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Ethik in Sachsen

Ich weiß, dass ich nichts weiß. (Sokrates)


Die Bad Lausicker Kirchenglocken

 

Unser Heimatstädtchen wurde im 17. Jahrhundert von drei furchtbaren Bränden heimgesucht. nämlich 1605, 1667 und 1693. Dabei brannte unser Gotteshaus immer mit ab und die Glocken "verdarben im Feuer", wie die Inschrift an der großen Glocke meldet.
1695 goss ein Zeitzer Glockengießer namens Nikolaus Rausch die Glocken wieder um, und zwar auf dem alten Kirchhofe. (Wenn man die gewaltigen Glocken sieht, versteht man ohne weiteres, dass man sich damals bei den schlechten Straßen gern den Transport von Zeitz nach Lausick sparen wollte.)

Nun berichtet die Sage:
Als Rausch mit dem Mantel der kleinen Glocke fertig war, wünschte er sich etwas von einer Jungfrau zu haben, und als von ungefähr des Herrn Bürgermeister Frenzels Tochter mit einem Korbe Gras über den Kirchhof gehet, fragte er sie, ob sie noch eine Jungfrau wäre und als sie antwortetet:

"Ja!", bittet er sich ihren angesteckten Salbeistrauß aus, nimmt einen Stengel, drücket ihn an den Mantel als Form, welche auch so rein und fein sich ausgelassen, dass man alle Minutissima, die kleinsten Feinheiten, erkennen kann, was zugleich beweist, wie fein das Metall im Schmelzen sich gehalten.

Seitdem sind an der kleinen Glocke zwei dreifache Salbeiblätter, an der größeren eins zu sehen. Wer weiß in unserem Städtchen, dass der eherne Mund unserer Glocken, der zu Andacht, zur Feier in Freud und Leid ruft, auch die Stimme heimatlichen Schicksals aus Jahrhunderten ist und dass die zierliche Bildwerke auf ihrem Kranze eine kleine Sage raunen.

(aus: Traute Heimat, monatliche Beilage der Nachrichten für Bad Lausick vom April 1934 / verfasst von Franz Bauer)

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© C. Busse 28.05.2005

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