Heidelberg in der Neuzeit
Verlust der Residenz - Heidelberg im 18. Jahrhundert
Johann Wilhelms Stammlande waren die Herzogtümer Jülich und
Berg mit der Residenz in Düsseldorf. Weil das zerstörte
Schloss unbewohnbar war, residierte Johann Wilhelm bei seinen
Aufenthalten in der Kurpfalz
teils in Weinheim, teils in Schwetzingen. Das Heidelberger Schloss
entsprach derweil kaum mehr dem barocken
Zeitgeschmack, der großzügige Schlossanlagen nach dem Vorbild
von Versailles bevorzugte. Der Kurfürst hatte sich bereits von
seinem Hofarchitekten Matteo Alberti Pläne für eine solche
Residenz ausarbeiten lassen, die in der Ebene im heutigen
Stadtteil Bergheim
entstehen sollte. Der Plan scheiterte aber daran, dass die Heidelberger
Bürgerschaft sich weigerte, den Schlossbau zu finanzieren.
Auch das Projekt, das alte Schloss am Berghang teilweise
abzubrechen
und auf seinen Grundmauern einen barocken Schlossflügel
zu errichten, scheiterte an der Machbarkeit, vor allem aber
am Widerstand
der Bürger gegen die geplante Zufahrtsrampe.
Johann Wilhelms jüngerer Bruder und Nachfolger Karl III. Philipp
entschloss sich dann, sich eine neue Residenz zu schaffen, und
verlegte nach einem Streit mit den Heidelberger Protestanten
um die Nutzung der Heiliggeistkirche die Hauptstadt der Kurpfalz
im Jahr 1720 nach Mannheim. Dort ließ er ein neues Residenzschloss
errichten und die Stadt ausbauen. Mit ihrem - bei der Gründung
der Stadt 1608 festgelegten - geometrischen Grundriss
entsprach die "Quadratestadt" Mannheim weitaus besser dem barocken
Zeitgeist und dem Repräsentationsinteresse des Kurfürsten als
das mittelalterliche Heidelberg. Bis zur Fertigstellung des
Mannheimer
Schlosses residierte Karl Philipp im Winter in einem angemieteten
Palais am Mannheimer Marktplatz, im Sommer in Schwetzingen.
Heidelberg
verlor indes seine Stellung als politisches Machtzentrum und
litt auch ökonomisch durch den Weggang des Hofstaats. Auch
die Universität
sank nach dem Residenzverlust in die Mittelmäßigkeit ab, wenn
sie auch 1735 mit der Domus Wilhelmina, heute als Alte Universität
bekannt, ein neues Hauptgebäude bekam.
Unter Kurfürst Karl Theodor (1743-1799) erlebte die Kurpfalz
eine wirtschaftliche wie kulturelle Blütezeit, von der auch Heidelberg
profitierte. Karl Theodor wollte das Heidelberger Schloss instandsetzen
lassen, um es als Sommerresidenz nutzen zu können. Nach einem
verheerenden Blitzschlag im Jahr 1764 wurde die Schlosssanierung
aber wieder eingestellt. Auf den Kurfürsten geht auch das neben
dem Schloss wohl bekannteste Wahrzeichen Heidelbergs zurück: die
1788 fertiggestellte Karl-Theodor-Brücke, besser bekannt als Alte
Brücke. Sie wurde als insgesamt neunte Brücke an dieser Stelle
errichtet, nachdem die alte Steinpfeilerbrücke mit hölzernem Oberbau
vier Jahre zuvor einem Hochwasser mit Eisgang, bei dem auch Teile
der Altstadt zerstört wurden, zum Opfer gefallen war. Als Dank
an den Kurfürsten ließ die Bürgerschaft Heidelbergs 1781 das Karlstor
erbauen.
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