DAS GOLD VON CAXAMALCA (1928)

Jakob Wassermann (1873-1934): Das Gold von Caxamalca

1. Der Mönch und vormalige Ritter Domingo de Soria Luce schreibt in einem Kloster in Lima/Peru - 30 Jahre später - das Folgende nieder:

2. Im November 1532 zieht General Francesco Pizarro mit 300 Reitern und etlichem Fußvolk mühevoll über die Kordilleren. Am siebten Tage erreichen sie die Stadt Caxamalca (= Froststadt) und finden diese verlassen vor. Aber an den Berghängen entdecken sie das ungeheuer große Heer des Inka Atahuallpa.

3. Der Ritter de Soto wird mit 15 Reitern als Delegation zum Inka geschickt. Als Dolmetscher dient der frisch getaufte Indianer Felipillo, ein Mensch von "tiefer Verschlagenheit". Die edle Erscheinung und das rätselhafte Verhalten des ungefähr 30 Jahre alten Inka beeindrucken den Erzähler. Der Inka nimmt die Einladung in die Stadt an.

4. Die Delegation kehrt, ob der Macht des Inka und der Menge des gesehenen Goldes niedergeschlagen, zurück. Aber Pizarro richtet sie mit dem Versprechen unermesslicher Reichtümer für ihren "Kreuzzug" wieder auf. Sein verwegener Plan, den Inka in den Hinterhalt zu locken und gefangen zu nehmen, raubt dem Erzähler in der Nacht den Schlaf.

5. Warum ist er hier? Wie er selbst sind viele der Ritter verarmte, heruntergekommene Adlige und Abenteurer, die der Ruf des Goldes um Pizarro geschart hat.

6. Und hier gibt es das Gold in solchen Mengen, dass es den Menschen nichts zu bedeuten scheint. Wie leben und was glauben diese Menschen? Der Inka ist ein von der Sonne Abgesandter, seine Untertanen sind alle gleich, die Wirtschaft beruht auf dem immer neu zugeteilten Gemeingut, für alle wird gesorgt und BESITZ gibt es nicht.
Aber dem Erzähler erscheint eine Gesellschaft ohne Privateigentum, und damit ohne Wetteifer und Ehre, "lästerlich".

Ein Tafelanschrieb: Exposition

Jakob Wassermann: Das Gold von Caxamalca (1928)
Wann? Ende des 16. Jahrhunderts, genauer: im November 1532
Wo? In der Stadt Caxamalca in Reich der Inkas (das heutige Peru)
Wer? General Francesco Pizarro und seine 300 Ritter
darunter Domingo de Soria Luce (Erzähler)
dessen Freund Hernando de Soto,
der zwielichtige Dolmetscher Felipillo,
der Inka Fürst Atahuallpa

Erzähler und Perspektive?
Der Ich-Erzähler erinnert sich rückblickend 30 Jahre später Konsequenzen für die Erzählung: Wertungen und Vorgriffe auf noch Kommendes

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| Was treibt die Spanier nach Amerika?  +----------------------------+
| -----------------------------------   | Was finden sie vor?        |
| - Abenteuerlust                       | -------------------        |
| - Armut und persönliches Scheitern    | - Schätze (-> Bereicherung)|
| - Der Ruf des Goldes                  | - Theokratie (-> Heiden)   |
| - Im Namen des Kreuzes                | - Gesellschaft ohne        |
+---------------------------------------+    Privateigentum          |
                                        +----------------------------+

7. Am Mittag des nächsten Tages trifft der Zug des Inka ein, ein Dominikaner fordert ihn dreimal auf, sich dem Kaiser und dem christlichen Glauben zu ergeben und als keine Antwort erfolgt, stürzen die Spanier aus dem Hinterhalt hervor, metzeln alles nieder und nehmen den Inka gefangen.

8. Am nächsten Tag wird die Stadt geplündert und die Gier der Spanier, auch die des Erzählers, tobt sich brutal aus. Dem Treiben schaut der Inka grübelnd zu. Diese Gier nach Gold, die - wie Felipillo ihm erklärt - hinter allem steckt, ist ihm unbegreiflich.

9. Viele Diener, Höflinge, Frauen und Untertanen des Inka kommen nun in die Stadt, aber alle unbewaffnet und in "abergläubischer Furcht".

10. Dem Erzähler wir die Aufgabe übertragen, den Inka zu bewachen, wodurch er ihn genauestens beobachten kann.

11. Eines Tages wird der Halbbruder des Inka von einem wütenden, meuterischen Spanier verfolgt, er rettet sich in den Schutz des Inka und dieser macht eine für ihn "ungeheuerliche" Erfahrung: Er gibt dem Spanier von seinem Goldschmuck und dieser lässt von dem Halbbruder ab.

12. Am nächsten Tag bietet Atahuallpa an, den Saal bis zur Höhe seiner ausgestreckten Hand binnen zweier Monate mit Gold füllen zu lassen, wenn man ihm die Freiheit gebe. Ein Vertrag wird abgeschlossen.

13. Während nun aus dem ganzen Land Gold herangebracht wird, identifiziert sich der Erzähler immer mehr mit dem Inka und sieht mit dessen Augen die Raffgier und heimliche Aufsässigkeit seiner Landsleute. Er begreift die lähmende Melancholie, die den Inka am Widerstand hindert: Der "Geist der Finsternis" hat die Herrschaft angetreten, "die Welt war unrein geworden", Widerstand zwecklos.

14. Der älteste Heerführer des Inka kommt in die Stadt, aber der Inka fordert ihn nicht zum Widerstand auf.

15. Der Dolmetscher macht sich an eine der Frauen des Inka heran und als dieser sich darüber bitter beklagt, behauptet Felipillo, dass der Inka mit seinem General eine Verschwörung angezettelt habe. Pizarro passt diese Verleumdung gut in den Plan.

16. Der Raum ist nun fast bis unter den roten Strich gefüllt, da befiehlt Pizarro, diese wunderbaren Kunstwerke einzuschmelzen, um es besser verteilen zu können. Ein Gefährte des Generals, Don Almagro, trifft mit seinen Leuten ein und verlangt seinen Anteil. Streit bricht immer wieder aus, und der Inka beobachtet, wie ein Spanier einen anderen einer goldenen Schildkröte wegen ersticht.

17. Der Inka fordert seine Freiheit, aber Pizarro verweigert sie ihm. Der aufrechte De Soto bewirkt wenigstens, dass dem Inka die Anschuldigungen vorgetragen werden. Dieser weist die Vorwürfe von sich: "Wie können Adler ... wider Blitz und Erdbeben" aufstehen? In der Nacht wird De Soto mit 50 Reitern ins Gebirge geschickt. Er ahnt, dass er weg sein soll, wenn 18. am nächsten Morgen in einem kurzen Prozess (Hauptankläger: Felipillo) das Todesurteil beschlossen wird: Wegen Verschwörung soll der Inka am selben Abend verbrannt werden.

19. Der Pater unterschreibt das Todesurteil.

20. Der Inka bittet um Verschiebung der Hinrichtung bis zum nächsten Morgen, er erwartet unruhig die "Ankunft seiner Ahnen".

21. Am Abend bittet der Inka den General um sein Leben.

... und wie es jetzt genau weiter geht, wird nicht verraten.

Zwei Reiche
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     | REICH DER FINSTERNIS <-> REICH DER SONNE  |
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     |    Spanier                   Indianer     |
     |    Christen                  Heiden       |
     |   (=Kultur?)               (=Wildheit?)   |
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        +---------------------------------------------------+
        | "Ich wollte ergründen, was euch so stark macht."  |
        +---------------------------------------------------+
        | - Hinterhältigkeit (Gefangennahme)                |
        | - Verlogenheit (Vertragsbrüchigkeit)              |
        | - Eigennutz  (heimliche und offene Aufsässigkeit) |
        | - Kreuzzugsidee (Bekehrung auch mit dem Schwert)  |
        | - Bewaffnung: Pferde, Rüstungen, Kanonen          |
        +---------------------------------------------------+
                              +-------------------------------------+
                              | Und was macht die Inkas so schwach? |
                              +-------------------------------------+
                              | - Friedfertigkeit/Arglosigkeit      |
                              | - Unterordnungsbereitschaft         |
                              | - Unwissenheit (Aberglauben)        |
                              | - Genügsamkeit (ohne Habsucht)      |
        ABER:                 +-------------------------------------+
        +-----------------------------------------------------------+
        | War das Leben der Inkas wirklich so harmonisch?           |
        |    War der INKA wirklich ein so friedfertiger Herrscher?  |
        |        (Vgl. hierzu historische Berichte/Materialien)     |
        +-----------------------------------------------------------+

DIE WELT DER INKAS und DIE WELT DER SPANIER
 
                 1. Aus der Sicht der Inkas
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Sonne ist die Gottheit                 kein Gott außer Gold
    von ihr kommt                          daraus folgt
Fruchtbarkeit und ewiges               Verwüstung und Zerstörung
    Wachstum
eine heilige Ordnung                   Schändung von Heiligtümern
(Idee eines Unberührbaren)

Gehorsam und Disziplin                 Ungehorsam und Rebellion

Gleichheit aller                       Recht des Stärkeren
     allgemeine Fürsorge               Plündern und Rauben

                2. Aus der Sicht der Spanier
                ----------------------------
Heiden = Ungläubige                     Christen = Rechtgläubige
 die bekehrt werden müssen                 die das Heil verkünden

unvernünftige Wilde                     Vertreter höherer Kultur
 Menschen zweiter Ordnung                   Herrenmenschen

Besitzlosigkeit = Armut                   Eigentum = Reichtum

             Was stimmt davon, was ist nicht richtig?
                   Worauf will der Autor hinaus?

Gruppenaufträge für ein kleines Präsentationsprojekt (fünf Gruppen):

Wissenswertes über die INDIO-KULTUREN
             Maya             Azteken             Inka
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Gegend     Mexico             Mexico              Peru

Schrift    Bilderschrift     Bilderschrift       Knotenschrift
                                                            Quipu
Religion   Tieropfer         Menschenopfer       Sonnenkult

Ende       durch andere      F.Cortez 1519       Pizarro 1532
         Indianervölker

Klassenarbeit Kl. 8: Jakob Wassermann: Das Gold von Caxamalca (1928)
  1. Stelle die Erzählung kurz vor.
  2. Charakterisiere die Erzählperspektive.
  3. Erkläre die Passivität, das 'Nichts-Tun' des Inka.
  4. Was bedeutet für ihn 'Sonne' und
    wodurch unterscheidet sich für ihn das Reich der Sonne vom Reich der Finsternis.

 

Und hier noch einige Links


(cc) Klaus Dautel


Ohne ein bisschen Werbung geht es nicht. Ich bitte um Nachsicht, falls diese nicht immer ganz Themen-gerecht sein sollte.
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