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Ethik in Sachsen

Ich weiß, dass ich nichts weiß. (Sokrates)


Ethische Grundzüge des Hinduismus

Vorbehalte

1. Die ethischen Werte sind eher „theoretische Werte“ und stehen in theoretischen Begründungszusammenhängen.
2. Sie beziehen sich auf eine gesellschaftlich-religiöse Elite
3. Es ist nach wie vor umstritten, ob dem Hinduismus eine Ethik im Sinne einer philosophisch begründeten (!) Verhaltensnorm zugewiesen werden kann

Wesentliche Grundzüge

1. Introspektive des hinduistischen Weltbildes; keine empirische Weltbeobachtung
2. Unhistorischer Wahrheitsbegriff
3. Erlösung setzt Entsagung voraus und kann durch Handeln bestenfalls vorbereitet werden
4. Wichtige Bereiche religiöser Praxis werden von der religiösen Elite (dem Brahmanen) vollzogen.
Im Prinzip stellt sich die Ethik als ein VAMASRAMA-DHARMA dar, d. h. als eine Ordnung, die ein nach Kasten und Lebensstadien konformes Verhalten verlangt.
Mahatma Gandhi (1869-1948) dazu: „Ich nenne mich einen orthodoxen Hindu, weil ich (unter anderem) an die Wiedergeburt (...), (und) die Gesellschaftsordnung der Kasten und Lebensstadien (vamasrame dharma) glaube.“
Unter dem natürlichen Gesetz (a) Dharma leben
- jeder ist erkennbar an seinem Schmuck, seiner Kleidung, seinem Essen
- jeder trachtet danach seine Aufgaben und seine Pflichten zu erfüllen
- es ist NICHT die Individualität, die angestrebt wird
- es geht um Anonymität
- es geht um Übereinstimmendes Leben mit dem Weltgesetz (Dharma)

(b) Kasten (jati)

- wörtlich heißt das „Geburt“
- d. h. ist eine Gemeinschaft, die auf realen Verwandtschaftsverhältnissen beruht
- es existiert eine soziale Hierarchie
- der Einzelne muss sich, so gut es geht in ihr einrichten
- sonst: sozialer Abstieg - die Lebensbedingungen verschlechtern sich rapid
- Kaste in diesem Sinn bedeutet Abkapslung nach oben und unten (also total)
- Abkapslung geschieht durch die Reinheitsvorschriften (Was kann man essen, trinken, woraus....)

Stände (varna)

Die oberen drei Stände (Kasten) - die „Zweimalgeborenen“
1. Brahmanen (Priester)
2. Ksatiyas (Krieger, Herrschende)
3. Vaishyas (Kaufleute, Bauern)
Die vierte, dienende Kaste (Stand)
4. Shudras (Handwerker, Diener, Knechte)
Die Kastenlosen, Unberührbaren
5. Parias (jetzt Harijans)
Schließlich die Nichthindus
6. Mlecchas
 

Die 4 Lebensstadien (c) Ashrama

1. Studium der heiligen Schriften
2. Gründung einer Familie
3. Waldeinsiedler
4. Asket

Zuordnung von Lebenszielen zu den Lebensstadien

1. Lebensziel ist das Dharma
- erfüllen einer Anzahl von Pflichten, die wichtiger sind als die Rechte
- die Rechte der Älteren ergeben sich aus den Pflichten der Jüngeren und umgekehrt
- Rechte der Älteren: Dankbarkeit, Achtung und Gehorsam von den Jüngeren zu empfangen
- Pflichten der Jüngeren: Dankbarkeit, Achtung und Gehorsam den Älteren zu zeigen
- Rechte der Jüngeren: von den Eltern beschützt, bekleidet, ernährt, erzogen zu werden
- Pflichten der Älteren: die Jungen zu beschützten, bekleiden, ernähren, erziehen
- man erwartet, dass jeder seinem Dharma folgt
2. Lebensziel (artha)
- besteht darin, eigenständig und innerhalb der Grenzen des persönlichen Pflichtbereiches Geld zu verdienen,
- man darf Geld nicht auf unrechtliche Weise verdienen oder so, dass es andere verletzt,
- ausschweifende Wünsche im Zusammenhang mit Geldangelegenheiten befürworten die Hindus nicht
3. Lebensziel (kama)
- besteht in der Freude an den guten Dingen des Lebens
- man betont mit Blick auf den persönlichen Genuss die Mäßigung, um auszuschließen, dass man sich und anderen schadet
- wenn der Hindu seinem Dharma folgt, dann trägt das zum Wohle der Gesellschaft bei
4. Lebensziel (moksha)
- ist das Streben nach einem Zustand, der es der Lebenskraft eines jeden ermöglicht, Befreiung vom Kreislauf von Geburt und Tod zu erlangen
- dies wird erreicht, indem man Zeit seines Lebens gutes karma, d. h. gute Taten entsprechend dem eigenen dharma vollbringt

 

 


 

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© C. Busse 28.05.2005

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