|
Aus Schlössern und Gärten |
|
| Mitteilungen aus den Staatlichen Schlössern und Gärten Baden-Württemberg |
|
|
Silber zur Goldenen HochzeitWeitere Attraktion für Schloss Heidelberg Mit großer Freude präsentieren die Staatlichen Schlösser und Gärten Baden -Württemberg im Friedrichsbau des Schlosses Heidelberg ein weiteres Glanzstück aus großherzoglich badischer Zeit, einen prächtigen silbernen Tafelaufsatz mit eindrucksvollen Dimensionen. Dieser Tafelaufsatz ist eine Meisterleistung der kaiserlichen Epoche zwischen 1870 und 1914. Ab sofort kann die historistische Silberpracht im Rahmen der Führungen in Augenschein genommen werden. Zu den landesgeschichtlichen Kulturschätzen Badens gehörte auch eine große Anzahl von prächtigen Kunstgewerbearbeiten des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Heute zwar oft als "Fürstenippes" abgewertet, stellten sie jedoch herausragende Leistungen des oberrheinischen Kunsthandwerkes dar. Bei näherer Sicht besitzen die Objekte meistens auch eine interessante Geschichte, die uns in die schon fast vergessene Welt der späten badischen Monarchie führt. Es ist die Epoche des Historismus oder auch "Gründerzeit" genannt, die noch einmal einen Höhepunkte der Kunst und Kultur darstellte und eine Fülle von materiellen Reichtum hervorbrachte. Der aus Privatbesitz erworbene große Tafelaufsatz aus dem Jahre 1906 ist eine dieser Glanzleistungen der großherzoglich badischen Kunstgewerbeproduktion. Er war ein Geschenk der badischen Gemeinden zur Goldenen Hochzeit von Großherzog Friedrich I. von Baden und seiner Gattin Großherzogin Luise am 20. September 1906. Die Monarchen verkörperten "die gute, alte Zeit" des Staates am Oberrhein und wurden von der Bevölkerung sichtlich verehrt. "Ob Geburtstage, Regierungs-, oder Stiftungsjubiläen, das Regentenpaar erhielt von den Untertanen immer besondere Kostbarkeiten", so Abteilungsdirektor Dr. Hubert Fischer von der Oberfinanzdirektion Karlsruhe. "Grußadressen und Jubiläumsgaben von Kommunen, Vereinen und Privatpersonen erreichten sie in einer kaum vorstellbaren Fülle. Mit dem Verkauf der markgräflichen Kunstsammlungen in Baden-Baden traten diese Huldigungsgeschenke 1995 erstmals, nach ihrer Übergabe, an die Öffentlichkeit. Auch der Tafelaufsatz war bislang verschollen und deshalb selbst bei den Wissenschaftlern unbekannt." Dem Referat Staatliche Schlösser und Gärten der Oberfinanzdirektion Karlsruhe ist es gelungen, dieses kunst- und landesgeschichtlich bedeutende Kulturgut als unentbehrliches Zeugnis der Epoche des Historismus im Großherzogtum Baden für die Dauerausstellung im Friedrichsbau zu erwerben. "Bei ihren Recherchen in den Archiven haben unsere Fachleute, wie Dr. Fischer weiter ausführte, erfreulicherweise eindeutige Angaben zu dem 15-teiligen, prunkvollen Werk aus gegossenem und getriebenem Silber in den Festprogrammen und Pressenotizen der seinerzeit stattfindenden, einwöchigen Jubiläumsfeierlichkeiten gefunden." Der Tafelaufsatz ist eine filigrane Silberschmiedearbeit mit einer gravierten Gedenkinschrift, der am 21. September 1906 die Hauptattraktion der 300 Gegenstände umfassenden Geschenke beim Empfang der Volksvertreter im Karlsruher Schloss bildete. In der Karlsruher Zeitung vom 22. September 1906 wurde die Übergabe genau beschrieben. Kunsthistorisch ist der Tafelaufsatz, der aus einem Mitteltableau, vier Armleuchtern, zwei ovalen Schalen und acht Fußschalen besteht, von großem Interesse. Vegetabile Ornamente und historische Friese wechseln sich ab. Die Stücke zeigen bereits den Übergang von der Kunst der Gründerzeit zum Jugendstil. Allerdings scheint man sich aufgrund der traditionsbewussten Haltung des großherzoglichen Paares nicht vollkommen für den neuen Stil entschieden zu haben. Die einzelnen Teile des Tafelaufsatzes weisen neben der Widmungsinschrift für das großherzogliche Paar die Signaturen ihrer Hersteller auf. Den Entwurf zu dem Ensemble lieferte der damalige Direktor des badischen Kunstgewerbemuseums und der Kunstgewerbeschule Karl Hoffacker (1856-1919). Als Architekt und Kunstgewerbelehrer hatte Hoffacker die Nachfolge von Hermann Götz 1901 an den renommierten Karlsruher Einrichtungen angetreten. Er förderte sehr stark das badische Kunsthandwerk, das um 1900 eine führende Stellung im süddeutschen Raum eingenommen hatte. Kunstwerkstätten führten die Entwürfe aus der Kunstgewerbeschule aus. Hierzu zählten die Gold- und Silberschmiede der badischen Region. Der jetzt erworbene Tafelaufsatz wurde in den Werkstätten von Nikolaus Trübner in Heidelberg und von Lutz und Weiß in Pforzheim hergestellt. "Mit einer Spezialvitrine, deren Herstellung und Einbau", so Dr. Fischer abschließend, "einige Zeit in Anspruch genommen haben, wurde für die aufwändig gereinigte Silbergabe der badischen Gemeinden ein kunsthistorisch und restauratorisch adäquater Rahmen zur Präsentation im 1. OG. des Friedrichsbaus im Heidelberger Schloss geschaffen. Damit konnte die Sammlung von Kunstobjekten des Historismus aus großherzoglicher Zeit im Friedrichsbau, darunter auch Arbeiten des pfalz-badischen Gold- und Silberschmiedes Trübner, um ein herausragendes Stück ergänzt werden." |
||
In Zusammenarbeit mit: |
||
Zurück:
Startseite -
Übersicht Schlösser und Gärten
Register -
Impressum
ZUM
© Texte Schlösser und Gärten 2001
© Gestaltung Badische Heimat 2001