Ovids Ars AmatoriaKurzdarstellung der Reihe und ausführliche Besprechung einer Stunde zu den Versen 2, 657 - 662
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(657) |
malum | Nachteil, Fehler. |
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mollire | mildern |
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fuscus | dunkel |
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(658) |
pix, picis f | Pech |
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Illyricus | aus Illyrien, der Landschaft Dalmatien |
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(659) |
paetus | 1. mit verliebtem, schmachtendern Blick; 2. freundliche Benennung für schielend |
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ravus | grau (von den Augen). |
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Minerva | Göttin der Wissenschaft und des Kunsthandwerks; der griech. Dichter Homer gibt ihr (griech.: Athene) den Beinamen "grauäugig" oder "eulenäugig" |
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(660) |
gracilis | schlank, graziös |
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macies, ei f | Magerkeit |
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(661) |
habilis | eicht, behend |
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turgidus | aufgedunsen |
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plenus | voll(schlank) |
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(662) |
proximitas boni | svw. Bezeichnung mit der nächstmöglichen guten Eigenschaft |
Vorlaufphase
Die Überschrift " Schönheitsoperationen " ist in ihrer Doppeldeutigkeit hilfreich und verwirrend zugleich; denn nach Ovid soll an den Schönheitsfehlern des Partners statt mit Hilfe eines Skalpells - wie man zunächst annehmen könnte - mit der Sprache "operiert" werden: nominibus mollire licet mala.
Wie allerdings nach Ovids Rat ein "Arrangement" mit den "äußerlichen Mängeln des Partners aussehen sollte, können die Schüler zunächst nur vermuten. Diese Hypothesen werden sicherlich die Textaufnahme motivieren.
Alternativ könnte auch eine semantisch-strukturelle oder eine sachliche Vorentlastung die Stunde einleiten. Da die Schüler nach einem Beobachtungsauftrag, der die Texterschließung erleichtern soll, rekurrente strukturelle Merkmale selbst entdecken sollten, kann trotz bestehender Syntax- und Grammatikdefizite auf eine strukturelle Passung dieser Verse ( s. Textaufnahmephase ) verzichtet werden.
Auch eine semantische Vorentlastung kann wegen der sehr ausführlichen Angaben in der Schülerausgabe ausbleiben. Sollte es bei dem Versuch, Venus und Minerva mit den genannten Eigenschaften paetus und ravus in einen Zusammenhang zu bringen, Schwierigkeiten geben, wird man dieses wohl eher interpretatorische Problem in der Phase der Nachsemantisierung klären.
Als Sachinformation sollte den Schülern Venus als Göttin der Liebe und Minerva als Göttin der Wissenschaft bekannt sein. Für ein grobes Vorverständnis ist diese Information zunächst ausreichend.
Textaufnahmephase
In der Phase der Textaufnahme, dem Schwerpunkt der Stunde, erschließen die Schüler die sechs Verse transphrastisch als eine sinnlogische Einheit.
Zunächst lesen sie den Text still und unterstreichen die ihnen unbekannten Vokabeln. In einer kurzen ad-hoc Vorentlastung werden diese dann geklärt. Danach folgt ein Lehrerlesevortrag, der den Schülern die zusammengehörigen Paare " Mängel - Umschreibungen " auch akustisch nahebringen soll.
Eines der auffallendsten rekurrenten Merkmale der Oberflächenstruktur ist in der Textstelle durch die Verteilung der Satzzeichen gegeben. Erinnern sich die Schüler an ihre Anfangshypothese und bringen diese mit den zahlreichen Anführungszeichen in Zusammenhang, werden sie Ovids Absicht, die äußerlichen Unzulänglichkeiten des Partners zu umschreiben, vermuten. Sollten sie diesen Zusammenhang jedoch nicht erkennen, werden sie zumindest die in Anführungszeichen gesetzten Kollokationen aufzählen können.
In der sich anschließenden Partnerarbeit sammeln die Schüler die Angaben über die körperlichen Fehler und deren Umschreibungen. Diese Partnerarbeit soll die selbständige Fertigung eines Strukturbildes vorbereiten- denn Methodenkompetenz ist eine der Grundlagen einer erfolgreichen Textarbeit.
Bei der Untersuchung der Verse auf Haupt- und Nebensätze werden die Schüler feststellen, daß der Hauptsatz jeweils die Umschreibung nennt und der Nebensatz den Schönheitsfehler aufgreift.
Zu der Isotopieebene "Fehler" werden die Schüler den Oberbegriff vitia oder mala aus dem Text finden. Den Oberbegriff der anderen Isotopieebene proximitas boni können die Schüler jetzt wahrscheinlich noch nicht bestimmen.
Bei noch fehlender Übung, selbständig in einer Einzel- oder Partnerarbeit ein Strukturbild zu erstellen, erarbeitet man es im Klassengespräch und hält es an der Tafel fest.
Das Tafelbild wird auch das Auffinden der Ellipsen erleichtern: die Umschreibungen sollten untereinander geschrieben werden, dadurch wird es einfacher, z. B. vocetur auch auf Veneri similis zu übertragen und Minervae zu Minervae similis vocetur zu ergänzen.
Nach einer Zusammenfassung des bisher Erarbeiteten führen die Schüler eine Detailübersetzung in Partnerarbeit durch.
Der Inhalt und die Struktur der Verse sind durch die transphrastische Vorerschließung jetzt so weit geklärt und in einem Strukturbild so gesichert, daß die Schüler die Detailerschließung selbständig auch zu Hause durchführen könnten. Sollte daher die Unterrichtszeit sehr fortgeschritten sein, könnte auf eine Detaildekodierung in der Stunde verzichtet werden.
TAFELBILD
NEBENSATZ: vitia, mala ( Mängel ) |
HAUPSATZ: proximitate boni, nomina ( Umschreibungen ) |
Prinzip |
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| cui | nigrior sanguis pice erit | fusca vocetur | mollire
latere dissimulare
beschönigen |
| si |
paeta est |
Veneri similis (vocetur) | |
| si | rava ( est ) | Minervae ( simils vocetur) | |
| quae | macie mala viva sua est | gracilis sit | |
| quaecumque | brevis ( est ) | dic habilem | |
| quae | turgida ( est ) | ( dic ) plenam | |
Texterarbeitungsphase
Nachdem die Schüler die manifesten Informationen der Verse mit einer Paraphrase dokumentiert haben, werden sie nun die latenten Informationen erarbeiten. Eine Nachsemantisierung wird hierfür ein erster Schritt sein. In einem fragend-entwickelnden Unterrichtsgespräch nach der ganzheitlich-analytischen Methode kommen sie zu einem ersten Textverständnis. Das Unterrichtsgespräch ist hier für die Interpretationsbemühungen der Schüler besonders wichtig, um ihre Methodenkompetenz zu stärken.
Nach einer ersten Hypothese über das Prinzip der Umschreibungen vergleichen sie nun die mala und deren Umschreibungen. Einzelne Ausdrücke, die noch referentielle Unschärfen aufweisen, werden nachsemantisiert:
Die Schüler semantisieren fusca als "dunkelfarbig, dunkelhäutig". Sie beachten hierbei, daß fuscus die Umschreibung für nigrior sanguine pice ist und sich daher auf die Hautfarbe beziehen muß.
Paeta geben die Schüler, wie im Kommentar vorgeschlagen, mit "schielend" wieder. Den Vergleich eines grauäugigen Mädchens mit Minerva werden die Schüler vielleicht damit erklären, daß die Göttin der Wissenschaft wahrscheinlich ernster ist als die attraktivere Venus. Bei der Diskussion der Beziehungen "mager - schlank", "klein - behend" und "aufgedunsen - üppig gewachsen" wird den Schülern Ovids Prinzip besonders deutlich: die körperlichen Fehler werden mit möglichst positiven Begriffen belegt.
Die Frage nach dem Nutzen der Euphemismen wird neben einer Übersetzung, die die bisherigen Ergebnisse der Interpretation berücksichtigt, als Hausaufgabe zur nächsten Stunde zu bearbeiten sein.
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