Heidelberg während des konfessionellen Zeitalters
Dreißigjähriger Krieg
Unter der Herrschaft von Kurfürst Friedrich V. (1610-1623) erlebte
Heidelberg zunächst eine Zeit höfischer Prachtentfaltung. Um seiner
Gattin, der englischen Königstochter Elisabeth Stuart, ein standesgemäßes
Hofleben bieten zu können, ließ Friedrich das Heidelberger Schloss
umgestalten. Den Auftakt bildete die Fertigstellung des frühbarocken
Englischen Baus und des Elisabethentors. Wenig später wurde begonnen,
den berühmten Hortus Palatinus, eine prachtvolle Schlossgartenanlage
nach französischen und italienischen Vorbildern, anzulegen - allerdings
kam es nie zu dessen Vollendung.
Auf politischem Terrain sollte aber die Herrschaft Friedrichs
in einem Debakel enden. Als Führer der protestantischen Union
versuchte er die Kurpfalz zur protestantischen Vormacht im Heiligen
Römischen Reich zu machen. Nach dem Prager Fenstersturz, der im
Jahr 1618 den Dreißigjährigen Krieg auslöste, setzten die böhmischen
Stände den Katholiken Ferdinand II. ab und wählten Friedrich am
26. August 1619 zum böhmischen König. Friedrich hatte gezögert,
die Krone anzunehmen, weil er befürchtete, sich gegen die Habsburger
militärisch nicht durchsetzen zu können. Tatsächlich konnte er
- unter anderem, weil ihm die protestantische Union die Unterstützung
versagte - seine Herrschaft nur 13 Monate behaupten, und so ging
er auch unter dem Spottnamen "Winterkönig" in die Geschichte ein.
Am 8. November 1620 unterlag er in der Schlacht am Weißen Berg
den Truppen des Kaisers und der katholischen Liga und musste ins
Exil in die Niederlande fliehen. Der Kaiser entzog Friedrich V.
die Kurwürde und übertrug sie auf Herzog Maximilian von Bayern.
Im Sommer 1621 ging das Heer des Feldherrn Tilly unterstützt
von spanischen Truppen daran, die Kurpfalz zu erobern. Nach einer
fast drei Monate währenden Belagerung gelang am 19. September
1622 die Eroberung Heidelbergs. Während der folgenden bayrischen
Besatzungszeit wurden der Katholizismus zwangseingeführt und die
Universität aufgelöst. Die Bibliotheca Palatina wurde auf Veranlassung
Maximilians nach Rom verfrachtet und Papst Gregor XV. geschenkt.
Bis heute wird sie in der Vatikanischen Bibliothek aufbewahrt.
1631 griffen die Schweden in den Krieg ein und besetzten zwischenzeitlich
die Kurpfalz. Dadurch wurde Heidelberg für kurze Zeit wieder protestantisch,
ehe die kaiserlichen Truppen die Stadt kurz darauf wieder einnahmen.
Im Westfälischen Frieden, der 1648 den Dreißigjährigen Krieg
beendete, erhielt Friedrichs Sohn Karl I. Ludwig die verkleinerte
Pfalz und die aberkannte, als neugeschaffene achte, Kurwürde zurück.
Jedoch hatten die Herrscher der Kurpfalz viel von ihrem vormaligen
politischen Gewicht eingebüßt, standen sie doch nun nur noch an
letzter Stelle in der Reihe der Kurfürsten und mussten auf das
Erztruchsessenamt verzichten. Nachdem der im englischen Exil aufgewachsene
Karl Ludwig im Oktober 1649 in Heidelberg eingezogen war, veranlasste
er den Wiederaufbau der durch den Krieg verwüsteten Stadt und
siedelte Zuwanderer aus der reformierten Schweiz an. Karl Ludwig
setzte sich für einen Ausgleich der Religionen ein und erkannte
das lutheranische und das reformierte Bekenntnis als gleichberechtigt
an. Im Jahr 1652 konnte die während der bayrischen Besatzung aufgelöste
Universität wieder eröffnet werden. Die Berufung des Juristen
Samuel von Pufendorf brachte der Hochschule Renommee ein, wenn
auch der Versuch, Baruch Spinoza für die Universität Heidelberg
zu gewinnen, erfolglos war.
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