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Kleine Datenauswahl zum Thema Satanismus

 

Definition

Satanismus ist die Bezeichnung für jegliche Verherrlichung und Verehrung Satans als das widergöttliche Prinzip. Oft wird der Satanismus verknüpft mit Praktiken der Alchemie und der schwarzen Magie. Bei schwarzen Messen wird mit obszönen Riten und blutrünstigen Perversionen die christliche Messe parodiert und dabei der Teufel verehrt. Satanismus hat psychologische und soziale Ursachen und tritt sehr oft in der Nähe rechtsradikaler Aktivitäten auf.

Der moderne Satanismus geht auf Aleister Crowley und den Ordo Templi Orientis (O.T.O.) zurück. Hier finden sich auch die Grundregeln des ritualisierten Satanismus und der Schwarzen Messen.

Geschichte

ca. 600 v. Chr.

Zarathustra (= Zoroastres) verkündet in Persien die dualistische Lehre eines guten und eines bösen Geistes.

ca. 500 v. Chr.

Erste Erwähnung „Satans" (hebr. = Widersacher, Ankläger) in einem biblischen Text. Satan spielt die Rolle eines himmlischen Anklägers der Menschheit. Von dieser ersten Erwähnung als Funktionsträger Gottes (Ankläger) entwickelt sich das Bild in späteren Schriften immer stärker zur Rolle eines ganz und gar bösen Wesens und Widersacher Gottes. Insgesamt spielt der Satan keine große Rolle in den Texten des Alten Testamentes. Auch die Oberhoheit Gottes wird nie in Frage gestellt.

ca. 100 v. Chr.

Im Buch der Weisheit wird das griechische Wort diabolos (=Teufel) verwendet. Der Teufel/Satan wird gleichgesetzt mit der Paradiessschlange der früher entstandenen Genesistexte. (Buch der Weisheit und Genesis sind zwei Bücher der Bibel)

ca. 50-100 n. Chr.

In den entstehenden Schriften des Neuen Testamentes wird die Macht des Widersachers schon als Selbstverständlichkeit vorausgesetzt. Die zur Zeit Jesu verbreitete Sicht des Satans (und der Dämonen) taucht in neutestamentlichen Texten als satanische Verführung zur Sünde und dämonische Besessenheit auf.

1448

In der „Hexenbulle" (Papst Innazent VIII.) wird festgestellt, dass Hexen mit dem Teufel im Bunde stehen.

1575-1700

Im europäischen Hexenwahn werden Hunderttausende von vermeintlichen Hexen umgebracht.

um 1670

In höchsten Gesellschaftskreisen entwickelt sich ein Teufelskult mit blasphemisch (Gott lästernd) obszönen Ritualen. Madame de Montespan, Geliebte des französischen Königs Ludwig XIV., läßt Schwarze Messen abhalten, um die Gunst des Königs wiederzuerlangen. Dabei werden über einer nackten Frau auf dem Altar Kinder geschlachtet.

19. Jahrhundert

Schriftsteller zeigen Interesse für Satan als Befreier von überkommener Moral und gesellschaftlichen und kirchlichen Zwängen.

1875-1947

Aleister Crowley entwickelt eine neugnostische Lehre der schrankenlosen Lustentfaltung. Dieser biologische, nicht geistige, Lebensdrang ist für ihn höchstes Urprinzip. Sein Hauptgebot ist: "Tu was Du willst!" Obwohl es sich bei Crowleys Lehre und Praxis nicht um eine religiöse Verehrung Satans handelt, spielt „Satan" doch eine bedeutende Rolle. Nachdem er einen Frosch, dem er den Namen Jesus gab, gekreuzigt hat, bezeichnet sich Crowley selbst als Wiedergeburt Satans ("The Beast - 666")

Auf Sizilien gründet er die „Abtei Thelema" (=Wille). Hier werden sexualmagische Riten und Tieropfer praktiziert. Menschenopfer können Crowley nicht nachgewiesen werden. Opfer und orgiastische Riten sollen vor allem der Entfaltung und Nutzbarmachung kosmischer Energie und der Bewusstwerdung der eigenen Gottheit dienen. Gegen Ende seines Lebens zeigt Crowley deutliche Sympathien für Hitler und seinen Umgang mit den Schwachen. Crowley starb, geistig verwirrt und durch seinen exzessiven Drogenkonsum geschwächt 1947.

Leben und Werk Crowleys sind die Grundlage der meisten Spielarten des modernen Satanismus.

1945

Beim kalifornischen Ableger des Crowley-Ordens O.T.O. taucht L. Ron Hubbard auf. Er beteiligt sich an den Versuchen mit einer passenden Frau (rothaarig, grüne Augen) ein „Moonchild" (=Mondkind, magisches Kind) zu zeugen. Mit der später gegründeten „Scientology-Church" hat Hubbart mehr Erfolg.

30.04.1966

Anton Szandor La Vey (der Satan im Film „Rosemary´s Baby") gründet in der Walpurgisnacht die kalifornische „Church of Satan". Zur Gründergeneration gehört auch die Schauspielerin Jane Mansfield, die vor allem an den sexualmagischen Riten interessiert ist.

Die „Church of Satan" praktiziert einen blut- und drogenarmen Satanismus, bei dem aus Crowleys „Tu was du willst" ein „Mach was dir gefällt" geworden ist. Dazu gehören auch Experimente mit Nazi-Ritualen. Sie ist in Kalifornien offiziell als Religion anerkannt.

9.8.1969

Die schwangere Schauspielerin Sharon Tate wird zusammen mit vier anderen Menschen in ihrer Villa in Los Angeles ermordet. Polizisten sagen, die Schwangere sei regelrecht geschlachtet worden. Als Täter werden später Charles Manson und seine weiblichen Anhängerinnen festgenommen. Charles Manson hält sich für eine Wiedergeburt Crowleys und die Verkörperung von Satan und Jesus zugleich.

seit 1970

Der 1949 in Berlin geborene Michael Dietmar Eschner, sieht sich als Wiedergeburt Crowleys und praktiziert eine Kopie des Crowley-Satanismus.

1982 wird in Berlin der Thelema-Orden gegründet. Weil es Ärger mit Berliner Behörden gebt, zieht Eschner mit Anhängerschaft in die Gegend von Lüchow-Dannenberg. Der Orden ist aufgelöst. Die Mitglieder sind jetzt im „Netzwerk Telema" organisiert. Druckerei und Verlag sollen das thelemitische Gedankengut verbreiten.

Anhänger werden z. T. ahnungslos über „Nezwerk-Aktionen" wie Freizeit-, Telefon- und Computerclubs an Thelema herangeführt. Im Netzwerk selbst geht es munter zu: Am 3.7.1992 wird Escher wegen Vergewaltigung, sexueller Nötigung und Körperverletzung vom Landgericht Lüneburg zu sechs Jahren Freiheitsstrafe verurteilt.

1.7.1976

Die Studentin Anneliese Michel stirbt an Unterernährung und einer dadurch begünstigten Lungenentzündung. Anneliese Michel hielt sich selbst für „besessen". Zwei katholische Priester versuchen, sie durch Exorzismus von der Teufelsbesessenheit zu befreien. Sie müssen sich später vor Gericht dafür verantworten, keinen Arzt hinzugezogen zu haben, der den Hungertod hätte verhindern können.

29.4.1993

Drei jugendliche Hobby-Satanisten in Sondershausen experimentieren mit Schwarzen messen, Horror-Videos, Black-Metal-Musik und Mord: Der fünfzehnjährige Sandro Beyer wird erdrosselt. Einen Tag später: Walpurgis-Party.

(nach Materialdienst des VKR - Niedersachsen)

 


  

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© C. Busse 28. Mai 2005

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