Urkunden zur Kurpfälzischen Landesgeschichte

Nachdem Ludwig Häusser 1843 seine Geschichte der rheinischen Pfalz geschrieben hatte, war das Feld beackert, und niemand traute sich mehr, dieses Standardwerk der wissenschaftlichen Forschung zu ersetzen, so dass dieses außerordentlich materialreiche Werk in den 20er Jahren unseres Jahrhunderts noch einmal einen Neudruck erlebte.

Erst der Landeshistoriker Prof. Meinrad Schaab eröffnete 1958 mit einem Aufsatz zur kurpfälzischen Landeskunde den Reigen seiner landesgeschichtlichen Forschungen, die schließlich 1988 im ersten Band, 1992 im zweiten Band des neuen Standardwerkes „Geschichte der Kurpfalz" gipfelten. Wohl im Zuge dieser Arbeiten entstand eine Materialsammlung, deren Fertigstellung sich allerdings vom ersten Ankündigungstermin 1995 noch bis heute verzögerte. Inzwischen liegt sie jedoch im Druck vor, die Sammlung „Ausgewählte Urkunden zur Territorialgeschichte der Kurpfalz 1156 - 1505".

Den zeitlichen Rahmen bilden für Schaab die beiden wesentlichen Zäsuren der spätmittelalterlichen Geschichte des Territoriums: Die Übertragung der Pfalzgrafschaft an Konrad von Staufen 1155/56 und die Niederlage des Kurfürsten Philipp im Pfälzischen Erbfolgekrieg 1506. Beide Daten wurden in ihrer Bedeutung bereits oben dargestellt. Dazwischen liegt der Aufstieg der Pfalz von einem bayerischen Nebenland zur führenden Territorialmacht am Oberrhein, liegt die Geschichte Ludwigs des Bayern, der seinen Neffen das Erbe vorenthielt, die Geschichte der Pfalzgrafen Ruprecht I. und II., die sich im Bunde mit Kaiser Karl IV. die Kurwürde sicherten, des Pfalzgrafen Ruprecht I., der 1385 die halbe Grafschaft Zweibrücken mit Hornbach und Bergzabern kaufte und 1386 die Universität in Heidelberg gründete, Ruprechts II., der 1392 die Bergheimer Bauern umsiedelte, um die Stadt Heidelberg repräsentativ zu vergrößern, schließlich Ruprechts III., der 1395 die Unteilbarkeit der Kurpfalz festigte und in einer Erbordnung die Territorien der Seitenlinien begründete. Nach der Hausteilung von Pavia von 1329 stellt diese Urkunde das zweite Hausgrundgesetz der Pfalz dar. Es wird in der Teilungsurkunde von 1410, nach dem Tod des Königs Ruprecht, in der Teilung unter dessen vier Söhne gewissermaßen vollzogen. Schließlich fällt in diese Zeit auch die Geschichte des Pfalzgrafen Friedrich I., des Siegreichen, der 1460 das pfälzische Territorium an der Bergstraße mit dem Erwerb von Dossenheim und Handschuhsheim abrunden und 1462 seinen Sieg bei Seckenheim in einen enormen politischen und finanziellen Gewinn umsetzen konnte. Diesen politischen Aufstieg setzte Friedrichs Adoptivsohn Philipp fort, musste allerdings die „natürlichen" Söhne Friedrichs I. mit der späteren Grafschaft Löwenstein abfinden. Den Schluss der Quellensammlung bilden zwei Urkunden über das niederbayerische Erbe und die Gründung des Fürstentums Neuburg, das ja dann in der dynastischen Geschichte der Kurpfalz eine besondere Rolle spielen sollte.

Schaabs Quellensammlung darf als Abrundung seines geschichtsschreiberischen Werkes verstanden werden. Sie sammelt in bisher nicht dagewesener Weise die wesentlichen Stücke, die für die historische Arbeit unerlässlich sind. Vollständigkeit kann hier nicht angestrebt werden, dazu sind die Arbeitsmethoden (zum Glück) seit Ludwig Häusser diffiziler geworden, dazu ist auch der Urkundenbestand zu umfangreich, um innerhalb eines Forscherlebens auch nur annähernd erfasst zu werden.

Es ist kein eigentliches Kurpfälzer Geschichtsbuch, was hier vorliegt, und schon gar kein Lesebuch. Es ist ein Nachschlagewerk, ein Urkundenbuch, das für die nächsten Generationen Maßstäbe setzt, sowohl was den Inhalt, als auch was die Kriterien der Auswahl betrifft. Schaab hat mit seinem Werk für den gesamten Bereich der Landesgeschichte Vorbildliches geleistet, was um so verdienstvoller zu bewerten ist, als die Kurpfalz eben im 19. und in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts keine staatliche Tradition an ihrer Seite hatte, die die Geschichtsschreibung förderte. Es spricht aber auch sowohl für den Elan und die Schaffenskraft Schaabs, als auch für das Gewicht, das die kurpfälzische Geschichte innerhalb der Kommission für geschichtliche Landeskunde Baden-Württembergs hat, dass dieses Werk heute erscheinen konnte. Was es bedeutet, dass Schaab nicht allein im einsamen Kämmerchen an diesem Werk saß, sondern im Eberbacher Stadtarchivar Dr. Rüdiger Lenz einen Mitarbeiter hatte, mit dem er sich in die Arbeit teilte, kann nur der ermessen, der selbst die schier unendliche Zerstreuung mittelalterlichen Archivguts auf die Archive der Gegenwart kennt. Und dass es nicht damit getan ist, Urkundentexte einfach abzudrucken, sondern dass quellenkritisch-kriminalistische Arbeit an jedem einzelnen Stück geleistet werden muss, erklärt die lange Zeit von 10 Jahren vom ersten Beschluss über das Projekt bis zum Erscheinen.


Schaab, Meinrad, Lenz, Rüdiger:
Ausgewählte Urkunden zur Territorialgeschichte der Kurpfalz 1156 - 1505. (= Veröffentlichungen der Kommission für geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg. Reihe A. Quellen. 41. Band) Stuttgart: Kohlhammer, 1998. ISBN 3-17-013150-8. DM



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