J. W. v. Goethe  Faust  I

Deutsche Theatergeschichte im 18. Jahrhundert

Die Theaterreformer Johann Christian Gottsched (1700 - 66) und Gotthold Ephraim Lessing (1729- 81)

Ausgangslage:

Der Leipziger Literaturprofessor J.C.Gottsched versuchte in dieser Situation, der "Deutschen Dichtkunst" wieder Ordnung und Regel zu geben und das Theater zum Sprachrohr aufgeklärten Gedankenguts zu machen. Dazu aber musste Theater wieder literarisch hochstehend gemacht werden, um das bessere Publikum (gemeint waren Fürsten und der höhere Adel) erziehen zu können. Der Grundgedanke: Um das Publikum zu belehren, müssen Wahrheiten in Fabeln (Handlungen) gekleidet werden, die sowohl logisch als auch wahrscheinlich waren zum Zwecke von

  1. Fürstenerziehung: In der TRAGÖDIE soll dem Herrscher aufgeklärte Staatskunst nahegebracht werden durch die Darstellung wichtiger Staatsbegebenheiten. Das Beispiel des tragischen Falles der Großen bewirkt bei den Herrschenden Betroffenheit und Einsicht in sittlich richtiges Handeln, bei der Masse des Publikums Zufriedenheit mit der eigenen Lage trotz aller Mühsal und Bedrängnis. Die Tragödie stelle folglich nur die Welt der Großen dar ("Ständeklausel"), nur in dieser Welt kann die "tragische Fallhöhe" erreicht werden.
  2. Allgemeine Sittenkritik (KOMÖDIE): Ihr dienen die Satire und das Lustspiel, in denen die Fehler und Schwächen von einfachen Leuten (wie Du und Ich) dargestellt und dem Lachen preisgegeben werden.
  3. Aus dieser Zielsetzung folgende praktische Maßnahmen:
    - Schaffung von Stücken nach französischem Vorbild, Übersetzung von Corneille, Racine, Voltaire und anderen französischen `Klassikern´. - Regelgerechte Stücke: Festgelegte Texte, kein Extemporieren, verbindlicher Vers (z.B.Alexandriner)
    - Orientierung an den - dem Aristoteles zugeschriebenen - drei Einheiten von Ort, Zeit und Handlung
    - Beachtung der Ständeklausel und Verbannung des Harlekin von der Bühne
    - Förderung von engagierten und anspruchsvollen Wandergruppen (Karoline Neuber 1697-1760).

G.E.Lessing (1729-81): Statt Fürstenerziehung Erziehung des Menschengeschlechtes!
Lessing wird Ostern 1767 nach Hamburg berufen, wo er als Theaterdichter das "Nationaltheater" leiten soll: Ein Konsortium von Gönnern richtet dort ein stehendes Theater ein. Lessing betätigt sich als Verfasser neuer Stücke für dieses Theater und versucht als Theater-Kritiker in Hamburg die deutsche Theaterkunst zum repräsentativen Nationaltheater weiterzuentwickeln. Die schriftstellerischen Ergebnisse dieser Kritikertätigkeit sind zusammengefasst unter dem Titel "Hamburger Dramaturgie": "Wir sind noch immer die geschworenen Nachahmer alles Ausländischen, besonders noch immer die untertänigen Bewunderer der nie genug bewunderten Franzosen; alles was von jenseits dem Rheine kömmt, ist schön, reizend, allerliebst, göttlich..." (104. Stück) Lessings Vorschläge:

Das Unternehmen ist jedoch ein finanzieller und künstlerischer Misserfolg, Lessing verlässt Hamburg im Herbst 1769.


(cc) Klaus Dautel, 2001-10


Ohne ein bisschen Werbung geht es nicht. Ich bitte um Nachsicht, falls diese nicht immer ganz themengerecht sein sollte.
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