Einige Einzelheiten aus der Plöner Zeit August von Hennings
August von Hennings, königlicher dänischer Amtsverwalter in Plön

Kleine Texte aus "Der Genius der Zeit. Ein Journal herausgegeben von August Hennings."


Klicken Sie auf die farbig markierten jeweiligen Anmerkungsziffern, wenn Sie die zugehörigen Anmerkungen lesen wollen. Zurück an dieselbe Stelle im Text kommen Sie dann, indem Sie die der Anmerkung voranstehende Ziffer anklicken !

Januar 1794 (Erstes Stück)

1.
Ankündigung.


Es sinkt und steigt im weiten Schöpfungs Raume,
Wie Ebb' und Flut; es kämpfen Licht und Nacht!
Der Geist der Zeit schwärmt im Entzückungs Traume,
Bis er vom Wahn im Morgenroth erwacht.

Im Sonnenglanz tritt die Gebenedeite
Zum Kampf hervor, des neuen Siegs gewiß!
Ein Seraph schwebt der Göttlichen zur Seite;
Der Klarheit weicht des Irthums Finsterniß.

Du dem Verstand des Ewigen entfloßen,
Du reiner Strahl der Erdenseeligkeit,
Laß, Weisheit, nicht des Unkrauts Keime sproßen,
Die der Betrug in schwache Herzen streut!

Das irre Volk kniet vor dem Götzenthrone,
Und ahndet nicht, von Schwärmerei berükt,
Daß Freiheit, Glück, im weisen Herzen wohne
Und Tugend nur den Pfad mit Blumen schmükt.

Gött. M. A. 1794. S. 172. [1]

Folgende Grundsätze:
1. Es ist eine der wichtigsten Kenntniße, von dem Geiste der Zeiten richtige Begriffe zu haben, um sich ihm, oder ihn sich harmonisch zu stimmen;
2. Es ist zu wünschen, daß der Geist der Zeiten auf eine bescheidene, anständige und der Erhaltung der Ruhe und Ordnung gemäße Art öffentlich bekannt gemacht werde
haben mich bewogen, unter dem Titel:

Der Genius der Zeit

eine Monathsschrift herauszugeben. Ich nenne mich als Herausgeber, um dem Publico ein Unterpfand zu ertheilen, daß das Journal nie die Ehrerbietung verletzen soll die iederman, Schriftsteller oder nicht, der öffentlichen Ruhe und Ordnung schuldig ist. Eben deswegen hoffe ich, daß meine Unternehmung öffentlichen Schuz und Aufnahme finden werde, da man unmöglich dabey gewinnen kann, wenn man die Wahrheit zwingen will immer anonymisch zu erscheinen und den Stempel der Bitterkeit zu tragen, den Zwang und Verfolgung aufdrücken. Sollte, wider meinen Willen, sich etwas Anstößiges einmengen, so zeichnen unsere rhumwürdigen Regierungen Europas sich so sehr durch Nachsicht und Milde aus, daß auch ein Schriftsteller hierauf Ansprüche machen darf der dem allgemeinen Besten zu dienen, gewiß nicht zu schaden sucht.

Wahrheit ist die sicherste Wache der Thronen. Wahrheit werde ich nie verletzen. Aber ich werde schweigen, wenn ich nicht mehr reden kann, ohne die Ordnung zu unterbrechen, deren Erhaltung die erste aller politischen Wahrheiten ist. Ich werde schweigen, so gefährlich mir solches Schweigen scheint, nicht für den, der schweigt, sondern für den, der das Schweigen gebietet.

Und nun bitte ich alle die Männer, deren Zutrauen und Verbindung mir so sehr schätzbar ist, und dieienigen überhaupt die Wahrheit, Ruhe und Menschenglük lieben, mich mt Beyträgen zu unterstützen. Sie müßen meinem Unternehmen den Beyfall des Publicums sichern, den ich zu erhalten wünsche.
              August Hennings

2.
An den Genius der Zeit.


Sey uns ein holder Genius,
Du, Genius der Zeiten!
Bring Fülle mit und gieb Genuß,
Wo Musen ihren Ueberfluß
Und Heiterkeit verbreiten!

Partheisucht, fliehe! Flieh, Verrath!
Tyrannen dort; hier Knechte!
Ehr' edler Menschen edle That,
Und weiser Menschen weisen Rath
Und hehrer Menschheits Rechte !

Im Streite nicht, im Siege nicht
Such Heldenmuth und Ehre!
Der Wahrheit freies Sonnenlicht
Sey einzig deine Bürgerpflicht;
Für andre That und Lehre!

      H.



April 1794 (Viertes Stück)

8.
Verständigung des Sprüchworts
Parva sapientia regitur mundus.
[2]


Man hat dieses Sprichwort eine lange Zeit so verstanden, als ob die Regierung der Welt mit wenig Weisheit verbunden sey. Man weiß itzt und der berühmte Oxenstierna [2a] soll es schon gesagt haben, daß der Lateiner, der das Sprüchwort erfand nicht im Sinne gehabt hat, über Regierungen eine unartige Sentenz zu sagen. Er wollte vielmehr ihnen das Compliment machen, daß sie keinen großen Aufwand von Weisheit machen, sondern um gut zu regieren nur wenig Weisheit anwenden müßen. In diesem Sinne liegt in dem Gemeinspruche, Parva spientia regitur mundus, keine Beleidigung, sondern ein wahrer Gedanke der von verschiedenen Weisen, auf eine andere Art, ausgedrückt ist. Roußeau und Mirabeau [2b] sagten, die größte Kunst bestehet oft im Nichtsthun. Die Franzosen sagen im Sprichwort: Qui trop embrasse, mal étreint [3], und der Lateiner: festina lente [4]; Zum Laufen hilft nicht schnell seyn. Le Trosne(a) [5] hat bewiesen, daß nichts dem Regieren mehr im Wege sey, als der Hang zu befehlen. Dieser ist Laune, aus der sehr oft die Laune des Nichtgehorchens entsteht. Jenes ist Weisheit, die nie ihren Zweck verfehlt. Regieren lassen sich alle Menschen gerne, Befehlen höchst ungerne.
Der Biograph von Lessing erzählt, daß Maria Theresia diesen großen Geist, bey dessen Auffenthalt in Wien, fragte, wie er dort mit dem Zustande der Künste und Wissenschaften zufrieden sey? Lessing antwortete, oder eigentlich er antwortete nicht. Die Kaiserin drang mit scharfsichtigem Blicke durch sein Ausweichen. Ich glaube Sie zu verstehen, sagte sie, daß es mit dem guten Geschmack nicht recht fort will. Sagen Sie mir doch, woran die Schuld liegt. Ich habe alles gethan, was meine Einsichten und Kräfte erlaubten. Aber oft denke ich, ich sey nur ein Frauenzimmer und eine Frau kann in solchen Dingen nicht viel ausrichten. Lessing hätte antworten können. Sie haben viel zu viel gethan. Hätten Sie gar nichts gethan, so hätten Sie mehr ausgerichtet!
Mirabeau, erzählt uns Mauvillon [6], machte dem großen Friederich einen Vorwurf darüber, daß er die deutsche Literatur vernachläßige, kleidete ihn aber in ein prächtiges Compliment ein. Der Cäsar der Deutschen, sagte der Redner, solte auch ihr August seyn. Konnte ich, antwortete mit unnenbaren [sic!] Scharfsinn der König, mehr für die Deutschen Gelehrten thun, als daß ich mich gar nicht um sie bekümmerte? Mirabeau faßte gleich den elektrischen Funken. Und in der That ward Berlin der erste Sitz der Musen Deutschlands, weil Freiheit allein ihr Gesetz war.

             H.

a) Lehrbegriff der Staatsordnung. S. 69.


10.
Der Landmann und sein Nachbar.

Infelix lolium et Steriles dominantur avenae Virg. [7]
Nachbar sagte ein Landmann zum anderen, wiewohl mein Acker zehnmahl so groß ist, als der deine, mußt du mir doch meine Grenzen nicht abpflügen und mein darauf wachsendes Korn nicht schmählern; auch mußt du kein schädliches Unkraut auf dein Land säen dessen Wurzeln in meiner Saat wuchern, oder dessen Saamenkörner sich im Winde umher streuen können.
Behüte Gott, antwortete der Nachbar, du läßt mir mein Weniges in Ruhe, ich dir das deinige. Einem ieden das Seine. Was würde sonst aus mir und aus der ganzen Menschheit werden?-
Ich bin schuldig dir nicht zu schaden.
Der Nachbar war eine Zeitlang beruhigt, aber Muth, sagt man, giebt Uebermuth. Nach einer Weile kam er wieder zum Nachbarn und sagte. Höre, Freund, mein Korn muß ia beßer seyn, als das deinige, ich habe viel, du wenig, und was der Reiche hat, ist beßer, als was der Arme besitzt, das ist ausgemacht. Ich will, daß du mein Korn überall für besser gelten laßen sollst als das deinige.
Reichthum, antwortete der andere, macht nichts beßer. Wenn ich mein geringes Theil richtiger behandle, wie du dein Großes, so bin ich überzeugt, daß es beßer ist. Hierüber laß den Käufer entscheiden. Ich bin schuldig dir nicht zu schaden und du mir nicht, das ist klar. Aber ich bin nicht schuldig dir etwas von dem Meinigen aufzuopfern. Auch das ist klar.
Ihr, die ihr diese Antworten billig findet, was urtheilet ihr nun von den Aufopferungen, wo nicht allein Korn nicht gegen Korn gleich gelten, sondern gutes, gesundes, nützliches Korn für Trespen und Lolch zurückstehen soll, so wie das lateinische Sprüchwort sagt, frumento relicto zizaniis insident. [8]

             H.



12.
Französisches Revolutionslied

Im Monathe Februar der dänischen Minerva ist ein Religions Gesang befindlich, der überall in Frankreich, wenigstens im südlichen Theile deßelben beym Gottesdienste gebraucht wird. Ich theile ihn ohne Uebersetzung mit, da die mehresten Leser des Genius ihn in der Ursprache verstehen werden, und er hier nur eine Stelle findet, um zu zeigen, daß die Gottesverehrung bey allen in Frankreich herschendem [sic!] Unwesen, doch nicht aus den Herzen der Menschen gerißen wird. Wie gern gründet man nicht auf solche Gefühle den Wunsch, daß Friede, Menschlichkeit und Wahrheit bald überall siegen mögten!

Etre infini que l'homme adore
Sous des noms, des cultes divers,
Entens d'un peuple qui t'implore
Les voeux et les pieux concerts.
Que toute la terre flêchisse
Devant Ta sainte volonté!
Nous espérons en Ta bonté
Même en redoutant Ta justice.
    Brisés partout les fers de la captivité!
    Dieu bon, Dieu bon, donne à la terre
    La Paix, la liberté! [9.1]

En faisant l'homme à Ton image
Tu le fis libre comme Toi,
Vouloir le mettre en esclavage
C'est donc attenter à Ta loi
Dieu vengeur, défens Ton ouvrage
Des entreprises des tyrans
Tous les hommes sont Tes enfans,
Toi seul merite leur hommage.
    Brisés partout, &c. [9.2]

Approchés, enfans de tout age,
Jeunes filles, venés ici!
Venés présenter votre hommage
Au Dieu qui nous rassemble ici.
D'une bouche innocente et pure
Demandés lui que ses bienfaits
S'étendent sur tous les Français,
Comme Sur toute la nature.
    Brisés partout, &c. [9.3]

Dieu créateur, suprême essence,
Le ciel plein de Ta majesté,
Le ciel atteste Ta puissance
La terre atteste Ta bonté!
Des astres le disque sublime
Roule sous Tes pieds glorieux,
Et les éclairs, de Tes, cent yeux
Percent les plus profonds abymes.
    Brisés partout, &c. &c. [9.4]



März 1795 (Drittes Stück)

12.
Menschliches Elend


Die grossen Scenen der menschlichen Leiden, die sich zu unsern Zeiten in tausend und tausend Canäle und in Ganzen betrachtet oder in einzelnen Fällen uns Bilder aufstellen, die uns zur größten Theilnehmung hinreissen, haben manche edle Gefühle erwekt und manche menschenfreundliche That veranlaßt, denen ich weit entfernt bin etwas von ihren Verdiensten zu entziehen. Aber so sehr es Pflicht ist, allem, was gut und edel ist Gerechtigkeit wiederfahren zu lassen, so kann ich doch die Bemerkung nicht niederschlagen, daß manche ietzt auf die Leiden der Menschheit so öffentlich aufmerksam gemacht worden sind, und daß wir nicht eher lauter noch das mannigfaltige Elend gesehen haben, das um uns in der Nähe herrscht und schon lange gewohnt hat. Wie weit es geht, ahnden wenige. Die Unglüklichen leiden im Stillen, lassen der Natur ihren Gang, glauben daß es nicht anders seyn kann und nehmen so Gutes und Böses ohne lebhafte Sinnesbewegungen, leidend und ergeben in die Schickungen des Lebens hin. Sie sind fast wie die Lilien auf dem Felde, sorglos und ohne Hülfsmittel, und man begreift es kaum wie sie noch durch den dunkeln Gang ihrer mühseeligen Tage hindurch kommen. In einer gewissen Stadt ward erzählt, daß ein Kind im Bette erfroren sey. Bett hieß hier wohl Strohlager; man denke sich das Elend eines Hauses, in dem die Kinder im Bette erfrieren. Vor einigen Tagen kam ein Arbeitsmann vom Lande zu mir und klagte mir, sein Sohn habe durch einen Fall im Hause auf gefrornem Wasser das Lendenbein gebrochen und seine Fau sey so elend, daß er sie wohl nicht wioeder lebend antreffen würde. Ich schikte sogleich einen Chirurgum nach dem Dorfe in dem er wohnte um Hülfe zu leisten. Dieser war ein sehr dienstfertiger und gutmüthiger Mann. Ihn rührte das Elend das er antraf; er fand die Frau todt vor; sie war im Wochenbette mit ihrem siebenden Kinde gestorben. Von diesen sieben Kindern waren vier ihr vorangegangen und das neugebohrne so schwach, daß es wenig Hoffnung zum Leben gab. Diese fünf kleinen waren vermuthlich das Opfer der Armuth und des Mangels ihrer Eltern geworden. Ohne Kleidung, ohne Betten, oft ohne Wärme, fast ohne Pflege, wie konnten sie durch das zarte Pflanzendaseyn der ersten Regungen der Menschheit hindurch gebracht werden? Das wenige Bettzeug das im Hause war, hatte der Wöchnerin zum Lager gedient. Der Knabe mit der zerbrochenen Lende hatte keines, es war auch nicht möglich ihm sogleich etwas zu verschaffen, nur etwas Stroh mit einem groben Leinen bedekt konnte ihn [sic!] der Chirurgus zum Lager bereiten. Etwas Feurung hatten die benachbarten Bauern geliefert, am Ende Januars war vielleicht noch auf acht Tage Vorrath da. Was nach Verlauf dieser acht Tage in dem gegenwärtigen strengen Winter aus ihm werden sollte, daran dachte der Arme noch nicht und wer sorgte für ihn, ausser der Vorsehung? Zu verdienen war izt wenig und bei kleinen Kindern, bei einer sterbenden Frau, was halfen da auch fünf Schillinge Tagelohn für eine arme Familie? So war der Zustand in diesem, von allem Nothdürftigen entblößten Krankenhause.
Der Chirurgus fand mildthätige Herzen die seine Erzählung rührte. Es wurden Mittel angeschaft dem kranken Knaben zum Bett und zur Pflege und der armen Familie zur Unterstützung. Aber wie viele mögen der Hütten seyn, worin in dem itzigen harten Winter eben so vieles Elend herscht, die Menschen haben vieles im Grossen gethan, vieles Edle und Gute, vieles aber und leider! weit mehr zur Zerstörung und zum Verderben. Unsere Armenhäuser sind zum Theil Palläste, unsere Akademien, Licäen, Stiftungen reich dotirt. Aber was ist für das Elend in Hütten, was ist für die moralische Ausbildung des grossen Haufens, was ist für das Huhn im Topfe des grossen Haufens geschehen? O wendeten die Grossen hiezu die Mittel an, die sie nicht allein in oft unsinnigen und schädlichen Lux, die sie nur gar zu oft inVerheerung ihrer und anderer Staaten durch unseelige Krieg und Kriegszurüstungen verschwenden, wie vielem Elend könnte abgeholfen werden.

            H.

Anmerkungen

   Rechtschreibung des Originals ohne Änderungen auch der mutmaßlichen Druckfehler übernommen!
Die Zeitschrift erschien monatlich. Im Verlag Kraus Reprint, Nendeln / Liechtenstein erschien 1972 ein Nachdruck.
Die Textausschnitte vermögen trotz ihrer Kürze einen deutlichen Eindruck von der aufklärerischen, jedoch äußerst vorsichtigen Geisteshaltung des Herausgebers Hennings zu geben. Die deistische Religiosität unterschied Hennings von den radikalen atheistischen Aufklärern ebenso wie von der konservativen Frömmigkeit beispielsweise Matthias Claudius'
(Nähere Informationen zu dem wiedergegebenen französischen Lied wären mir sehr willkommen. (Email))

1 d. h.: Göttinger Musenalmanach
2 Parva sapientia regitur mundus: Wörtlich: Mit wenig Weisheit wird die Welt regiert.
Videbis, fili mi, quam parva sapientia regitur mundus. Dem Reichskanzler Oxenstierna zugeschriebener Auspruch.
Von Hennings ist mit seiner Interpretation nicht allein: Auch Montesquieu meinte: "Il ne faut pas trop régner." Auf der anderen Seite ist diese Lesart die andauernde eigene Entschuldigung der Verantwortlichen gegenüber jedwedem Mißstand. Wir finden -je nach Standpunkt- im heraushörbaren ironischen, kritischen Nebenklang (liegt nicht wörtlich die andere Bedeutung, der Vorwurf, viel näher?) ein Beispiel für die von Claudius beklagte Mehrdeutigkeit der aufklärerischen Bestrebungen von Hennings.
2a Oxenstierna: Axel Gustavsson 1583 - 1654 (seit 1645 Graf), 1612 Reichskanzler Gustavs II. Adolf (u. a. bedeutende innenpolitische Reformen); 1631 schwedischer Bevollmächtigter am Rhein, leitete er erfolgreich die schwedische Politik in Deutschland (große Gebietsgewinne durch den Westfälischen Frieden 1648); 1632-36 Leiter der Regentschaft für Königin Christine.
2b Rousseau und Mirabeau:
Mirabeau war ein französischer Politiker (geboren in Le Bignon, heute Le Bignon-Mirabeau, Loiret, 1749 gestorben in Paris, 1791). Berühmt wurde sein Ausspruch: "Allez dire au roi que nous sommes ici par la volonté du peuple et que nous n'en sortirons que par la force des baïonnettes." (Sagen Sie dem König, daß wir durch den Willen des Volkes hier sind und daß wir nicht weichen werden als durch die Macht der Bajonette.) Mirabeau strebte liberale Reformen an, versuchte jedoch erfolglos, die Monarchie zu erhalten (Eintreten für ein absolutes Veto des Königs). Vor seinem Tod war Mirabeau Präsident der Ratsversammlung. Er wurde im Pantheon bestattet, jedoch 1793 nach der Entdeckung, daß er heimlich in Diensten des Königs gestanden hatte, exhumiert.
Jean Jacques Rousseau (geboren in Genf 1712, gestorben in Ermenonville bei Paris 1778, war ein französischer Moralphilosoph, Schriftsteller, Komponist und Musiktheoretiker schweizerischer Herkunft. Seine preisgekrönte Schrift "Abhandlung über die Wissenschaften und Künste" (1750) behauptet, daß der Fortschritt der Kultur die Menschheit nicht verbessert habe: In einem naturhaften Urzustand der Menschheit, dem es sich wieder anzunähern gelte, sei die Menschheit glücklich gewesen. In seiner "Abhandlung über den Ursprung und die Grundlagen der Ungleichheit unter den Menschen" (1754) fordert Rousseau die Wiederherstellung der "natürlichen Rechtsgleichheit" aller Menschen. Weitere wichtige Werke: "Contrat social" (1762; die staatlichen Rechte sind als aus einem Vertrag der Individuen hergeleitet zu verstehen, und damit auch von deren grundsätzlichem Einverständnis abhängig); "Emile oder über die Erziehung" (1762; Erziehung soll frei, individuell und naturgemäß ablaufen; ohne den schädlichen Einfluß der familiären Milieus); "Die neue Heloise, oder Briefe zweier Liebenden" (1761); Die "Bekenntnisse" (1764-70, erschienen 1782-89)
3 Qui trop embrasse, mal étreint: Wer zu viel umfaßt, hält schlecht fest. Wer zuvieles unternimmt, läuft Gefahr, daß er scheitert.
4 Festina lente: Eile mit Weile (d. h. bedächtig)
5 Le Trosne: ein französischer physiokratischer Ökonom: Karl Marx zitiert ihn des öfteren in "Das Kapital". Beispielsweise im ersten Kapitel mit der Aussage: "Der Wert besteht in dem Tauschverhältnis, das zwischen einem Ding und einem anderen, zwischen der Menge eines Erzeugnisses und der eines anderen besteht." (Le Trosne,"De l'Intérêt Social",[in] "Physiocrates", éd. Daire, Paris 1846, p.889.)
Die Physiokraten wollten auf eine in der Hauptsache landwirtschaftlich geprägte Gesellschaft hinaus und waren daher Gegner des Mercantilismus' mit dessen vielen Regelungen und Maßnahmen zur Steigerung der Gewerbetätigkeit und des Außenhandels. Die Physiokraten meinten, daß Arbeit und Handel frei von allen Einschränkungen sein sollten.
6 Mauvillon: 1786 war Mirabeau in geheimer Mission in Berlin. Mit der Unterstützung eines Braunschweiger Freundes, Jakob Mauvillon, schrieb er "De la monarchie prussienne sous Frédéric le Grand (1788); (Über die preußische Monarchie unter Friedrich dem Großen) das er seinem Vater widmete. Die "Histoire secrète de la cour de Berlin" ("Geheime Geschichte des Berliner Hofes"), in der Mirabeau Gebrauch von während seiner Mission erlangten Kenntnissen machte, führte 1789 zu einem Skandal.
7 Infelix lolium et Steriles dominantur avenae: Unfruchtbarer Lolch und tauber Hafer herrschen. (Vergil, Eklogen 5.47: Mopsus klagt über die Verödung des Landes und die Vergeblichkeit aller Mühe, dieses zu kultivieren.)
8 frumento relicto zizaniis insident: Hier schlägt Hennings einen Bezug zum biblischen Gleichnis vom Unkraut unter dem Weizen (Matthäus 13, 24 ff): Wenn man sich um das Getreide nicht kümmert, setzt sich Unkraut fest.
9.1 in Bearb.
9.2 in Bearb.
9.3 in Bearb.
9.4 in Bearb.
Zurück zum Seitenkopf