversehen mit ihrem Genital gegen einen
Gegenstand kommt gerät sie in Wallung, stimuliert man sie, wie es sonst nur
der Kater tut, bebt der ganze Körper. (Bem.: Jeder Züchter beendet auf diese
Art die Rolligkeit, es ist nur in der Öffentlichkeit nicht allzu sehr
bekannt)
Auch wenn man Hunderüden betrachtet, muss man zu dem Ergebnis kommen, dass sie
einen Orgasmus erleben können. Kinsey berichtete schon 1948, dass ein Rüde,
wenn man ihn masturbiert, dieses Erlebnis wiederholen möchte und sogar u.U.
den Menschen einer Hündin vorziehe.
Natürlich lassen sich alle diese Verhaltensweisen auch anderes erklären.
Aber die einfachste und konsistenteste Erklärung kann nur lauten, dass auch
Tiere einen Orgasmus erleben können.

Es ist eine Frage, ob man ausgehend von den in Jahrhunderten geprägten
christlichen Moralvorstellungen an die Beantwortung dieser Frage geht, oder
ob man sich davon lösen kann. Der Unterschied zwischen einem lockeren
Biologie-Lehrer der 68'er Generation und einem aus einer Pastorenfamilie war
enorm, der letzter war wissenschaftlich betrachtet eine Katastrophe. (nichts
gegen Pastoren, es gibt solche und solche ;-) )

Ich habe dennoch beobachtet, dass vor allem in der Schule dem ersten gefolgt
und nur gesehen wird, was gesehen werden will, vielleicht sogar unbewusst.
Wir wurden auch in einigen Fragen sehr schonend behandelt, ja keinen Stoff
präsentieren, über den sich nachher Eltern aufregen könnten, allerdings ist
ein 12. Jg (GK oder LK?) schon volljährig. So sollte man ohne Vorurteile an
eine solche Untersuchung herangehen und auch überraschende Ergebnisse
akzeptieren.
M.T.
                                  ++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++

Danke für die Anregungen und Hinweise. So macht Schule wieder Spaß.
Verlassen wir ab und zu die eingefahrenen Bahnen !!!

Zurück

Zurück

Zurück zur Übersicht 12. Klasse


© C. Busse 06. Dezember 2004

Suche in ZUM.DE, ZUM-Wiki, ZUM-Unity und Digitale Schule Bayern
Der Partnershop mit Amazon

unterstützt die Arbeit der ZUM


ZUM Backlink - Rechtlicher Hinweis - Serverstatistik - Mitgliedschaft - Partner - Download ZUM-Flyer
© 1997 - 2012 ZUM Internet e.V.