Jeremias Gotthelf: DIE SCHWARZE SPINNE

Jeremias Gotthelf (Albert Bitzius) - "Bilder und Sagen aus der Schweiz"

Die schwarze Spinne(1842)

In einem engen, aber freundlichen Bergtal rüstet man sich am Himmelfahrtstag zu einer Kindstaufe: Die Natur ist in voller Blüte und die Menschen sind in freudiger Aufregung. Die ganze Sippe trifft allmählich ein und macht sich fertig zum Kirchgang (Episode mit dem vergessenen Kindsnamen). Dann wird der Rückweg angetreten, beim Festessen gibt es verschiedene Gespräche bei und nach Tisch: Über die Güte der Männer und Weiber, über den Hausbau. Dabei bringt ein schwarzer Balken im neuen Haus den GROßVATER zum Erzählen der folgenden Geschichte:

Vor 600 Jahren wurden die Bauern des Tales von dem Feudalherren Hans v.Stoffel arg geknechtet (Kreuzzug-Mentalität!): Nachdem die Bauern zwei Jahre ihre Wirtschaft vernachlässigen und dem Stoffel ein Schloss bauen mussten, sollen sie nun im Mai einen Schattengang von 100 Buchen errichten. In der allgemeinen Verzwiflung bietet ein Grüner Jäger seine Hilfe an - um den Lohn eines ungetauften Kindes. Die Bauern fliehen.

Die Arbeit am Schattengang beginnt und steht unter einem Unstern (verhext?). Als der Grüne am dritten Tage unter Donner und Blitz noch einmal seinen Vorschlag vorbringt, fliehen zwar die Bauern, aber ein "grausam handlich Weib", Christine, eine Lindauerin, schließt diesen Pakt eigenmächtig: Der Grüne küsst ihre Wange und es brennt wie Feuer.

Das Teufelsweib beruhigt die Bauern und sie stimmen ihr zu. Der Schattengang wird mit einiger Zauberei fristgerecht vollendet. Die Bauern sind erleichtert und "kücheln".

Das erste Neugeborene wird vom beherzten Pfarrer gleich nach der Geburt getauft, die Bauern frohlocken, aber auf Christines Wange wächst ein stechender Fleck.

Er wächst sich zur schwarzen Spinne aus, der Schmerz wird unerträglich und als das nächste Kind geboren und getauft wird, gebärt die Spinne viele kleine schwarze Spinnen, die nun ausschwärmen und das Vieh töten.

Große Not macht sich breit, zu alledem kommt noch der Zorn des Ritters über seine toten Rinder hinzu. Die Bauern sinnen darauf, den Teufel zu befriedigen, eine Verschwörung gegen die nächste werdende Kindsmutter kommt unter der Leitung Christines zustande.

In einer Gewitternacht wird das dritte Kind der Mutter von Christine entrissen und dem Teufel zugetragen. Der Pfarrer aber wittert Unheil, eilt zum Treffplatz (Kilchstalde), ein fürchterlicher Kampf entbrennt, dabei schrumpft Christine zur Spinne zusammen, der Teufel aber flieht das Weihwasser, das Kind wird gerettet und getauft. Danach stirbt es, aber auch der Pfarrer, gezeichnet von schwarzen Flecken, wird heimgeholt.



Der dramatische Höhepunkt und seine sprachliche Gestaltung

1. Das Vorspiel im Himmel: 
                  Metaphern des Kampfes - Wolkenschlacht 
                     das Wetter tobt Kampf der Elemente 
                  -> Ankündigung des Kampfes 
                     Warnruf Gottes an den Priester

2.Der Priester als HELD: - Kämpfer gegen das Böse, 
                         - Soldat im Feindesland, 
                           ausgestattet mit Mut, Kraft, 
                           einem scharfen Auge und heiligen Waffen

3.Der Kampf: Lange Sätze und Nebensatzketten 
             Häufung von Vergleichen: als ob, wie wenn 
             Häufung von Adjektiven: 
               "schwarze, hochaufgeschwollene grauenvolle Spinne" 
             Alliteration und Assonanz: "Es sauste und brauste und tosete" 
                giftstrotzend, trotzig, zornig, glotzend

4. Das Nachspiel: Das Wetter beruhigt sich, 
                  die Wolken verziehen sich,  stilles Sternenlicht 

Hausaufgabe: Welche Funktion hat das Unwetter für den Leser?
Wie wird der Priester dargestellt (Bilder)?
Wie wird der Kampf sprachlich gestaltet(Wortwahl/Klang)



Jetzt wütet das Grauen im Tale. Die schwarze Spinne verschont keinen, auch nicht die Rittersleut.

Das einzig bislang verschonte Haus ist das der Mutter des dritten Kindes. Diese wartet auf die Spinne und fasst einen Plan: Sie greift die Spinne und steckt sie in ein Loch im Balken, das sie kurz vor ihrem Ableben noch verschließen kann. Wie schon der Pfarrer, so stirbt auch sie einen Gott gefälligen Tod und ihre Seele wird von Engeln vor dessen Thron geleitet.

Hier unterbricht der Großvater seine Erzählung, es wird zum Essen gebeten, aber ein rechter Appetit will nicht aufkommen und die Gotte sieht schon die schwarze Spinne.

Gottes Segen ruhet nun über dem Tal für 200 Jahre und der Reichtum mehret sich. Einzieht nun aber ins Tal Hochmut, Hoffart und Gottlosigkeit. Unheil kommt wieder einmal von denen, die von auswärts in das Tal einheiraten. Die Nachfahren der heorischen Frau bauen ein neues Haus, das Gesinde bleibt ihm alten, Ordnung und Gottesfurcht verlottern. Ein böser Knecht (von auswärts) schließlich mitten in einer gotteslästerlichen Orgie zu Weihnacht, lässt die Spinne frei und der Todestanz beginnt aufs Neue. Christen, der letzte getreue Nachfahre, wird zum Sündenbock.
In einer dramatischen Aktion (88/9) fängt er die Spinne wieder ein, bevor auch ihn Gott gnädig entschlafen lässt. Gottesfurcht kehrt wieder.

Seitdem, so endet der Großvater (S. 91), wird der alte Balken in jedes neue Haus eingebaut. Die Kindstaufe findet so ihren erbaulichen Ausklang.


Struktur-Grafik


Klaus Dautel, 1999-2009

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Ohne ein bisschen Werbung geht es nicht. Ich bitte um Nachsicht, falls diese nicht immer ganz Themen-gerecht sein sollte.
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