Le cinéma français auf der Sekundarstufe II

Ein Internetprojekt in einem Leistungskurs Französisch
 

    Viele reden darüber, doch nur wenige setzen es im Unterricht ein: das Internet. Besonders in den sprachlich-literarischen Fächern verhindern Unkenntnis und Berührungsängste, dass seine vielfältigen Möglichkeiten produktiv genutzt werden, obwohl viele Schulen inzwischen über einen Internet-Anschluss verfügen. Im Fremdsprachenunterricht der Schule besteht darum in dieser Hinsicht ein dringender Nachholbedarf. Eines ist sicher: Für aktuelle landeskundliche Themen gibt es zur Materialbeschaffung kein effektiveres Medium als das Internet. Homepages der wichtigsten Tageszeitungen, Magazine, Nachrichtenagenturen sowie von Rundfunk- und Fernsehsendern lassen sich in wenigen Minuten durchsehen. Am Beispiel der Behandlung eines weithin zu Unrecht vernachlässigten Mediums, des französischen Spielfilms, zeigt der folgende Artikel auf, wie das Internet zur Materialbeschaffung genutzt werden kann.
 
 
 

  • 1.    Warum Kino im Unterricht ?

  •  Die im Folgenden beschriebenen Ideen und Hinweise ergeben sich aus der Behandlung des Themas in einem jahrgangsübergreifenden Französisch-Leistungskurs im Rahmen des Kursthemas La France actuelle. Sie können zum Teil auch in Grundkursen und in guten 11. Klassen realisiert werden. Auf Wunsch der Schüler behandelten wir zusätzlich zu den im Rahmenplan vorgesehenen Optionen den Themenschwerpunkt La vie culturelle. Es ist in vielerlei Hinsicht sinnvoll, sich im Oberstufenunterricht mit dem französischen Kino zu befassen. Als eifrige Filmkonsumenten sind die meisten Schüler dem Thema gegenüber sehr aufgeschlossen. Das herkömmliche Unterrichtsgeschehen wird durch Medien- und Methodenwechsel aufgelockert. In viel stärkerem Maße als Bücher kann der Spielfilm ein plastisches und authentisches Bild der französischen Lebenswirklichkeit vermitteln. Und außerdem ist Frankreich eine Kinonation, in der der Filmkunst ein ganz anderer kultureller Rang zukommt wird als bei uns. Man denke nur an das Mai-Festival in Cannes, an die Schlangen vor den Kinokassen am Mittwoch abend oder an die Marianne-Büsten mit den Zügen von Catherine Deneuve in französischen Amtsstuben.

     
  • 2.     Filmauswahl und Arbeitsaufträge

  • Es wurden zwei Schwerpunkte gesetzt. Der erste waren die classiques du cinéma français, der zweite le cinéma actuel.
    Für die classiques wählte ich 5 bedeutende Filme aus, die verschiedene Strömungen der französischen Kinogeschichte repräsentieren:

  • Marcel Carné: Hôtel du Nord (1938)
  • Louis Malle: Ascenseur pour l'échafaud (1958)
  • François Truffaut: Les 400 coups (1959)
  • Jean-Luc Godard: Le Mépris (1963)
  • Alain Resnais: Mon oncle d'Amérique (1980)
  • Die Beschaffung der Filme ist im Zeitalter der Videotheken, der Sender TV5 ( mit französischen Untertiteln!) und Arte im Zweikanalton sowie gelegentlicher Ausstrahlungen in OmU in ARD und ZDF (z.B. Le Mépris oder Mon oncle d'Amérique) kein Problem mehr. Da ein Spielfilm in einer Fremdsprache schwerer zu verstehen ist als jedes andere Tondokument, sollte man nicht davor zurückscheuen, den Schülern untertitelte Versionen in die Hand zu geben. Zu jedem Film wurde eine Kleingruppe gebildet mit dem Auftrag, den Film zu Hause anzuschauen und ihn unter folgenden Aspekten im Kurs zu präsentieren:

    1) Faites un synopsis (résumé bref de l'action)

    2) Trouvez des informations sur le réalisateur et sur son style / le mouvement qu'il représente. Utilisez l'internet pour la recherche.

    3) Choisissez une séquence caractéristique et montrez-la en classe.

    4) En partant de la séquence choisie, faites un commentaire (sur le style, le genre, le problème posé par le film etc.)
     
     

  • 3.    Materialbeschaffung im Internet

  • Während man für das ältere Kino genügend Hintergrundinformationen in der einschlägigen Literatur findet (z.B. Georges Sadoul, Histoire du Cinéma Mondial, Paris: Flammarion, 1949), ist für die aktuellen Spielfilme das Internet das mit Abstand ergiebigste Medium, da man sich hier mühelos Rezensionen, die verstreut in Zeitungen und Zeitschriften erschienen sind, beschaffen kann.

    Bevor man die Schüler auf die eigenständige Suche schickt, sollte man zumindest einmal mit ihnen in den Computerraum der Schule gehen und im Internet gezielt Informationen zu einem vorgegebenen Thema in den französischen Medien suchen lassen. Dazu kann man ihnen eine Liste mit wichtigen Internet-Adressen in die Hand geben, man kann sie aber auch eine Weile mit Hilfe bestimmter Suchmaschinen auf eigene Faust recherchieren lassen. Für Frankreich ist dabei  http://www.lycos.fr  besonders ergiebig.

    Viele interessante Informationen über die Geschichte des französischen Films erhält man im Espace Culturel, einem Informationsdienst des französischen Außenministeriums, unter der Adresse http://www.diplomatie.fr/culture/france . Über die Links cinéma und carte de navigation kommt man zu den Cahiers du Cinéma. Klickt man in dem hier gezeigten Menu auf Une galérie de cinéastes, erhält man Zugang zu über 100 Kurzbiographien französischer Regisseure mit umfangreichen Filmographien und Bibliographien. Klickt man im selben Menu auf Le Cinéma en France, erscheint die Rubrik Cent ans de cinéma français, von der aus man diverse Seiten öffnen kann zu filmgeschichtlichen (z.B. «Brève histoire du cinéma français 1960-1990), stilistischen (z.B. sehr brauchbare Erläuterungen zur Nouvelle Vague) und technischen Themen (z.B. "Les différentes conceptions de montage" und "Ecriture de lumière"). Außerdem gibt es Hinweise auf Kinozeitschriften, - verlage, -festivals und vieles mehr.

    Auch unter http://www.as.wvu.edu/mlastinger kommt man durch Anklicken von Cinéma zu verschiedenen interessanten französischsprachigen Websites mit Biographien und Informationen zu Regisseuren und Schauspielern, Texten zur Filmtheorie und -geschichte, Artikeln aus Filmmagazinen u.a.m.

    Informationen auch über ältere französische Filme bekommt man auf Englisch in der Internet Movie Database unter http://us.imdb.com .
    Dort kann man den Namen einer Person (Regisseur, Schauspieler, Drehbuchautor usw.) oder den gewünschten Filmtitel eingeben und erhält Filmographien mit Links zu Fiches techniques und Benutzerkommentaren, die z.T. durchaus interessant sind.

    Brauchbare Informationen zu den ganz aktuellen französischen Filmen finden sich natürlich auch unter  http://www.fr.yahoo.com . Eine weitere interessante aktuelle Adresse mit den vielfältigsten Informationsmöglichkeiten (nouveautés, prochainement, rechercher etc.) ist http://www.cinefil.com/ .

    Über  http://www.filmstar.de  gelangt man zu Dirk Jaspers Filmlexikon mit einem deutschsprachigen Archiv für alle Kinofilme, die seit 1990 in Deutschland angelaufen sind. Zu Hunderten von Filmen (auch älteren) gibt es Inhaltsangaben, Fiches techniques und Links zu Rezensionen.

    Sehr brauchbare und detaillierte Informationen zum aktuellen französischen Kino bekommt man von der Homepage der Tageszeitung Libération unter  http://www.liberation.com . Wenn man im Menu auf der linken Seite auf Cinéma klickt, öffnet sich ein Fenster "Recherche", mit dem man Filme der letzten Monate suchen kann. Außerdem gibt es die Rubrik Les sorties de la semaine mit Résumé, Fiche technique und Rezensionen sowie Hinweisen auf Spielstätten, Artikel über das jeweils letzte und das kommende Festival von Cannes und das Archiv Tous les films critiqués dans Libé mit alphabetischer Recherche.

    Die in letzter Zeit mehrmals erneuerte Homepage von Le Monde  http://www.lemonde.fr  liefert unter der Rubrik Cinéma Rezensionen zu gerade angelaufenen Filmen, Hintergrundberichte und umfangreiche Informationen über das letzte Festival von Cannes. Außerdem findet man Links zu verschiedenen Websites über das Kino, u.a. Prochainement dans les salles, Les fiches de 30.000 films (wo man nach Eingabe des gewünschten Filmtitels eine kurze Synopsis, eine Fiche technique, Informationen zum Regisseur und zu den Hauptdarstellern mit Links zu deren weiteren Filmen, die Bande-Annonce und das offizielle Filmplakat erhält), Les films récents, Le cinéma sur l'Internet (mit Informationen u.a. zu den actualités cinématographiques mit Links zu diversen Websites, die Informationen zu aktuellen Filmen verbreiten) und die Homepages der wichtigsten französischen Produktionsgesellschaften.

     
     
  • 4.    Les classiques du cinéma français

  •           4.1.: Die Synopsis

    Es ist keine leichte Aufgabe, die oft sehr komplexe Handlung eines Spielfilms kurz und klar zusammenzufassen. Die Schüler müssen dafür die wesentlichen Konstruktionsprinzipien der Filmhandlung erfassen und klare Schwerpunkte bei der Darstellung setzen.

    Für Hôtel du Nord legten die Schüler den Schwerpunkt auf den Kontrast der beiden Paare Pierre und Renée sowie M. Edmond und Mme Raymonde. Dem jungen, verliebten, enthusiastischen Paar, das gemeinsam aus dem Leben scheiden möchte, stehen M. Edmond, der nach einem Verbrechen seine Identität ändern musste und dessen Persönlichkeit seither abgestorben ist, und die nicht minder desillusionierte und verbrauchte Mme Raymonde gegenüber. An diesem Gegensatz rollten die Schüler die Filmhandlung auf, ohne auf die verschiedenen Nebenhandlungen näher einzugehen.

    Die Arbeitsgruppe zu Ascenseur pour l'échafaud fertigte auf einer Overheadfolie ein Diagramm an, mit dessen Hilfe sie präzise die sehr komplexe Handlungsstruktur mit drei parallel laufenden Strängen darstellen konnte:
     
     

    Während sich die Handlung von Les 400 coups problemlos chronologisch an Hand des Porträts der Hauptfigur Antoine Doinel aufrollen lässt, stellt die Synopsis für Godards Le Mépris aufgrund der Handlungsarmut des Films und der vielen symbolischen Bezüge hohe Anforderungen an die Schüler. Hier ist eine reine Zusammenfassung der Fakten unzureichend, eine gleichzeitige Interpretation unerlässlich. Sie kann gut unter der Fragestellung "Pourquoi est-ce que Camille commence à mépriser son mari?" geleistet werden, von der aus man Handlung und Personenkonstellation dieses internationalen Films, in der jeder Protagonist in seiner jeweiligen Muttersprache spricht, aufrollen kann.

    Eine mögliche Antwort wäre:

    "Paul accepte sans protester que Camille parte avec Prokosch dont les intentions sont sans équivoque. Ne comprenant pas la cause de son irritation, il renforce la désunion du couple qu'il ne ressent que vaguement. Malgré les résistances de Camille, il insiste pour qu'elle l'accompagne à Capri sur l'invitation de Prokosch qui y possède une villa. Fatiguée par les interrogations interminables de Paul qui ne comprend pas ses sentiments, elle finit par lui dire en face qu'il n'est pas un homme. Désormais, il est trop tard pour regagner son respect, et le destin suit son cours."

    Für Mon oncle d'Amérique bietet es sich an, auf einer Overheadfolie dreispaltig mit entsprechenden Verknüpfungen die Lebenswege der 3 Hauptfiguren kurz nachzuzeichnen und in einer vierten Spalte die kommentierenden Elemente aufzulisten, die den Personen den Charakter von Probanden eines verhaltenspsychologischen Experiments verleihen: die Betrachtungen des Psychologen Henri Laborit, die Versuche mit weißen Ratten, die Kurzszenen aus alten Spielfilmen mit Jean Marais und Jean Gabin usw. Sie könnte folgende Gestalt annehmen:

    Jean l'arriviste

    (Roger Pierre)

    Janine la comédienne

    (Nicole Garcia)

    René le fils de paysan

    (Gérard Dépardieu)

    Analyse de l'action

    (H. Laborit, psychologue)

    Il est né dans une île en Bretagne où il passe une partie de son enfance

    S‘ installe à Paris avec sa femme Arlette

    D'abord professeur, il devient vite directeur des informations à la radio

    Quitte Arlette et ses enfants pour vivre avec Janine

    Tombe en disgrâce auprès du ministre et perd son poste

    Colique néphrétique

    Retourne chez sa femme

    Fille d'un ouvrier communiste à Paris

    Education communiste

    Rupture avec sa famille lorsqu' elle devient comédienne

    Est invitée par Jean et Arlette qui la voient sur scène
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Arlette lui raconte qu'elle va bientôt mourir et demande de laisser Jean retourner à son foyer. Janine se sépare alors de lui.
     
     
     
     

    Deux ans plus tard, elle fait une visite-surprise sur l'île de Jean et apprend que sa femme est en parfaite santé. Bouleversée par le mensonge d'Arlette, elle n'arrive pas à dire la vérité sur leur séparation

    Ayant trouvé un poste dans la direction de l'entreprise de René, elle va le voir à Cholet pour lui dire qu'il a de nouveau perdu son poste.

    Janine a une crise de nerfs lorsqu'elle assiste à la découverte du corps de René

    La femme de Jean lui dit qu'elle ne regrette rien

    Scène violente avec Jean qui lui explique qu' il a pardonné à sa femme et qu'il restera avec sa famille

    Intérêts intellectuels éveillés par des lectures en cachette

    Rupture avec la famille

    Embauche dans une usine textile

    Devient directeur technique, responsable de 200 métiers de tissage

    Se fait éclipser par un concurrent à la suite d'une fusion d'entreprises

    Ulcère à l'estomac

    Est envoyé à Cholet comme directeur d'une unité de confection; sa femme reste à Roubaix
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     

    Prenant très mal l'offre de la direction qui lui propose un poste dans la gastronomie, il fait une tentative de suicide

    Il est ranimé à l'hôpital, mais il est définitivement licencié

      • images d'animaux (crabes, sangliers, etc.)avec des commentaires sur le fonctionnent de leur système nerveux
      • explications psychologiques données par Henri Laborit assis dans son bureau
      • Expériences avec des rats blancs qui subissent des chocs électriques dans leur cage (3 types de réaction)
      • Scènes brèves tirées de vieux films en noir et blanc avec Jean Gabin et Jean Marais (mêmes gestes que les personnages du film)
      • Flash-backs sur des séquences déjà vues pour illustrer les thèses de Laborit
     
          4.2    Die ausgewählten Sequenzen

    An ihnen sollten wesentliche Charakteristika des jeweiligen Films aufzuzeigen sein. Für Hôtel du Nord wählte die Gruppe zwei Sequenzen, die den Lauf der Handlung völlig verändern (Peripetien): den gescheiterten gemeinsamen Selbstmordversuch und M. Edmonds Geständnis gegenüber Renée. Es folgte eine Diskussion der Frage Pourquoi est-ce que M. Edmond ne dénonce pas Pierre?, die mehrere Antworten zulässt (Il veut réparer sa faute, à savoir le fait d'avoir dénoncé ses complices / Il saisit intuitivement la situation / Il se méfie de la police, etc.) und damit den Schülern ermöglicht, ihre Kenntnisse der Filmhandlung einzubringen.

    In der Sequenz aus Ascenseur pour l'échafaud war zuerst die verzweifelte Florence im Café, dann das übermütige Pärchen im gestohlenen Auto und zuletzt der im Fahrstuhl blockierte Julien zu sehen. Hier sind zentrale Stilmittel des Films in einem kurzen Ausschnitt vereint: das Hin und Her zwischen den 3 Handlungssträngen, der wirkungsvolle Einsatz der Musik von Miles Davis, die hier die entgegengesetzten Stimmungslagen der Figuren hervorhebt, der innere Monolog der ratlosen und verlassenen Florence (utilisation de la voix off) und die Lichteffekte in der Fahrstuhlszene.

    Auch in Le Mépris bieten sich viele Sequenzen an, in der die Funktion der Musik und symbolische Verweise gut zum Tragen kommen. Die von den Schülern gewählte Szene zeigte den Streit des Paares um die Frage, ob Camille zu den Dreharbeiten nach Capri mitkommt oder nicht. Kontrastiert wird dieser eher banale Streit von einer getragenen, schweren , aber sehr harmonischen Streichermusik, die der Szene eine zweite, auf die Fatalität der griechischen Tragödie verweisende Bedeutungsebene verleiht. Hieraus lässt sich dann gut eine Darstellung der verschiedenen symbolischen Bezüge des Films ableiten.

    Aus Les 400 coups wurde die Sequenz gezeigt, in der Antoine Doinel einer Psychologin seine Geschichte erzählt. Hier kommt der zugleich naive und mit allen Wassern gewaschene Charakter dieses Pariser Jungen ebenso wirkungsvoll zur Geltung wie die Schauspielkunst des jungen Jean-Pierre Léaud.

    Als Beispiel für die Montagetechnik in Mon oncle d'Amérique wurde folgende Sequenz ausgewählt: Als Jean nach 2 Jahren Trennung aus der Ferne Janine auf seiner Insel anlegen sieht, ergreift er zunächst instinktiv die Flucht durchs Unterholz (dabei kurze Einblendung einer weißen Ratte). Darauf folgt ein von Laborit kommentiertes Experiment mit einer Ratte, die durch ein akustisches Signal , kombiniert mit einem Elektroschock, innerhalb weniger Tage lernt, sich durch Flucht der Bestrafung zu entziehen. Anschließend sieht man kurze Einblendungen vergangener Szenen des Films mit Fluchtbewegungen (René verlässt seine Familie, Jean trennt sich von seiner Frau und erscheint bei Janine, wobei sein Kopf durch den einer weißen Ratte ersetzt ist), die von Signaltönen begleitet sind und die Parallelen zwischen menschlichem und tierischem Verhalten illustrieren sollen (wobei später auch die gesellschaftsbedingten Unterschiede deutlich aufgezeigt werden).
     

        5.    Le cinéma actuel

    Als Einstieg bekam jeder Kursteilnehmer einen aktuellen Officiel des Spectacles ( eine Bekannte hatte mir genügend Exemplare aus Paris mitgebracht ) in die Hand mit der Hausaufgabe: Choisissez un film français que vous aimeriez regarder, et justifiez votre choix. Durch das Blättern im Officiel in Verbindung mit dem Suchauftrag erhielten die Schüler einen ersten Überblick über das aktuelle Pariser Filmangebot und die verschiedenen Genres. Die Auswertung bot reichlich Sprechanlässe, da jeder zunächst den Inhalt kurz skizzieren und dann seine Vorlieben begründen musste. Da sich mehrere Schüler für den Film Le derrière interessierten, wurde vereinbart, darüber möglichst viel Informationen im Internet zu finden. Außerdem suchten wir Informationen zum Film Place Vendôme, der zur Zeit der unterrichtlichen Behandlung in untertitelter Originalversion in mehreren Berliner Kinos lief, und sahen uns dann gemeinsam den Film an. Wir fanden nicht nur die Synopsis, die fiche technique und Informationen zur Regisseurin und zu den Hauptdarstellern, sondern auch eine längere Rezension und ein umfangreiches Interview mit Catherine Deneuve. Am ergiebigsten waren dabei die Websites der beiden Tageszeitungen Le Monde und Libération. Da es sich nach Meinung des Libération-Rezensenten um einen schwachen Film handelt, der ausschließlich von der Brillanz seiner Hauptdarstellerin Catherine Deneuve lebt, wurde als Beobachtungsauftrag festgelegt, diese These zu überprüfen und dabei Kriterien für die Beurteilung des Films und für die Aura seiner Hauptdarstellerin zu sammeln. Zur Nachbereitung verfassten die Schüler eine eigene Filmrezension, die dann als Grundlage zur Diskussion dieser Frage diente. Abgeschlossen wurde das Projekt mit einem exposé zweier Schülerinnen über das Festival in Cannes, das zu diesem Zeitpunkt gerade abgeschlossen war. Auch hier war, neben einigen Magazinen, das Internet die wesentliche Informationsquelle (v. a. über die Homepage von Le Monde).

    Weitere, von uns aus Zeitgründen nicht realisierte Möglichkeiten des produktiven Umgangs mit aktuellen Filmen wären z.B., das Résumé, das ja meist nur den Anfang wiedergibt, zu Ende schreiben zu lassen, bevor man sich den Film anschaut. Ebenso könnte man auf der Grundlage von Rezensionen und Interviews die Hauptfiguren charakterisieren und dann überprüfen, ob man sie richtig getroffen hat. Bei genügend Zeit könnte man auch in arbeitsteiliger Gruppenarbeit ein Drehbuch für einen aktuellen Film verfassen oder einzelne Filmsequenzen ausgestalten, bevor man sich den Film gemeinsam im Kino anschaut. Wenn ein Intranet in der Schule vorhanden ist, könnten dazu miteinander vernetzte Computer verwendet werden, so dass sich jede Arbeitsgruppe jederzeit die Zwischenergebnisse der anderen Gruppen auf den Bildschirm holen kann.

    Aufgrund der Medien- und Methodenvielfalt, der Eigenständigkeit beim Recherchieren, der Authentizität des Sprachmaterials, der hohen Aktualität des Unterrichtsgegenstandes und der guten Teamarbeit kann das Projekt als erfolgreich betrachtet und seine Wiederholung in dieser oder ähnlicher Form sehr empfohlen werden.

    Christian Neumann, Berlin

    Zuerst erschienen in: PRAXIS des neusprachlichen Unterrichts 1/2001, S. 63 – 69,

    für die Veröffentlichung auf dieser Seite bearbeitet von Hartmut Petersen

    Ein kleiner Hinweis sei noch gestattet: Jeder 'Internaut' weiß um die manchmal (zu) schnell wechselnden Internetadressen. Wir haben alle Links auf Aktualität überprüft und hoffen, daß sie sich inzwischen nicht geändert haben. Mais, on ne sait jamais....

    Ein ganz herzliches Dankeschön geht an Herrn Prof. Dr. Reinhold Freudenstein, der einer Veröffentlichung auf dieser Seite von ZUM.DE zugestimmt hat.
     

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