Der Erhalt und die Förderung des Lateinunterrichtes ist uns ein großes Anliegen. Es darf sich nicht bewahrheiten, was vor einiger Zeit in einer großen überregionalen Tageszeitung zu lesen war: " Die toten Sprachen sterben aus!". Deshalb unser Plädoyer für einen modernen Lateinunterricht:

Da Latein die Muttersprache der Römer war, ist sie ein Kommunikationsmittel, eine funktionierende - wenn auch nicht mehr gesprochene - Sprache. Doch worin besteht der Nutzen einer Sprache, in der sich keiner mehr unterhält, die aber trotzdem noch lange nicht "tot" ist ?

  1. Latein ist die Sprache der Antike, des Mittelalters, der katholischen Kirche, der Gelehrten welt der Neuzeit bis ins 19. Jahrhundert hinein. Sie ist die Basis für die den europäischen Völkern gemeinsame politische, religiöse und wissenschaftliche Vergangenheit. Doch interessiert das unsere Kinder ?
    Wer nur in seiner eigenen Zeit und deren Problemen lebt, versteht auch diese nur zum Teil. Um eine derartig eingeschränkte Sicht zu vermeiden, sollten wir unsere Kinder Latein lernen lassen: in den Texten der römischen Autoren werden sie fremde und aktuelle Themen, historische Zusammenhänge und allgemeingültige Werte unserer Kultur entdecken. So werden sie durch die Arbeit an den Texten zum Verstehen und zur Toleranz ihrer Mitwelt gegenüber erzogen.
    Diese Ziele sollen vor allem durch die Lektüre erreicht werden, die im Anschluß an die Lehrbuchphase - etwa ab Klasse 9 - gelesen wird.
    Doch in ähnlicher Weise gelten sie auch für den Lateinanfänger. In seinem Lehrbuch wird er z. B. eine römische Familie in ihrem römischen Alltag begleiten: die Kinder gehen zur Schule, die Eltern zur Arbeit, in ihrer Freizeit besuchen alle die Thermen, das Theater und den Zirkus. Die Schüler merken, daß diese vergangene Zeit ihrer Erfahrungswelt nahe kommt, aber sie lernen gleichzeitig Fremdes hinzu und werden nach und nach damit vertraut.
  2. Bisher war nur von den Inhalten der antiken Texte die Rede. Fast scheint es so, als sei die fremde Sprache Nebensache. Das ist sie natürlich nicht; denn ohne Kenntnis der Grammatik und der Vokabeln ist es nicht möglich, Texte zu übersetzen und zu verstehen. Das Erlernen der grammatischen Strukturen, der Übersetzungstechniken und der unterschiedlichen Wiedergabemöglichkeiten im Deutschen erfordert Konzentration, Abstraktionsfähigkeit und Durchhaltewillen. Der Lateinunterricht erzieht daher zu logischem und problemlösendem Denken und schult das muttersprachliche Ausdrucksvermögen.

  3. Diese Fähigkeiten sind für den Abiturienten, der in eine Berufsausbildung geht, sehr wichtig, für einen Studenten sogar unentbehrlich. Da Latein über 1000 Jahre die Sprache der Kirche, Wissenschaft und Politik war, ist das Latinum für zahlreiche Studienfächer Voraussetzung. Zu diesen Fächern gehören u.a. die romanischen Sprachen, Theologie, Philosophie und Geschichte.
  4. Da die romanischen Sprachen ( wie z.B. Französisch, Italienisch, Spanisch ) aus dem Lateinischen hervorgegangen sind, erleichtern gute Lateinkenntnisse das Erlernen dieser Sprachen. Selbst das Englische führt mehr als die Hälfte seiner Wörter auf das Lateinische zurück.
    Auch unsere deutsche Sprache enthält zahlreiche Wörter lateinischen Ursprungs, wie z.B. Schule - schola, Tafel - tabula, schreiben - scribere. Vor allem aber sind Lateinkenntnisse hilfreich beim Verständnis von Fremdwörtern, die uns ständig begegnen - im Beruf ebenso wie im Fernsehen, im Radio oder in der Zeitung.

 

Eine Kurzfassung der oben dargelegten Argumente stellt noch einmal die wichtigsten Vorteile des Lateinunterrichtes zusammen:

  • Die antiken Texte führen den Schüler in eine neue Welt, lassen ihn Aktuelles und Fremdes und allgemeingültige Werte unserer europäischen Kultur erkennen. Diese Einsichten erweitern seine Allgemeinbildung und lehren ihn, Geschichte zu begreifen.
  • In einer Zeit, in der aktuelles Wissen immer schneller veraltet, kommt es umso stärker auf die Vermittlung grundlegender Arbeitstechniken an. Der Lateinunterricht führt zu einer wissenschaftlichen Arbeitsweise und übt sie ein. Er fördert Konzentration, Abstraktionsfähigkeit und Durchhaltewillen.
  • Lateinkenntnisse sind für viele Studienfächer vorgeschrieben.
  • Latein ist die Grundlage und die Voraussetzung für moderne Sprachen und stellt eine modellhafte Grammatik bereit. Daher erleichtert Latein das Erlernen anderer Fremdsprachen, und schult das muttersprachliche Ausdrucksvermögen. Latein hilft, Fremdwörter leichter zu verstehen.


letzte Aktualisierung: 23.02.02
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