Das Internet als Medium für landeskundlichen Französischunterricht in der Sekundarstufe I
 
 

1. Einleitung

    Dass das Internet das Unterrichtsmedium der Zukunft ist, daran dürfte kaum ein Zweifel bestehen. Dass es sich hervorragend zur Materialbeschaffung in Fächern wie Sozialkunde, Erdkunde oder Biologie eignet, steht ebenso außer Frage.
    Der folgende Artikel soll konkret aufzeigen, wie das Internet auch im alltäglichen Fremdsprachenunterricht als Ergänzung zu landeskundlich ausgerichteten Lehrbuchlektionen einsetzbar ist. Dies nicht nur wegen der Fülle von Informationen, die es zu jedem erdenklichen Thema bietet, sondern auch durch die Schaffung einer authentischen Kommunikationssituation in der Fremdsprache mit überschaubaren und häufig durch Graphiken visuell gestützten Texten.

    Die im Folgenden dokumentierten Arbeitsvorhaben knüpfen an Lehrbuchlektionen aus «Découvertes 3» und «Etapes 3» für Gymnasien sowie «Ensemble 3 » für Gesamtschulen an. Über den Server  www.cybevasion.fr gelangt man zu detaillierten Informationen über jede französische Region, sämtliche Départements und alle größeren Städte.
 
 

2. Das Internet-Quiz (Dauer: 1 Unterrichtsstunde)

    Ziel des Internet-Quiz ist, so schnell wie möglich einen Fragenkatalog zu beantworten, zu dem die Informationen im Internet aufzufinden sind. Die Fragen knüpfen dabei an eine landeskundlich ausgerichtete Lehrbuchlektion an, in diesem Fall Lektion 4 aus «Découvertes 3» (Ernst Klett Verlag GmbH, Stuttgart 1996) über die Region «Nord-Pas-de-Calais».

    Voraussetzungen sind ein Raum mit ca. 7 bis 8 Computern mit Internet-Anschluss, an denen die Schüler zu zweit sitzen, so dass, je nach Klassengröße, zumindest mit einer Teilungsgruppe gearbeitet werden kann sowie ein Lehrer, der sich die Mühe macht, vorher die entsprechenden Websites durchzusurfen und aus den dort gefundenen Informationen ein Questionnaire zu erstellen.

2.1. Nutzen des Internet-Quiz

    Die Schüler treten in einen Dialog mit einem authentischen französischsprachigen Medium. Die Anwendung ihrer Sprachkenntnisse findet somit nicht mehr in einem künstlich hergestellten, sondern in einem natürlichen Kontext statt. Obwohl ihre eigene Sprachproduktion dabei eher gering ist, setzen sie sich aktiv mit der zu erlernenden Sprache auseinander, da sie aus dem französischsprachigen Input gezielt Informationen herausfiltern müssen. Dabei wenden sie bisher Gelerntes an und erfassen kontextuell auch neue Vokabeln, wobei die Graphiken und Fotos das Sprachverständnis entsprechend der audiovisuellen Methode wirkungsvoll unterstützen.

    Durch den Wettbewerbscharakter des Quizzes geht schließlich darum, als Erster fertig zu sein – sind die Schüler konzentriert bei der Sache, ohne sich unter Stress zu fühlen, denn auch ihr Spieltrieb und ihr Unterhaltungsbedürfnis kommen nicht zu kurz. Sie arbeiten im Team auf ein klar definiertes Ziel hin, und die gerade im Fremdsprachenunterricht oft so hinderliche Lehrerdominanz wird abgebaut. Dabei können auch Schüler, die in Französisch sonst schwach sind, aber schon Erfahrungen im Umgang mit dem Internet haben, gute Erfolge erzielen und vielleicht etwas mehr für das Fach motiviert werden. Die internet-unerfahrenen Schüler erlernen den Umgang mit dem neuen Medium mühelos, so dass nebenbei Berührungsängste abgebaut werden können.

2. 2. Bei der Erstellung des Fragenkatalogs ist zu beachten:

  • Die Fragen sollten an Inhalte anknüpfen, die in der entsprechenden Lehrbuchlektion vermittelt wurden, in diesem Fall z.B. der Beffroi von Arras, das Haus von Robespierre, die wirtschaftliche Umstrukturierung der Region usw.
  • · Die Fragen sollten größtenteils bekanntes Vokabular enthalten, daneben aber auch einige neue Wörter, deren Bedeutung sich kontextuell erschließen lässt (z.B. «falaises» durch die Kontrastierung mit «plages de sable»). Diese neuen Vokabeln kann man in der Folgestunde bei der Auswertung des Fragebogens unterstreichen und einüben lassen.

    · Die Fragen sollten zu kurzen Antworten führen. Ziel ist hier nicht die eigene Sprachproduktion, sondern das gezielte Herausfiltern bestimmter Informationen. Für die Einübung dieser ganz wesentlichen Fertigkeit im Spracherwerb eignen sich die Internet-Texte wegen ihrer Überschaubarkeit besonders gut.

    · Um unnötiges Suchen zu vermeiden, sollte der Lehrer die jeweiligen Startseiten angeben, von denen aus die Schüler dann weiter navigieren können. Dabei sollten die Fragen so formuliert werden,. dass die Schüler auf die gewünschten Webseiten gelotst werden. Fragt man z.B. nach einer «Chocolaterie», so können sich die Schüler bei der Auswahl von Links denken, dass sie unter «Tourisme industriel» zu finden ist. Ist man auf dieser Seite angelangt, stößt man wiederum auf einen Link zu den «Ecomusées» und kann eine weitere Frage beantworten.


    2.3. Beispiel für ein Internet-Quiz:

    Internet-Quiz: Le Nord-Pas-de-Calais

    Adresse: http://www.cybevasion.fr

    Choisissez la région: Nord-Pas-de-Calais 

    Cliquez sur: Pas de Calais - Arras – Globe Trotter – Tourisme

    1) En quelle année est-ce que la maison de Robespierre a été construite?

    2) En quelle année est-ce que la cathédrale d‘Arras a été détruite?

    3) Dans quel style est-ce que le beffroi de l’hôtel de ville a été construit?

    4) Quelle est l’étendue de la Grand’Place?

    5) Qu’est-ce qu’on pouvait acheter sur la place devant le théâtre?

    Cherchez ensuite l’hôtel ATRIA :

    6) Renseignez-vous sur le prix d’une chambre double.

    Retournez à la page de la région Nord-Pas-de-Calais.

    Cliquez sur le troisième bouton: Nord-Pas-de-Calais, une région à aimer..., et répondez aux questions:

    7) De combien de territoires se compose la région?

    8) Est-ce qu’il y a des plages de sable ou des falaises sur la Côte d’Opale?

    9) Combien de lits touristiques offre le Nord-Pas-de-Calais?

    10) Combien de personnes traversent chaque année la frontière belge de la région?

    11) Combien de personnes transitent chaque année par le tunnel de la Manche?

    12) Combien de personnes vivent du tourisme dans la région?

    13) Où est-ce qu’on peut visiter une chocolaterie?

    14) Quel port peut-on visiter en bateau? A quelle heure peut-on prendre le bateau le dimanche matin?

    15) Quels sont les thèmes des écomusées

      • de Dunkerque 
      • de Bailleul 
      • d’Anzin?
     
     

    3. Planen einer gemeinsamen Aktivität mit Hilfe des Internet: On loue un bateau dans le Nord-Pas-de-Calais (Dauer: 1 Unterrichtsstunde)

        In dieser Stunde beansprucht die Beschäftigung mit dem Internet nur eine Unterrichtsphase: Es wird als Medium der Informationsbeschaffung zu einem praktischen Ziel genutzt.

        In der Vorlaufstunde oder als vorbereitende Hausaufgabe sollte man einen Dialog erstellen lassen, in dem argumentiert werden muss. Dazu kann man den Schülern eine mit dem Thema der Internet-Stunde in Zusammenhang stehende Aufgabe stellen und ihnen als Hilfestellung eine Liste mit Redemitteln in die Hand geben, z.B. folgendermaßen:

    Vous voulez aller à Lille avec votre classe pour visiter la région Nord-Pas-de-Calais.

    Comment est-ce que vous allez à Lille? En train, en car ou par avion?

    Faites un dialogue dans lequel vous discutez cette question avec deux amis.

    Employez quelques-unes des tournures suivantes:
     

    Je propose de faire qc

    Je préfère (faire) qc

    Je trouve qu’on devrait faire qc

    A mon avis, il vaut mieux faire qc

    Oui, d’accord,

    Tu as raison, 

    Ce n’est pas vrai

    De toute façon

    parce que

    puisque

    car

    mais

    mais d’autre part

    ...

    c’est moins cher

    c’est plus confortable

    le voyage est moins long

    les toilettes sont toujours sales

    il n’y a pas de restaurant

    etc.

     
     
        In der Internet-Stunde lässt man dann einen der Dialoge vorlesen, führt in das Stundenthema ein («nous voulons faire une excursion en bateau sur les rivières et les canaux du Nord-Pas-de-Calais»), lässt auf der Landkarte in der hinteren Umschlagseite von Découvertes 3 einige Flussnamen sammeln und weist den Weg zur Webpage, auf der die 24 Schiffsvermietungen aufgelistet sind ( auf der Seite Nord-Pas-de-Calais auf «Tourisme fluvial» klicken).

    Als Beispiel ein Auszug aus der Webseite einer Schiffsvermietung (es fehlen Foto, Bootsname und Adresse):
     

     
     
     
     
    Lieu d’embarquement:                                   Lille, écluse de la Barre

    Contact commercial:                                      Arnaud DELERUE, responsable

    Type:                                                                PENICHE SPECTACLE-CABARET

    Confort:                                                            Bar, restauration à quai, sonorisation, cuisine équipée, 
                                                                             toilettes, salle de restaurant, chauffage, matériels pour 
                                                                             séminaires. Scène équipée de matériel de sonorisation.
                                                                             Eclairage, régie équipée de matériel hi-fi

    Nombre de places assises:                            90 places

    Capacité salle de restaurant:                          90 places

    Accueil:                                                            Réservation, accueil groupe

    Clientèle:                                                         Individuel, séminaires d'entreprise, comités d'entreprise, 
                                                                             clubs troisième âge, groupes constitués

    Capacité d’accueil:                                          60 personnes

    Commentaires:                                              Toute l'équipe de "la Péniche du Pianiste" vous 
                                                                            accueillera dans une ambiance  chaleureuse avec 
                                                                            des  animations, des chansons et de nombreuses 
                                                                            surprises adaptées à  tous les âges.

    Arnaud Delerue, votre commandant de bord, vous attend pour une escale inattendue à  quelques pas du centre ville de Lille.

    Tarifs: Repas avec animation le soir hors boissons : 200 FF par personne 

    Modes de paiement: CB, Visa, Eurocard, Mastercard, American Express, Diners Club

     
     
     
    ( http://www.cr-npdc.fr/tourisme/f-tourisme.htm: La péniche du pianiste)
     
     

        Nachdem man eine Vokabelliste mit dem für die Aufgabe relevanten Vokabular (un lieu d’embarquement, un accueil, le circuit, le mode de paiement, le forfait, la péniche, les monnaies étrangères etc.) verlesen lassen hat, kann man Blätter verteilen mit der Wegbeschreibung zur Webpage, den Aufgaben für die 4 Gruppen und den Arbeitsaufträgen. Jede Gruppe soll jeweils 6 Angebote sichten, das beste heraussuchen, es in fünffacher Ausfertigung ausdrucken und dann in einer weiteren Phase mit den anderen Gruppen diskutieren, für welches Angebot sich die Klasse letztendlich entscheidet. Dabei spielen der Typ des Schiffes (Foto), der Komfort, die Kapazität, zusätzliche Angebote (repas-spectacle etc.) und der Preis eine wesentliche Rolle. In der Plenumsdiskussion sollte ausschließlich Französisch gesprochen werden, wobei die Liste mit den Redemitteln Hilfestellung leisten kann. Bei der Suche des Favoriten in den Kleingruppen kann jedoch je nach Leistungsstärke der Klasse auch die Muttersprache erlaubt werden , um schwächere Schüler, deren Konzentration bereits durch das Herausfiltern von Informationen aus dem französischen Sprachmaterial und den Vergleich mit den Alternativangeboten stark beansprucht ist, nicht zu überfordern. Ziel sollte sein, zu einer Einigung zu kommen.

        In dieser Unterrichtsstunde wird eine Fülle von Lernzielen erreicht: Anwendung von Texterschließungsstrategien, Anwendung von Redemitteln zum Argumentieren, Fertigkeiten im Umgang mit dem Internet und sozio-kommunikative Kompetenzen wie Toleranz und Kompromissfähigkeit.

        Das Mieten eines Schiffes dient dabei nur als Beispiel. Wenn man ein wenig sucht, wird man im Internet, je nach regionalen Besonderheiten, auf eine Fülle weiterer interessanter Aktivitäten stoßen, die man gemeinsam planen und diskutieren kann.
     
     

    4. Das Internet-Projekt: Erkundung einer Region (Dauer: 4 – 6 Unterrichtsstunden)

    4.1. Eine Wandzeitung über die Loire

        Zur Vertiefung des Dossier 1 von «Etapes 3» (Cornelsen Verlag, Berlin 1991) über die Loire lässt sich eine große Wandzeitung erstellen, die den Flusslauf der Loire von der Quelle am Mont Gerbier de Jonc bis zur Mündung in den Atlantik darstellt. Die Texte, Graphiken und Fotos für die Wandzeitung suchen sich die Schüler im Internet. Je nach Länge und Schwierigkeitsgrad können die Texte entweder direkt übernommen oder gekürzt, mit Vokabelerklärungen versehen oder umgeschrieben werden. Ziel ist, ein möglichst breit gefächertes Bild einer Flusslandschaft zu vermitteln, das geographische, historische, politische, wirtschaftliche und biologische Gesichtspunkte miteinander verknüpft. Besonders positiv daran ist, dass die gesamte Klasse an einem gemeinsamen Produkt arbeitet, das nicht nur im Klassenraum, sondern auch in öffentlichen Bereichen des Schulgebäudes ausgestellt werden kann.

     Die Einteilung der Arbeitsgruppen kann sich an den in der Lehrbuchlektion vorgestellten Aspekten orientieren:

    Die Mündung zwischen St-Nazaire und Nantes, das Vallée de la Loire mit seinen Renaissance-Schlössern, die Atomkraftwerke, der Widerstand gegen die Staudammprojekte und der Oberlauf im Massif Central.

    Informationen dazu findet man u.a. auf folgenden Websites:

  • Mit dem schon weiter oben erwähnten Server  http://www.cybevasion.frlassen sich die Homepages aller größeren Städte unter dem Link «Villes et villages de France» auffinden, z.B. St-Nazaire, Nantes, Tours, Blois, Orléans und Nevers. Einige dieser Websites bieten ergiebige Informationen zu allen Bereichen des städtischen Lebens (z.B. St-Nazaire), andere sind eher bescheiden ausgefallen. Auf der Website von Blois findet man eindrucksvolle Luftaufnahmen des Schlosses. Von der Startseite des Départements Loire-et-Cher aus kommt man zu einer interessanten Seite mit Aufnahmen der Loire an jedem einzelnen Tag des laufenden Kalenderjahres, mit denen man die jahreszeitlichen Veränderungen der Flusslandschaft gut nachvollziehen kann.
  • Weitere Fotos und Texte über die Loire-Schlösser findet man unter http://www.loirevalleytourism.com (auch auf Französisch).
  • Von der Seite «La Loire et son bassin» unter der Adresse http://www.rivernet.org/loire aus kommt man zu mehreren Websites über die Widerstandsaktionen gegen die Staudammprojekte (Loire Nature, la campagne Loire vivante und SOS Loire vivante mit einer Chronologie der Ereignisse von 1971 bis heute). Zudem erhält man die neuesten Nachrichten mit Links zu den entsprechenden Pressemitteilungen. So erfuhr man zur Zeit der Abfassung dieses Artikels (18.12.1999), dass 4 Tage zuvor das Staudammprojekt von Chambonchard endgültig aufgegeben wurde. Außerdem gibt es Links zu den Homepages der Umweltschutzorganisationen, zu Fotos vom Oberlauf der Loire, zu öko-touristischen Aktivitäten für Jugendliche (séjour geólogique, canoë et kayak, camp d’étudiants sur le saumon etc.) und zum Plan Loire Grandeur Nature, der u.a. eine für die Wandzeitung brauchbare Kartenskizze des Flusssystems mit AKWs, Staudämmen und inzwischen gescheiterten Projekten (darunter das im Lehrbuch diskutierte Serre de la Fare) enthält. Diesen Texten kann man einen Artikel aus der Zeitschrift «Caesium» (unter http://www.caesium.fr/kiosque/index.html) gegenüberstellen, in dem die Ansicht vertreten wird, die Loire sei nie ein «fleuve sauvage», sondern schon immer ein «fleuve de haute civilisation» gewesen. Zu beiden Positionen lassen sich aus Geschichte und Gegenwart eine Vielzahl von Belegen sammeln.
  • Informationen zu den Atomkraftwerken finden man auf dem Server der französischen Atomindustrie unter der Adresse http://www.site-gamma.fr/genedf.htm Dort bekommt man nicht nur allgemeine Hinweise über die französische Atomwirtschaft, sondern auch eine Liste sämtlicher AKWs mit Landkarte. Die meisten davon (so auch die im Lehrbuch erwähnten Dampierre, Chinon, Belleville und St-Laurent) kann man anklicken, erhält jedoch hauptsächlich touristische Informationen. Interessanter ist die Homepage des Dorfes Belleville-sur-Loire (http://www.berry.tm.fr/bellevil.htm) . Sie bietet genaue Daten und Fakten und ein Foto vom AKW. Über den Widerstand gegen Atomkraftwerke kann man sich am besten auf der Website von Greenpeace (http://www.greenpeace.fr) informieren (auf Energie und von dort auf Nucléaire klicken!).
  • Wem diese Hinweise noch nicht reichen, der sollte mit www.lycos.fr, einer der besten Suchmaschinen für Frankreich, weitersuchen. Dieses Projekt eignet sich aufgrund der zum Teil recht anspruchsvollen Texte eher für leistungsstarke Lerngruppen an Gymnasien.
     

    Der folgende Abschnitt soll zeigen, dass sich Internet-Projekte durchaus auch in schwächeren Lerngruppen verwirklichen lassen.
     
     

    4.2. Porträt der Region «Poitou-Charentes»

        Anknüpfend an Lektion 5B von Ensemble 3 («Une région se présente») (Ernst Klett Verlag, Stuttgart 1996) werden verschiedene im Lehrbuch erwähnte Aspekte der Region in Gruppenarbeit näher untersucht. In Frage kommen z.B. «Le Port de La Rochelle» (unter http://www.ville-larochelle.fr), «Le Marais Poitevin» (unter http://www.ville-coulon.fr  auf der Homepage wird man von umherhüpfenden Fröschen begrüßt) und «Le Futuroscope» (http://www.futuroscope.fr, eine für Schüler sehr ansprechend gestaltete interaktive Website).

        Der Lehrer gibt jeder Gruppe die jeweilige Startseite an, von der aus sie sich dann weiter navigieren kann, um selbständig brauchbare Informationen aufzufinden. Dabei ist jeder Gruppe ein Wörterbuch zur Verfügung zu stellen.

        Ziel ist die Erstellung eines Plakats mit Fotos und Graphiken aus dem Internet und kurzen Begleittexten, die die Schüler selbst verfassen, indem sie die Originaltexte so vereinfachen, dass sie für ihre Mitschüler ohne große Mühe verständlich sind. Dabei kann unbekanntes Wortmaterial durchaus verwendet werden, sofern es kontextuell oder vom Dt./Engl. her erschließbar ist . Andere unbekannte Wörter können in begrenzter Anzahl in Form von Fußnoten erklärt werden. Wenn die Plakate fertig sind, werden sie von jeder Gruppe der Klasse vorgestellt und im Klassenraum aufgehängt.

        Neben der Einübung von Texterschließungstechniken lernen die Schüler, Texte so zu paraphrasieren, dass sie für ihre Mitschüler verständlich werden. Das kann auf folgende Weise geschehen:

    Unter der Adresse http://www.ville-larochelle.frerhält man umfassende Informationen über Geschichte und Gegenwart der Stadt mit vielen schönen Fotos. Über die Häfen findet man folgende Information:

    «Pêche, commerce, plaisance, croisière, La Rochelle est l’un des passages obligés sur l’Atlantique. Ses quatre ports en font aujourd’hui l’un des plus grands sites portuaires français pour l’économie et le tourisme».

    Diesen Text können die Schüler folgendermaßen vereinfachen:

    «Avec ses quatre ports (pêche, commerce, plaisance, croisière), La Rochelle est l’une des plus grandes villes portuaires pour l’économie et le tourisme.» Die Wörter port, pêche, économie wurden in der Lehrbuchlektion 5B eingeführt, ebenso der Superlativ. Die Wörter commerce und portuaire lassen sich selbständig erschließen. Plaisance und croisière sollten in einer Fußnote erklärt werden.

        Auf der Webpage folgen nun sprachlich anspruchsvollere Detailinformationen zu jedem der 4 Häfen. Jetzt entscheidet die Arbeitsgruppe, ob sie Informationen aus diesen Texten mit einbeziehen oder sich lieber gleich anderen Aspekten zuwenden möchte (z.B. les plages, la voile, les musées, les tours, le protestantisme, les véhicules électriques etc.). Die Verwendung des Lead-Stil auf vielen Internet-Seiten (erst sprachlich relativ einfache Globalinformationen, dann weitere Einzelheiten) kommt den unterschiedlichen sprachlichen Fähigkeiten und Bedürfnissen der Lerngruppen sehr entgegen.

        Diese praktischen Hinweise sollen Beispiele sein für die vielseitigen Verwendungsmöglichkeiten des Internet im Französischunterricht. Es gibt auf diesem Gebiet noch unendlich viel zu entdecken, und alle innovativen Kollegen sind aufgerufen, daran mitzuwirken!

    Christian Neumann, Berlin.    Zuerst erschienen in: Fremdsprachenunterricht 1/2000, S. 57 – 59.

    für die Veröffentlichung in der Zentrale für Unterrichtsmedien (ZUM.DE) aufbereitet von Hartmut Petersen.

    Ein kleiner Hinweis sei gestattet: Jeder 'Internaut' weiß um die manchmal (zu) schnell wechselnden Internetadressen. Wir haben alle Links auf Aktualität überprüft und hoffen, dass sie sich inzwischen nicht geändert haben. Mais, on ne sait jamais....

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