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Schreibanlässe - Dialogisieren einer Szene

Die Möglichkeiten von Schreibanlässen

Bei Schreibanlässen begibt sich der Schüler in das Stück hinein oder versetzt sich gar in das Denken und Empfinden einer Figur. Durch die Unmittelbarkeit wird der Schreibende ganzheitlich mit seinen Sinnen angesprochen.

Die Schreibhaltung ist nicht distanziert strukturell, logisch ordnend. Nicht aus der abstrakten Distanz wird gesammelt, geordnet und abgewägt. So bieten die produktionsorientierte Schreibhandlungen ein breites Spektrum an Möglichkeiten und Aktivierung. Das logische Erschließen, strukturelles Ordnen und Verknüpfen gehen jedoch keineswegs verloren. Diese Methoden stehen indes nicht im Vordergrund. Wer dialogisiert, einen Brief oder einen inneren Monolog verfasst, benutzt diese logisch-strukturellen Arbeitsweisen in anderer Form. In unseren Schülerhilfen haben wir darauf deutlich bei den Tipps hingewiesen.

Bei dramatischen texten fällt dem Dialogisieren natürlich eine besondere Bedeutung zu. Im weiteren Unterrichtsverlauf stellen wir Ihnen bei der Texterschließung und bei den Figurencharakteristiken verschiedene Anlässe vor. Das Dialogisieren ist nicht allen Schülern geläufig und schon gar nicht vertraut.

Bei unserem ersten Dialogversuch bieten wir daher im Arbeitsheft ausführliche Hilfestellungen für Ihre Schüler an (S. 37 - 39). Zudem ersparen Ihnen diese Arbeitsblätter einen Tafelanschrieb/Hefteintrag der Ergebnisse des szenischen Spiels.

Nehmen Sie sich Zeit, den folgenden Schreibanlass anfertigen zu lassen und im Unterricht zu besprechen.

 

Schreibanlass: Im Militärlager bei Dalarne (als Hausaufgabe)

Beschreibung:
Die Schüler reflektieren das Geschehen der ersten Szene aus der Sicht von Feldwebel und Werber. Das Verhalten der Courage und ihre Erwartung, am Krieg verdienen zu können, ohne ihm Tribut zu zollen, wird aus anderer Perspektive verdeutlicht und hinterfragt.
Die Schüler greifen beim Schreiben auf die Erfahrungen des szenischen Spielens zurück.

Dialog:

Kneipengespräch zwischen dem Werber, dem Feldwebel und einem weiteren Werber im Militärlager Dalarne.

Situation:

Nachdem der Werber und der Feldwebel Eilif im Lager bei seinem künftigen Fähnlein (eine aus 300 Söldnern bestehende Einheit) abgeliefert haben, damit er eingekleidet und für den Kriegseinsatz ausgebildet werden kann, gehen sie gut gelaunt in eine Soldatenkneipe. Im Gespräch mit einem weiteren Werber äußern sie sich noch einmal rückblickend über das Zusammentreffen mit Mutter Courage und ihren Kindern und den Erfolg bei der Anwerbung Eilifs.

Schreibaufgabe:

Schreibe diesen Dialog. Beginne etwa so:
ZWEITER WERBER zum Werber:
Du machst einen so fröhlichen Eindruck. Heute morgen wolltest du dich noch umbringen!
WERBER:
Du machst dir keine Vorstellung, was für Leute ich heute getroffen habe. ...

Erwartungen:

Die Schüler sollen in diesem Gespräch zum einen die Sichtweise des Werbers und des Feldwebels und zum anderen eines anderen Werbers einnehmen.
Folgende Redebeiträge sollten im Gespräch vorkommen, um die Handlung und Charaktere, aber auch die Thematik wiederzugeben:

  • Werber und Feldwebel waren ursprünglich verärgert über die mangelnde Bereitschaft junger Männer, als Söldner in den Krieg zu ziehen;
  • deshalb waren sie schlecht gelaunt, als sie der Mutter Courage und ihren drei unehelichen Kindern begegneten;
  • sie trafen eine Händlerin (Marketenderin), die im Krieg ihr Geschäft machen möchte, aber ihre Söhne, die man gut als Soldaten gebrauchen könnte, bei sich behalten möchte;
  • einer von ihnen, Eilif, war zwar frech und aufmüpfig, wollte aber gern Soldat werden; darauf hin zog die Mutter ihr Messer und ging auf die Soldaten los;
  • beinahe wäre den beiden Eilif durch die Lappen gegangen, weil die Mutter mit Hilfe des Loses ein schlimmes Schicksal prophezeite; danach wollten die vier mit dem Wagen weiterziehen;
  • gerade noch rechtzeitig kam den beiden der Einfall, die Mutter Courage in einen Handel über eine Schnalle zu verwickeln, damit der Werber ungestört Eilif überreden konnte;
  • diese List hatte den erwünschten Erfolg gebracht, doch dieses verrückte Miststück von Tochter versuchte in letzter Sekunde noch einzugreifen; glücklicherweise kann sie nicht reden;
  • die Mutter Courage hält wohl auch nicht viel von ihr, sonst wäre noch alles schiefgegangen;
  • die Mutter Courage hat's gerade nötig: Will vom Krieg leben / Wird ihm wohl müssen auch was geben.
Auch die Person des zweiten Werbers, der nicht nur Stichwortgeber für die beiden anderen ist, sondern auch neidisch auf deren Erfolg sein könnte, muss herausgearbeitet werden.
Er kann eingesetzt werden, um durch Zwischeneinwürfe oder Fragen - "Ha, da habt ihr aber Glück gehabt, gleich zwei stramme Söhne" oder "Wie habt ihr die dann noch rumgekriegt?" den Dialog lebendig zu entwickeln.
Als Außenstehender - dies ist entscheidend - liefert er den Anlass das Geschehen wiederzugeben (Feldwebel oder Werber geben damit einen "Botenbericht"); als Fragender kann er gezielt auf Eigenschaften der Kinder und der Courage hinführen und die Thematik verdeutlichen.

Dialogisieren eignet sich vor allem, um

Immer wird dabei aus anderer Perspektive auf die Handlung Bezug genommen und damit wiederholend und hinterfragend auf Themen und Problemstellungen eingegangen.
Beim Dialogisieren können Auftritte und Begegnungen von Figuren inszeniert werden, die im Stück so nicht vorkommen. Dadurch oder durch Verwendung einer neuen Figur (unser zweiter Werber; der Bürgermeister der Stadt Halle begegnet dem Feldprediger, ...) können Ereignisse und Verhaltensweisen der Figuren im Stück transparent gemacht und auch hinterfragt werden (Die Courage trifft nach Jahren noch einmal den Koch und unterhält sich mit ihm über ihr Schicksal).

Schreibanlässe wie Innerer Monolog, Brief und Tagebuch sind gute Möglichkeiten, um aus der Sicht von Figuren

Gemeinsames Besprechen und Überarbeiten der Schüleraufsätze

Die Kleingruppenkorrektur bietet viele Vorteile:
3 bis 4 Schüler lesen sich jeweils gegenseitig ihre Szenen vor. Sie besprechen dabei, was sie als gelungen oder als unklar empfinden.
So erhält der Einzelne Anregungen und konkrete Tipps zum Umschreiben oder zum Überwinden von Schreibhürden. Als Variante könnte die Gruppe auch eine Szene gemeinsam verfassen.
Sie als Unterrichtende/r lassen sich gelungen Passagen vortragen oder geben der Gruppe Hilfen bei Fragen und Unsicherheiten. Dabei wählen Sie einige Schülerszenen aus, die Sie mit kurzen Hinweisen versehen:
Wenn Sie z.B. drei Aufsätze nebeneinander aufhängen, markieren Sie mit grüner Farbe gelungene Passagen, die Figuren einfügen oder pfiffig zu Themen (rot) hinleiten. Sie können auch anstelle ganzer Texte Auszüge aufhängen und diese mit kurzen Bemerkungen kommentieren.

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