Lernforum Deutsch - Literaturunterricht 
 

    Das folgende Märchen hat Herr Dr. Morlaye Camara 
    aus Guinea (West-Afrika) erzählt, als er in Bonn 
    studierte. Herr Dr. Camara ist als Sprachwisssenschaftler 
    und Soziologe ein besonderer Experte der Erzählkunst 
    seiner Heimat, da er selbst unzählige Märchen 
    kennt und spannend zu erzählen versteht. Natürlich 
    kann er auch trommeln und damit Nachrichten übermitteln. 

    Der Text "Der Hase im Reich der Tiere des Dschungels" 
    bietet sich für den interkulturell angelegten 
    Literaturunterricht an. 

 
       
    Der Hase im Reich der Tiere des Dschungels 

    Es war einmal eine große Dürrezeit im Reich 
    der Tiere des Dschungels. Alle Quellen waren versiegt, 
    alle Bäche und Flüsse trocken. Da versammelten 
    sich die Tiere, um zu beraten, was gegen die Wasser- 
    not getan werden könnte. Sie vereinbarten, alle Feind- 
    seligkeiten untereinander zu beenden und ein tiefes Wasser- 
    loch zu graben, damit sie wieder Wasser hätten. 

    Auch der Hase lebte im Reich der Tiere des Dschungels. 
    Aber er fand es nicht richtig, dass er bei der schweren 
    Arbeit am Wasserloch mithelfen sollte, denn er war 
    bei weitem nicht so groß und kräftig wie die übrigen 
    Tiere. Als die Tiere erfuhren, dass der Hase nicht mitarbeiten 
    wollte, sagten sie erbarmungslos:"Dann wirst du auch kein 
    Wasser trinken, wenn die Wasserstelle fertig ist." 

    Da lachte der Hase und antwortete: "Ich trinke Wasser, wann 
    immer ich will, denn ich kann überall genug Wasser 
    finden. Ich bin ja nicht so groß und durstig wie ihr 
    Elefanten, Tiger, und Löwen." 

    Nach sieben Tagen hatten die Tiere des Dschungels ein tiefes 
    Loch gegraben und waren auf eine Wasserquelle gestoßen, 
    die so ergiebig war, dass sich schnell das ganze Wasserloch 
    bis weit über den Rand mit frischem Wasser füllte. Die Tiere freuten sich so sehr, dass sie sogleich beschlossen, ein 
    großes Fest zu feiern. Nur der Hase sollte nicht mitfeiern 
    dürfen. 

    Nach ein paar Tagen kam der Hase aus dem Wald hervor 
    und blieb in einiger Entfernung von dem Wasserloch stehen, 
    das jetzt der Lieblingstreff der Tiere war. Er trug eine Trommel, 
    und er trommelte und sang dazu. Das klang so: 

    "Peh-peh, pere-pere peh! Nanima! 
    Tiere sind sich einig geworden - Nanima! -, 
    eine neue Wasserstelle zu bauen. 
    Pere-pere peh! Nanima! 
    Ein Wasserloch wurde gegraben. 
    Pere-pere peh! Nanima! 
    Der Hase hat nicht mitgeholfen! 
    Pere-pere peh! Nanima!" 

        Den ganzen Tag sang und trommelte er so. Als er dann 
        Durst bekam und in den Wald zurückging, um Wasser
        zu trinken, fand er nirgendwo Wasser, denn alle Wasserlöcher 
        waren ausgetrocknet. Es war heiß, und der Durst quälte ihn
        sehr. Die übrigen Tiere dagegen waren gut versorgt, denn an 
        der neuen Wasserstelle hatten sie Wasser im Überfluss. 
    Es war Abend geworden, und der Hase fing wieder mit seiner 
    Musik an und sang: 

    "Peh-peh pere-pere peh! Nanima! 
    Die Tiere sind sich einig geworden 
    - Pere-pere peh! Nanima! -, 
    ein Wasserloch zu graben. 
    Pere-pere peh! Nanima! 
    Der Hase hat nicht mitgeholfen. 
    Pere-pere peh! Nanima! 

    Er näherte sich ganz langsam der Wasserstelle und sang und 
    trommelte dabei unaufhörlich. Die Tiere, die im frischen 
    Wasser badeten, sahen den Hasen kommen. Seine Musik hatte 
    sie neugierig gemacht, und sie wollten wissen, was für ein 
    Instrument die Trommel wohl wäre. 

    Schließlich wurden sie immer neugieriger, denn die 
    Trommelmusik und der Gesang des Hasen gefielen ihnen. 

    Der Hase sang und trommelte ohne Unterlass. Seine Musik 
    war so eingängig, dass die Tiere anfingen zu tanzen und 
    im Chor seinen Gesang wiederholten: 

       
    "Die Tiere sind sich einig geworden! 
    Peh-peh pere-pere peh! Nanima! 
    Der Hase hat beim Graben nicht mitgeholfen! 
    Pere-pere peh! Nanima! Komm näher, mein kleiner Bruder! 
    Komm näher zu uns heran!" Nanima! 

    So sangen die Tiere und tanzten dazu, während der Hase 
    immer fleißiger trommelte, bis in die späte Nacht. 
    Zum Schluss waren die Tiere so begeistert vom Unterhaltungs- 
    talent des Hasen, dass sie ihn zum Wächter der Wasserstelle 
    bestimmten. 

    Der Hase aber freute sich sehr, denn es war ihm gelungen, 
    sein Leben zu retten und von allen geachtet und geschätzt 
    zu werden. 



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    "Der Jäger ..." - Noch ein Märchen aus Guinea 
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