Versuche zur Anorganischen Chemie (Sekundarstufe I)
von Werner Schötschel
Einführung in die Chemie; Abgrenzung der Chemie gegenüber der Physik
1. Chemische Zaubertränke
1 Becherglas (600 ml) und 5
Stehkolben (je 500 ml); mehrere Tropfpipetten
Kolben 1: 5
Tropfen Natronlauge oder Kalilauge (Die vorrätige Lösung enthält 16 g NaOH bzw.
21g KOH in 100 ml Aqua purificata.)
Kolben 2: 3
Tropfen Phenolphthalein
Kolben 3: 10
Tropfen einer Lösung von 1 g Eisen(III)-chlorid-6-hydrat in 10 ml Aqua purificata
Kolben 4: 5
Tropfen einer Lösung von 4 g Kaliumthiocyanat in 10 ml Aqua purificata + 5
Tropfen Natronlauge oder Kalilauge (siehe oben!)
Kolben 5: 4
Tropfen einer Lösung von 1 g gelbem Blutlaugensalz = Kalium-hexacyanoferrat(II)
in 10 ml Aqua purificata, daneben (nicht vermischen, da sonst eine weiße
Trübung auftritt!) 5 Tropfen konzentrierte Schwefelsäure (Angaben genau
einhalten: Verwendet man zu wenig Blutlaugensalz, so entsteht eine grüne Lösung,
verwendet man zu viel Blutlaugensalz, so wird die Blaufärbung zu intensiv!)
In Kolben 1 wird aus dem
Becherglas Leitungswasser gegeben und dann der Inhalt der einzelnen Kolben
jeweils in den nächsten Kolben umgefüllt. Beim Ausgießen behält man in jedem
Kolben eine geringe Menge der Flüssigkeit zum späteren Vergleich zurück:
farblos - rotviolett - gelb - erdbeerrot - blau. Die Kolben sollten trocken
sein, da sonst in Kolben 2 eine milchige Trübung auftritt. In alle Kolben
werden die Flüssigkeiten mit Tropfpipetten tropfenweise an verschiedenen Stellen
des Kolbenbodens aufgebracht.
2. Unterschied zwischen einem
physikalischen und einem chemischen Vorgang
a) Weißes ZnO wird im Reagenzglas
trocken erhitzt: gelbe Verfärbung. Beim Abkühlen kehrt die weiße Farbe wieder
zurück.
b) Ein Stück Mg-Band wird
verbrannt.
3. Beispiele für chemische
Vorgänge
a) Je 1 kleine Spatelspitze (!)
Schwefelpulver und Kaliumchlorat (beide geruchlos!) werden vorsichtig (!)
gemischt: physikalischer Vorgang. Eine geringe Menge des Gemisches wird in
einer Reibschale zerrieben: kleine Explosionen, stechender Geruch.
b) Auf ein Gemisch aus feinem
Zucker und Kaliumchlorat (je 1 Spatellöffel) lässt man aus einer Pipette
konzentrierte Schwefelsäure tropfen: Feuererscheinung, Entstehung von
"Kohle". (Verbund-stein oder Ziegelstein als Unterlage; Abzug)
c) Ein Stück weißer Phosphor wird
in Kohlenstoffdisulfid gelöst und die Lösung auf Filtrierpapier geschüttet:
Nach einiger Zeit entzündet sich der Phosphor.
d) In einem Reagenzglas wird ein
Stück Schwefeleisen mit verdünnter Salzsäure übergossen: Unter Aufschäumen
entweicht ein Gas, das wie faule Eier riecht.
e) In einem Reagenzglas wird zu
einer Kochsalz-Lösung eine Lösung von Silbernitrat gegeben: Es entsteht ein
weißer Niederschlag, der sich am Licht dunkel färbt. (2 Gläser; festes AgNO3
zeigen)
Metalle und Legierungen
4. Silberglänzendes Natrium
In einem verkürzten Reagenzglas (180 mm × 18
mm, Ring von 20 mm Höhe abgesprengt) schmilzt man einige Stückchen Natrium (nur
grob von der Kruste befreit) in etwas Petroleum als Schutzflüssigkeit. Man
verwendet am besten einen Thermostaten oder einen regulierbaren Elektrobrenner.
Durch Rühren mit einem Draht bringt man die Metalltropfen zum Zusammenfließen.
Dann taucht man langsam ein kleines Reagenzglas (160 mm × 16
mm) mit durchbohrtem Boden in die Schmelze ein: In das innere Reagenzglas
fließt fast reines, silberglänzendes Natrium. Vor dem Erstarren stellt man
einen gebogenen Draht ein; mit ihm kann man die Metallstange nach dem Erkalten
der Schmelze herausziehen.
oder: In die Schmelze wird
ein Reagenzglas oder ein zugeschmolzenes Rohr oder ein Glasstab eingetaucht
und erst nach dem Erstarren der Schmelze herausgezogen. Das herausgequetschte
Metall liegt der Glaswand an; es zeigt und behält seinen Silberglanz sehr gut.
Literatur: MNU, 24. Band (1971), Heft 3, S. 158-159
5. Schmelzen eines Löffels aus
Wood-Legierung
In ein Becherglas wird heißes
Wasser gefüllt und ein aus Wood-Legierung gegossener Löffel eingetaucht. (Der
Löffel wird in einer aus Gips hergestellten zweiteiligen Gussform hergestellt.)
6. "Versilbern" und
"Vergolden" von Kupfermünzen
Einige Kupfermünzen werden mit
verdünnter Salzsäure gereinigt. Die Münzen übergießt man in einem kleinen
Becherglas mit einigen ml Natronlauge, gibt eine Spatelspitze Zinkstaub hinzu
und erhitzt bis zum Sieden (Umrühren mit einem Glasstab!). Nach etwa einer
Minute nimmt man die Münzen mit einer Tiegelzange aus dem Glas, spült sie mit
Wasser gut ab und reibt sie mit einem Tuch blank. Die Münzen haben sich mit
einer silberglänzenden Zinkschicht überzogen.
Hält man nun eine verzinkte Münze
mit der Tiegelzange kurz in die Flamme des Bunsenbrenners, so bildet sich ein
"goldener" Messingüberzug. (Wechsel der Farbe beobachten und nicht zu lange
erhitzen!)
Gemenge und Verbindungen
7. Herstellung von
Schwefeleisen
14 g Eisenpulver und 8 g
Schwefelpulver werden so lange in einer Reibschale gerieben, bis ein
gleichmäßig graues Pulver entsteht: Lupe; Magnet; mit Wasser schütteln; mit CS2
übergießen und filtrieren; mit Salzsäure übergießen.
Ein Reagenzglas wird etwa zur
Hälfte mit dem Eisen-Schwefel-Gemisch gefüllt und der obere (!) Teil der Mischung
mit dem Bunsenbrenner erhitzt. Nach der Zündung des Gemisches wird die Flamme
entfernt. Das Gemisch glüht durch: Magnet; Schlämmen; CS2;
Salzsäure.
Oxidationen von Metallen
und Brennstoffen und die Zusammensetzung der Luft
8. Verhalten von Metallen beim
Erhitzen an der Luft
Drähte aus Cu, Fe, Pt und Mg
werden in der Bunsenflamme erhitzt.
9. Untersuchung der
Zusammensetzung der Luft
2 Kolbenprober; Quarzrohr mit
Kupferdrahtnetz

Nach dem Versuch wird das Restgas
in einen Kolbenprober gezogen und über Wasser in einem kleinen Standzylinder
aufgefangen (Abdeckplatte!): Stickstoffnachweis mit einem brennenden Span.
Anmerkung zum Versuch mit der schwimmenden Kerze für den Nachweis der
Zusammensetzung der Luft:
Das Experiment ist
grundsätzlich falsch!
1.) Wenn die Kerze erlischt, ist
der Sauerstoffgehalt der Verbrennungsluft erst von 21 % auf 16 % gesunken.
2.) z.B.
2 C20H42 (s)
+ 61 O2 (g)
40 CO2 (g)
+ 42 H2O (l)
Die Volumina des festen Paraffins
und des nach der Abkühlung wieder flüssigen Wassers können vernachlässigt
werden. Da keine Durchmischung erfolgt, löst sich kaum CO2 in der
Sperrflüssigkeit. Die Volumenverminderung würde also nur rund 1/3
des Sauerstoffvolumens bzw. 1/15 des Luftvolumens
betragen, das sind rund 7 % (unter der falschen Annahme, dass der Sauerstoff in
der Luft durch die Kerze restlos verbraucht wird!).
3.) Das Ansteigen des Wasserspiegels ist hauptsächlich
darauf zurückzuführen, dass die Kerzenflamme die Luft in dem Abdeckgefäß vor
dem Verschließen des Gefäßes erwärmt und sich der Gasinhalt in dem Gefäß nach
dem Erlöschen der Kerze wieder zusammenzieht.
10. Verbrennung von Eisenwolle
auf der Waage
Ein Bausch Eisenwolle wird fein
auseinandergezupft und an dem einen Ende eines Waagebalkens befestigt. Die
Waage wird austariert und dann der lockere Bausch mit einem Streichholz oder
einer Taschenlampenbatterie entzündet. Die Eisenwolle verfärbt sich blauschwarz
und wird deutlich schwerer. (Es bildet sich Fe3O4.)
11. Versuch zur Demonstration
des Gesetzes von der Erhaltung der Masse
Ein Blitzlichtbirnchen
(Drahtgespinst einer Aluminiumlegierung in Sauerstoff) erfährt durch das Abbrennen
keine Massenänderung.
Bunsenbrenner und
Flammenfärbung
12. Versuche zur Funktion des
Bunsenbrenners
a) Versuche zum Durchschlagen und
Wegblasen der Flamme mit dem Bunsenbrennermodell (langes, senkrecht
eingespanntes Glasrohr von 2 cm Durchmesser und rund 25 cm Länge, dessen unteres
Ende mit einem durchbohrten Stopfen verschlossen ist, in dem ein Glasröhrchen
zur Gaszufuhr steckt)
ferner: Das Brennerrohr
eines Bunsenbrenners wird abgeschraubt und das Gas an der Düse entzündet.
Hinweis: Wenn noch ein
alter Kokereigasbrenner vorhanden ist, kann damit das Durchschlagen und
Wegblasen der Flamme sehr gut gezeigt werden.
b) Versuche über die
Temperaturverteilung in der nicht leuchtenden Flamme: Drahtnetz waagerecht
und senkrecht in die Flamme halten (Raum verdunkeln!); Holzstab in die Flamme
halten; Streichholz rasch mit dem Köpfchen in den Innenkegel einführen.
Rußende Flamme: Eine
Porzellanschale wird dicht über dem Brennerrohr in den Saum einer mittelgroßen
(ca. 15 cm hohen), leuchtenden Flamme eines Teclubrenners gehalten.
13. Versuche zur
Flammenfärbung
Mit einer Platinöse werden Spuren von Verbindungen der
Metalle Lithium, Natrium, Kalium, Calcium und Kupfer in den Saum der nicht
leuchtenden Bunsenflamme gebracht. Zur Betrachtung der roten "Lithiumflamme"
und der gelben "Natriumflamme" werden Taschenspektroskope ausgeteilt.
Zerlegung von Oxiden und der Sauerstoff
14. Zerlegung von
Quecksilberoxid (oder Silberoxid)
2 g Quecksilberoxid werden in einem schwer schmelzbaren
"Bajonettrohr" mit einem Frankebrenner stark erhitzt (Ableitungsrohr, pneumatische
Wanne) und der Sauerstoff in einem mittelgroßen (ca. 75 ml fassenden)
Standzylinder aufgefangen. (Die stöchiometrische Berechnung ergibt, dass man
zur Herstellung von 100 ml Sauerstoff im Normzustand rund 1,94 g
Quecksilberoxid benötigt!)
Ein glimmender Span wird mehrmals
und dabei immer tiefer in den Sauerstoff eingeführt: Der Span flammt auf.
Die Quecksilberkügelchen und die
Reste von Quecksilberoxid werden nach der Versuchsauswertung in
konzentrierter Salpetersäure gelöst und die Lösung in die Flasche für Abfälle
mit Schwermetall-Ionen gefüllt.
Anmerkung: Das
Quecksilberoxid kann durch das nicht giftige Silberoxid ersetzt werden. Man
kann dann statt des Bajonettrohrs ein schwer schmelzbares Reagenzglas
verwenden und kommt mit einem normalen Teclubrenner aus. Man wiegt 2 g Silberoxid
ein. (Die stöchiometrische Berechnung ergibt, dass man zur Herstellung von 100
ml Sauerstoff im Normzustand rund 2,07 g Silberoxid benötigt!) In dem
Reagenzglas erhält man ein weißgraues Pulver, das verhältnismäßig fest an dem
Glas angebacken ist. Mit einem langen Spatel kratzt man das Pulver vom
Glasboden ab, gibt es in einen Metallmörser und glättet das Pulver mit dem
Pistill so lange, bis die Oberfläche silbernen Glanz zeigt.
15. Verbrennung von Eisen in
reinem Sauerstoff
In einem hohen Obstglas mit
Schraubverschluss wird der Boden mit einer Sandschicht bedeckt. Das Glas wird
mit Sauerstoff aus der Stahlflasche gefüllt und dann ein Bausch entzündete
Eisenwolle in das Glas geworfen.
16. Darstellung von Sauerstoff
aus Kaliumchlorat
In ein Reagenzglas werden 1 g
KClO3 und 0,7 g MnO2 eingefüllt und durch Schütteln im
Reagenzglas gemischt (nicht in der Reibschale zusammenreiben!). Das Gemisch
wird schwach erwärmt. Das entweichende Gas wird über Wasser in einem mittelgroßen
Standzylinder aufgefangen und mit einem glimmenden Span als Sauerstoff
identifiziert.
Anmerkung: Der
aufgefangene Sauerstoff enthält einen weißen Rauch. Hierbei dürfte es sich um
sublimiertes Kaliumchlorid handeln, denn beim Schütteln mit Wasser und
Hinzufügen von Silbernitrat-Lösung entsteht eine Trübung!
Hinweis: Erhitzung von
KClO3 ohne MnO2 kann zu explosionsartiger Gasentwicklung
führen!
17. Verbrauch von Sauerstoff
beim Atmen
Bei gefüllten Lungen wird längere
Zeit der Atem angehalten und dann die ausgeatmete Luft über Wasser in einem
Standzylinder aufgefangen. Ein brennender Span erlischt.
Säuren und Laugen
18. Eigenschaften von Säuren
und Laugen
a) Stark verdünnte Salzsäure oder
Essig von einigen Schülern schmecken lassen; in die Flüssigkeit
Lackmus-Lösung geben.
b) Verdünnte Natronlauge bzw.
Seifenlösung fühlt sich "schlüpfrig" an: Unebenheiten der Haut werden
weggeätzt. Lackmus-Lösung hinzugeben.
19. Verwendung von
Rotkrautbrühe als Säure-Base-Indikator
Zu Hause werden einige
Rotkohlblätter gekocht und gut ausgedrückt.
a) Einige Tropfen Rotkrautbrühe
werden in verdünnte Salzsäure gegeben: Rotfärbung.
b) Einige Tropfen Rotkrautbrühe
werden in Seifenlösung gegeben: Blaufärbung. (Verwendet man verdünnte
Natronlauge, so tritt eine grüne Farbe auf, die bald nach Gelb umschlägt.)
20. Verbrennung von Schwefel
und Herstellung von Schwefliger Säure
In einem Verbrennungslöffel wird
Schwefel verbrannt (hellblaue Flamme, stechender Geruch). Der brennende
Schwefel wird in einen mit Sauerstoff gefüllten Standzylinder eingeführt. Er
brennt mit hellerer Flamme weiter. In den Standzylinder gibt man einige
Milliliter Wasser. Dann wird der Standzylinder mit einer Abdeckscheibe
verschlossen und geschüttelt: Die Scheibe haftet fest (Unterdruck, d.h. das
Oxid des Schwefels muss sich im Wasser gelöst haben!); blaues Lackmuspapier
wird durch die Lösung rot gefärbt.
21. Verbrennung von Phosphor
und Herstellung von Phosphorsäure
Ein erbsengroßes Stück weißer
Phosphor wird abgeschnitten, mit Filtrierpapier abgetrocknet und in einem
Verbrennungslöffel entzündet. Der Löffel wird in einen mit Sauerstoff gefüllten
Standzylinder eingeführt und der Standzylinder mit einer Scheibe abgedeckt.
An der Wand des Zylinders entsteht ein weißer Niederschlag. In den
Standzylinder gibt man einige Milliliter Wasser, schüttelt und prüft mit Lackmuspapier.
22. Verbrennung von Holzkohle
und Herstellung von Kohlensäure
Ein Stück Holzkohle wird an einem
Draht befestigt, in die Bunsenflamme gehalten und dann die glimmende Holzkohle
in einen mit Sauerstoff gefüllten Standzylinder eingeführt. Die Holzkohle
glüht hell auf. In den Standzylinder gibt man einige Milliliter Eiswasser und
ein Stück blaues Lackmuspapier und verschließt ihn mit einer Abdeckscheibe.
Wird der Standzylinder längere Zeit kräftig geschüttelt, so haftet die
Abdeckscheibe fest, und das Lackmuspapier färbt sich schwach rot.
23. Verbrennung von Natrium
und Herstellung von Natronlauge
Ein erbsengroßes Stück Natrium
wird abgeschnitten, entrindet und das anhaftende Petroleum sauber mit einem
Filtrierpapier entfernt. Anschließend wird das Natriumstückchen in etwas
Benzin geschwenkt, mit Filtrierpapier abgetupft, auf einen Porzellanscherben
gebracht und von oben erhitzt. Nach dem Erkalten wird das Oxid in Wasser
gelöst: Die Lösung ätzt die Haut und färbt rotes Lackmuspapier blau.
24. Verbrennung von Kalium und
Herstellung von Kalilauge
Der Versuch 13.1. wird mit Kalium
wiederholt. (Das Kaliumstück darf nicht zu klein sein, d.h. gut erbsengroß; es
wird nur so lange langsam von oben erhitzt, bis die Bildung des gelben Oxids
beginnt; dann wird von unten weiter erhitzt.)
Hinweis: Die Verbrennung
von Calcium kann nicht gezeigt werden, da die im Handel erhältlichen
Calciumspäne zu dick sind und auch mit einem Frankebrenner nicht zur Entzündung
gebracht werden können. Dünne Calciumspäne - wie sie früher von der
französischen Firma Prolabo bezogen werden konnten - werden im deutschen
Chemikalienhandel nicht angeboten.
25. Verbrennung von Magnesium
und Blaufärbung von Lackmuspapier durch Magnesiumoxid
Ein Stück blank geschmirgeltes
Magnesiumband wird mit der Tiegelzange in die Bunsenflamme gehalten. Das
entstehende weiße Oxid wird dann in ein kleines Becherglas gebracht, in dem
sich etwas Wasser befindet: Rotes Lackmuspapier zeigt keinen Farbumschlag!
Drückt man aber ein Bröckchen des Oxids mit dem Spatel auf feuchtes, rotes
Lackmuspapier, so zeigt sich eine Blaufärbung.
26. Unlöslichkeit von
Eisenoxid und Kupferoxid
In 2 kleinen Bechergläsern wird
etwas Eisenoxid bzw. Kupferoxid mit jeweils einigen Millilitern Wasser
verrührt. Die Oxide lösen sich nicht. Auch wenn die Oxide auf feuchtes, rotes
Lackmuspapier gedrückt werden, zeigt sich kein Farbumschlag.
Das Wasser
27. Lösefähigkeit des Wassers
für Gase und Flüssigkeiten
a) Frisches Leitungswasser wird
in einem Reagenzglas erwärmt: Es steigen Luftbläschen auf.
b)

Ein Stehkolben wird mit
Leitungswasser gefüllt, in ein mit Wasser gefülltes hohes Becherglas eingeführt
und ein Stopfen mit weitem Glasrohr so aufgesetzt, dass keine Luftblase
zurückbleibt. (Das Glasrohr darf nicht über den inneren Stopfenrand
hervorragen, sonst sammeln sich die Gasblasen unter dem Stopfen an!) Dann wird
ein größeres Reagenzglas mit Wasser gefüllt, ohne Luftblaseneinschluss mit
einem Stopfen verschlossen, mit der Mündung nach unten in das wassergefüllte
Becherglas eingetaucht und nach Entfernen des Stopfens über das Glasrohr
gesetzt. Anschließend wird das Becherglas auf einem Vierfuß erhitzt.
(Versuch zu Beginn der Stunde ansetzen!)
c) Ein Eiswürfel wird gezeigt:
zahlreiche Luftblasen.
d) Eine Sprudelflasche wird
geöffnet: Es entweichen Bläschen von Kohlenstoffdioxid. - Wird abgestandener
Sprudel erwärmt, so steigen erneut CO2-Bläschen auf.
e) Essigessenz und Alkohol lösen
sich in Wasser, Benzin und Olivenöl dagegen nicht.
28. Unterschiedliche
Lösefähigkeit des Wassers für feste Stoffe
In ein großes Reagenzglas mit
Schraubverschluss werden 8 g Kochsalz, in ein anderes 8 g Kalialaun gegeben.
Mit einem Messzylinder füllt man in jedes Glas 20 ml Leitungswasser. Man schüttelt
den Inhalt der beiden Gläser gut durch und lässt absetzen. Vom Kochsalz löst
sich mehr auf als vom Kalialaun.
Werden beide Gläser in einem
Wasserbad erwärmt, so löst sich der Kalialaun vollständig auf; vom Kochsalz
bleibt auch in heißem Wasser ein Teil ungelöst.
Beim Abkühlen scheidet sich - bis
zur nächsten Unterrichtsstunde - wieder Kalialaun aus. (Beide Reagenzgläser
zuschrauben!)
29. Eigenschaften von
gesättigten Lösungen
Es wird eine gesättigte
Kochsalz-Lösung hergestellt, die klare Lösung in ein Becherglas dekantiert und
ein Stück Würfelzucker darin gelöst.
30. Abkühlung von Wasser beim
Auflösen von Salmiak
Einige Löffel Salmiak werden in
wenig Wasser aufgelöst. Die Lösung kühlt sich stark ab (Demonstrationsthermometer!).
31. Dichte von Lösungen
(Schlierenbildung)

In ein Reagenzglas mit
durchbohrtem Boden werden einige große Kristalle von Kaliumpermanganat
gegeben, das Reagenzglas senkrecht in einem Stativ gehaltert und ein mit Wasser
gefülltes Becherglas mit Hilfe eines Laborlifts langsam von unten an das
Reagenzglas herangeführt, bis die Bodenöffnung des Reagenzglases in das Wasser
eintaucht: Die Kaliumpermanganat-Kristalle lösen sich, und violette Schlieren
sinken auf den Boden des Becherglases.
32. Diffusion von Lösungen
(kleine Petrischale auf
Overhead-Projektor!)

33. Destillation einer Kaliumpermanganat-Lösung

(Eine nur schwach rot gefärbte
Kaliumpermanganat-Lösung verwenden!)
34. Hygroskopische Eigenschaft
verschiedener Stoffe
a) Einige Plätzchen ätznatron
werden auf eine Uhrglasschale gelegt: Sie ziehen die Feuchtigkeit aus der Luft
an und zerfließen.
b) Tetraphosphordecaoxid wird in dünner Schicht (!) auf
einen Spatel gegeben und nach einiger Zeit der Spatel umgedreht: Das Pulver
haftet an dem Spatel.
35. Reduktion von Wasserdampf durch erhitztes Magnesium

(Hinweise: schwer
schmelzbares Reagenzglas; Sand mit einer langen Pipette anfeuchten, ohne die
Wand des Reagenzglases oberhalb des Sandes zu benetzen; Magnesiumband blank
schmirgeln und um einen Bleistift wickeln; Glas in Stativ einspannen; Magnesium
sehr stark erhitzen, dann Sand schwach erwärmen: Magnesium glüht auf; Wasserstoff
entzünden; Rückstand an Farbe und Zerreibbarkeit sowie durch Aufdrücken auf
feuchtes rotes Lackmuspapier als Magnesiumoxid identifizieren.)
oder: In einen Rundkolben
(250 ml) werden ca. 100 ml Aqua purificata und einige Siedesteinchen gegeben.
Der Rundkolben wird über ein rechtwinklig gebogenes Glasröhrchen mit einem ca.
30 cm langen, schwer schmelzbaren Glasrohr verbunden, in dem zwischen zwei
Pfropfen aus Glaswolle ein mit Magnesiumpulver gefülltes Porzellanschiffchen
steht. Das andere Ende des Reaktionsrohres wird mit einem durchbohrten Stopfen
verschlossen, in dem ein rechtwinklig gebogenes Glasröhrchen steckt. Dann wird
das Wasser im Rundkolben mit einem Teclubrenner aufgeheizt. Wenn es gleichmäßig
kocht, wird mit einem zweiten Teclubrenner das Porzellanschiffchen von unten
kräftig erhitzt. Das Magnesium glüht hell auf und verwandelt sich in ein weißes
Pulver. Das aus dem Ableitungsrohr entströmende Gas kann nun entzündet werden.
(Die Glaswolle zwischen
Porzellanschiffchen und Ableitungsröhrchen dient als Rückschlagsicherung, die
Glaswolle vor dem Porzellanschiffchen verhindert, dass größere Wassertropfen
mit dem Wasserdampf über das Porzellanschiffchen geführt werden.)
36. Wasser als
Verbrennungsprodukt des Wasserstoffs

An eine Wasserstoffflasche wird über eine mit
konzentrierter Schwefelsäure beschickte Drechselsche Waschflasche durch einen
langen Gummischlauch ein 10 cm langes, etwa 15 mm weites Glasrohr
angeschlossen, dessen Mündung nur wenig (auf etwa 12 mm) verengt sein darf. In
das Glasrohr, das in einem Korkstopfen steckt, stopft man einen festen Bausch
von Glaswolle. Der über der Mündung des Glasrohres hängende Trichter - aus
Blech oder Glas - soll eine Weite von 6 bis 8 cm besitzen. Von dem Trichter
führt ein weites (!) Glasrohr zu dem Gasverflüssigungsapparat. Dieses Rohr wird
mit dem Trichterrohr, dessen Ende gerade abgeschnitten sein muss, durch ein mit
Isolierpapier ausgelegtes Stück Gummischlauch verbunden. Das Ableitungsrohr
des Gasverflüssigers wird durch einen Schlauch mit einer Wasserstrahlpumpe
verbunden. Der Kühl-Einsatz des Gasver-
flüssigers wird mit Eiswasser gefüllt. Man entfernt das
Brennerrohr aus der Klammer, schickt einen Wasserstoffstrom durch die
Waschflasche und prüft das ausströmende Gas auf Knallgasfreiheit. Darauf wird
der Wasserstoff entzündet und zunächst eine kleine Flamme eingestellt. Der Brenner
wird in der Klammer so befestigt, dass die Flamme schräg nach oben gerichtet
ist. Nun setzt man die Wasserstrahlpumpe in Gang (Wasser nicht zu schnell
laufen lassen!) und vergrößert allmählich die Wasserstoffflamme. Nach wenigen
Augenblicken beginnt die Kondensation des Wasserdampfes in dem
Gasverflüssiger. Wenn sich eine ausreichende Menge Wasser angesammelt hat,
werden Wasserstrahlpumpe und Wasserstoffstrom abgestellt. Man entfernt den
Gasverflüssiger aus der Apparatur und identifiziert das Reaktionsprodukt z.B.
mit wasserfreiem Kupfersulfat.
Literatur: H. Rheinboldt:
Chemische Unterrichtsversuche, 2. Auflage, S. 117, Versuch 69
Wasserstoff
37. Eigenschaften des
Wasserstoffs
a) Unter ein Becherglas, das mit
der Öffnung nach unten auf einer austarierten Balkenwaage steht, wird
Wasserstoff geleitet. Der das Becherglas tragende Arm der Waage hebt sich.
ferner: Ein
Kunststoffbeutel oder Luftballon wird mit Wasserstoff gefüllt: Er schwebt zur
Decke.
b)

Ein Standzylinder wird unter
Wasser mit Wasserstoff gefüllt, mit einem Stopfen verschlossen und mit der
Mündung nach unten in ein Stativ eingespannt. Nach Entfernung des Stopfens und
Verdunklung des Raums wird langsam von unten eine an einem Draht befestigte
brennende Kerze in den Zylinder eingeführt. Das Gas entzündet sich und brennt
an der Öffnung, die Kerze aber erlischt im Innern des Gefäßes. Wird die Kerze
langsam wieder herausgezogen, so entzündet sie sich an der Wasserstoffflamme.
c) Aus einem Specksteinbrenner
verbrennt Wasserstoff mit farbloser Flamme.
d) 4 Reagenzgläser werden zu 2/3,
1/2, 1/3 und 1/6
mit Wasser gefüllt. In einer pneumatischen Wanne wird das Wasser in den Gläsern
langsam (!) durch Wasserstoff verdrängt. Nacheinander wird bei jedem
Reagenzglas die Mündung unter Wasser mit dem Daumen verschlossen, der Inhalt
durch mehrmaliges Kippen des Glases gemischt und die Gasmischung an einer
Bunsenflamme entzündet. Die Wasserstoff-Luft-Gemische explodieren mit
pfeifendem, unterschiedlich lautem Knall.
Anteile
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Verhältnis
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H2
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Luft
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O2
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H2 : O2
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(67 %)
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10 : 1
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(50 %)
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5 : 1
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(33 %)
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2,5 : 1
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stärkster Knall
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(17 %)
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1 : 1
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e) In einer flachen Blechdose
wird eine Seifenlösung hergestellt (z.B. mit Palmolive-Geschirrspülmittel).
In einen Kolbenprober lässt man zunächst 20 ml Sauerstoff und anschließend 40
ml Wasserstoff einströmen. Das Gasgemisch drückt man in die Seifenlösung und
entzündet die entstehenden Seifenblasen mit einer an einem Stock befestigten
Kerze.
oder: Ein Luftballon wird
aus einem Kolbenprober mit einer Mischung von 1 Volumenanteil Sauerstoff und 2
Volumenanteilen Wasserstoff gefüllt und der an der Decke schwebende Luftballon
mit einer an einem Stock befestigten Kerze zur Explosion gebracht.
f) In die Mitte des Bodens einer
leeren Getränkedose wird mit einem dünnen Nagel ein feines Loch geschlagen. Man
stellt die Dose mit dieser Öffnung nach oben auf ein über einem Dreifuß liegendes
Tondreieck und füllt die Dose von unten durch die große Trinköffnung mit
Wasserstoff. Entzündet man den ausströmenden Wasserstoff, so hört man nach
einigen Sekunden einen pfeifenden Ton, der zunehmend lauter wird, bis
plötzlich eine Explosion erfolgt und die Dose hochgeschleudert wird.
(Erklärung: Durch das
Abbrennen des Wasserstoffs entsteht in der Dose ein Unterdruck, der durch die
untere Dosenöffnung Luft nachströmen lässt. Es bilden sich
Wasserstoff-Luft-Gemische, die mit zunehmendem Luftanteil mit immer lauter werdendem
Pfeifen reagieren. Ist im Doseninnern ein Wasserstoff-Luft-Volumenverhältnis
von 2 : 5 erreicht (was einem Wasserstoff-Sauerstoff-Volumenverhältnis von 2 :
1 entspricht), so explodiert das Gasgemisch schlagartig.)
g). Eine Pappröhre mit einer
Länge von 60 bis 80 cm und einem Durchmesser von etwa 8 cm wird an der einen
Öffnung unter Verwendung von Klebeband fest verschlossen. Etwa 10 cm vom verschlossenen
Ende bringt man ein Zündloch an. Anschließend wird die Röhre mit der Öffnung
schräg nach oben an einem Stativ befestigt und mit einer Styroporkugel locker
verschlossen. Man leitet bei deutlich vernehmbarem Strömungsgeräusch etwa 20 s
Wasserstoff in die Röhre und zündet anschließend das
Wasserstoff-Luft-Gemisch mit Hilfe einer an einem langen Stock befestigten
brennenden Kerze.
Hinweis: Die richtige
Einfülldauer muss durch Vorversuche ausprobiert werden, da sie von den Maßen
der Pappröhre abhängt. Die Pappröhre ist so auszurichten, dass weder ihr
verschlossenes Ende noch die Styroporkugel auf Personen zeigen. Die Schüler werden
vor der Zündung aufgefordert, den Mund zu öffnen.
38. Knallgasprobe
In ein mit der Mündung nach unten
gehaltenes Reagenzglas lässt man eine geringe Menge Wasserstoff aus der
Stahlflasche einströmen, verschließt das Glas mit dem Daumen, kippt es mehrmals
hin und her und nähert die Mündung des Reagenzglases dem Saum einer
Bunsenflamme.
39. Arbeiten mit dem
Schneidbrenner-Modell (Firma Hedinger, Stuttgart)
Mit dem Funktionsmodell eines
Schneidbrenners wird ein dünnes Eisenblech "durchgebrannt".
Reduktionen
40. Reduktion von Wasser mit
Calcium
Ein großer Calciumspan wird mit
einem Messer an einigen Stellen blank geschabt und in ein zur Hälfte mit
Wasser gefülltes Reagenzglas geworfen. Es entweicht ein Gas. Nimmt man das
Glas in einen Reagenzglashalter und hält die Mündung des Glases einige
Sekunden in die Bunsenflamme, so lässt sich zeigen, dass das Gas brennbar ist.
Die milchig getrübte Flüssigkeit wird filtriert. Das Filtrat färbt
Lackmusfarbstoff blau.
Hinweis: evtl. Vergleich
der Reaktion von Mg und Ca mit Wasser: 2 Petrischalen auf Overhead-Projektor;
zu dem Wasser einige Tropfen Phenolphthalein geben.
41. Reduktion von Wasser mit
Natrium
Ein Stückchen Natrium wird mit
Filtrierpapier sorgfältig von anhaftendem Petroleum gesäubert, entrindet, ein
erbsengroßes Stückchen abgeschnitten und in eine mit Wasser gefüllte, runde (!)
Glaswanne geworfen (Schutzscheibe aufstellen oder Becken mit einem Blatt
Papier zudecken!). Das Natriumstückchen fährt unter Zischen auf dem Wasser
umher, wird dabei zu einer Kugel, die immer kleiner wird und schließlich
vollständig verschwindet. Im Wasser sinken Schlieren nach unten. Die Lösung
färbt Lackmusfarbstoff blau.
42. Reduktion von Wasser mit
Kalium
Der Versuch 41 wird mit Kalium
wiederholt. Der entweichende Wasserstoff entzündet sich von selbst und brennt
mit violetter Flamme.
43. Reduktion von Wasser mit
Natrium (und Selbstentzündung des Wasserstoffs)
Der Versuch 41 wird noch einmal
durchgeführt, das Natriumstückchen aber auf ein Stück Filterpapier gelegt,
das auf dem Wasser schwimmt. Das Natriumstückchen wird dadurch an dem (seine
Temperatur herabsetzenden) Umherschwimmen gehindert, und der Wasserstoff
entzündet sich.
44. Reduktion von Wasserdampf
mit Eisenpulver
In ein schwer schmelzbares Reagenzglas
gibt man etwa 2 cm hoch Sand, befeuchtet ihn mit einer Pipette und gibt etwa
in die Mitte des Reagenzglases 2 Spatel Eisenpulver (Ferrum reductum), stopft
einen kleinen Bausch Glaswolle in das Reagenzglas und verschließt es mit einem
durchbohrten Stopfen (Ableitungsrohr, kleine pneumatische Wanne). Man erhitzt
zunächst stark den oberen Teil des Eisenpulvers. Durch die Wärmeleitung wird
auch der feuchte Sand heiß, und es entweicht ein farbloses Gas. Man fängt das
Gas in mit Wasser gefüllten Reagenzgläsern auf (1 Glas vorher zur Hälfte mit
Luft füllen!) und führt die Knallgasprobe durch. (Bei der Reaktion ist kein
Aufglühen des Eisens zu beobachten. Nach der Reaktion ist das Eisenpulver
schwarz.)
45. Vergleich der Reaktion von
erhitztem Eisen bzw. Magnesium mit Wasser
Auf einer feuerfesten Unterlage
werden nebeneinander je 2 Spatel Eisenpulver (Ferrum reductum) und
Magnesiumpulver aufgehäuft, stark erhitzt und dann vorsichtig (!) aus einer
Pipette mit Wasser betropft. Das bis zur Rotglut erhitzte Eisen reagiert mit
dem Wasser nur unter Zischen. Das Magnesium beginnt nach kurzem Erhitzen
unter heller Weißglut zu brennen und reagiert mit dem aufgetropften Wasser
äußerst heftig.
46. Thermitversuch
kleiner Blumentopf mit
zugegipstem Loch, Sandkasten, Kartuschen-Lötlampe mit Spezialaufsatz

Zündgemisch: 2 g BaO2
+ 5 g Magnesiumpulver werden vorsichtig gemischt.
(Herstellung von Thermit: 25 g Fe2O3
+ 8,5 g Al-Pulver in einer Reibschale sorgfältig mischen.)
47. Reduktion von Kupferoxid
mit Eisen
3 g Ferrum reductum und 6 g CuO
werden in einer Reibschale gut gemischt und in einem Reagenzglas erhitzt: Das
Gemisch glüht auf, und es entsteht rotes Kupfer.
48. Reduktion von Kupferoxid
mit Wasserstoff
In einem schwer schmelzbaren
Glasrohr, das von 2 Gabelstativen leicht nach unten geneigt gehalten wird,
leitet man Wasserstoff in langsamem Strom über schwarzes Kupferoxid und
entzündet das ausströmende Gas (vorher Knallgasprobe, außerdem einen kleinen
Bausch Glaswolle als Rückschlagsicherung in das Ableitungsrohr!). Wird jetzt
das Oxid erhitzt, so glüht es auf. Die auftretende rote Farbe des Pulvers
zeigt, dass Kupfer entsteht. Das Kleinerwerden der Flamme lässt erkennen, dass
Wasserstoff verbraucht wird. Gleichzeitig schlagen sich an den kalten Wänden
des Rohres Wassertropfen nieder. (Wird bald nach Beendigung des Versuchs das
Porzellanschiffchen herausgezogen, so glüht das noch heiße Kupfer an der Luft
auf und verfärbt sich schwarz.)
Der Schwefel
49. Physikalische
Eigenschaften des Schwefels
(Aggregatzustand bei
Zimmertemperatur, Farbe, Geruch, Geschmack, Sprödigkeit, Isolationswirkung,
Löslichkeit in Wasser und in Kohlenstoffdisulfid)
50. Bestimmung der
Schmelztemperatur des Schwefels

Die Schmelzkapillare wird etwa 3 mm hoch mit Schwefel
gefüllt (mit dem zugeschmolzenen Ende vorsichtig auf den Tisch klopfen!)
Das Paraffinöl bzw. der Kupferblock wird zunächst bis in
die Nähe der Schmelztemperatur relativ rasch aufgeheizt, dann wird die
Temperatur nur langsam gesteigert (Vorversuch!). Als Schmelztemperatur gilt
die Temperatur, bei der die letzten kristallinen Teilchen in die flüssige Phase
übergegangen sind.
51. Herstellung rhombischer
Schwefelkristalle
Ein Bröckchen Schwefel wird in
Kohlenstoffdisulfid gelöst, die Lösung in eine Uhrglasschale gegossen und
mit einem Stück Karton zugedeckt. In der nächsten Unterrichtsstunde werden
einzelne gute Kristalle des Verdunstungsrückstandes mit der Lupe betrachtet.
52. Herstellung monokliner
Schwefelkristalle
Ein zu 2/3
mit Schwefel gefüllter großer Porzellantiegel wird vorsichtig erhitzt, bis der
Schwefel dünnflüssig geworden ist (Dreifuß, Tondreieck). Dann wird die Flamme
entfernt. Sobald an der Oberfläche Nadeln von 1 bis 2 cm Länge entstanden sind,
wird der Porzellantiegel mit einer speziellen, den Tiegel umgreifenden Zange
gefasst und der noch flüssige Schwefel in eine Porzellanschale ausgegossen.
(Der in der Porzellanschale erstarrte Schwefelkuchen wird beim nächsten Mal
wieder eingeschmolzen.)
53. Zähflüssiger Schwefel
Schwefelstücke werden in einem
Reagenzglas mit kleiner Flamme erhitzt. Der Schwefel schmilzt zu einer
hellgelben, leicht beweglichen Flüssigkeit. Bei steigender Temperatur wird
die Schmelze dunkelbraun und schließlich so dickflüssig, dass sie sich nicht
mehr gießen lässt. Bei weiterem Erhitzen wird der Schwefel wieder dünnflüssig und siedet schließlich.
54. Plastischer Schwefel
Schwefelstückchen werden in einem Reagenzglas bis zum
zweiten dünnflüssigen Zustand erhitzt. Die Schmelze wird in Wasser gegossen.
Die entstehende gummiartige Substanz wird aufbewahrt und in der nächsten
Unterrichtsstunde erneut betrachtet.
55. Sublimation des Schwefels
Man lässt Schwefeldämpfe aus
einem schräg eingespannten Reagenzglas in ein kleines, kaltes Becherglas
einströmen.
Ergänzung: Sublimation von
Iod
Man gibt einige Iodkristalle in
ein Becherglas (100 ml, hohe Form), deckt mit einer Uhrglasschale ab und
erwärmt das kleine Becherglas in einem mit Wasser gefüllten, nur wenig
breiteren Becherglas (150 ml). In das Uhrglas gibt man etwas kaltes Wasser.
Das Iod sublimiert und kristallisiert an der Unterseite des Uhrglases wieder
aus.
56. Endotherme Reaktion
("Festfrieren")
Ein kleiner Erlenmeyerkolben (100
ml) wird zu je 1/4 seines Inhalts mit Bariumhydroxid-octahydrat
und Ammoniumthiocyanat gefüllt. Nachdem die beiden Substanzen durch Schütteln
gründlich vermischt worden sind, wird der Kolben auf einen nassen Holzklotz
(oder auf einen nassen, etwas ausgedrückten Schwamm) gestellt. Nach etwa 5
Minuten ist der Erlenmeyerkolben auf dem Holzklotz bzw. dem Schwamm
angefroren. Sein Inhalt hat sich verflüssigt.
Erklärung: Es handelt sich
um eine Protolyse:
Ba(OH)2×8H2O + 2 NH4SCN
Ba2+ +
2 H2O + 2 NH3 +
2 SCN- + 8 H2O
Die zu dieser endothermen
Reaktion erforderliche Energie wird der Umgebung entzogen.
57. Reaktion von Kupfer mit
Schwefel
In einem senkrecht eingespannten Reagenzglas wird ein
Schwefelbröckchen bis zum Sieden erhitzt. In den Schwefeldampf wird an einem
gebogenen Draht ein Kupferblechstreifen getaucht (mit einem Nagel ein Loch in
den Blechstreifen schlagen!). Das Kupfer glüht auf und verwandelt sich in einen
blauschwarzen, spröden Stoff.
evtl. zusätzlich: 4 g Kupferpulver und 1 g Schwefelblüte
werden vorsichtig gemischt, auf einer feuerfesten Unterlage aufgehäuft und
mit einer glühenden Stricknadel gezündet: Unter leichtem Aufglühen entsteht
ein blauschwarzer Stoff.
58. Reaktion von Zink mit
Schwefel
Ein Gemenge von 6 g Zinkstaub und
3 g Schwefelblüte wird auf einem Blechdeckel von oben erhitzt (große
Schutzunterlage auf den Tisch und Schutzscheibe!). Hierbei muss die Flamme
längere Zeit auf die gleiche Stelle des Gemisches gerichtet werden. Unter starker
Feuererscheinung und Rauchentwicklung entsteht ein hellgelber Stoff.
59. Reaktion von Quecksilber
mit Schwefel
In einer Reibschale wird ein
Tropfen Quecksilber mit etwas Schwefelblüte zerrieben. Es entsteht ein
schwarzes Pulver.
60. Analyse von Pyrit mit dem
Lötrohr
Ein Pyritkörnchen wird auf
Holzkohle mit dem Lötrohr erhitzt. Es wird zunächst oxidierend, dann
reduzierend geblasen: stechender Geruch; der entstehende Stoff wird von einem
Magneten angezogen.
Grundtatsachen der Kristallographie
61. Beobachtung von
Kristallwachstum
Overhead-Projektor, Petrischalen
a) Methanol + Salicylsäure
(langsam; nach einiger Zeit bilden sich Nadeln)
b) Harnstoff in heißgesättigter
Lösung (evtl. impfen!)
62. Züchten großer
Alaunkristalle
200 g Kalialaun werden in 800 ml heißem Wasser gelöst.
Nachdem die Lösung auf 40 °C abgekühlt ist, wird sie in ein breites
Thermosgefäß von 1 Liter Inhalt gegossen. In die Lösung wird ein an einem
Faden befestigter Alaunkristall gehängt. Im Verlauf von 1 bis 2 Tagen wächst
ein großer Kristall von Oktaederform heran. (Der Kristall sollte nicht zu
lange in der Lösung belassen werden, da sonst auf seiner Oberfläche kleinere
Kristalle wachsen.)
Hydroxide und einführende Betrachtung zu Säuren und Salzen
63. Hygroskopische Eigenschaft
von Natriumhydroxid
Einige Natriumhydroxid-Pastillen
werden auf eine Uhrglasschale gelegt. Nach einigen Minuten ist um die Pastillen
ein feuchter Hof zu erkennen.
64. Verseifung von Olivenöl
mit Natriumhydroxid
In einem Reagenzglas werden 2 ml
Olivenöl mit 2 Natriumhydroxid-Pastillen gekocht. Die Flüssigkeit schäumt
stark auf. Nach dem Abkühlen erhält man einen festen Stoff (unter dem sich
evtl. noch etwas Flüssigkeit befindet). Bringt man eine geringe Menge des
Reaktionsproduktes in ein mit Wasser gefülltes Reagenzglas und schüttelt das
Glas kräftig, so bildet sich ein Schaum.
65. Darstellung und
Eigenschaften des Ammoniaks
In einem Reagenzglas werden 2 ml
Ammoniakwasser erhitzt. Das entweichende Gas prüft man vorsichtig auf seinen
Geruch und lässt es auf feuchtes, rotes Lackmuspapier einwirken.
66. Entwicklung von
Wasserstoff aus Magnesium und Phosphorsäure
In einem Reagenzglas löst man
einen halben Spatel Tetraphosphordecaoxid in Wasser auf (Vorsicht!) und
verdünnt die entstandene Phosphorsäure, bis das Glas zu etwa ein Viertel
gefüllt ist. Dann gibt man einen halben Spatel Magnesiumpulver hinzu. Es
entweicht ein farbloses Gas. - Man wiederholt den Versuch, befestigt das Glas
in einem Reagenzglashalter und bringt die Flamme eines Teclubrenners in die
Nähe der Mündung des Glases. Die Knallgasprobe verläuft positiv, lässt sich
aber meistens nicht wiederholen, da die frei werdende Reaktionswärme die
Phosphorsäure zum Sieden bringt und durch die Beimischung des Wasserdampfes der
Wasserstoff nicht mehr brennt.
67. Saure bzw. alkalische bzw.
neutrale Reaktion von Salzen in Wasser
In 3 kleinen Bechergläsern werden
(1) Aluminiumsulfat
(2) Natriumcarbonat
(3) Natriumsulfat
in Aqua purificata gelöst. Die Reaktion der Lösungen wird mit Lackmuspapier
überprüft.
68. Nachweis von
Kristallwasser in Kristallsoda
Eine Spatelspitze Kristallsoda
oder ein Sodakristall wird in einem Reagenzglas schwach erwärmt. Schon nach
kurzer Zeit (bei 32,5 °C!) scheint die Soda zu schmelzen, denn es entsteht eine
Flüssigkeit. Aber auch nach dem Abkühlen bleibt der Inhalt des Glases flüssig!
Bei stärkerem Erhitzen verdampft Wasser, und es bildet sich eine feste, weiße
Substanz. (identisch mit Versuch 121)
Die Schwefelsäure und ihre Salze;
Katalysatoren
69. Platin als Katalysator für
die Entzündung von Wasserstoff
Wasserstoff aus der Stahlflasche
(Glasspitze mit einem Bausch Glaswolle als Rückschlagsicherung!) wird mit
einem Gasselbstzünder (mehrere feine Platindrähtchen) entzündet. (Ist der Gasselbstzünder
längere Zeit nicht benutzt worden, so muss er vor dem Versuch kurz durch eine
Bunsenflamme gezogen werden!)
70. Palladium als Katalysator
für die Entzündung von Wasserstoff
Wasserstoff aus der Stahlflasche
wird auf ein Häufchen Palladium-Aktivkohle geleitet (Glasspitze mit einem
Bausch Glaswolle als Rückschlagsicherung!). Nach kurzer Zeit beginnt die Kohle
zu glimmen, und der Wasserstoff entzündet sich.
71. Entzündung von Wasserstoff
mit Hilfe eines Schüttgutkatalysators
Auf ein Kaffeesieb aus Metall
werden ca. 30 Kügelchen des Schüttgutkatalysators der Firma Degussa gegeben.
Aus etwa 10 bis 12 cm Entfernung leitet man Wasserstoff aus der Stahlflasche
in verhältnismäßig starkem Strom auf die Katalysatorperlen (Glasspitze mit
einem Bausch Glaswolle als Rückschlagsicherung!). Die Perlen beginnen zu
glühen, und der Wasserstoff entzündet sich.
Hinweis: Bei dem
Schüttgutkatalysator der Firma Degussa handelt es sich um einen Dreiweg-Katalysator
(Platin und Rhodium - etwa 5 : 1 - auf Aluminiumoxid-Perlen; bewirkt Oxidation
von Kohlenwasserstoffen, Oxidation von CO und Reduktion von
Stickstoffoxiden).
72. Ascorbinsäure (Vitamin C)
als Antioxidans (Oxidationsinhibitor)
Zwei Viertel eines Apfels werden
geschält. Das eine Stück wird mit einer Obstreibe zerrieben und der geriebene
Apfel in eine Porzellanschale oder auf einen kleinen Teller gegeben. Dann wird
auf die Obstreibe etwas Ascorbinsäure gestreut und der Versuch mit dem zweiten
Apfelstück wiederholt. Der ohne Zusatz von Ascorbinsäure zerriebene Apfel
verfärbt sich innerhalb von 15 bis 20 Minuten braun (enzymatische Reaktion
unter Mitwirkung des Luftsauerstoffs!). Bei Zusatz von Ascorbinsäure unterbleibt
die Braunfärbung zunächst und setzt erst viel später ein.
73. Wirkung des Enzyms
Katalase
5 ml Perhydrol (30 %iges
Wasserstoffperoxid) werden mit 15 ml Aqua purificata verdünnt und in einen
mittelgroßen (20 cm hohen) Standzylinder gefüllt. Gibt man einige Hefekrümel
hinzu, so entwickelt sich ein Gas, das mit einem glimmenden Span als
Sauerstoff identifiziert werden kann. (Der Versuch gelingt sehr gut mit einer
Spatelspitze Trockenbackhefe. Es bildet sich dann ein Schaum, in dem ein
glimmender Span hell aufflammt.)
74. Katalytische Oxidation von
Schwefeldioxid zu Schwefeltrioxid (Kontaktverfahren)

In das Verbrennungsrohr (1) aus
Quarzglas wird vor einem Pfropfen aus Quarzglaswolle eine etwa 30 mm lange
Schicht Schwefelkies (Pyrit) (2) gepackt. Im Verbrennungsrohr (3) (ebenfalls
aus Quarzglas) befindet sich zwischen 2 Pfropfen aus Quarzglaswolle ein
Platinasbestnetz (4). Die Verbrennungsrohre (1) und (3) werden über eine
Gaswaschflasche (5) miteinander verbunden. Sie ist so weit mit Wasser gefüllt,
dass das Einleitungsrohr eben darin eintaucht. An das Verbrennungsrohr (3)
schließt sich über das Glasröhrchen (6) die Glaskugel (7) mit 4 Tuben
(Scheidtsche Kugel) an. Zwei Tuben dieser Kugel werden mit Stopfen
verschlossen. In den Stopfen des vierten Tubus führt die Gaswaschflasche (8),
in der sich Wasser befindet, das mit Universalindikator angefärbt ist. An
diese Gaswaschflasche schließt sich die Gaswaschflasche (9) an, die zur
Absorption des SO3 mit konzentrierter Schwefelsäure gefüllt ist. Sie
ist über einen Gummischlauch mit einer Wasserstrahlpumpe (W) verbunden.
Zwischen den Gaswaschflaschen (8) und (9) kann eine weitere Gaswaschflasche
eingefügt werden. Diese wird mit einer Bariumchlorid-Lösung gefüllt, die mit
verdünnter Salzsäure stark angesäuert worden ist.
Zum Erhitzen des Pyrits und des
Platinasbestnetzes sind 2 Brenner bereitzustellen. Durch Einschalten der
Wasserstrahlpumpe saugt man einen gleichmäßigen Luftstrom durch die Apparatur.
Mit mittelstarker Bunsenflamme wird der Pyrit erhitzt, bis die Reaktion
einsetzt. Das Platinasbestnetz wird stark erhitzt. Hier erfolgt das Erhitzen
während der gesamten Reaktion.
Literatur: Flügel: "Die
Chemie in Versuchen, Anorganische Chemie" (PHYWE-Schriftenreihe), Versuch 7.12.
Als Ersatz für das Netz aus
Platinasbest wird Platinquarzwolle empfohlen (vergl.
http://dc2.uni-bielefeld.de/dc2/tip/november.htm
Herstellung
von Platinquarzwolle: Man gibt 0,5 g Quarzglaswolle in ein Becherglas (50
ml) und dazu 20 ml einer Lösung von Natrium-hexachloroplatinat(IV)-hexahydrat
(w = 0,01 %). Anschließend werden 10 ml einer Ascorbinlösung (w = 5 %)
hinzugegeben. (Man muss ein mildes Reduktionsmittel verwenden, um einen
ausreichend feinkristallinen und gut haftenden Niederschlag von Platin zu
erhalten.) Man rührt gut um. Nach einigen Stunden färbt sich die Lösung durch
das ausfallende Platin dunkel. Es ist darauf zu achten, dass die
Quarzglaswolle immer von Flüssigkeit bedeckt ist. Die Mischung bleibt
mindestens über Nacht stehen. Anschließend nutscht man ab und wäscht mit Aqua
purificata gut nach. Nach dem Trocknen ist die platinierte Quarzglaswolle
einsatzbereit. Vor jeder Verwendung muss sie kurz ausgeglüht werden.
Auch die Firma PHYWE bietet in
ihrem Lieferprogramm Platinquarzwolle an.
75. Bleikammerverfahren

Ein Stehkolben (500 ml) wird mit
braunem Stickstoffdioxid gefüllt (einfachstes Verfahren: in dem Kolben auf
Kupferspäne konzentrierte Salpetersäure geben und die Flüssigkeit abgießen,
sobald sich genügend Stickstoffdioxid entwickelt hat). Dann wird gemäß der Abbildung
Schwefeldioxid in den Kolben geleitet. Es kommt zu einer Farbaufhellung, und
nach einiger Zeit überziehen sich die Wände des Kolbens mit eisblumenartigen
"Bleikammerkristallen" aus Nitrosylschwefelsäure (NO)HSO4. Wird der
Stopfen vom Stehkolben entfernt, so bildet sich langsam wieder braunes
Stickstoffdioxid zurück. Gibt man in den Kolben einige Milliliter Aqua purificata,
so lassen sich mit Bariumchlorid-Lösung Sulfat-Ionen nachweisen. Der mit
Natronlauge gefüllte Erlenmeyerkolben dient zur Absorption der gesundheitsschädlichen
Gase.
76. Dichte der konzentrierten
Schwefelsäure
In einem hohen Standzylinder wird
die Dichte von konzentrierter Schwefelsäure mit einem Aräometer bestimmt.
77. Hygroskopische Eigenschaft
der konzentrierten Schwefelsäure
Man tariert eine kleine
Kristallisierschale mit 20 ml konzentrierter Schwefelsäure auf einer Waage
aus, arretiert die Waage und lässt das Gefäß etwa eine halbe Stunde unbedeckt
stehen. Eine erneute Wägung zeigt dann, dass der Inhalt des Gefäßes schwerer geworden
ist.
78. Einwirkung von
konzentrierter Schwefelsäure auf Kupfervitriol
In einem Reagenzglas lässt man
konzentrierte Schwefelsäure auf festes Kupfervitriol einwirken: Das blaue
Pulver wird hellblau bis weiß.
79. Einwirkung von konzentrierter
Schwefelsäure auf organische Substanzen
In Porzellanschalen lässt man
konzentrierte Schwefelsäure auf Holz, Papier und Leinen einwirken: Die
Substanzen werden geschwärzt und zerfressen.
80. Herstellung von
Zuckerkohle
In einem 50 ml-Becherglas lässt
man etwa 10 ml konzentrierte Schwefelsäure auf ca. 25 g Rohrzucker einwirken:
Das Reaktionsgemisch erhitzt sich, und aus dem Becherglas wächst eine dicke
"Wurst" von Zuckerkohle.
81. Erhitzung und
Volumenkontraktion beim Verdünnen von konzentrierter Schwefelsäure
In ein Becherglas gibt man mit
einer Pipette 25 ml Aqua purificata und gießt dazu aus einem Messkolben 50 ml
konzentrierte Schwefelsäure. Man misst mit einem Demonstrationsthermometer die
Temperatur und bestimmt nach dem Abkühlen das Volumen des Gemisches.
82. Oxidation von Holzkohle
durch konzentrierte Schwefelsäure
Ein Stückchen Holzkohle wird mit
konzentrierter Schwefelsäure erhitzt: Es tritt ein stechender Geruch auf.
Die Salzsäure und ihre Salze
83. Geschmack von Kochsalz
In einer kleinen Abdampfschale
aus Glas reicht man etwas Kochsalz herum und lässt es schmecken.
84. Nebelbildung von
"Salzsäuregas" an feuchter Luft
Flaschen mit verdünnter und
konzentrierter Salzsäure werden gezeigt. Die Flasche mit konzentrierter
Salzsäure wird geöffnet und über die Flasche gehaucht: Es bilden sich weiße
Nebel.
85. Springbrunnenversuch
In einem Gasentwickler lässt man
auf eine 2 mm hohe Kochsalzschicht konzentrierte Schwefelsäure tropfen (1
Tropfen in 2 bis 3 Sekunden). Das Gas wird in einen trockenen Rundkolben
(!) eingeleitet. Das Gaseinleitungsrohr soll bis auf den Boden des Gefäßes
reichen. Anschließend wird das Gefäß mit einem Gummistopfen, in dem ein zu
einer Spitze ausgezogenes Glasrohr steckt, verschlossen. Die Spitze zeigt ins Innere
des Gefäßes. Das Gefäß wird mit dem Hals nach unten so tief in ein wassergefülltes
Becherglas (2 l, breite Form, Wasser mit Lackmus-Lösung versetzt) gestaucht,
dass einige Wassertropfen ins Innere eindringen (Stopfen vorsichtig etwas
lockern!). Kurz darauf schießt das Wasser als Springbrunnen in den Rundkolben.
Hinweis: Statt des
Becherglases kann man auch eine große, rechteckige Glaswanne verwenden, die
bis unter den Rand mit Wasser gefüllt wird. Der Kolben wird mit einer großen
Dreifingerklemme an der Auftreibung unter dem Schliff so an einem schweren
Dreifußstativ gehaltert, dass sich die Öffnung des Glasrohres ca. 0,5 cm über
dem Boden der Wanne befindet: Der Stopfen taucht dann in die Wanne ein, kann
aber noch gelockert werden.
86. Reaktion von
"Salzsäuregas" mit erhitztem Natrium (Analyse von Salzsäuregas)

In ein schwer schmelzbares
Reagenzglas mit einer rechtwinkligen Ableitung dicht über dem Boden gibt man
ein ca. 1 cm3 großes Stück sauber entrindetes Natrium, erhitzt das
Natrium bis zum Schmelzen und leitet dann Salzsäuregas aus einer langen
Glasspitze in langsamem Strom über das erhitzte Natrium. Das Salzsäuregas wird
in einem Gleichdruckgasentwickler erzeugt, indem man konzentrierte Schwefelsäure
auf Natriumchlorid langsam auftropfen lässt. In dem Reagenzglas bildet sich
ein dichter, weißer Rauch, und das aus dem seitlichen Ansatz ausströmende Gas
lässt sich entzünden. Der weiße Belag hat einen salzigen Geschmack.
87. Elektrolyse von verdünnter
Salzsäure im Hofmann-Apparat


88. Darstellung von Chlor aus
Kaliumpermanganat
In einem Gasentwickler lässt man
konzentrierte Salzsäure auf Kaliumpermanganat tropfen und fängt das
entweichende Gas in einem Standzylinder auf. (Bei Verwendung von Braunstein
muss man erwärmen!)
89. Chlorknallgasreaktion
Von 2 Reagenzgläsern wird das
eine mit Chlor, das andere über Wasser mit Wasserstoff gefüllt. Die beiden
Reagenzgläser werden übereinander gesetzt, die beiden Gase durch mehrfaches
Umkippen der Gläser gemischt und dann die beiden Gläser über einer
Bunsenflamme auseinander gezogen. Man hört einen scharfen Knall. Man gibt in
die beiden Gläser etwas Wasser und versetzt das eine mit Lackmus-Lösung, das
andere mit Silbernitrat-Lösung.
Hinweis: Die
Chlorknallgasreaktion kann auch durch Blitzlicht gezündet werden (siehe
Versuchsanordnung "Fotochemische Blitzreaktion mit Chlorknallgas" der Firma
Renate Zitt, Freiburg im Breisgau).
90. Verbrennung von
Wasserstoff in Chlor
Man lässt Wasserstoff aus einem
langen, zu einer Spitze ausgezogenen Glasrohr (mit einem Bausch Glaswolle als
Rückschlagsicherung!) ausströmen, entzündet ihn und führt die Flamme in einen
mit Chlor gefüllten Standzylinder ein (weißer Hintergrund!). Die
Wasserstoffflamme färbt sich fahlgrün, die gelbgrüne Farbe des Chlors im
Standzylinder verschwindet, und es treten weiße Nebel auf. Die Wasserstoffflamme
muss im Standzylinder mehrere Minuten brennen, bis das Chlor restlos verbraucht
ist! Nach dem Abstellen der Wasserstoffzufuhr gibt man einige Milliliter Aqua
purificata in den Standzylinder, schüttelt gründlich und weist die entstandene
Säure mit Lackmusfarbstoff nach. (Falls im Standzylinder noch Chlor enthalten
ist, misslingt der Säurenachweis, da Chlor den Indikatorfarbstoff bleicht!)
91. Salmiak als "Lötstein"
Ein Ende eines etwa 15 mm breiten
und etwa 100 mm langen Streifens aus dünnem Kupferblech wird mit der
Tiegelzange über die Bunsenflamme gehalten, bis es sich mit einer schwarzen
Schicht von Kupferoxid überzieht. Dann wird eine dünne Schicht von
Ammoniumchlorid (= Salmiak) aufgelegt und das Kupferblech wieder in die
Bunsenflamme gehalten. Sobald weißer Rauch entsteht, wird der Kupferblechstreifen
aus der Flamme genommen und feuchtes rotes Lackmuspapier dicht über den
Streifen gehalten (Blaufärbung!). Werden nun die Reste von Ammoniumchlorid mit
einem Spatel entfernt, so zeigt der Kupferstreifen wieder metallischen Glanz.
(Nicht mit Wasser abspülen, da sonst der Metallglanz verloren geht!)
Die Salpetersäure und ihre
Salze
92. Qualitative Analyse des
Kalisalpeters
a) Kalisalpeter färbt die nicht
leuchtende Bunsenflamme hellviolett: Kalium.
b) Kalisalpeter wird in einem
Reagenzglas geschmolzen. Beim weiteren Erhitzen schäumt die Schmelze, und ein
glimmender Span flammt in dem Gas auf: Sauerstoff.
c) In einem trockenen Reagenzglas
mischt man eine Spatelspitze KNO3 mit 3 Spatelspitzen Eisenstaub
durch Schütteln. Das Reagenzglas wird in ein Stativ gespannt und stark erhitzt
(Ableitungsrohr, pneumatische Wanne, Standzylinder von 15 cm Höhe und 3 cm
Durchmesser). Das Gemenge glüht auf, und es entweicht ein Gas, in dem ein
brennender Span erlischt: Stickstoff.
93. Darstellung von
Salpetersäure aus Kalisalpeter und konzentrierter Schwefelsäure
In einer Retorte werden 20 g Kalisalpeter mit 10 ml konz.
Schwefelsäure langsam erwärmt. In einem mit Eiswasser gekühlten
Erlenmeyer-Kolben kondensiert eine zunächst farblose, später gelbliche, stechend
riechende und an der Luft Nebel bildende Flüssigkeit. Wenn in der Retorte in
größerer Menge braune Gase entstehen, wird die Destillation beendet.
94. "Luftverbrennung" nach Birkeland und Eyde
erforderliche
Geräte: Glaskugel mit 4 Tuben (Scheidtsche Kugel) , 1 Paar
Hochspannungselektroden, Handgebläse (Doppelgebläse), Waschflasche

Um eine deutlich sichtbare NO2-Bildung
zu erreichen, muss der Lichtbogen etwa 5 min eingeschaltet sein. Mit Hilfe des
Handgebläses wird das Reaktionsprodukt dann in die Waschflasche gepumpt und
die entstandene Säure mit Lackmus-Lösung nachgewiesen. (Statt des Netzspannungsreglers
kann auch ein Schiebewiderstand 2,4 A, 100 W verwendet werden!)
Literatur: Flügel: "Die
Chemie in Versuchen, Anorganische Chemie" (PHYWE-Schriftenreihe), Versuch 3.7.
95. Verpuffung eines NH3/O2-Gemisches
In ein großes Reagenzglas wird
etwa 1 cm hoch konzentriertes Ammoniakwasser gefüllt. Das Reagenzglas wird
schräg eingespannt und durch ein bis auf den Grund reichendes Glasrohr ein
mäßiger Sauerstoffstrom aus der Vorratsflasche eingeleitet. In Abständen von
einigen Sekunden wird die Flamme eines Bunsenbrenners an die Öffnung des
Reagenzglases geführt, um Explosionen des entstandenen Gasgemisches
hervorzurufen. (Es müssen laute Explosionen zu hören sein; andernfalls ist die
Stärke des Sauerstoffstroms zu regulieren!)
96. Ostwald-Verfahren

Das Reagenzglas mit seitlichem
Ansatz (1) wird mit 3 bis 4 Spatellöffel Natriumhydroxid, der Tropftrichter (2)
etwa zur Hälfte mit einer konzentrierten Ammoniaklösung beschickt. Durch die
zweite Bohrung im Gummistopfen führt ein rechtwinklig gebogenes Glasröhrchen
(3). Zur Trocknung des Ammoniaks wird das U-Rohr (4) mit Natriumhydroxid gefüllt.
In das an das U-Rohr anschließende Verbrennungsrohr (5) wird zwischen zwei
Pfropfen aus Quarzglaswolle ein Platin-Rhodium-Netz (6) gebracht. über ein
Glasröhrchen schließt sich an das Verbrennungsrohr eine Glaskugel (7) mit 4
Tuben an (Scheidtsche Kugel). Zwei Tuben werden mit Gummistopfen verschlossen.
Auf die Glaskugel folgen 2 Gaswaschflaschen (8) und (9). Die Gaswaschflasche
(8) ist zu etwa einem Drittel mit Wasser gefüllt, dem einige Tropfen
Lackmus-Lösung zugesetzt sind, die Gaswaschflasche (9) ebenso hoch mit
konzentrierter Natronlauge. Das Ableitungsrohr der Gaswaschflasche (9)
schließt an eine Wasserstrahlpumpe (W) an.
Mit dem Bunsenbrenner wird das
Platin-Rhodium-Netz bis zur Rotglut erhitzt, was etwa 30 s dauert. Dann
entfernt man den Brenner und schaltet gleichzeitig die Wasserstrahlpumpe an.
Aus dem Tropftrichter lässt man tropfenweise Ammoniaklösung in das Reagenzglas
fließen. Das Ammoniak-Luft-Gemisch verbrennt nun am Katalysator zu rotbraunen
nitrosen Gasen. (Das entstehende NO wird sofort durch den Luftsauerstoff zu NO2
weiteroxidiert.) Die dabei frei werdende Energie lässt den Katalysator hell
aufleuchten. Wasserstrahlpumpe und Ammoniakentwicklung werden so eingestellt,
dass der Katalysator eben noch glüht. (Der bei Versuchsbeginn auftretende
weiße Rauch ist auf die Bildung von NH4NO2
zurückzuführen.)
[Statt des Gasentwicklers kann
man auch einen Rundkolben (250 ml) mit 2 Tuben verwenden, dessen seitlicher
Tubus mit einem durchbohrten Gummistopfen verschlossen ist, in dem ein mit Propantriol
befeuchtetes Glasrohr leicht hin- und hergleiten kann. In diesen Kolben werden
rund 50 ml konzentrierte Ammoniaklösung gegeben. Bei Versuchsbeginn sollte sich
die Öffnung des Glasrohres etwa 1 cm über der Flüssigkeit befinden.
Durch Veränderung des Abstands kann der Anteil des Ammoniaks in der angesaugten
Luft verändert werden.]
Literatur: Flügel: "Die
Chemie in Versuchen, Anorganische Chemie" (PHYWE-Schriftenreihe), Versuch 8.9.
(verändert)
97. Modellversuch zur
Rauchgasentstickung
Ein Kolbenprober wird mit 100 ml
Ammoniakgas gefüllt (entweder aus einer Vorratsflasche entnommnen oder
dargestellt, indem man in einem Rundkolben auf ein Gemisch aus Ammoniumchlorid
und Natriumhydroxid aus einem Tropftrichter Wasser auftropfen lässt und evtl.
etwas erwärmt). Ein zweiter Kolbenprober wird mit 40 ml Stickstoffdioxid
gefüllt, das man in einem schwer schmelzbaren Reagenzglas durch Erhitzen von
Bleinitrat entwickelt. Die beiden Kolbenprober werden in Stativen gehaltert
und mit einem kurzen Schlauchstück verbunden. Drückt man nun das
Stickstoffdioxid langsam in den mit Ammoniak gefüllten Kolbenprober, so zeigt
die Bewegung des Stempels in diesem Kolbenprober eine Volumenverminderung an,
und die braune Farbe des einströmenden Stickstoffdioxids verschwindet.
Reaktionsgleichung:
6 NO2 + 8 NH3
12 H2O + 7 N2
98. Schießbaumwolle
In einer Porzellanschale werden
20 ml konz. Salpetersäure und 40 ml konz. Schwefelsäure gemischt. Nachdem die
Mischung abgekühlt ist, werden 2 g Cellulose-Watte mit Hilfe eines Glasstabes
etwa 10 min in der Mischung bewegt und gedrückt, dann etwa 2 Stunden in dem
Nitriergemisch belassen und anschließend in fließendem Wasser bis zur neutralen
Reaktion gespült. Das Wasser wird ausgepresst und der Bausch zerzupft. Die
Flöckchen werden in der Nähe der Heizung oder bei 50 °C im Wärmeschrank gut
getrocknet. Wird ein Flöckchen der so erhaltenen Schießbaumwolle im Reagenzglas
erhitzt, so verpufft es, ohne einen Rückstand zu hinterlassen. Berührt man die
Schießbaumwolle mit der Flamme eines Gasbrenners, so brennt sie rasch und
ohne Rauch und Rückstand ab. (zum Vergleich: Verbrennen von normaler
Watte)
99. Xanthoproteinreaktion
Unverdünntes Eiklar oder mehrere
Stücke gekochtes Eiklar werden in einem Reagenzglas mit konz. Salpetersäure
übergossen. Nach wenigen Minuten tritt eine Gelbfärbung auf.
weiterer Versuch: Zu einer
Eiweiß-Lösung gibt man 3 Tropfen konzentrierte Salpetersäure. Es tritt ein
weißer Niederschlag auf, der sich beim Erwärmen gelb färbt. Gibt man nach dem
Erkalten Ammoniakwasser im überschuss hinzu, so schlägt die Farbe nach
Orange um.
100. Reaktion von
konzentrierter Salpetersäure mit Schwefel
Erhitzt man wenig Schwefelpulver
mit konzentrierter Salpetersäure, so lassen sich in der verdünnten und zweimal
filtrierten Flüssigkeit mit Bariumchlorid-Lösung Sulfat-Ionen nachweisen.
(Flüssigkeit vor dem Bariumchlorid-Zusatz zur Kontrolle aufteilen! Da sehr
kleine Kristalle entstehen, muss man etwa 5 Minuten warten!)
Vorversuch: verdünnte
Salpetersäure + Bariumchlorid-Lösung
101. Reaktion von
konzentrierter Salpetersäure mit unedlen und halbedlen Metallen
Magnesium, Zink, Kupfer und
Quecksilber reagieren mit konzentrierter Salpetersäure schon in der Kälte
unter Entwicklung von braunrotem NO2.
z.B. 3 Cu + 8 HNO3
3 Cu(NO3)2
+ 4 H2O +
2 NO
Das NO wird an der Luft zu
braunem NO2: vergl. Versuch 102!
102. Oxidation von NO zu NO2
In einem Gleichdruckgasentwickler lässt man auf
Kupferspäne eine Mischung von 1 Volumenanteil konzentrierter Salpetersäure und
3 Volumenanteilen Wasser einwirken, erwärmt den Kolben mit fächelnder Flamme,
fängt das entweichende farblose Gas über Wasser in einem Standzylinder auf und
verschließt den Standzylinder mit einer Abdeckscheibe. Entfernt man die
Abdeckscheibe, so verfärbt sich der Inhalt des Standzylinders langsam von oben
nach unten braun.
103. Reaktion von
konzentrierter Salpetersäure mit Silber
In 2 Reagenzgläser gibt man
kleine Stücke Silberblech und setzt konzentrierte Salpetersäure zu: schwache
Reaktion mit Aufsteigen von Gasbläschen! Erwärmt man eines der Reagenzgläser,
so löst sich das Silber unter Entwicklung von braunrotem NO2 auf.
104. Auflösung von Gold in
Königswasser
In 2 Reagenzgläser gibt man etwas
Blattgold und setzt konzentrierte Salpetersäure zu. In der Kälte erfolgt keine
Reaktion. Nun wird eines der Reagenzgläser erhitzt: Auch jetzt ist keine
Reaktion festzustellen. Gibt man aber in das Reagenzglas mit der kalten
Salpetersäure die doppelte bis dreifache Menge konzentrierte Salzsäure, so
löst sich das Gold auf.
105. Passivierung von
Eisennägeln durch konzentrierte Salpetersäure
Man gibt in die Oberteile von 3
kleinen Petrischalen (4 cm Durchmesser)
(1) konz.
Salpetersäure,
(2) und (3)
schwach verdünnte Salpetersäure (in einem großen Reagenzglas 10 ml konz. Salpeter-säure und 5 ml Aqua purificata
mischen!).
In (1) und (2) gibt man jeweils
einen kleinen Eisennagel (nicht blank schmirgeln!). In (1) ist evtl. für kurze
Zeit die Entwicklung eines braunen Gases zu beobachten, dann erfolgt keine
weitere Reaktion. In (2) erfolgt eine heftige Reaktion. überträgt man nun
mit einer stumpfen Pinzette aus Chromnickelstahl den Nagel aus (1) in (3), so
erfolgt keine Reaktion. Nimmt man aber den Nagel aus der Schale (3) mit der
Pinzette heraus, schabt mit einem Messer an ihm entlang und legt ihn zurück in
Schale (3), so erfolgt auch hier eine heftige Reaktion.
Anmerkungen: Versuch nicht
auf dem Overhead-Projektor ausführen, da aggressive Gase entstehen! - In
großen Petrischalen braucht man zu viel Säure, in Reagenzgläser kommt man mit
der Pinzette nur schwer hinein. Es empfiehlt sich, die Schüler in Gruppen an
den Versuchstisch zu holen.
106. Einwirkung von verdünnter
Salpetersäure auf unedle Metalle
In 3 große Reagenzgläser, die
etwa 4 cm hoch mit verdünnter Salpetersäure (1 Volumenanteil konzentrierte
Salpetersäure + 2 Volumenanteile Wasser) gefüllt sind, wird eine Zink-Granalie,
ein kleiner Eisennagel bzw. ein etwa 3 cm langes Stückchen Magnesiumband
gegeben. In allen Fällen entweicht ein farbloses Gas.
Anmerkung: Konzentration
der Salpetersäure genau einhalten: Bei höherer Konzentration entstehen sofort
braune Gase, bei zu geringer Konzentration der Salpetersäure reagiert das Zink
sehr langsam, und am Eisennagel ist fast keine Gasentwicklung zu sehen. Für den
Versuch mit dem Magnesium kann allerdings die Salpetersäure stärker verdünnt
werden (1 : 3). Es ist ferner darauf zu achten, dass die Salpetersäure nach der
Herstellung der Mischung wieder abgekühlt ist und dass wirklich nur ein
Nagel, eine Zink-Granalie bzw. ein nicht zu großes Stück Magnesiumband
eingeworfen wird. Andernfalls erfolgt durch die schnellere Erwärmung zu rasch
eine Entwicklung von braunen Gasen.
107. Schießen mit
Schwarzpulver
In ein schwer schmelzbares
Reagenzglas gibt man einen Spatel voll Schwarzpulver, verschließt das Glas mit
einem locker sitzenden Stopfen, spannt es schräg in ein Stativ ein und erhitzt
es: Der Stopfen wird bei der Explosion herausgeschleudert.
Anmerkung:
Selbstherstellung von Schwarzpulver: 1 g Schwefel und 1,5 g Holzkohle werden in
einer Reibschale fein zerrieben und dann auf einem Stück Papier mit 7,5 g KNO3
sorgfältig vermischt, wobei jeder Druck vermieden werden muss.
Anhang: Versuche
zum Thema "Oxide des Stickstoffs"
1.) In einem Gleichdruckgasentwickler lässt man auf Kupferspäne
eine Mischung von 1 Volumenanteil konz. Salpetersäure und 3 Volumenanteilen
Wasser einwirken, erwärmt den Kolben mit fächelnder Flamme, fängt das entweichende
farblose Gas über Wasser in einem Standzylinder auf und verschließt diesen mit
einer Abdeckscheibe. Entfernt man die Abdeckscheibe, so verfärbt sich der
Inhalt des Standzylinders langsam von oben nach unten braun. (identisch mit Versuch
102)
2.) In einem Gleichdruckgasentwickler lässt man konzentrierte Salpetersäure auf Kupferspäne einwirken. Das
entweichende NO2 wird in 3 Erlenmeyerkölbchen aufgefangen.
Kölbchen
1 erwärmt: Farbvertiefung
Kölbchen
2 in Eiswasser gekühlt: Aufhellung
Kölbchen
3 zum Vergleich
3.) In einem Gleichdruckgasentwickler lässt man mittelkonzentrierte Salpetersäure (1 : 1) auf Kupferspäne
einwirken. Das Gemisch von NO und NO2 leitet man durch eine
Kondensationsröhre ("Ente"), die von einer Kältemischung (Eis + Kochsalz)
umgeben ist. Es entsteht eine blaue (bzw. grüne) Flüssigkeit. Gießt man die
Flüssigkeit auf Eis, so tritt die blaue Farbe deutlich hervor.
Die Kieselsäuren und ihre Salze
108. Reduktion von
Siliciumdioxid mit Magnesium
Ein Gemenge von 1 g Quarzmehl und
1 g Magnesiumpulver wird in einem senkrecht eingespannten schwer schmelzbaren
Reagenzglas vorsichtig (!) erhitzt. Die Reaktion verläuft stark exotherm. Nach
dem Erkalten gibt man das Reaktionsprodukt in ein zur Hälfte mit verdünnter
Salzsäure gefülltes Kelchglas. Es entstehen Gasblasen, die an der Luft sofort
unter kleinen Explosionen und Feuererscheinung zerfallen. In dem Kelchglas
bleibt ein braunes Pulver zurück, das abfiltriert, mit Wasser gewaschen und im
Wärmeschrank getrocknet wird.
109. Herstellung von
Natriumsilicat aus Quarzpulver und Natriumhydroxid
In einem Reagenzglas werden etwa
4 g Natriumhydroxid geschmolzen und 1 bis 2 g Quarzpulver in kleinen Portionen
dazugegeben (Schutzbrille!). Nachdem die glasige Schmelze abgekühlt ist, kocht
man mit Aqua purificata auf, dampft etwas ein und filtriert. Gibt man zu dem
Filtrat konzentrierte Salzsäure, so fällt ein gallertiger Niederschlag aus.
110. Verwendung von Wasserglas
als Kittsubstanz
Konzentrierte Wasserglas-Lösung
wird mit so viel Calciumcarbonat-Pulver verrieben, dass ein dicker Brei
entsteht, mit dem man 2 Glasstücke verkittet. An der Luft erhärtet der Kitt zu
einer steinharten Masse. (Das Calciumcarbonat-Pulver saugt das Wasser auf und
lässt das Wasserglas erstarren. Da sich Wasserglaskitt in warmem Wasser wieder
löst, dürfen mit Wasserglas gekittete Glas- oder Porzellangegenstände nicht
mit heißem Wasser abgewaschen werden.)
111. Verwendung von Wasserglas
zum Entflammungsschutz
Ein Streifen Filtrierpapier oder
ein Leinenlappen wird mit Wasserglas-Lösung getränkt und getrocknet. Das so
behandelte Papier bzw. Gewebe lässt sich nicht entzünden. (Vergleich mit
unbehandeltem Papier bzw. Leinen!)
112. Bildung von
Kieselsäuregel
a) Man lässt in ein altes
Trinkglas, das zur Hälfte mit konzentrierter Wasserglas-Lösung gefüllt ist,
aus etwa 20 cm Höhe eine mäßig verdünnte Salzsäure (1 Teil konz. Salzsäure + 1
Teil Wasser) eintropfen oder einfließen. Es scheidet sich eine steife Gallerte
in Form von Eiszapfen aus, die noch deutlich den Ort und die Art des
Einfließens erkennen lassen.
b) In einem Reagenzglas
überschichtet man konzentrierte Wasserglas-Lösung vorsichtig mit konzentrierter
Salzsäure. An der Berührungsfläche der beiden Flüssigkeiten bildet sich eine
Gallerte, die bald so fest wird, dass man nach Abgießen der überschüssigen
Salzsäure das Glas umdrehen kann, ohne dass die noch vorhandene
Wasserglas-Lösung herausläuft.
c) In konzentrierte
Wasserglas-Lösung wird Kohlenstoffdioxid aus der Stahlflasche eingeblasen: Es
bildet sich eine Gallerte.
Die Schwefelwasserstoffsäure und
ihre Salze
113. Darstellung von
Schwefelwasserstoff aus Schwefeleisen und Salzsäure
In einem senkrecht eingespannten
Reagenzglas wird auf Schwefeleisen verdünnte Salzsäure gegeben und schwach
erwärmt. Es entweicht ein farbloses, übel riechendes Gas. Wenn ein stetiger
Gasstrom aufsteigt und alle Luft verdrängt ist, wird das entweichende Gas
entzündet (Glasspitze, Raum verdunkeln oder zumindest dunkler Hintergrund):
blaue Flamme, stechender Geruch. über die Flamme wird ein trockenes Becherglas
gehalten: Es beschlägt sich mit Wassertröpfchen. Hält man in die Flamme eine
kalte Porzellanschale, so scheidet sich Schwefel ab.
114. Claus-Verfahren
(Herstellung von Schwefel aus Schwefeldioxid und Schwefelwasserstoff)

Ein Erlenmeyerkolben wird innen
mit warmem Wasser angefeuchtet und mit einem dreifach durchbohrten Stopfen
verschlossen. Aus 2 Gasentwicklern wird gleichzeitig Schwefeldioxid
(dargestellt aus Natriumsulfit und verdünnter Schwefelsäure) und
Schwefelwasserstoff (dargestellt aus Eisen(II)-sulfid und verdünnter Salzsäure)
in den Erlenmeyerkolben eingeleitet. Im Kolben entsteht elementarer Schwefel.
Die überschüssigen Gase werden mit einem Schlauch in den Abzug geleitet.
115. Schwefelwasserstoffsäure
als Lösung des Schwefelwasserstoffgases in Wasser
Schwefelwasserstoffgas wird in
Wasser eingeleitet und die Reaktion des "Schwefelwasserstoffwassers" mit
blauem Lackmuspapier geprüft.
116. Fällung von Sulfiden
In 4 Kelchgläsern werden ZnSO4,
Pb(NO3)2 und Cd(NO3)2 in Wasser
bzw. SbCl3 in verdünnter Salzsäure gelöst. In einem Reagenzglas
werden 2 kleine Stückchen Schwefeleisen mit verdünnter Salzsäure übergossen
und der entstehende Schwefelwasserstoff unter Verwendung eines U-Rohres in die
Lösungen eingeleitet (evtl. schwach erwärmen!). Nach jeder Einleitung muss das
Einleitungsrohr gesäubert werden.
Hinweis:
Antimon(III)-chlorid muss in verdünnter Salzsäure gelöst werden, denn in Wasser
entsteht unlösliches, weißes Antimonhydroxid, in zu konzentrierter Salzsäure
fällt beim Einleiten von Schwefelwasserstoff kein Sb2S3
aus.
Die Kohlensäure und ihre Salze
117. Rettungsringe aus
Kohlenstoffdioxid
In ein Wasserglas füllt man
"kohlensäurereichen" Sprudel, lässt ihn etwa 10 Minuten abstehen und gibt dann
3 oder 4 unterschiedlich große Naphthalinkugeln ("Mottenkugeln") hinzu. Diese
sinken zunächst auf den Boden des Glases, überziehen sich aber bald mit immer
größer werdenden Gasblasen, die wie kleine Rettungsringe wirken und die
Kugeln zum Aufsteigen bringen. (Wenn die Mottenkugeln die Oberfläche erreicht
haben, platzen gewöhnlich einige der Gasblasen. Die Kugeln geraten dadurch
manchmal in eine Drehbewegung, sinken bisweilen nach unten, beladen sich
erneut mit Gasblasen und steigen dann wieder auf.)
118. Nachweis von
Kohlenstoffdioxid mit Kalkwasser (oder Barytwasser)
Zu einer Calciumhydroxid-Lösung
werden einige Tropfen Sprudel gegeben: Es tritt eine Trübung auf. (Ein
überschuss an Sprudel ist zu vermeiden, da sich sonst der Niederschlag wieder
auflöst!)
119. Nachweis von
Kohlenstoffdioxid in der Ausatemluft
In Calciumhydroxid-Lösung bzw.
Bariumhydroxid-Lösung wird durch ein Glasrohr Ausatemluft eingeleitet.
120. Nachweis von Carbonaten
In ein Reagenzglas wird eine
Spatelspitze Soda oder ein Sodakristall gegeben und mit verdünnter Salzsäure
versetzt. Das entweichende Gas wird in Calciumhydroxid-Lösung oder
Bariumhydroxid-Lösung eingeleitet.
121. Nachweis von
Kristallwasser in Kristallsoda
Eine Spatelspitze Kristallsoda
oder ein Sodakristall wird in einem Reagenzglas schwach erwärmt. Schon nach
kurzer Zeit (bei 32,5 °C!) scheint die Soda zu schmelzen, denn es entsteht eine
Flüssigkeit. Aber auch nach dem Abkühlen bleibt der Inhalt des Glases flüssig!
Bei stärkerem Erhitzen verdampft Wasser, und es bildet sich eine feste, weiße
Substanz. (identisch mit Versuch 68)
122. Brausepulver
3 g NaHCO3 und 3 g
Weinsäure werden in einer Reibschale vermischt und in einem Kelchglas mit Wasser
übergossen.
123. Schaum-Feuerlöscher und
Löschen von Bränden
Vorversuch:
In eine Kristallisierschale von
10 cm Durchmesser gibt man ca. 10 ml Brennspiritus, stellt die Schale in eine
Schutzwanne aus Zinkblech (34 cm × 24 cm) und entzündet den Spiritus mit einem brennenden
Holzspan (Saal abdunkeln!). Wird nun mit einer Spritzflasche (oder aus einer
Glasspitze, die durch einen Schlauch an die Wasserleitung angeschlossen ist)
vorsichtig Wasser in die Flamme gespritzt, so wird der Spiritus durch das
Wasser verdünnt, und schließlich reicht sein Dampfdruck nicht mehr aus, um die
Verbrennung weiter zu unterhalten. - Wiederholt man den Versuch mit Benzin,
so erlischt die Flamme nicht! Da sich das Benzin nicht mit Wasser mischt,
spritzt es über den Rand der Kristallisierschale und brennt außerhalb weiter.
(Um einen Benzinbrand zu löschen, muss man die weitere Sauerstoffzufuhr
unterbinden, z.B. indem man das brennende Benzin mit einem Schaum abdeckt.)
Hauptversuch:
In eine Spritzflasche (1 l) wird
eine Lösung von 50 g NaHCO3 in 500 ml Wasser gefüllt. Nachdem sich
das Salz gelöst hat, gibt man 2 bis 3 ml eines Tensids (z.B. Palmolive) hinzu
und schüttelt etwas, damit eine Schaumschicht entsteht. Auf diese
Schaumschicht gibt man unter Verwendung eines Pulvertrichters 10 g feste
Citronensäure und verschraubt schnell die Spritzflasche. Der Schlauch der
Spritzflasche muss vorher so eingestellt worden sein, dass das untere Schlauchstück
ca. 8 cm im Gasraum der Flasche hängt. Nun schüttelt man kräftig um und
spritzt den entstehenden Schaum in eine bereitgestellte Schale. Mit dem Schaum
kann man auch brennendes Benzin löschen (siehe Vorversuch!). Dabei darf man
den Schaumstrahl nicht in die Mitte der Flammen richten, sondern muss das
brennende Benzin vom Rand her mit dem Schaum abdecken.
124. Schlangen des Pharao
Auf eine feuerfeste Unterlage
gibt man etwas Zigarrenasche, tränkt diese mit Methanol, legt 2 Emser
Pastillen darauf und entzündet sie. Aus jeder Pastille entsteht eine schwarze
"Schlange".
Anmerkung: In den Emser
Pastillen beträgt der Massenanteil an Emser Quellsalz 10 %, der Rest besteht
aus Saccharose und Tablettierhilfsmitteln, z.B. Gelatine. Die
Hauptbestandteile des Emser Quellsalzes sind NaHCO3 (Massenanteil
rund 70 %) und NaCl.
125. Bildung und
Wiederauflösung eines Niederschlags beim Einleiten von Kohlenstoffdioxid in
Kalkwasser
In einen Erlenmeyerkolben (100 ml) gibt man kalte
Calciumhydroxid-Lösung (eventuell Zugabe von Eis!) und leitet Kohlenstoffdioxid
aus der Stahlflasche ein, bis ein Niederschlag ausfällt. Die Hälfte der
Suspension gibt man in einen zweiten Erlenmeyerkolben. Dann wird in einen der
beiden Kolben weiter Kohlenstoffdioxid eingeleitet, bis sich der Niederschlag
wieder aufgelöst hat.
126. Bestimmung der Wasserhärte von Leitungswasser nach
der Durognost-Methode
Vorbemerkung: Die
Wasserhärte wird in Härtegraden angegeben: 1 Grad deutscher Härte (1 °d)
entspricht 10 mg CaO in 1 l Wasser. Zur Angabe der Wasserhärte werden auch die
gelösten Magnesiumverbindungen äquivalent in Calciumverbindungen umgerechnet
und alle Werte auf CaO bezogen.
Kaiserslautern(Buntsandstein!): 1 °d
Neunkirchen: 4 bis 6 °d
Saarbrücken: 5 bis 6 °d (Altsaarbrücken,
St.Johann, St.Arnual)
12 bis 13 °d (Malstatt, Burbach)
München: 16 °d
Würzburg
(Muschelkalk!): 37 °d
neue
Bohrung in Ihn bei Dillingen: 51 °d
Schwäbisch
Hall: 98 °d
Dietingen
bei Rottweil: 162
°d
Aufgrund
gesetzlicher Bestimmungen muss die Wasserhärte in Zukunft in mmol·l-1
angegeben werden:
1
°d (Gesamthärte) entspricht 0,178 mmol CaO in 1 l Wasser.
1
mmol CaO in 1 l Wasser entspricht 5,6 °d (Gesamthärte).
Der Spezialindikator Durognost
löst sich in Wasser leuchtend rot. Die Durognost-Härtegrad-Tabletten bewirken
einen Umschlag des Farbstoffs nach Grün.
Die weiß eingesiegelten Tabletten entsprechen jeweils 1
°d, die orangefarben eingesiegelten Tabletten entsprechen jeweils 5 °d
(bezogen auf eine Wasserprobe von 5 ml). Die Tabletten müssen der Wasserprobe
einzeln zugesetzt werden und völlig gelöst sein, bevor die nächste zugegeben
wird. Die Tabletten enthalten keine Sprengmittel. Um den Lösungsvorgang zu
beschleunigen, werden die Tabletten mit der stempelförmig ausgebildeten Seite
des Glasstabes auf dem Boden des Messglases durch leichtes Drehen zerrieben.
Voruntersuchung:
Das Messröhrchen wird bis zur 5-ml-Marke mit dem zu untersuchenden Wasser
gefüllt und 1 Tropfen Durognost-Spezialindikator hinzugegeben (Rotfärbung!).
Anschließend werden so viele Härtegrad-Tabletten zu jeweils 5 °d hinzugegeben,
bis der Farbumschlag nach Grün erfolgt. Wurden z.B. 4 Tabletten verbraucht, so
liegt die Wasserhärte zwischen 15 und 20 °d.
Hauptuntersuchung:
In einer neuen Probe des gleichen Wassers werden nach Zugabe von 1 Tropfen
Durognost-Spezialindikator zunächst (für das gegebene Beispiel einer
Wasserhärte zwischen 15 und 20 °d) 3 Tabletten zu jeweils 5 °d gelöst und
anschließend nacheinander so viele Tabletten zu jeweils 1 °d, bis der
Farbumschlag erfolgt.
Mit der Durognost-Methode lässt
sich die Wasserhärte auch auf 1/2 °d genau bestimmen,
wenn das Messröhrchen bis zur 10-ml-Marke mit dem zu untersuchenden Wasser
gefüllt wird und die doppelte Menge an Durognost-Spezialindikator (2 Tropfen)
hinzugegeben wird. Die orangefarben eingesiegelten Tabletten entsprechen dann
jeweils 2,5 °d, die weiß eingesiegelten Tabletten 0,5 °d.
127. Brennen von Marmor
Ein Stückchen Marmor (etwa 1 cm
lang und 0,5 cm breit) wird auf einer Magnesiarinne mit dem Frankebrenner zu
heller Glut erhitzt. Nach dem Erkalten wird der Glührückstand in einem kleinen
Becherglas mit Aqua purificata übergossen. Die Reaktion der entstehenden
milchig getrübten Flüssigkeit wird mit rotem Lackmuspapier geprüft.
(Kontrollversuch mit einem ungebrannten Stück Marmor!)
Die wichtigsten Möglichkeiten
der Salzbildung
128. Bildung von Wasser bei
der Neutralisation
In einem Gasentwickler lässt man
konzentrierte Schwefelsäure auf Natriumchlorid einwirken und leitet das
entstehende Chlorwasserstoffgas in ein Reagenzglas, in dem sich einige Natriumhydroxid-Plätzchen
befinden. Das Reagenzglas erwärmt sich und beschlägt sich innen mit einer
farblosen Flüssigkeit, die mit blauem Cobaltchloridpapier als Wasser
identifiziert werden kann.
129. Nachweis von
Ammoniumverbindungen
Die zu prüfende Substanz wird auf
ein Uhrglas gegeben und mit einigen Tropfen Natronlauge oder Kalilauge
versetzt. Ein zweites Uhrglas, auf dessen Innenseite ein Streifen feuchtes
rotes Lackmuspapier haftet, wird über das untere Uhrglas gestülpt: Falls es
sich bei der zu prüfenden Substanz um eine Ammoniumverbindung handelt, färbt
sich das rote Lackmuspapier blau.

130. Bildung von Chloriden aus
Chlor und Metallen
In 2 Standzylindern wird der Boden etwa 1 cm hoch mit Sand
bedeckt. Dann leitet man Chlor in die Standzylinder ein und verschließt diese
mit Abdeckscheiben. In den einen Zylinder streut man etwas Antimonpulver und
verschließt den Zylinder sofort wieder. Das Antimon entzündet sich. In den anderen
Zylinder lässt man unter Verwendung einer Tiegelzange einen kleinen Büschel
Eisenwolle fallen, an dessen Spitze man etwas Antimonpulver gegeben hat. Die
Eisenwolle entzündet sich über das Antimon und reagiert mit dem Chlor unter
Feuererscheinung und der Bildung eines braunen Rauchs.
Einführung in die Chemie der wässrigen Lösungen
131. Osmose

Die konzentrierte
Rohrzucker-Lösung wird mit Eosin angefärbt.
andere Versuchsdurchführung
mit dem Stoye-Gerät:

Die Membran wird zwischen den
Glasteilen 1 und 2 mit Hilfe der Dichtungsringe aus Gummi dicht schließend
eingesetzt, anschließend werden die Schrauben über Kreuz fest angezogen. Der
Glas-teil 1 wird mit Aqua purificata blasenfrei gefüllt, das Glasröhrchen
aufgesetzt, ebenfalls mit Wasser gefüllt und in das Wasser im Becherglas
eingetaucht. Dann wird der Glasteil 2 mit konzentrierter, durch Eosin
angefärbter Rohrzucker-Lösung gefüllt, das Steigrohr aufgesetzt und der
Flüssigkeitsstand markiert. Nach etwa 30 min wird der Flüssigkeitsstand erneut
abgelesen.
132. Chemischer Garten
In einem Marmeladeglas wird
vorrätige Natriumsilicat-Lösung mit der doppelten Menge Aqua purificata
verdünnt. Aus einem Pillenglas schüttet man in die Wasserglas-Lösung unter
gleichmäßiger Verteilung einige erbsengroße Kristalle der folgenden Salze:
FeCl3, Ni(NO3)2, MgCl2, MnCl2,
Cu(NO3)2, CaCl2, Co(NO3)2.
z.B. Me2+
+ SiO32-
MeSiO3
(semipermeables Häutchen)
133. Traubesche Zelle
Eine Petrischale wird auf den
Overhead-Projektor gestellt und etwa 1 cm hoch mit einer Kalium-hexacyanoferrat(II)-Lösung
( ß(K4[Fe(CN)6] =
40g×l-1
) gefüllt. In die Lösung legt man einen 1 bis 2 cm langen
Kupfersulfatkristall. Um den Kristall bildet sich eine dünne, rotbraune, schwach
durchsichtige Haut, die sich immer stärker aufbläht und schließlich platzt.
Nach dem Aufplatzen bildet sich sofort wieder eine neue Haut. Im Innern der
Haut erkennt man den Kristall und die blaue Kupfersulfat-Lösung
Erklärung: Die entstehende
Haut aus Kupfer(II)-hexacyanoferrat(II) ist semipermeabel.
134. Osmotische Vorgänge in
Zellen
a) Früchte (z.B. Erdbeeren)
werden mit Zucker bestreut. Sie ziehen Saft.
b) Eine Kartoffelscheibe wird mit
Salz bestreut. Sie schrumpft zusammen.
c) Zwei Hühnereier werden für 24
Stunden in verdünnte Salzsäure gelegt, bis sich die Kalkschalen aufgelöst
haben. Anschließend werden die beiden Eier gut gewässert. Dann wird ein Ei in
ein Becherglas mit Aqua purificata gelegt, das andere in ein Becherglas mit
einer konzentrierten Kochsalz-Lösung. Nach einigen Tagen ist das erste Ei
prall aufgebläht. Sticht man es mit einer Präpariernadel an, so spritzt der
Inhalt heraus. Das andere Ei ist zusammengeschrumpft.
135. Leitfähigkeitsmessungen

Um bei der Versuchsserie auch
zeigen zu können, dass Leitungswasser eine geringe Leitfähigkeit besitzt,
sollte man eine Glühbirne für 220 V verwenden. Dann muss aber sehr vorsichtig
experimentiert werden (Graphitelektroden in einem Holzbrett gehaltert!).
Ferner empfiehlt sich, in den Stromkreis einen Tastschalter einzubauen und ihn
erst dann durch einen Schüler betätigen zu lassen, wenn die Elektroden in die
richtige Position gebracht worden sind.
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Graphit
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|
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Schwefel
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leitet nicht
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Kupfer
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leitet
|
|
Messing
|
leitet
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Eisen
|
leitet
|
|
Glas
|
leitet nicht
|
|
Porzellan
|
leitet nicht
|
|
Rohrzucker (kristallin)
|
|
|
Kochsalz (kristallin)
|
leitet nicht
|
|
Propantriol = Glycerin
|
leitet nicht
|
|
Benzin
|
leitet nicht
|
|
Aqua purificata
|
leitet nicht
|
|
Rohrzucker-Lösung
|
leitet nicht
|
|
Kochsalz-Lösung
|
leitet
|
|
Kaliumnitrat-Lösung
|
leitet
|
|
Leitungswasser
|
leitet schwach
|
|
Natronlauge
|
leitet
|
|
Phosphorsäure
|
leitet
|
|
verdünnte Schwefelsäure
|
leitet
|
|
HCl-Gas in Benzin gelöst
|
leitet nicht
|
|
HCl-Gas in Aqua purificata gelöst = Salzsäure
|
leitet
|
136. Nachweis der elektrischen
Leitfähigkeit einer Salzschmelze
Versuchsaufbau von Versuch 135
Eine Mischung aus gleichen
Massenanteilen KNO3 und NaNO3 wird in eine kleine
Porzellanschale gefüllt und erhitzt. Sobald das Salz zwischen den beiden
Kohlestäben geschmolzen ist, fließt ein elektrischer Strom.
137. Elektrolyse einer Lösung
von Zinkiodid
U-Rohr, 3 g ZnI2 in
100 ml Aqua purificata, Pt-Elektroden, 5 bis 40 V =
138. Nachweis der
Ionenwanderung mit dem Nernst-Gerät

In den Trichter füllt man bei
geschlossenem Hahn eine Kaliumpermanganat-Lösung (0,05 g KMnO4 in
100 ml Aqua purificata), die durch Zusatz von 5 g Harnstoff "schwerer" gemacht
worden ist, und öffnet dann den Hahn etwas, so dass die Kaliumpermanganat-Lösung
bis zu dem U-Rohr ansteigt. Hierauf füllt man das U-Rohr bis fast an die Elektroden
mit einer KNO3-Lösung (0,03 g KNO3 in 100 ml Aqua purificata)
und lässt durch langsames Öffnen des Hahnes die KMnO4-Lösung in das
U-Rohr so weit eintreten, dass die KNO3-Lösung etwa 1 cm über die
Platinelektroden reicht. Legt man eine Gleichspannung von ca. 20 V an, so kann
man nach etwa 15 Minuten eine Verschiebung der violetten Grenzlinie zur Anode
hin beobachten.
139. Versuche zur
Ionenwanderung

140. Schmelzflusselektrolyse
von Lithiumchlorid

über Nacht im Wärmeschrank bei
ca. 60 °C getrocknetes Lithiumchlorid wird in einem V-Rohr aus Quarz
geschmolzen (Schmelztemperatur 610 °C). Anschließend wird eine Elektrolyse mit
Nickel- oder Eisen-Elektroden durchgeführt (7 V =). Nach etwa 1 min ist an der
Anode Chlorgeruch festzustellen. An der Kathode scheidet sich ein Metall ab.
Nimmt man die Kathode aus der Schmelze und taucht sie in ein Becherglas, das
Wasser mit Phenolphthalein enthält, so entzündet sich der entstehende
Wasserstoff, und das Wasser färbt sich rot.
141. Dialyse einer Mischlösung
von Stärke und Kaliumiodid

In einem Becherglas (100 ml)
kocht man 2,5 g lösliche Stärke in 50 ml Aqua purificata kurz auf und löst
darin 5 g Kaliumiodid oder Natriumchlorid. Die in der Mischung enthaltene
Stärke weist man mit einer Lösung von Iod in Kaliumiodid, die Halogenid-Ionen
mit Silbernitrat-Lösung nach. Dann füllt man unter Verwendung eines Trichters
die Mischung in eine Dialysierhülse und hängt diese in eine mit Aqua purificata
gefüllte Saugflasche. Nach 10 bis 15 Minuten werden aus der Saugflasche 2
Wasserproben entnommen und auf Stärke bzw. auf Halogenid-Ionen überprüft.
(Die vollständige Entfernung des Elektrolyten aus der
Mischlösung durch längeres Hindurchleiten von Wasser dauert zu lange!)
142. Dialyse von kochsalzhaltigem Tee
In eine Tasse mit heißem Wasser
hängt man einen Beutel schwarzen Tee, lässt 2 bis 3 Minuten ziehen, gibt dann
2 gehäufte Teelöffel Kochsalz hinzu und rührt gut um. Aus einem zu einem Kreis
von etwa 25 cm Durchmesser zurechtgeschnittenen Stück Einmach-Cellophan faltet
man einen Beutel, führt in diesen einen Trichter ein und füllt den Beutel zu
etwa 2/3 mit der Tee-Kochsalz-Lösung. Dann wird der
Trichter herausgezogen und der Beutel mit einer Schnur oder einem Draht verschlossen.
Anschließend wird der Beutel in eine kleine Schale gelegt und so viel kaltes
Wasser in die Schale gegeben, dass etwa die Hälfte des Beutels von Wasser
umgeben ist. Nach etwa 30 bis 40 Minuten lässt man das Wasser in der Schüssel
schmecken: Es schmeckt salzig, hat sich aber nicht braun gefärbt!
143. Tyndall-Effekt
Demonstrationsgerät zum Tyndall-Effekt
der Firma Hedinger, Stuttgart
Man verwendet die beiden Plexiglasküvetten mit schwarzer
Rückwand und schwarzen Seitenwänden und füllt die eine mit der Versuchslösung,
die andere mit einer Vergleichsflüssigkeit. Dann legt man die Abdeckblende auf
einen Tageslichtprojektor und stellt die beiden Küvetten auf die runden Öffnungen
der Abdeckblende.
Versuchslösung: Stärke-Lösung (w = 1 %)
oder: Eisen(III)-hydroxid-Sol (vergl. Versuch 145!)
oder: Mastix-Lösung (10 g Mastix werden in 90 g
vergälltem Ethanol gelöst. Von dieser Lösung gibt man 0,5 ml in 1 Liter Aqua
purificata.)
Vergleichslösung:
Es ist sehr schwer, eine Vergleichslösung herzustellen, die keinen
Tyndall-Effekt zeigt. Man kann eine Lösung von reinem Kochsalz in thermisch
destilliertem Wasser verwenden oder eine isotonische Kochsalz-Lösung, wie sie
zur Infusion und Injektion verwandt wird ( ß(NaCl) = 0,9 g×l-1;
als Lösemittel "Aqua ad iniectabilia" ).
144. Tyndall-Effekt einer
angesäuerten Natriumthiosulfat-Lösung
Man lässt einen Lichtstrahl durch
eine Glaswanne fallen, in der sich 240 ml stark verdünnte Salzsäure befinden
(100 ml verdünnte Salzsäure + 140 ml Aqua purificata). Dann vermischt man die
Salzsäure mit Natriumthiosulfat-Lösung (1,2 g Na2S2O3
in 240 ml Aqua purificata) und beobachtet den Lichtstrahl.
145. Koagulation eines
Eisen(III)-hydroxid-Sols durch Gleichstrom
Wird in einem U-Rohr mit
Platinelektroden durch ein Eisen(III)-hydroxid-Sol Gleichstrom von 20 bis 50
Volt geleitet, so tritt nach etwa 20 bis 30 Minuten an der Anode
Farbaufhellung, an der Kathode Farbvertiefung und schließlich Ausscheidung
brauner Flocken ein. (Die kolloiden Eisenhydroxid-Teilchen sind durch die
Adsorption von Fe3+-Ionen aus der Lösung positiv geladen. Die
positiv geladenen Teilchen wandern zur Kathode. Dort werden die Fe3+-Ionen
entladen, und das Kolloid flockt aus.)
Herstellung des
Eisen(III)-hydroxid-Sols: In siedendes Aqua purificata lässt man unter
ständigem Rühren reine FeCl3-Lösung (1,3 g in 20 ml Aqua
purificata) eintropfen.
146. Koagulation eines
Eisen(III)-hydroxid-Sols durch Zusatz eines Elektrolyten
Setzt man in einem Becherglas
einem Eisen(III)-hydroxid-Sol etwas Alaun-Lösung zu, so scheiden sich nach etwa
20 Minuten grobe Flocken aus. (Die kolloiden Eisenhydroxid-Teilchen sind durch
die Adsorption von Fe3+-Ionen aus der Lösung positiv geladen. Die
dadurch erfolgende Abstoßung der Teilchen bedingt eine hohe Stabilität des
Sols. Durch die Zugabe von SO42--Ionen wird die positive
elektrische Ladung der kolloiden Eisenhydroxid-Teilchen aufgehoben, und das
Kolloid flockt aus.)
Herstellung des
Eisen(III)-hydroxid-Sols: siehe Versuch 145!
147. Wirkung eines
Schutzkolloids
In einem mit einigen Tropfen
Gelatine-Lösung versetzten Eisen(III)-hydroxid-Sol tritt beim Zugeben von
Alaun-Lösung keine Ausflockung ein.
Herstellung des
Eisen(III)-hydroxid-Sols: siehe Versuch 145!
148. Herstellung von Silicagel
In einem kleinen Becherglas lässt
man in Wasserglas-Lösung einen Tropfen konzentrierte Salzsäure aus einer
Pipette eintropfen.
149. Adsorptionsvermögen von
Silicagel
Schüttelt man sehr verdünnte
Methylenblau-Lösung mit Silicagel, so erhält man ein farbloses Filtrat (bis zur
nächsten Stunde stehen lassen!).
Sonderkapitel
"Technische Silicate"
V 1: "Hydrolyse" von Glas
Aus Glasbruch (Fensterglas bzw.
zerbrochene Reagenzgläser aus Jenaer Glas) wird durch Zerstoßen und Zerreiben
in einer Reibschale Glaspulver hergestellt. (Schutzbrille! - Reibschale abdecken,
indem ein Blatt Papier in der Mitte mit einem Loch versehen und der Griff des
Pistills durchgesteckt wird!)
In 3 Reagenzgläser gibt man
jeweils etwa 3 ml Aqua purificata und 3 Tropfen Phenolphthalein-Lösung. Das
erste Reagenzglas dient zum Vergleich, in das zweite Reagenzglas wird ein
Spatel Fensterglaspulver, in das dritte ein Spatel pulverisiertes Jenaer
Glas gegeben. Das dritte Reagenzglas wird anschließend bis zum Sieden erhitzt.
Während die Vergleichslösung
farblos bleibt, färbt sich in der zweiten Probe die Grenzschicht zwischen der
Lösung und dem Glaspulver intensiv rot. In der dritten Probe zeigt sich nur
eine schwache Rötung, die auch durch Erhitzen der Lösung nicht stärker wird.
Erklärung: Fensterglas
enthält wasserlösliches Natriumsilicat, dessen Lösung alkalisch reagiert. In
dem Jenaer Glas sind die Natrium-Ionen weitgehend durch zwei- und dreiwertige
Metall-Ionen ersetzt, die wasserunlösliche Silicate bilden.
Sonderkapitel
"Edelgase"
V 1 Bedeutung der Edelgase in Glühbirnen
Eine Glühbirne (60 W oder 100 W,
klar) wird in einer Fassung über einen Tastschalter ans Netz angeschlossen
und auf Funktionstüchtigkeit überprüft. Dann wird die Glühbirne
herausgeschraubt und mit der nicht leuchtenden Bunsenflamme eine Stelle des
Glaskolbens der Glühbirne erhitzt. Die erwärmte Stelle beult sich nach außen
und platzt auf. Nach dem Abkühlen wird die Glühbirne erneut in die Fassung
geschraubt und über den Tastschalter ans Netz angeschlossen. Die Glühbirne
leuchtet für wenige Sekunden hell auf, und die Glühwendel verbrennt zu weißem
Rauch.
Weitere Versuche
V 1 Phosphoreszenz
1 g Fluorescein und 100 g
Borsäure werden in einer Reibschale gut zerrieben, auf 3 Reagenzgläser aus
Quarz verteilt und so lange erhitzt, bis eine glasartige Schmelze entsteht.
Nach einer Bestrahlung mit UV-Licht leuchtet der Inhalt der Gläser noch
längere Zeit nach: Phosphoreszenz. Durch Erwärmen des Reagenzglases wird die
Dauer der Phosphoreszenz verkürzt, durch Abkühlen des Reagenzglases verlängert
(!).
V 2 Mineralisches Chamäleon (Farbe der verschiedenen
Oxidationsstufen des Mangans)
Becherglas (1 l, hohe Form),
Magnetrührer mit Beleuchtung, 2 Pipetten (20 ml und 10 ml) und 2 Pipettierhilfen
Lösung
1: 300 ml Wasser + 0,5 g KMnO4
Lösung
2: 75 ml Aqua purificata + 25 g festes NaOH +
0,5 g HCOONa
Lösung
3: 25 ml Aqua purificata + 25 ml konz.
Schwefelsäure
Lösung 4: 50 ml Aqua purificata + 0,5 g Na2SO3
Man stellt das hohe Becherglas
auf den beleuchteten Magnetrührer, gibt 20 ml der Lösung 1 in das Becherglas
und füllt mit Wasser bis etwa 5 cm unter dem Rand auf. Man gibt den Rührstab in
das Glas, stellt aber den Rührmotor nicht an. Dann gibt man 20 ml der
alkalischen Natriummethanoat-Lösung in einem Schwung in die
Kaliumpermanganat-Lösung (ohne umzurühren!). Die alkalische Methanoat-Lösung
sinkt nach unten, und nach einigen Minuten wird die violette Kaliumpermanganat-Lösung
von unten beginnend blau. Die blaue Farbe schlägt allerdings nach einiger
Zeit, wieder von unten nach oben fortschreitend, in eine grüne Farbe um. Nur
noch ein schmaler, blauer Streifen bleibt zwischen der grünen und der
violetten Schicht bestehen.
Sobald die untere Hälfte der
Lösung grün gefärbt ist (d.h. nach 5 bis 10 Minuten), unterschichtet man sie
mit Hilfe einer Pipette mit 20 ml der Lösung 3 und stellt für wenige Sekunden
den Rührer an. Der untere Teil der grünen Farbschicht färbt sich rotbraun.
(Oberhalb der rotbraunen Farbe befindet sich eine kaum sichtbare, schmale,
braune Zone!) Man unterschichtet dann die rotbraune Schicht mit 5 ml der
Lösung 4 und stellt wieder für kurze Zeit den Rührer an (der Rührstab soll
nicht mehr als 1 Umdrehung machen!). Der untere Teil der rotbraunen Schicht
wird entfärbt, so dass nun folgende Schichtung zu sehen ist:
violett: MnO4- (Permanganat-Ion Ox.-zahl:
+7
blau: Mischfarbe
von MnO4- und MnO42-
grün: MnO42- (Manganat-Ion Ox.-zahl:
+6
rotbraun: MnO44-
bzw. MnO32- (Manganit-Ion Ox.-zahl:
+4
farblos
(eigentlich hellrosa!): Mn2+ Ox.-zahl:
+2
(verändert nach Wagner: "Chemie
in faszinierenden Experimenten", 7. Aufl., S. 95-99)
Chemische
Zaubertricks
V 1: Limonade und Traubensaft
Man stellt in einem Becherglas (1
l) eine Tannin-Lösung her aus 600 ml Wasser und soviel Tannin, dass die Lösung
gerade gelblich erscheint und aussieht wie Limonade. Dann stellt man sechs nummerierte
Bechergläser (300 ml) in einer Reihe auf dem Versuchstisch auf. Die
Bechergläser 1, 3 und 5 bleiben leer, in das Becherglas 2 gibt man 1 Tropfen
gesättigte FeCl3-Lösung, in den Bechergläsern 4 und 6 bedeckt man
den Boden mit konzentrierter Schwefelsäure.
Dann gießt man die "Limonade" aus
dem großen Becherglas in die Bechergläser 1 bis 3. In den Gläsern 1 und 3
bleibt die "Limonade" erhalten, während sie sich in Glas 2 in "Traubensaft" umwandelt.
Anschließend wird der Inhalt der 3 Bechergläser wieder in das Vorratsgefäß
zurückgegossen, das dann mit "Traubensaft" gefüllt ist.
Im zweiten Teil des Tricks werden
nun die Gläser 4 bis 6 mit "Traubensaft" gefüllt. In den Gläsern 4 und 6 wird
der "Traubensaft" in "Limonade" zurückverwandelt, während in Glas 5 der
"Traubensaft" erhalten bleibt. Werden nun die 3 Bechergläser in das
Vorratsgefäß zurückgegossen, so wird dessen Inhalt wieder zu "Limonade".
Erklärung: Tannin ergibt
mit FeCl3 einen blauen Komplex, der durch Schwefelsäure wieder
zerstört wird.
V 2: Erdbeereis-Becher
Rinderblut + H2O2
V 3: Theaterfeuer (Staubexplosion)
Man dreht aus dünnem Karton unter
Verwendung von Klebestreifen eine kegelförmige Tüte mit einer kleinen Öffnung
(Durchmesser 4 bis 5 mm) und einer großen Öffnung (Durchmesser ca. 5 cm). Dann
hält man die kleine Öffnung mit einem Finger zu und gibt eine Spatelspitze
Bärlappsporen (Lycopodium) oder Weizenmehl in die Tüte. Man setzt den Mund an
die größere Öffnung und pustet möglichst kräftig das Pulver durch die
kleinere Öffnung von schräg unten in die Flamme.
V 4: Bierversuch
1 Glasstiefel, 1 l
2 Biergläser oder Bechergläser,
500 ml
In die Spitze des Glasstiefels
gibt man 1 bis 2 ml Pril (oder ein anderes farbloses Spülmittel).
Glas A: Glas
B:
500 ml Aqua purificata 500
ml Aqua purificata
0,6
g Na2SO3 3,25
g KIO3
5
ml Ethanol
2
g konz. Schwefelsäure
Man gießt mit Schwung
gleichzeitig die Inhalte der beiden Gläser in den Glasstiefel. Die Mischung
färbt sich sofort braun, und es bildet sich eine Schaumkrone.