Im Rollstuhl vor der Disco-Tür
Bremen (rof). Melanie stand am späten Freitag abend vor einer
Tür, die für sie schon des öfteren verschlosssen blieb. Vor der
Discothek "Stubu" am Rembertiring drückte sie, unterstützt durch
einige Freunde, den Besuchern Flugblätter in die Hand. Sie rief
zum Boykott des Hauses auf.
Warum? "Weil es mit allen Mitteln versucht, Leuten, die ihm
nicht passen, den Eintritt zu verwehren." Die 22jährige Melanie
gehört dazu. Sie sitzt im Rollstuhl. Der Einlass ist ihr bisher
etliche Male verwehrt worden, weil es angeblich keinen Fahrstuhl
gibt-"was nicht stimmt"-und einmal auch, "weil mein Begleiter,
ein Zivi, lange Haare hat." Ihr Boykott-Aufruf wurde Freitag
nacht von vielen jungen Besuchern aufmerksam studiert. "Drei
Leute haben ihn tatsächlich befolgt und sind nicht
reingegangen." Melanie will nicht aufgeben. "Vielleicht gelingt
eines Tages eine Demo gegen derartige Diskriminierungen."
aus: Weserkurier, 21. 5. 1995
"Gäste" prügelten und traten auf schwarzen Studenten ein
Junger Engländer flüchtete in Todesangst
(...) Der 25jährige Wirtschaftsstudent Steve Mukasa aus England
wollte kürzlich mit zwei Bremer Studentinnen tanzen gehen. Doch
aus dem Discobesuch wurde ein Alptraum. (...)
Mukasa kannte die Diskothek bereits von einem früheren Besuch
her. Diesmal jedoch wurde der Mann mit der schwarzen Hautfarbe
von Türstehern festgehalten und nach einem Mitgliedsausweis für
Ausländer befragt. Irritiert zeigte er ihnen seinen englischen
Pass, doch der zählte nicht. Während der Engländer wieder
hinausging, machte eine seiner Begleiterinnen ihrem ärger
lautstark Luft.
Als Musaka zurückkehrte, um nach dem Antrag für einen
Mitgliedsausweis zu fragen, erhielt er nach eigenen Angaben ohne
Vorwarnung zwei Faustschläge ins Gesicht. Der Schläger hatte
direkt hinter dem Türsteher gestanden. Verfolgt von sechs Männern
flüchteten die drei jungen Leute auf die Straße.Nur wenige Meter
von der Discothek entfernt, prügelten und traten die Männer auf
den bereits am Boden liegenden schwarzen Studenten ein. Die
beiden Frauen, die sich schützend über ihren Bekannten warfen,
wurden von Baseballschlägern getroffen. Als einer der
Unbekannten ein Messer zog, drängten ihn die anderen ab. Mukasa
und die beiden Frauen nutzten den Moment, liefen in Todesangst
davon und erstatteten Anzeige. (...)
aus: Weserkurier, 16.2.1996
Copyright 1997, Werner Kraft/Brigitte Miklitz
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Created: 2/13/97
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