Heidelberg in badischer Zeit
Erster Weltkrieg und Weimarer Republik
Von der Novemberrevolution nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg
blieb Heidelberg weitgehend unberührt. In Mannheim und Karlsruhe
proklamierten Arbeiter- und Soldatenräte am 14. November 1918
die Republik Baden. Wenig später dankte Großherzog Friedrich II.
ab. Zum ersten Präsidenten der Weimarer Republik wurde 1919 der
Heidelberger Friedrich Ebert gewählt. Nach seinem Tod 1925
wurde Ebert unter großer Anteilnahme der Heidelberger Bevölkerung
auf dem Bergfriedhof in seiner Heimatstadt beigesetzt.
1928 begann der Bau einer dritten Brücke über den Neckar, der
Ernst-Walz-Brücke. Sie ist nach dem vorhergehenden Oberbürgermeister
benannt. 1930 ermöglichten Spenden von US-Bürgern die Grundsteinlegung
für das Hörsaalgebäude der Neuen Universität. Den Tourismus versuchte
man währenddessen durch gezielte Maßnahmen zu fördern: In den
1920er Jahren wurden die Heidelberger Theaterfestspiele ins Leben
gerufen, die aber schon 1930 nach nur vier Spielzeiten aus finanziellen
Gründen scheiterten. Auch Versuche, Heidelberg zu einem Kurort
zu machen, waren erfolglos, wenn auch eine 1928 erschlossene Heilquelle
fast drei Jahrzehnte lang als Radium-Solquelle genutzt wurde.
1925 wurde eine Heidelberger Ortsgruppe der NSDAP gegründet.
Schon zu Zeiten der Weimarer Republik fuhr die faschistische Partei
am Neckar überdurchschnittliche Ergebnisse ein: Bei der Landtagswahl
1929 war ihr Stimmenanteil mit 14,5 % doppelt so hoch wie im Landesdurchschnitt,
bei der Reichstagswahl 1930 war die NSDAP mit 25,2 % in Heidelberg
schon die stärkste Partei. Eine kontroverse Figur in der Geschichte
Heidelbergs ist der 1928 zum Oberbürgermeister gewählte Carl Neinhaus.
1933 trat er der NSDAP bei und blieb bis 1945 im Amt. Trotz seiner
nationalsozialistischen Vergangenheit amtierte der mittlerweile
zur CDU übergetretene Politiker von 1952 bis 1958 noch einmal
als Stadtoberhaupt.
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