Alfred Andersch: Der Vater eines Mörders (11. Klasse)

© Peter Kopf


ÜBERSICHT

  1. Exposition, S. 13 - 22
  2. Zeitlicher Aufbau/Zeitgerüst: erzählte Zeit <--> Erzählzeit
  3. Die Hauptpersonen
  4. Der Rex Teil I
  5. Der Rex Teil II; Die Auseinandersetzung Rex ó von Greiff
  6. Anderschs Andeutungen zur Vater-Sohn Beziehung, zur politischen Situation in Deutschland nach dem 1. Weltkrieg
  7. Der Rex Teil III; Die Auseinandersetzung Rex ó Kien
  8. Erzähl-Perspektive
  9. Das Nachwort + Schlussbesprechung
  10. Klassenarbeitsthemen

1. Exposition: Personenbeschreibung/Charakteristik

a) Exposition: S. 13-22: was erfährt man über die Situation, die Personen, Ort, Zeit  
Ort Wittelsbacher Gymnasium
Zeit ...
Situation Schulleiter inspiziert eine Schulklasse
Hauptpersonen Kandlbinder, Rex, Franz, Schulklasse
Perspektive Franz, Klasse, Erzähler
b) Personenbeschreibung, Charakteristik: der Rex, S. 13 ó 24; evtl. Arbeit für 3 Gruppen: c) Einen Mitschüler, einen Lehrer beschreiben.

2. zeitlicher Aufbau/Zeitgerüst: erzählte Zeit <--> Erzählzeit

a) die wörtliche Rede (S. 13-22) notieren und mit verteilten Rollen lesen/spielen. b) zeitlicher Aufbau/Zeitgerüst: erzählte Zeit <--> Erzählzeit

erzählte Zeit:

Diese kurze Einleitungsszene umfasst ca. 2min, das ist die Zeitspanne, die die fiktiven Geschehnisse in der Wirklichkeit benötigen würden. Erzählte Zeit = Zeit des Inhalts.

Erzählzeit:

Für die Beschreibung dieser 2 Minuten braucht Andersch 9 Seiten (zum Lesen braucht man ca. 10 Minuten); diese 9 Seiten, bzw. 10 Minuten Lesezeit entsprechen der Erzählzeit. Sie wird am besten durch die Anzahl der Druckseiten angegeben. Je mehr Seiten, desto länger  die Erzählzeit, bzw. die Zeit für die Lektüre.
Erzählzeit = Lesezeit, bzw. Anzahl der Seiten

Vergleich der Dauer von erzählte Zeit und Erzählzeit:

Die Gestaltung der Zeit, bzw. des Erzählens ergibt sich aus dem Verhältnis von erzählter Zeit und =Zeitgerüst des Werkes:

c) wie gestaltet Andersch die Zeit?
 

3. die Hauptpersonen: Äußeres  Verhalten, Ausstrahlung?

Arbeitsauftrag: Die Personen, Seiten 13-22 noch mal lesen und Notizen zu den Personen machen Arbeitsauftrag: Fotos raussuchen, wie könnten die Hauptfiguren (heute) aussehen, welche Merkmale könnte man durch Bilder hervorheben?
 

4. Der Rex (Teil I): S.23-36:

a) Das Verhalten des Rex betrachten gegenüber: b) Der Status von Kandlbinder gegenüber der Klasse, bzw. dem Rex
- zu Beginn der Stunde,
- nach ca. 10 Minuten?

 

c) Beobachtungen und Gedanken des Franz Kien

- wodurch werden seine Gedanken ausgelöst
- was für Gedanken sind das?
d) Franz Kien bekritzelt während der Schulstunde die Schulbank: Sprüche, Sätze, Bilder ?
 

5. Die Auseinandersetzung Rex - von Greiff

Gruppenarbeit für 4 Gruppen: G1: S. 36 - 41; G2: 42o - 46u; G3: 46u - 50u; G4: S. 50u - 57; Aufgaben zur Auswahl:
 

6. Andersch zur Vater-Sohn Beziehung, zur politischen Situation in Deutschland nach dem 1. Weltkrieg.

a) Gruppenarbeit für 2 Gruppen: G1 S. 58 ó 65, G2 S. 65 ó 72 b) Ergänzende Informationen, u.a. zu Heinrich Himmler
 

7. Der Rex Teil III;

a) Gruppenarbeit: Die Auseinandersetzung Rex - Kien b) Aufgabe: Was können Schüler an Lehrern nicht leiden?

Mein schlimmster Lehrer,  SZ, 8.11.99

Ulf, 17, aus Fürth:

Sokrates war hässlich. Geradezu abstoßend. Niemand war seinerzeit auch nur annähernd so abscheulich anzusehen wie Sokrates. Sagt Herr L., mein Ethiklehrer. "Folgendes ist überliefert", hat er gesagt: "Sokrates war nicht einfach nur unschön ñ er war hässlich wie die Nacht!" Warum das Aussehen eines großen Denkers so wichtig sein soll, dass man darüber in Ethik unterrichtet wird, ist mir zwar nicht klar. Aber was sollës. Sokrates war hässlich, ich habe es mir gemerkt. In der nächsten Stunde werde ich ausgefragt und erzähle Blödsinn, verwechsle ihn mit einem anderen Philosophen. An schlechten Tagen ist so etwas für Herrn L. ein Grund für seine allseits gefürchtete Psychonummer. Heute ist ein schlechter Tag; und ich bin sein Opfer.

Er beginnt ganz leise, fast freundlich: "Wohl nichts gelernt, was?", um Sekundenbruchteile später zu brüllen: "Das ist wieder typisch, von dir kenne ich ja nichts anderes!" Herr L. steht vom Lehrerpult auf und kommt langsam auf mich zu. "So einen Unsinn habe ich schon lange nicht gehört", sagt er und schafft es tatsächlich, dass ich mir ziemlich dumm vorkomme. Vor meinem Tisch geht er in die Knie, verschränkt beide Arme darauf und starrt mich an. Sein Gesicht ganz nahe vor meinem: "Weißt du eigentlich, dass du Ähnlichkeit mit Sokrates hast?" Das ist gemein. Diese Anspielung versteht jeder. Ich muss schlucken. Ist es meine Brille? Vielleicht die Nase? Ich fühle mich unwohl. Wegen der blöden Hufeisen-Stellung der Tische kann mich die ganze Klasse sehen. Niemand sagt etwas, mein Gesicht wird heiß.

Herr L. fixiert mich. Das darf doch nicht wahr sein: Ich merke, wie langsam Wasser in meine Augen steigt. Ganz laut und überaus deutlich sagt L.: "Du wirst doch jetzt nicht anfangen zu heulen, oder?" Alle schauen zu mir, ein paar Mädchen stecken die Köpfe zusammen und lachen leise. "Tu' ich doch gar nicht", sage ich, so fest ich kann, und kämpfe mit aller Kraft gegen die Tränen an. Diesen Triumph will ich ihm nicht gönnen, er hat mich schon genug blamiert. Er scheint zu merken, dass da nichts mehr zu holen ist. Langsam geht er zurück an sein Pult, die Blicke der anderen folgen ihm.

Gerechte Strafe: Herrn L. wünsche ich persönlich alle möglichen entstellenden Hautkrankheiten, so dass er sich nicht mehr in den Unterricht traut und überhaupt nur noch nachts auf die Straße gehen kann.

Corinna, 17, aus Stuttgart:

Meine Montage sind schrecklich, wegen des Schwimmunterrichts bei Herrn 0. Zum Beispiel am letzten Montag: Ich bin die letzte, die aus der Dusche in die Halle kommt. Mein gesamter Kurs sitzt am Beckenrand. Zehn Jungs, alle nass. Sind alle schön ein paar Bahnen geschwommen. Sportlehrer 0. steht in grünen Neonbadeschlappen und einer verschwindend kleinen knallroten Dreiecks-Badehose vor uns und erklärt das heutige Programm. Delfinschwimmen.

Die Jungs springen ins Wasser, machen ungefähr sieben lockere Züge im Butterfly-Stil und sind am anderen Beckenrand angelangt. Ein Alptraum: Herr 0. wird sich heute ganz auf mich konzentrieren, alle anderen können bereits Delfinschwimmen! Herr S. schaut zu mir, auf meinen Körper, was weiß ich wohin. Seine Augen bleiben überall kleben. In seiner Minibadehose stellt er sich genau vor mich. Unangenehm, im Badeanzug einem beinahe nackten Lehrer gegenüberzustehen. Ihn scheint das jedoch nicht zu stören. Er habe da ein ganz spezielles Übungsprogramm für Anfänger zusammmengestellt, sagt er, das mich garantiert zum Erfolg bringen werde.

Nicht sehr überzeugt springe ich vom Startblock ins Wasser. Herr 0. steht am Beckenrand und verdreht die Augen. "Schwimmen, nicht baden, Mädel!", schreit er in meine Richtung. Als ich wieder auf dem Startblock stehe, fragt mich Herr 0., indem er mich mustert, unvermittelt: "Woher sind Sie eigentlich so knackig braun wie eine Nuss?" - "Portugal", schreie ich und springe in das Wasser. Jetzt einfach abtauchen und erst wieder hochkommen, wenn die Stunde vorbei ist, das wär's ... Aber Herr 0. läuft am Beckenrand neben mir her und brüllt Ratschläge wie "Brust raus" oder "die Bahn runterknüppeln". Am Ende der Stunde entschließt sich Herr 0. kurzerhand "auch noch g'schwind ins Wasser reinzukommen". Er entledigt sich seiner Schlappen und stürzt sich ins Wasser. Ich schwimme, was das Zeug hält in die andere Richtung. Wirklich, ich hasse die Montage.

Gerechte Strafe: An allen Litfass-Säulen in der Nähe der Schule Plakate, auf denen Herr 0. in seiner roten Mini-Badehose zu sehen ist.
 

8. Erzähl-Perspektive:

a) Wie wird erzählt; die drei Erzählperspektiven,  s. Info-Text unten b)  Textbeispiele: S. 36 Z6 - Z18; S. 72 Z6 von unten - S. 73 Z5; S. 82 Z4 - Z 16.
weitere Beispiele für die verschiedenen Erzählweisen suchen.

Erzähl-Perspektive: wie wird erzählt? Man unterscheidet drei Formen des Erzählens:

9. das Nachwort + Schlussbesprechung

a) Das Nachwort; die 3 Teile in GA bearbeiten:
  1. warum die Figur des Franz Kien?
  2. Die Fragen, die hinter der Erzählung stehen
  3. Sprache, Erzählweise = Erzählperspektive
b) Die beiden Zitate von Brecht und Mauthner? Was haben sie mit der Erzählung zu tun?

c) Informationen über: Alfred Andersch 1914 - 1980
 

10. Klassenarbeitsthemen:

Thema 1: S. 101 ó 107: Rex

  1. Fasse die Situation kurz zusammen und beschreibe die für das Verständnis der Situation notwendigen Zusammenhänge.
  2. Was ist der Rex in deinen Augen für ein Mensch? Was sind seine positiven, was seine negativen Seiten? Beschreibe und begründe dein Urteil.
  3. Welche Erzählperspektiven verwendet A. Andersch; erläutere die Absicht.

Thema 2: S. 109 - 117: Franz Kien

  1. Fasse die Situation kurz zusammen und beschreibe die für das Verständnis der Situation notwendigen Zusammenhänge.
  2. Ausgehend von dieser Textstelle: was ist Franz Kien für ein Mensch?
  3. Welche Erzählperspektiven verwendet A. Andersch; erläutere die Wirkung.

Thema 3: Die Schüer
# Beschreibe kurz den Verlauf der Unterrichtsstunde und vergleiche das Verhalten der 3 Schüler dem Rex gegenüber.
# Erstelle eine Charakteristik der 3 Schüler
# Erläutere das Zeitgerüst in dieser Geschichte und beschreibe die Absicht des Autors,  bzw. die Wirkung auf den Leser

Thema 4: freie Aufgabe


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