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Ethik in Sachsen

Ich weiß, dass ich nichts weiß. (Sokrates)


Die 4 Temperamente

Eine kleine Geschichte zum Einstieg

In einer Geschichte wird erzählt, wie vier Edelleute um die Gunst einer ansehnlichen Edelfrau weben. Die Schöne ist dessen aber überdrüssig, und beschließt, die Bewerber loszuwerden. Ihr Vorhaben führt sie in recht drastischer Weise aus, ohne Rücksicht auf den Liebesschmerz ihrer Verehrer. Schadenfrohe Diener stecken jeden der vier Edlen in einen festen Sack. Alsdann werden die Säcke von allen Seiten mit Knüppeln bearbeitet, vor die Tore der Stadt gebracht und sich selbst überlassen. Das nutzen die Geschmähten natürlich, um sich aus ihrer misslichen Lage zu befreien.
Gönnen wir der Dame ihren fragwürdigen Triumph und kümmern uns darum, was die vier Herren tun. Dass sie allesamt nicht guter Stimmung sind, war zu erwarten. Aber wie jeder seinem Herzen Luft macht, darin unterscheiden sie sich sehr:

  • Der erste schimpft wie ein Rohrspatz und beweist dabei einen beachtlichen Wortschatz und eine erstaunliche Redegewandtheit. Er steigert sich in Rage hinein, sogar ein Wuttränchen quellt aus dem vor Entrüstung funkelnden Auge. Doch es dauert nicht lange, da lässt sein Spektakeln nach und hört mit einem letzten Seufzer ganz auf. "Na bitte, dann eben nicht. Es gibt schließlich noch andere Frauen, so schön war sie nun auch wieder nicht." Spricht´s und geht davon, ein Liedlein trällernd.

  • Unser zweiter Mann sitzt auf einem Baumstumpf und leidet, leidet, offensichtlich, heftig und tief. Mit gequältem Blick ringt er sich den Satz ab: "Mir geht auch alles schief!" Es ist nicht ausgeschlossen, dass er immer noch gramvoll grollend dort hockt.

  • Der dritte reagiert bedrohlich. Der ganze Edelmann zornschnaubend, geballte Wut. Vor Rachedurst glänzende Augen, geschwollene Schläfenadern. Der Degen zerfetzt - mangels anderem - vorerst den Sack. Den Kampfesruf "Ihr zeig´ ich's!" ausstoßend, marschiert der Ritter forschen Schritts in Richtung Stadt.

  • Und was treibt unser vierter Mann? Nachdem er ein Weilchen gebrummelt hat, sitzt er nun ziemlich ruhig und gelassen da, scheint sich mit allem abgefunden zu haben. "Endlich habe ich meine Ruhe wieder. Hoffentlich passiert nichts mehr." Gemächlich steht er auf und stapft in Richtung seiner Behausung. Andere Wünsche, als dorthin zu kommen, scheint er nicht zu haben.

Welche Temperamente vertreten nun unsere 4 Herren?


Der Sanguiniker - Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt

Merkmale:
- gefühlsmäßig ansprechbar
- neue Gefühle entstehen leicht und schnell
- aufgeschlossener Mensch
- leicht begeisterungsfähig
- interessiert sich für vieles
- findet schnell Kontakt
- seine Gefühle wechseln rasch, oft aber ohne tiefe Spuren zu hinterlassen
- er neigt zu "Strohfeuer" - Reaktionen
- kommt über Misserfolge schnell hinweg
- ist meist heiter und lebensfroh, ohne ängstliche Bedenken bei neuen Aufgaben
- Motto: "Das schaffe ich schon!"
- kann sich rasch auf neue Situationen einstellen
- die Gefühle halten nicht lange an
- seine Meinung kann schnell umgestimmt werden
- vergisst Dinge, die er sich vorgenommen hat
- Neigung seine Gefühle überschwänglich auszudrücken 

Eigenschaften wie..... 

aber auch..... 

    froh
    zuversichtlich
    feinfühlig
    interessiert
    beweglich
    redegewandt
    herzlich 
    lebhaft
    leichtsinnig
    ablenkbar
    unbeständig
    unbesonnen
    geschwätzig


Der Melancholiker - Schwarzseher

Merkmale:
- Gegenteil des Sanguinikers
- ist gefühlsmäßig eher ansprechbar
- ihn berührt und beeindruckt nicht alles
- beschränkt sich beim Aufnehmen neuer Eindrücke auf wesentliches
- was ihn aber anspricht beschäftigt ihn längere Zeit
- Gefühle wechseln nicht so schnell, wirkt verschlossen
- besitzt keinen großen Freundeskreis
- Freundschaften sind beständiger
- liebt es manchmal allein zu sein
- fleißig, sorgfältig und ausdauernd im Beruf
- kleine Misserfolge bedrücken ihn
- rasches Umstellen liegt ihn nicht
- typisch ist eine eher traurige, gedrückte Stimmung; unbeschwertes Lachen ist selten
- Motto: "Das schaffe ich bestimmt nicht!" 

Eigenschaften wie..... 

aber auch..... 

    beständig
    fleißig
    gründlich
    gewissenhaft
    treu 
    zuverlässig
    verschlossen
    schwermütig
    ängstlich
    empfindlich
    mutlos


Der Choleriker - "die Fliege an der Wand"

Merkmale:
- gefühlsmäßig sehr ansprechbar
- neigt zu Affekten (Gefühle, die sich stürmisch äußern, aber - zum Glück - nicht lange anhalten)
- der kleinste Anlass kann ihn wütend und jähzornig machen
- dann schimpft er, poltert, verliert seine Beherrschung und weiß nicht mehr genau, was er tut
- bis die Erregung abklingt urteilt er ungerecht und ist nicht mehr Herr seiner Handlungen
- kann sich leidenschaftlich und energisch für etwas einsetzen - auch wenn die Vernunft dagegen spricht
- manchmal stürmt er los und will mit dem Kopf durch die Wand
- Geduld fällt ihm schwer
- er ist bis auf die Affektausbrüche ausdauernd, beständig und zuverlässig 

Eigenschaften wie..... 

aber auch..... 

    begeisterungsfähig
    leidenschaftlich
    entschlossen
    ausdauernd
    verlässlich
    initiativreich
    reizbar
    jähzornig
    ungeduldig
    unbeherrscht
    eigensinnig
    nachtragend


Der Phlegmatiker - immer mit der Ruhe...

Merkmale:
- Gegenteil des Cholerikers: was der eine zuviel hat, hat der andere zuwenig
- gefühlsmäßig wenig erregbar
- viele Dinge berühren ihn innerlich nicht
- aus seiner geradezu unerschütterlichen Ruhe kann ihn schwer etwas herausreißen
- während andere längst unter "Hochdruck" stehen, bleibt er kaltblütig und behält die Nerven
- ist nur schwer zu begeistern
- reagiert trocken und nüchtern
- hat der zu etwas eine Einstellung gefunden, so erweisen sich seine Gefühle als anhaltend
- ist beständig und anhänglich; in der Arbeit gleichmäßig und bedächtig
- rasches Reagieren, öfters Umstellen auf wechselnde Ereignisse in Beruf oder Familie liegen ihn nicht
- kann bequem und träge sein
- hängt an Gewohntem, fühlt sich wohl im vertrauten Trott 

Eigenschaften wie..... 

aber auch..... 

    zufrieden
    ausgeglichen
    ruhig
    kaltblütig
    verträglich
    anhänglich 
    gleichgültig
    begeisterungslos
    uninteressiert
    "faul"
    bequem
    unentschlossen


Schlussbemerkungen

  • Möglicherweise hat sich der eine oder andere von euch in einen der viert Typen wieder erkannt.
    Viele haben aber sicher festgestellt: So richtig passe ich zu keinem Typ. Wie kommt das?

  • Wir müssen bedenken, dass Temperamenteigenschaften verfestigt sind. Sie treten also bei einem Menschen im Laufe der Zeit immer wieder auf, zeigen sich in den verschiedensten Situationen. Natürlich kann auch ein Melancholiker herzlich lachen, ein Phlegmatiker aufbrausen, ein Choleriker träge sein, ein Sanguiniker lange Zeit mit einem Misserfolg nicht fertig werden. Aber solche Verhaltensweisen sind selten zu beobachten, sie sind nicht typisch und nicht verfestigt
  • Weiterhin sollten wir bedenken, dass hier die Merkmale der Temperamente quasi "lupenrein" beschrieben wurden. Alle Eigenschaften können aber auch abgestuft auftreten.
  • Schließlich gibt es neben den "reinen" Typen auch "Zwischentypen". In ihnen vereinen sich Eigenschaften verschiedener Temperamente. Wahrscheinlich müssen wir sogar die meisten Menschen in Mischtypen einordnen.

 


 

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© C. Busse 28.05.2005

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