E.T.A.Hoffmann: DER SANDMANN

E.T.A.Hoffmann:

DER SANDMANN (1815)

Diese Novelle gehört zu einer Sammlung von 'Nachtstücken', die 1816/17 in zwei Teilen in Berlin erschienen. Solche ‘Nocturnae’ in der Malerei der Renaissance zeichnen sich durch effektvolle Hell-Dunkel-Szenen aus. In Hoffmanns 'Nachtstücken' werden dem Menschen vertraute Dinge zu nächtlicher Stunde in ein anderes Licht gerückt. Die festen Ordnungsschemata der Welt geraten durcheinander: Licht und Schatten, Wirklichkeit und Traum, Vernunft und Wahnsinn, Belebtes und Unbelebtes.

  

I. EXPOSITION: Vorgeschichte in drei Briefen, Auftritt des Erzählers, Charakterisierung der Protagonisten:

NATHANAEL AN LOTHAR: N. berichtet, wie er durch das Erscheinens eines Wetterglashändlers namens Coppola an seine Kindheit erinnert wird. Zum einen an die Geschichte vom Sandmann, der kleinen Kindern die Augen stiehlt, zum anderen an das nächtliche Erscheinen des Advokaten Coppelius beim Vater zum Zwecke alchemistischer Experimente. Bei einer derselben kam der Vater ums Leben.
CLARA an NATHANAEL: Clara versucht Nathanael zu beruhigen, indem sie diese Erscheinungen und Ahnungen als "Phantome des eigenen Ich" erklärt. (siehe Detailanalyse unten)
NATHANAEL an LOTHAR: Er berichtet, dass Coppola aus der Stadt verschwunden sei. Gleich im Hause gegenüber habe sich ein Herr Spalanzani mit seiner Tochter OLIMPIA niedergelassen.

Hier nun tritt der Erzähler auf und rechtfertigt seine Erzähltechnik: Nichts ist wunderlicher und toller als das wirkliche Leben. Er gibt uns eine Schilderung von Claras Charakter: "Nomen est omen".

II. Zuspitzung des Konfliktes:

Nathanaels Verdüsterung (der sich frei wähnende Mensch dient nur "dunklen Mächten zum grausamen Spiel"). Zunehmende Entfremdung zwischen Nathanael ("Du...verdammtes Automat") und Clara (ւmystische Schwärmerei”), und beinahe kommt es zum Zweikampf zwischen Nathanael und Lothar, aber die Versöhnung durch Clara gelingt im letzten Augenblick. Alles scheint wieder gut und Nathanael kehrt in seine Stadt zurück.

III. KRISE:

Zuhause ist aber das Haus abgebrannt und N. muss ein neues Quartier nehmen. Im Haus gegenüber lebt der Physikus Spalanzani mit seiner schönen Tochter Olimpia, welche Nathanael nun täglich beobachtet.
Der Wetterglas-Händler Coppola erscheint mit Brillen ('Augen') und Ferngläsern. Durch ein solches betrachtet belebt sich Olimpia in faszinierender Weise, so dass N. es kauft und damit O. beobachtet.
Drei Tage später gibt Spalanzani einen Ball, worin er seine Tochter Olimpia der Öffentlichkeit präsentiert.

Die allgemeine Meinung über Olimpia ist hernach eher skeptisch, Nathanael hat sich hierbei unsterblich in sie verliebt und verbringt nun täglich ein paar schmachtende Stunden bei ihr. Dann aber wird er zufällig Zeuge, wie Spalanzani und Coppola sich um die leblose Puppe Olimpia streiten. Coppola erobert sie und eilt mit ihr davon. In einem Anfall von Wahnsinn würgt daraufhin Nathanael den Professor Spalanzani, wird überwältigt und ins Tollhaus gebracht.

IV. Entspannung durch ironische Distanz:

Dies erregt natürlich peinliches Aufsehen in der Stadt. Nicht wenige haben sich durch die Puppe täuschen lassen und auf Teegesellschaften und Bällen ist man nun sehr auf kleine Unregelmäßigkeiten und Fehler bedacht, um nicht in falschen Verdacht zu geraten.

V. KATASTROPHE:

Nathanael scheint genesen und wird von Clara abgeholt. Dann aber, als er zum Abschied mit Clara noch einmal einen Aussichtsturm besteigt, erblickt er durch Coppolas Glas den Coppelius unten am Fuß des Turmes, N. wird wieder vom Wahnsin gepackt, versucht Clara vom Turm zu werfen, doch der herbeigeeilte Lothar kann das verhindern, da stürzt sich Nathanael selbst hinab. Coppelius aber verschwindet in der Menge.

  


Klaus Dautel, 1999-2009

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Ohne ein bisschen Werbung geht es nicht. Ich bitte um Nachsicht, falls diese nicht immer ganz Themen-gerecht sein sollte.
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