Sophokles ANTIGONE Unterrichtsideen & Arbeitsvorschläge

Zum Einstieg ein Quiz:
Was man von der antiken Welt wissen sollte


Vorgeschichte: Das LABDAKIDEN-HAUS

Ein Fluch des Apollon wegen der Zeugung des Ödipus lastet auf dem Herrscherhaus: Lajos und Iokaste hatten das Delphische Orakel über ihre Kinderlosigkeit befragt und zur Antwort bekommen, dass sie froh sein sollten, kein Kind zu haben, denn es werde seinen Vater töten und die Mutter heiraten.
Lajos verstößt daraufhin seine Frau, diese rächt sich an ihm, indem sie ihn betrunken macht und dann verführt.
So also kommt Ödipus in die Welt, wird gleich daraufhin mit durchbohrten Füßen (Ödipus = "Schwellfuß") von einem Hirten ausgesetzt, aber nicht, wie befohlen, getötet; er wird gefunden und am Königshof von Korinth großgezogen (die weitere Geschichte von Ödipus, dem Vatermord, dem Rätsel der Sphinx und seiner Heirat mit der Mutter usw. kann recherchiert, erzählt oder aus entsprechenden Werken zusammengelesen werden).

Bevor der vom Schicksal geschlagene und geblendete Ödipus die Stadt Theben verlässt, verflucht er noch seine Zwillinge Eteokles und Polyneikes (seine Söhne und Brüder zugleich: Kinder des Inzests) wegen ihrer Mitleidslosigkeit und Gefühllosigkeit.

Die Stadt soll nun von beiden im Jahreswechsel regiert werden, aber Eteokles vertreibt seinen Bruder, dieser rüstet gegen die Vaterstadt, die nun von Kreon regiert wird. Der Kampf zieht sich hin und führt schließlich zum Zweikampf der Zwillinge, die sich gegenseitig umbringen. Die Angreifer werden endgültig in die Flucht geschlagen und das Drama nimmt seinen Lauf:

Tafel: Die Vorgeschichte
Lajos  und Iokaste (Herrscherpaar von Theben)
        |
        |                               Kreon (Bruder der Iokaste,
        v                                      Onkel und Schwager
      Ödipus - Iokaste                         des Ödipus)
        |                                          |
  _____________________________________            |Sohn
  |           |            |           |           |
Eteokles      |            Ismene    Antigone = Haimon
 ->vertreibt Polyneikes

         daraus folgt der Krieg der
         SIEBEN gegen THEBEN
                 |
        Eteokles gegen Polyneikes
        sie töten sich gegenseitig  -> Kreon wird Herrscher von Theben!

	Auf dem Schlachtfeld bleibt zurück der tote Angreifer,
	    der Leichnam des Polyneikes!
	Entscheidungsfrage: Soll er begraben werden oder nicht?

Das Griechische Theater (5. Jhdt v.Ch.)

... beruht auf zwei Quellen,
1. den homerischen Epen aus dem 8. Jhdt, sie dienen den Autoren als Stoffsammlung
2. Satyrchöre (=Bocksreigen) im 6.Jhdt: Kulttänze zu Ehren des Dionysos, der Gott des Rausches, der Fruchtbarkeit und auch der sinnlichen Liebe (Lieblingsgott der Athener); die Darsteller waren in Bocksfelle gekleidet.

... ursprünglich ein Teil der Opferhandlung, weitete sich das Schauspiel schließlich zum theatralischen Wettstreit ("Agon") aus, das sechs Tage dauerte: Aus dem Chor-Vortrag wird der Dialog, dem Chor tritt ein Einzelsprecher entgegen; aus dem Dialog entwickelt sich die Handlung mit mehreren Sprechern, Masken, Kostümen, Bühnenrequisiten und Maschinen ("deus ex machina" bei Euripides)

Ablauf der DIONYSIEN (Frühling)
1. Tag: Prozession mit anschließendem Festgelage
2. Tag: Tieropfer am Altar des Dionysos, lyrischer Wettstreit der Chöre (Dithyramben)
3. Tag: Komödien-Wettstreit
4. - 6. Tag: Tragödien-Wettstreit: Vier Stücke eines Dichters pro Tag. (Tetralogien)
6. Tag: Urteil der Schiedsrichter und Preisverleihung für den Dichter, dessen Chorleiter und den besten Hauptdarsteller.

Die erfolgreichsten Dichter waren:

Der Festspielleiter war der oberste Staatsbeamte, der erste der neun "Archonten".
Er beauftragte den "Choregen", einen wohlhabenden Bürger, den Chor (12 bis 24 junge Männer) zusammenzustellen.
Der Archont wählt drei Dichter aus nach Prüfung der eingereichten Stücke.
Er lost vor Beginn der Theaterspiele 10 Schiedsrichter aus und vereidigt sie.
Er befehligt die Theaterpolizei, die mit Stöcken bewaffnet war.

Die Zuschauer blieben den ganzen Tag im Theater (ca. 20 000).
Die Stadt Athen bezahlte die Siegerpreise für die Dichter und Schauspieler, und das Schaugeld für die Zuschauer (zwei Obolen als Ausgleich für den Verdienstausfall).

Die vom Dichter zum Wettstreit eingereichte Tetralogie umfasste drei Tragödien und ein Satyrspiel.

Dramatische Bestandteile der Tragödie waren:
- der Prolog: Erläuterung der Vorgeschichte
- Einzugslied des Chores
- Botenbericht über die verhängnisvolle Wendung des Schicksals
- Klagelied des Betroffenen

Der Gegenstand der Tragödie ist immer eine Ausnahmesituation, die durch den Konflikt zwischen Göttermacht und Menschenwille gekennzeichnet ist.

Zur KOMÖDIE (komos): fastnachtsmäßiger, nächtlicher Umzug ehrenwerter attischer Bürger im Januar mit Gelage usw.
Hinzu kamen im 5. Jhdt die >Dickbauchtänzer< mit umgehängtem phallos und ausgestopftem bauch. zuerst mit stegreifpossen, schließlich breites spektrum von bürgerlichen charakteren: der dufschneider, der schönredner, der betrogene, der betrunkene. die komödie (aristophanes) ist noch vergleichbar mit einem kabarett, in welchem die herrschenden personen und snsichten verspottet werden.
Am Ende des 1. Aktes wendet sich der Chor ohne Maske an das Publikum und gibt die Meinung des Autors zu aktuellen Anlässen kund (Parabase).

Tafel: Der Chor
Historisch: bestehend aus 12 - 24 ausgewählten jungen Männern,
       verkörpert die Stimme des Volkes, die öffentliche Meinung (demos)
       (ursprünglich ganz allein, später im Wechselgesang mit einer Figur)

Position: zwischen Zuschauern      &        Bühnenfiguren
              d.h.
       trotz besseren Wissens        versucht mit den Protagonisten
       zum Zuschauen verurteilt      in Dialog zu treten und sie zu warnen
                                       (v.1100 ff:"geh hin, befrei die ...")

Funktion: Warner und Vorausdeuter der Katastrophe
       Kommentar und Belehrung: "ungeheuer ist viel und ..."(v.332)
       Stimme der Vernunft: "allen Segens Anfang heißt Besinnung.."(v.1349)

Sprache: gehobene, rhythmisierte Sprache ("Hymnos" metrisch freier Lobgesang
             zu Ehren der Götter und Heroen, auch Wettkampfsieger)
      freie Verse im Gegensatz zum regelmäßigen Blankvers der Protagonisten

Sophokles' ANTIGONE (uraufgeführt 442 v.C.in Athen)

                     _______________________________________
Dramatis Personae: |  ANTIGONE  <- polyneikes -> KREON       |
                   |  Haimon                    Euridike     |
                   |  Ismene, Theiresias, Wächter, Bote      |
                   |      Chor thebanischer Greise           |
                   | ________________________________________|


Aufbau der TragÖdie:
Prolog:   der konflikt werden vorgestellt

Parodos: Einzugslied des Chores - Vorgeschichte
                                 __
  erstes Epeisodion (Hauptszene)   |
         1. Stasimon (Standlied)   |  tragische
  zweites Epeisodion               |
         2. Stasimon               |  Handlung
  ...                              |
  fünftes Epeisodion               |
         5. Stasimon             __|

  Exodos (Schlussszene)

Prolog: Antigone verkündet Ismene ihre Entschlossenheit, den Leichnam des Polyneikos - gegen das Gebot des Kreon - zu bestatten und damit der religiösen Pflicht und der Schwesternpflicht genüge zu tun.
Ismenes Einwände (7):
- Fluch über dem Geschlecht des Ödipus
- Ohnmacht der Frauen
- Gewalt der obrigkeit

KONFLIKT der Antigone:

       ---------------------------------------------------
     |                                                     |
     |  heiliges Gesetz  <----------> Gebot des Herrschers |
     |                      Antigone                       |
     |                "fromm .......gefrevelt"(V. 74)      |
       ---------------------------------------------------

Parodos:

Der Chor (als Berichterstatter/Volk/Vermittler) erzählt die Vorgeschichte vom Kampf um Theben

Die tragische HANDLUNG beginnt und nimmt ihren Lauf

Erstes Epeisodion

KREON gibt dem Volk als neuer Herrscher seine Grundsätze bekannt:
Weil Polynikos sich am Vaterland versündigt hat, darf er nicht bestattet werden. Der Wächter bringt Kreon die Nachricht, daß Polyneikos bereits "begraben" d.h. von unbekannter Hand mit Staub bedeckt worden sei. Kreon vermutet, dass die Wächter bestochen wurden, und droht mit Strafe, wenn der Täter nicht gefunden wird.

Stasimon

"Ungeheuer ist viel und nichts ungeheurer als der Mensch..."
Das Chorlied fällt aus dem Handlungsrahmen heraus und reflektiert die Größe/Stellung des Menschen: Sein Platz zwischen einer NATUR, die immer neu zu bezwingen ist, und DEN GÖTTERN, deren Gebote zu befolgen sind: Der höchste Wert ist die Polis!

ZWEITES Epeisodion

Der Wächter (= komische Figur) präsentiert Kreon die Täterin Antigone, die ein zweites Mal versuchte, den Leichnam zu bedecken.
Antigone rechtfertigt sich (22): Göttergebot steht über Menschenbefehl
Kreaon verdächtigt auch die Schwester Ismene. Diese wird vom Wächter gebracht.
Vor Kreons Augen entsteht ein Schwesternstreit: Ismene bekennt sich ebenfalls schuldig, Antigone besteht auf alleiniger Schuld. Beide werden in Fesseln gelegt.

Stasimon: Reflexion über die tragische Verstrickung des Menschen:
Über dem ein göttlicher Fluch lastet, der entkommt ihm nicht.

DRITTES Epeisodion

Haimon, Antigones Bräutigam und Kreons Sohn, beim Vater:
Kreon erläutert seine Grundsätze: Gesetzestreue, Unbeugsamkeit, Zucht
Haimon vertritt den Grundsatz der Toleranz und Nachgiebigkeit aus Vernunft

Entscheidungsfrage: Den Autoritätsanspruch des Herrschers durchsetzen oder dem Volkswillen gerecht werden. Hier die Argumente:

    ___________________________________________________________________
   |         Kreon                            Haimon                  |
   |                                                                  |
   |  in der familie geht des        vernunft ist ein geschenk der    |
   |  vaters willen vor allem        götter, aber nicht nur für einen,|
   |  und gute kinder gehorchen       sondern für andere auch!        |
   |                                                          deshalb:|
   |  auch im staat gilt der wille    was sagen die anderen, das volk?|
   |  des >erkorenen< herrschers      hat es nicht genauso recht?     |
   |  das volk muß bedingungslos                                      |
   |  folgen                                     ||                   |
   |                                             \/                   |
   |  nur der kann gebieten, der      den klugen herrscher zeichnen   |
   |  gehorchen gelernt hat            toleranz, nachgiebigkeit und   |
   |  und nur wer im haus ordnung         lernbereitschaft aus!       |
   |  hält, wird sich im staat als                                    |
   |  gerecht erweisen                                                |
   |__________________________________________________________________|

Haimon droht mit Selbstmord und Kreon beschließt, Antigone lebendig einmauern zu lassen.

Stasimon: Anrufung des Eros, der in den Menschen wirkt, sie entzweit und verbindet

VIERTES Epeisodion

Wechsel- und Klagegesang von Chor und Antigone auf dem Weg ins Mauerloch
Kreon bekräftigt noch einmal sein Urteil,
Antigone überdenkt noch einmal ihre schuldhafte Verstrickung (fromm/Frevel) und prophezeit ihren Richtern ebenfalls den Untergang (925-29)

Stasimon: Beispiele aus der Mythologie, wo andere zu Recht oder Unrecht in Felsenhöhlen gesteckt wurden: Die Macht des Schicksals setzte sich immer ausgleichend und gerecht durch.

FÜNFTES Epeisodion

Teiresias, der blinde Seher, ahnt Unheil - die Götter verschmähen die Opfer - und fordert Kreon zu Großmut und Vergebund auf. Kreon gibt nicht nach und wittert erneut Bestechung.
Im Zorn enthüllt Teiresias ihm, daß bald auch seine nächsten Angehörigen an diesem Starrsinn zugrunde gehenwerden.
Der erschreckte Kreon, vom Chor unterstützt, macht sich auf, um das Mauerloch wieder aufzubrechen.

Stasimon: Anrufung des Bakcheus, mit "entsühnendem Schritt" herbeizueilen und die Not zu lindern.

Exodos (Schlussszene)

Ein Bote bringt die Kunde von Antigones und Haimons Tod.
Eurydike, Kreons Frau, tritt auf und hört des Boten Bericht:
Erst wurde auf Kreons Geheiß Polyneikos bestattet, dann entdeckte man in der Kruft den klagenden Haimon zu Füßen der erhängten Antigone. Im Angesicht des Vaters tötete Haimon sich selbst.
Kreon kommt mit Haimons Leiche und klagt sich selbst an.
Der Bote tritt erneut auf und verkündet Eurydikes Selbstmord.
Kreon bleibt zurück, von den Göttern geschlagen, des Lebenssinnes verlustig und des Lebens müde.


Klassenarbeit

Klassenstufe 11 - Sophokles' Drama Antigone und das griechische Theater

1. Im antiken Athen war Theater „Kult“? Erkläre den Begriff Kult in diesem Zusammenhang. (3)

2. Welche Stoffe wurden als Theaterstoffe gewählt und aus welchen Gründen? (2)

3. Stelle die Rolle des Chors dar

4. Was ist als tragisch zu bezeichnen? (3)

5. Welche Wirkungsabsichten wurden mit der Tragödie bezweckt? (3)

6. Im geometrischen Zentrum der Tragödie steht das Gespräch von Vater und Sohn! Wodurch ist es ausgelöst, wovon handelt es und was bewirkt es unmittelbar? (3)

Beachte: In vollständigen Sätzen antworten, die Antworten einleiten und auf Rechtschreibung und Zeichensetzung achten.


Material und weitere Hinweise:


Klaus Dautel


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Dautels ZUM-Materialien: Google-Fuss