Heidelberg im Mittelalter
Stadterweiterung und Entwicklung im 15. Jahrhundert
Kurfürst Ruprecht II. erweiterte die Stadt im Jahr 1392 um eine
westlich gelegene Vorstadt, die westliche Stadtgrenze wurde bis
auf die Höhe des heutigen Bismarckplatzes vorgeschoben, die Fläche
Heidelbergs somit verdoppelt. In die neu geschaffene Vorstadt
wurden die Einwohner des Dorfes Bergheim zwangsumgesiedelt. Das
Stadtgebiet hatte nun eine Ausdehnung erhalten, die der heutigen
Altstadt entspricht und bis ins 19. Jahrhundert Bestand haben
sollte. Der Bereich der Vorstadt blieb aber lange sehr locker
bebaut. Zugleich mit der Stadterweiterung vertrieb man die seit
dem 13. Jahrhundert in der Stadt ansässigen Juden aus Heidelberg.
Ihre Synagoge wurde in eine Marienkapelle umgewandelt, die zugleich
auch als Auditorium der Universität diente. Der Besitz der Juden
wurde als weitere Ausstattung der Universität verwendet.
Im Jahr 1400 wurde Kurfürst Ruprecht III. als Ruprecht I. als
erster und einziger Kurfürst der Pfalz zum römisch-deutschen
König
gewählt. Wenn auch Ruprechts Reichspolitik nicht immer vom Glück
begünstigt war, profitierte seine Residenzstadt Heidelberg von
der Königswürde. Im Heidelberger Schloss entstand der Ruprechtsbau,
das älteste erhaltene Gebäude des Schlosses. Auch ließ Ruprecht
die Kapelle auf dem Marktplatz zur repräsentativen Heiliggeistkirche
ausbauen, für die er 1400 den Grundstein legte. Die Heiliggeistkirche
löste
die Peterskirche als Pfarrkirche ab und wurde zur Grablege
der
Pfälzer Kurfürsten.
Ruprechts Nachfolger Ludwig III. vermachte dem Heilig-Geist-Stift
seine Privatbibliothek
und schuf somit den Grundstock für die berühmte Bibliotheca Palatina,
die auf den Emporen der Kirche aufbewahrt wurde.
Kurfürst Friedrich I. (1451-1476), im Volksmund als "Pfälzer
Fritz" bekannt, vergrößerte in mehreren erfolgreichen Kriegszügen,
die ihm den Beinamen "der Siegreiche" einbrachten, das Territorium
der Kurpfalz und führte an der Universität Heidelberg Reformen
durch. Unter ihm und seinem Nachfolger Philipp (1476-1508) wurde
die Universität zu einer Hochburg des Renaissance-Humanismus,
an der Gelehrte wie Peter Luder, Johann von Dalberg oder Rudolf
Agricola wirkten. Zwar verließ Luder Heidelberg bald wieder, doch
seine Antrittsrede über die Studia humanitatis im Jahr 1456 gilt
als Anfangsdatum des Humanismus in Deutschland.
Trotz Hofadel und Akademikern blieb Heidelberg im Mittelalter
eine eher agrarisch orientierte Ackerbürgerstadt. Die Bürgerschaft
war in zehn Zünften organisiert, von denen die der Winzer die
größte war.
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