Ingeborg Drewitz: Gestern war Heute

Stichwort: Frauenliteratur - Literatur von Frauen für Frauen über Frauen?

Arbeitsauftrag: Welche Aspekte der folgenden Ausführungen über "Frauenliteratur" treffen auf Ingeborg Drewitz' Roman besonders zu, welche weniger? Unterstreichen Sie!

"... versteht sich von selbst, daß unter "Frauenliteratur" nicht in einem neutralen Sinne "Literatur von Frauen" begriffen sein soll, womöglich in jener trivialliterarischen Spielart, wie sie sich von Eugenie Marlitt und Hedwig Courths-Mahler bis zu Sandra Paretti, Marie-Luise Fischer und Utta Danella erstreckt, die überkommenen Rollenmuster von Mann und Frau, die gängigen Klischees um Ehe, Liebe und Familie immer aufs neue variierend. Sondern "Frauenliteratur" heißt hier in einem strikten Sinne: Literatur von Frauen über Frauen für Frauen. Sie versteht sich selber als Teil der Neuen Frauenbewegung, sie sieht, wie diese, ihre Erfahrungsvoraussetzungen bestimmt durch die Welt der Männer, durch Väter, Brüder, Söhne, durch Vorgesetzte und Funktionäre, durch Geliebte, Ehemänner und politische Weggefährten, nicht zuletzt also durch eine männlich dominierte Sexualität, die zu ebenso subtilen wie brutalen Formen der Vergewaltigung ausgreifen kann. Unterdrückung, Entmündigung und Einsamkeit, Gefühlskälte und Beziehungslosigkeit kennzeichnen diese literarischen Nachrichten aus unterschlagenen, alltäglichen Wirklichkeitsbereichen, teils aggressiv, teils leidend vorgetragen, bisweilen mokant und spröde gegenüber dem anderen Geschlecht. Die Frauen in dieser deutlich autobiographisch geprägten Literatur finden sich stets auf der Suche nach einem Selbstbewußtsein, das sich von dem der Männer abkehrt und abgrenzt, das zu sich selber findet und über sich selbst verfügt, nicht selten im Austausch und in der Gemeinschaft mit anderen Frauen." (zit. nach Ralf Schnell: Die Literatur der Bundesrepublik, J.B.Metzler Stuttgart 1986 S. 272)



Exzerpt aus Manfred Jürgensen: Was ist Frauenliteratur? (vorläufige Anmerkungen), in: Frauenliteratur: Autorinnen - Perspektiven - Konzepte, München 1983, S. 13-39

Alleine der Tatbestand, dass eine Frau Autorin ist, reicht nicht aus, dass von F. gesprochen werden kann - genauso wenig, wie eine inhaltliche Bestimmung (Thema: Frau, Stellung der Frau etc.) dazu veranlassen darf, das Werk der Frauenliteratur zuzuordnen.
Frauenliteratur muss - um die Bezeichnung als eigenständigen Begriff zu verdienen - eine eigene Art des Schreibens sein, die vor folgenden Problemen steht:

Nur wenige Merkmale von Frauenliteratur lassen sich auf diesem Hintergrund erkennen (mit Vorsicht): Unter diesem Gesichtspunkt ist es durchaus möglich, dass auch Männer F. schreiben bzw. geschrieben haben.


Über hilfreiche Reaktionen freue ich mich: Klaus Dautel

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