Kloster Bronnbach

Eines der besterhaltenen Zisterzienserklöster Süddeutschlands erhält einen neuen Besitzer:
Bronnbach an der Tauber
Über die Geschichte und die Sehenswürdigkeiten dieser 1151 gegründeten Abtei
Herbert Bauer, Tauberbischofsheim
 
 
Wenige Orte des Main-Tauber-Kreises sind geschichtlich und kunsthistorisch so interessant und sehenswert wie Bronnbach an der Tauber, das heute kaum fünfzig Einwohner zählt und als Ortsteil zu Reicholzheim und damit zur Stadt Wertheim gehört. Über 650 Jahre lang war seine 1151 gegründete Zisterzienserabtei einer der religiösen und kulturellen Mittelpunkte des mittleren und unteren Taubergebiets. Heute noch, 180 Jahre nach der Aufhebung (1803) des Klosters, sind seine Bauten ein einmaliges Denkmal für die Ideale und die Leistungen der „weißen Mönche", wie die Zisterzienser nach der Farbe ihrer Kutten genannt wurden.

Die Klosteranlage

„Eines der hervorragendsten, aber auch unbekanntesten Werke zisterziensischer Baukunst" nannte noch vor dreißig Jahren ein damals erschienener Reiseführer Bronnbach an der Tauber. In der Zwischenzeit hat sich einiges daran geändert: Der Fremdenverkehr ist auf die Schönheiten des lieblichen Taubertals aufmerksam geworden, ungezählte Touristen besuchen alljährlich diese Landschaft, die mit Kunstwerken von Tilman Riemenschneider und Matthias Grünewald werben kann, und viele Tausend interessieren sich auch für Bronnbach. Wer allerdings zum erstenmal von Wertheim oder Tauberbischofsheim kommend den Engpaß des Taubertals erreicht, in dem Autokarten und Reiseführer eine „bedeutende Sehenswürdigkeit" anzeigen, ist auch heute noch fast enttäuscht: Ein winziger Weiler liegt vor dem Fremden, hinter riesigen Kastanienbäumen sieht man erst auf den zweiten Blick die Kirche mit ihrem bescheidenen Dachreiter, und die paar Gebäude längs der Straße kann man an den Fingern einer Hand abzählen. Wer sich dennoch entschließt, im Schatten der Kastanien zu parken und sich einmal umzusehen, kann rasch feststellen, daß Bronnbach mehr zu bieten hat, als es dem flüchtigen Betrachter zeigt. Heute besitzt Bronnbach zwar nicht mehr die zwei Orgeln, fünf Kapellen und zwei Bibliotheken wie zu Anfang des 16. Jahrhunderts (vor dem Bauernkrieg und dem Dreißigjährigen Krieg), aber die aus der 2. Hälfte des 12. Jahrhunderts stammenden Hauptbauten sind durch alle Kriege und Wirren des Mittelalters und der Neuzeit erhalten geblieben. Sie verkörpern nicht nur eines der bedeutendsten Kunst- und Baudenkmale unseres Raums, sondern erlauben auch heute noch einen guten Einblick in Leben und Arbeit der Zisterzienser.
Wie bei fast allen nach der Regel des hl. Be-nedikt lebenden Orden üblich, ist auch in Bronnbach der Raum innerhalb der Konventsmauer aufgeteilt in den stillen, den inneren und den Wirtschaftsbezirk. Der östliche stille Bezirk umfaßte die Gärten, das Krankenhaus und den Friedhof, der innere die Kirche, den Kreuzgang und die darum errichteten Klausurgebäude der Mönche und Konversen, und von beiden etwasabgesetzt lag im Westen, zwischen der heutigen Straße und der Tauber, der Wirtschaftsteil. Zu ihm gehörten die Schuppen, Scheunen und Ställe der Landwirtschaft und alle Handwerksbetriebe und Einrichtungen (von der Schmiede bis zur Mühle und zur Ziegelei), mit denen die Zisterzienser unabhängig von den Menschen draußen in der Welt leben und ihnen doch nach Kräften auch helfen konnten. Denn trotz ihrer klösterlichen Abgeschiedenheit pflegten die Zisterzienser die Verbindung zu den Einwohnern der umliegenden, zum Teil zu Bronnbach gehörenden Ortschaften und zeigten sich Fremden gegenüber sehr gastfreundlich. Das beweisen u.a. die zwei Gasthäuser und die Tauberbrücke, die die Abtei schon früh mit nicht geringen Kosten erbaute.

Die Gebäude und Sehenswürdigkeiten der Abtei

Mittelpunkt des Klosters war und ist die aus rotem Sandstein erbaute Abteikirche. Schlicht und einfach, ohne überflüssigen Zierat und doch schon allein durch ihre Größe eindrucksvoll, haben die Mönche sie in mehreren Bauabschnitten zwischen 1157 und 1222 erbaut. Sie ist eine echte Burg Gottes — 70 m lang und im Querschiff 28,5 m breit und damit größer als die meisten mittelalterlichen Dome. Besonders die Westseite, die eigentlich nur durch die drei Portale und eine Fensterrosette gegliedert ist, wirkt wuchtig und fast verschlossen; allerdings muß man dabei berücksichtigen, daß die einst hier vorgebaute Paradieshalle im Dreißigjährigen Krieg zerstört worden ist.Die Kirche wurde als dreischiffige Pfeilerbasilika im Übergangsstil zwischen Spätromanik und Frühgotik erbaut und ist gerade in ihrem Ostteil ein gutes Beispiel für die bewußte Schmucklosigkeit und Einfachheit, in der die Zisterzienser ursprünglich ihre Kirchen bauten. Auffallend an der Bronnbacher sind die hohe Arkadenzone und die Gewölbelösungen: Das hohe Mittelschiff hat ein Kreuzgratgewölbe ohne Gurte, das den Eindruck einer Spitztonne mit gleichhohen Seitenkappen erweckt, und jedes Seitenschiff Viertelkreistonnen mit Stichkappen. Diese Bauformen sind in Deutschland einzigartig, haben aber mehrere Vorbilder in der Provence. Andere Stilelemente, etwa die Ornamentik der Kapitelle (besonders im Westteil der Kirche) lassen auch Einflüsse aus Bur-gund, dem Elsaß und Lothringen erkennen — ein Zeichen für die internationalen Verbindungen der Zisterzienserklöster.
Die erste Ausstattung der Kirche wurde im Bauernkrieg und im Dreißigjährigen Krieg zerstört. Die heutigen Altäre stammen aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Am stärksten bestimmen das heutige Bild der Kirche der Hochaltar und vier großangelegte, reich mit Gold verzierte Seitenaltäre — Arbeiten des bekannten Würzburger Bildhauers Balthasar Esterbauer mit Gemälden des aus Mecheln stammenden Malers Oswald Onghers. Besondere Aufmerksamkeit verdient das reichgeschnitzte Chorgestühl, das der Klosterbruder Daniel Aschauer nach dem Vorbild des Gestühls im Westchor des Mainzer Doms geschaffen hat (vollendet 1778).
Südlich der Kirche liegt der romantische Kreuzgang. Er wurde in mehreren Bauabschnitten zwischen etwa 1230 und 1600 erbaut. Während seine älteren Flügel (im Osten und Norden) sehenswerte spätromanische Bauornamentik und originelle Mensch-und Tierdarstellungen zeigen, sind seine West- und Südpartien von der Gotik geprägt. Bemerkenswert ist, daß bereits die romanischen Fensterbogen Eckfalze für eine
(damals   noch   höchst  seltene)   Verglasung aufweisen.
An der Ostseite des Kreuzgangs — in der Fortsetzung des Kirchenquerschiffes — liegt der ehemalige Konventbau. In seinem Erdgeschoß befinden sich die alte Sakristei (mit romanischem Tonnengewölbe und einer vorzüglichen Barockausstattung) sowie der strenge Kapitelsaal (Bauzeit um 1200). Sein von starken Wulstrippen getragenes Kreuzgewölbe wird von vier schweren, jeweilsaus einem Stein gehauenen Säulen aus schwarzem Muschelkalk gestützt. Der Gebäudetrakt im Süden des Kreuzgangs enthält u.a. die Wärmestube, den Brunnenturm und das doppelgeschossige Refektorium. Das obere — der bekannte Josephssaal — wurde zwischen 1724 und 1726 von einem Würzburger Baumeister namens Onimus errichtet und von dem Mergentheimer Stukkateur Franz Joseph Roth geschmackvoll gestaltet; das große Deckenfresko (mit Darstellungen aus dem Leben des „ägyptischen" Josephs) ist ein Werk des Würzburger Malers Johann Adam Remele.
Das Geviert um den Kreuzgang schließt im Westen zur Kirche hin der ehemalige Kon-versenbau. Er wurde später (um 1600) zur Wohnung des Abtes umgebaut und besitzt in mehreren Räumen wunderbare Rokoko-Stückarbeiten von Johann Georg Joseph Sturtzenhöfer aus Hammelburg. Während diese Gebäude alle auf die Anfänge des Klosters zurückgehen, sind die übrigen Gebäude und Bauwerke der ehemaligen Zisterzienserabtei Bronnbach erst in der Barockzeit entstanden. Eine Ausnahme bilden die große gotische Fruchtscheuer, die die beiden Wirtschaftshöfe westlich der Straße teilt, und die Tauberbrücke. Sie wurde 1408 (angeblich für 40000 Gulden) erbaut und hat als einzige Brücke des mittleren und unteren Taubertals den ungezählten Hochwasserfluten durch so viele Jahrhunderte hindurch standgehalten. Die Spannweite ihrer beiden weitgewölbten Bogen (21,70 m bzw. 22,60 m) wurde übrigens während des Mit-telalters im Deutschen Reich nur von der Karlsbrücke in Prag übertroffen,

Bronnbach im hohen Mittelalter

Man würde dem Leben, den Idealen und den Leistungen der Bronnbacher Mönche sicher nicht gerecht, wenn man die Gebäude, die sie zwischen 1157 und 1803 errichteten, lediglich als Sehenswürdigkeiten oder Museum für die Stilentwicklung von der Romanik bis zum Rokoko und Klassizismus betrachten würde. Deshalb sei wenigstens kurz auf die Geschichte des Klosters und das Wirken seiner Mönche eingegangen, die hier lebten, starben und in der Kirche und im Kreuzgang (wo noch zahlreiche Grabplatten an sie erinnern) ihre letzte Ruhe fanden. Die Zisterze Bronnbach verdankt ihr Entstehen der Begeisterung, die Bernhard von Clairvaux 1146 nicht nur für den Kreuzzug, sondern auch für seinen Orden hervorrief. Drei Adelige aus dem Raum Grünsfeld schenkten damals Besitzungen auf der Höhe über dem heutigen Bronnbach der Zisterzienserabtei Maulbronn, und diese gründete damit 1151 ihr erstes Tochterkloster. Dessen erster Abt — Reinhard von Frauenberg — und der Gründungskonvent stammten allerdings aus Waldsassen. Der Sage nach hat eine weiße Lerche den Mönchen den Ort bezeichnet, wo ihr Kloster erbaut werden sollte.
Tatsächlich erhielten die Zisterzienser erst 1157 durch eine Schenkung des Erzbischofs Arnold von Mainz die Talniederung, und am 16. Mai dieses Jahres legten sie auch den Grundstein für die Klosterkirche. Nach 65jähriger Bauzeit wurde sie am 28. April 1222 — wie immer bei ihrem Orden — der Gottesmutter Maria geweiht. Wieviele junge Männer in diesen Jahren und auch später in das Kloster eintraten, um durch Gebet und Arbeit, durch Gehorsam, Enthaltsamkeit und Askese Gott zu dienen, ist nicht belegt. Die Größe der Klosterbauten und die große Zahl von Schenkungen und
Stiftungen, die die Abtei erhielt, lassen jedoch erkennen, daß die weißen Mönche außerordentlich beliebt und angesehen waren. Viele Adelige und Bürger aus dem weiten Umland ließen sich in Bronnbach begraben. Die ersten datierbaren Grabsteine stammen von 1288, 1290 und 1291 und sind die ältesten des mittleren und unteren Taubergebiets.
Bronnbach konnte dank des Fleißes und der Genügsamkeit seiner Mönche binnen weniger Jahrzehnte umfangreichen Grundbesitz erwerben und besaß 1245 schon vierzehn Außenhöfe. Auch wenn sich daraus und aus dem späteren Erwerb der Ortsherrschaften in Kupprichhausen, Ebenheid, Reicholzheim, Dörlesberg und Nassig mancherlei Reibungspunkte mit benachbarten Adelsgeschlechtern und der Bevölkerung selbst ergaben, wurden die weißen Mönche doch zugleich in vieler Hinsicht zum Segen und Vorbild für die Menschen in ihrer Umgebung. Dies gilt besonders für die Landwirtschaft, die Baukunst und das Bildungswesen, denn die Zisterzienser pflegten einen regen Austausch von kulturellen, wirtschaftlichen und handwerklichen Gütern und Fertigkeiten mit den anderen Ordensniederlassungen in Deutschland und Südfrankreich, sie führten neue Kulturen im Wein-, Obst- und Gemüseanbau ein, sie betrieben die Landwirtschaft und die Viehzucht nach moderneren Methoden — und wurden dabei immer auch die Lehrmeister für die Menschen ihrer Gegend.

Krisen

Das Bronnbacher Kloster blühte rasch auf. Papst Eugen III. (1153) und Kaiser Friedrich Barbarossa (1165) bestätigten seine Unabhängigkeit und befreiten es weitgehend von Abgaben und weltlichen Einflüssen. Trotzdem blieb es nicht von wirtschaftlichen Krisen und inneren Auseinandersetzungen verschont. Dies gilt besonders für das 14. Jahrhundert, als die damaligen religiösen und politischen Streitigkeiten, der allgemeinewirtschaftliche Niedergang und schließlich auch die häufigen Seuchen dem Kloster schwer zu schaffen machten. Bronnbach geriet damals in hohe Schulden, seine Mönche mußten zeitweise auf andere Abteien verteilt werden, und seine Äbte resignierten weitgehend vor den ungeheuren Problemen. Zwischen 1314 und 1360 kam es zu zwölf Abtwechseln — sechs davon durch Verzicht nach meist kurzer Amtszeit. Im Jahr 1359 wurde das Kloster von dem Landfriedensgericht Rothenburg sogar zu einer hohen Geldstrafe
verurteilt, weil seine Brüder einen Mann beraubt und ermordet hätten. Daraufhin griff das Mutterkloster Maulbronn ein. Es stellte für zehn Jahre einen eigenen Abt an die Spitze der Bronnbacher Abtei und leitete mit energischen Reformen eine Wendung zum Besseren — und damit zu einer zweiten Blütezeit — ein. In diese Zeit fallen erneut Stiftungen, Grundstückskäufe und größere Baumaßnahmen (wie 1408 der Bau der Brücke). Auch die wissenschaftliche Arbeit wurde wieder stärker gepflegt. So ent-standen in Bronnbach für die Wertheimer Grafen das „Quodlibet", ein theologisch-philosophisches Nachschlagewerk, und eine naturhistorische Enzyklopädie „Von der natur und eygenschafft der dingk" (1478). Ein anschauliches Bild des klösterlichen Lebens im späten Mittelalter und zu Beginn der Neuzeit vermittelt der ausführliche Brief, den der Bronnbacher Novize Philipp Trunk im Jahr 1510 an seinen Stiefbruder Johann Butzbach in Maria Laach schrieb. Er schildert ein wirtschaftlich unabhängiges, in sich gefestigtes Gemeinwesen, dessen vierzig Mitglieder (davon acht Konversen und zwei Novizen) sich in Zucht und Ordnung dem Gottesdienst sowie ihrer körperlichen und geistigen Arbeit widmen.
Der heiter-gelöste Ton dieses Briefs und die Tatsache, daß zu jener Zeit in annähernd 1600 Klöstern Menschen nach der Regel der Zisterzienser lebten, täuschen über die Zeichen der Zeit. Sieben Jahre später verkündete Martin Luther seine Thesen, und 1525, während des Bauernkriegs, wurde Bronn-bach gebrandschatzt. Das Ende des Klosters schien 1552 gekommen, als Abt Clemens Leusser mit einem Teil des Konvents zur Reformation übertrat und der Wertheimer Graf Michael III. hier ein Seminar errichtete. Zwar wurde Bronnbach durch das Eingreifen des Fürstbischofs von Würzburg schon wenige Jahre später wieder katholisch, aber der Bestand des Klosters war damit noch lange nicht gesichert: Als 1558 Johann Pleitner zum neuen Abt bestimmt wurde, hatte er lediglich noch zwei Mitbrüder, als er 1563 starb, lebte lediglich noch einer: Johann Knoll, der damit sein Nachfolger wurde. Nur mit Hilfe anderer Zisterzienserklöster gelang es ihm, einen neuen Konvent aufzubauen. Es dauerte Jahrzehnte, bis die Abtei den Aderlaß an Mitgliedern und Einkünften aus dieser Krise verwunden hatte. Und kaum schien eine Besserung eingetreten, da schlug der Dreißigjährige Krieg zu. 1631 wurden die Kirche und das Kloster von den Schweden und den mit ihnen verbündeten protestantischen Grafen von Löwenstein-Wert-heim geplündert und ihre Einrichtung und Ausstattung zum großen Teil zerstört. 1634 begann der mühsame, mehrfach unterbrochene Wiederaufbau, der sich infolge der Kriegs- und Nachkriegswirren über Jahrzehnte hinzog.

Erneute Blütezeit im 17. und 18. Jahrhundert

Erst unter den Äbten Franz Wundert (1670 bis 1699), Joseph Hartmann (1699-1724), Engelbert Schaffner (1724-1752) und Am-bros Baibus (1752—1783) kam es wieder zu einer regen Bautätigkeit. Bekannte Künstler wie Oswald Onghers, Balthasar Esterbauer und Joh. Georg Sturtzenhöfer sowie der Klosterbruder Daniel Aschauer statteten das Kloster mit der ganzen Pracht des in Franken so beliebten Barockstils aus. Sie überforderten dabei nicht selten die Finanzen des Klosters, aber bei der Größe seiner Güter und dem Umfang seiner Einkünfte war die Abtei dadurch nie ernstlich gefährdet.
Unter diesen Äbten und unter Heinrich V. Göbhardt, der 1783 als 52. (und letzter Abt) die Leitung des Klosters übernahm, erlangte Bronnbach seinen alten Rang im religiösen und geistigen Leben unseres Raums wieder. Trotzdem wurde es mit vielen anderen geistlichen Gebieten durch den Reichsdeputa-tionshauptschluß vom 25. Februar 1803 säkularisiert. Seine Güter und Einkünfte wurden dem Fürsten von Löwenstein-Wertheim-Rosenberg als Ausgleich für seine an Frankreich verlorenen Gebiete links des Rheins zugesprochen.

Nachklang

Nach der Säkularisation zog sich Abt Heinrich Göbhardt in seine Heimatstadt Bamberg zurück. Dort starb er 1816. Die Mitglieder seines Konvents übernahmen entweder Pfarreien oder blieben im Kloster. Die Aufnahme neuer Novizen war nicht erlaubt. So starb der Konvent mit P. Malachias Gros (1829) und Bruder Christoph Klein (1832) aus. Die Anlage des Klosters blieb auch in der Folgezeit fast unverändert erhalten. Relativ geringfügige Eingriffe ergaben sich aus dem Bau der Taubertalstraße (1839) und der Erweiterung der (schon seit 1670 hier bestehenden) Brauerei. Diese hat 1974 ihren Betrieb eingestellt.
Zwischen 1851 und 1866 lebte in Bronnbach der ehemalige portugiesische König Miguel L, der 1834 unter dem Druck seines Bruders Dom Pedro, Kaiser von Brasilien, auf die Krone verzichtet hatte, in Bronnbach im Exil. In der Klosterkirche sind sein Sohn Miguel II. und zwei Enkel begraben. Von 1921 bis 1931 beherbergte Bronnbach noch einmal weiße Mönche. Es waren Zisterzienser, die nach dem Ersten Weltkrieg ihr Kloster in Sittich/Jugoslawien verlassen mußten. Da ihre Neugründung im Taubertal keine ausreichende Existenzgrundlage fand, übernahmen sie 1931 das ehemalige Kloster Seligenporten. Die Seelsorge in Bronnbach versahen danach Kapuziner, die hier bis1958 eine Ordensniederlassung unterhielten. Über die Grenzen der engeren Umgebung hinaus wurde Bronnbach in den letzten Jahrzehnten bekannt durch die vielbeachteten Konzerte Wertheimer und Tauberbischofs-heimer Musiker im Josephssaal und im Kreuzgang des Klosters. Sie halfen wesentlich mit, die Sehenswürdigkeiten der ehemaligen Abtei in ganz Deutschland bekanntzumachen.
Ein weiterer Grund, der in den letzten Jahren Fremde von weither — und nicht nur Kunst- und Musikfreunde — nach Bronnbach zieht, ist vergleichsweise nüchtern und prosaisch: Das ehemalige Kloster soll einer sinnvollen Verwendung zugeführt werden und sucht deshalb einen neuen Besitzer, d. h. es soll verkauft werden. Wie der umfangreiche Prospekt des Regierungspräsidiums Stuttgart „Verkäufliche Baudenkmale" (Untertitel: „Erhaltungswürdige Baudenkmale suchen erhaltungswillige Käufer") anzeigt, handelt es sich dabei um ein Anwesen von 20 000 qm Fläche mit einer Gebäudenutzfläche (ohne Hofgut) von 4900 qm. Der Prospekt vermerkt, daß die Anlage als Kulturdenkmal von besonderer Bedeutung im Schwerpunktprogramm des Landes Baden-Württemberg enthalten ist. Als künftige Nutzungsmöglichkeiten werden die Verwendung des früheren Klosters als Führungsakademie, Tagungsstätte mit Internat, Seminar-
einrichtungen, Ferienhotel oder Ferienwohnungen erwogen. Wenn Bronnbach dennoch bisher keinen neuen Besitzer gefunden hat, so mag es am letzten Punkt der Anzeige liegen: Die Renovierungskosten werden (unverbindlich) auf 2,6 Millionen DM geschätzt, wovon allerdings 2,0 Millionen DM auf denkmalpflegebedingte Mehrkosten entfallen. Hinzu kommen sicher beachtliche Umbaukosten, denn so ganz ohne Komfort, wie die Zisterzienser lebten, werden wohl die künftigen Besitzer und ihre Gäste nicht auskommen.
 
 
Wichtige Literatur:
Friese, Alfred, Die Zisterzienserabtei Bronnbach, in Mainfränkische Hefte, H. 30 (1958) Müller, Gregor, Chronik des Klosters Bronnbach, in Cistercienser Chronik, 1895
Oechelhäuser, Adolph von, Die Kunstdenkmäler des  Großherzogtums  Baden,  Bd. 4,  Kreis  Mosbach, l. Abt. Die Kunstdenkmäler des Amtsbezirks Wertheim, Freiburg i. B. 1896
Reuter,    Barbara,  Baugeschichte  des  Klosters Bronnbach,  in  Mainfränkische Hefte, H. 30 (1958)
Scherg, Leonhard, Die Zisterzienserabtei Bronnbach im Mittelalter, Mainfränkische Studien, Bd. 14 (1976)
Sprotte, Bernhard, Die Tauberbrücke am Kloster Bronnbach, in Jahrbuch des Historischen Vereins Wertheim 1961/62
(Stand 1985)


Aus: Ekkhart. Jahrbuch für das Badner Land. (Badische Heimat). 1985 S. 107 - 114


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