Heidelberg im Mittelalter
Gründung der Universität
Im Jahr 1386 gründete Kurfürst Ruprecht I. die Universität Heidelberg.
Nach den Universitäten von Prag (gegründet 1348) und Wien (1365)
war sie erst die dritte Hochschule im Heiligen Römischen Reich,
von den Universitäten in der heutigen Bundesrepublik Deutschland
ist sie die älteste. Durch die Gründung der Universität erfuhr
Heidelberg eine Bedeutungssteigerung, nicht zuletzt trug sie dazu
bei, Heidelberg als Residenzstadt der Kurpfalz zu etablieren.
Als Motivation für die Universitätsgründung mögen zum einen politische
Ambitionen Ruprechts eine Rolle gespielt haben, konnte er doch
durch die Förderung der Wissenschaft Heidelberg und der Kurpfalz
erhebliche Reputation verschaffen und zugleich den für die Verwaltung
seines Herrschaftsgebiets nötigen Nachwuchs an Geistlichen, Medizinern,
Juristen und Lehrern ausbilden lassen. Ein gewichtiger Grund war
aber auch, dass deutsche Akademiker nach dem Großen Abendländischen
Schisma nicht mehr an der Pariser Sorbonne, der führenden europäischen
Universität des Mittelalters, studieren konnten, weil Deutschland
zu Papst Urban VI. in Rom hielt, während in Frankreich der Avignoner
Gegenpapst Clemens VII. unterstützt wurde.
Obwohl die Stadt am Neckar zum Zeitpunkt der Universitätsgründung
mit gerade einmal 5000 Einwohnern für eine Universitätsstadt bemerkenswert
klein und zudem ohne jegliche akademische Tradition war und ihr
in der Folgezeit andere Universitätsgründungen wie etwa in Köln
(1388) Konkurrenz machten, konnte sich die Heidelberger "Hohe
Schule" als mittelgroße Universität behaupten. Die Universität
besaß eine eigene Gerichtsbarkeit, ihre Angehörigen genossen zahlreiche
Privilegien. Zwischen der Stadtbevölkerung und den Studenten der
Universität kam es im Laufe des 15. Jahrhunderts mehrfach zu gewaltsamen
Auseinandersetzungen.
Die Stadtgemeinde stand in ihrer politischen Entwicklung sehr
stark sowohl unter dem Einfluss des Hofs als auch der Universität,
so dass es kaum zur Ausbildung bürgerlicher Freiheitsrechte
kam. Daher blieben auch Auseinandersetzungen zwischen Zünften
und Patriziat um das Stadtregiment wie in großen Reichsstädten
aus. An den der Stadt gewährten Privilegien hatte die
Bergstadt, die Siedlung unmittelbar unterhalb des Schlosses,
keine Anteil.
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