| 4.6 Pflanzenhormone (Phytohormone) |
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| 4.6.1 Auxine, Gibberelline, Cytokinine, Abscisinsäure, Ethylen u.a. | ||||||||||||||||||||||||||
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Auch bei Pflanzen werden Stoffwechsel, Wachstum und Entwicklung durch Hormone geregelt. Im Prinzip findet man ähnliche Eigenschaften der Hormone und Hormonwirkung wie bei Tieren.
Schon Charles Darwin beschäftigte sich mit Effekten, die von Phytohormonen hervorgerufen wurden. Die Idee, daß auch Pflanzen chemische Botenstoffe bilden geht auf Julius von Sachs (1880) zurück, der dies als erster behauptete. 1926 wurde das erste Pflanzenhormon als wachstumsfördernder Stoff isoliert, man nannte es später Auxin. Nachfolgend wurden weitere Pflanzenhormone entdeckt: Gibberelline, Cytokinine, Abscisinsäure und Ethylen. Alle Phytohormone zeigen eine multiple Wirksamkeit, d.h. regen verschiedenste Prozesse an, wie Wachstum, Differenzierung, Reifung, Alterung usw. Die Erkenntnisse sind gerade bei den Primärwirkungen noch nicht so vielfältig wie bei den Hormonen tierischer Zellen. Nachfolgend werden die wichtigsten Phytohormone besprochen. Auxine; Streckungswachstum Auxine sind wohl die am besten untersuchtesten Phytohormone. Chemisch handelt sich um Indol-3-Essigsäure (IES) oder seine Derivate die von der Aminosäure Tryptophan abgeleitet sind.
Auxine werden primär durch die Parenchymzellen transportiert, der Transport erfolgt immer gerichtet mit einem Carrier unter Energieaufwand. Eine der Wirkungen von Auxin ist am Beispiel mit der Erdbeere (oben) zu sehen. Funktionen in der Pflanze
Steuerung des Längenwachstums Koleoptilen sind die Spitzen der Keimscheiden (primäre Sproßspitze) bei Gräsern (z. B. Hafer Avena sativa) An ihnen wurde die Auxinwirkung zum ersten mal nachgewiesen. Mit dem Experiment links kann z. B. die Wirkung von Auxin auf das Längenwachstum nachgewiesen werden (nach Went 1926, Raven 1992). a) Entfernt man die Sproßspitze und legt sie für 1 - 4 Std. auf Agar b) Der Agar-Block, der den diffundierten Wuchsstoff (Auxin) enthält, wird dann auf die Seite der Koleoptilenbasis gelegt. c) Nach 90 -120 Minuten mißt man den Winkel der festgestellten Krümmung. Primärwirkung Man hat Hinweise auf einen Membranrezeptor ABP1. IAA induziert die Proteinsynthese durch Genexpression. Gibberelline (GA = Gibberellic acid), Sprossverlängerung Gibberelline sind zwischen 1930-1950 im Pilz Gibberella fujikuroi entdeckt worden, der eine Reiskrankheit hervorruft. Man fand bisher über 100 Substanzen (GA1 ... GA100) dieser Gruppe, die vor allem in Samen und wachsendem vegetativem Gewebe gebildet werden. Etwa 30 Prozent der bekannten Gibberelline sind biologisch aktiv. Biosynthese Gibberelline sind Lipoide (Terpene) und werden im Pflanzenstoffwechsel aus 5 Isopreneinheiten gebildet. Funktionen in der Pflanze Der wichtigste Effekt ist die Sprossverlängerung durch Streckungswachstum (Zellstreckung)
Gibberelline werden im Xylem sproßaufwärts transportiert, es gibt auch Hinweise für einen symplastischen Transport (von Zelle zu Zelle). Primärwirkung z.B. Gibberellin Ga3 stimuliert die Expression des GA-MYB-Gens, womit ein Regulatorprotein der Transkription der a-Amylase entsteht.
Cytokinine; Zellteilung Cytokinine wurden 1956 als zellteilende Substanzen identifiziert. Cytokinine sind Adeninderivate und kommen in verschiedenen Formen als freie Basen, Nukleoside (mit Zucker) und Nukleotide (mit Zucker und Phosphat) vor. Ca. 40 Strukturen sind bekannt. Zeatin (Z), das erste aus Mais isolierte Cytokinin ist das bekannteste Cytokinin. Die Synthese erfolgt vor allem in der meristematischen Region der Wurzel, junger Sprosse und reifender Früchte und Samen. Wichtige Vorstufe ist AMP. Cytokinine sind auch in pflanzlicher t-RNA enthalten. Der Transport in der Pflanze erfolgt hauptsächlich über das Xylem aufwärts. Funktionen in der Pflanze
Primärwirkung Als intrazelluläre Rezeptoren sind ribosomale Proteine festgestellt worden. Somit regulieren Cytokinine die Proteinsynthese. Abscisinsäure (ABA = Abscisic acid), Streß und Wachstumsstillstand Abscisinsäure wurde 1963 entdeckt und wird teilweise in den Chloroplasten aller Pflanzen aus Xanthophyllen hergestellt. Es kann durch die Parenchymzellen, das Xylem und Phloem im Spross transportiert werden. Kälte und Wasserverlust fördern seine Bildung. Funktionen in der Pflanze
Ethylen (Ethen); Blütenöffnung, Blatt- und Fruchtreifung und Abwurf
Ethen ist gasförmig und wird von allen Pflanzen produziert, z. B. zur Fruchtreifung. Schon die alten Chinesen und Ägypter kannten Möglichkeiten, um das Fruchtwachstum mit Ethen zu fördern. 1901 wurde Ethen als Wachstumskomponente nachgewiesen und 1935 verwies Crocker auf Ethen als Pflanzenhormon zur Fruchtreifung. Biosynthese und Stoffwechsel Ethen wird von allen Pflanzen in nahezu allen Geweben aus der Aminosäure Methionin mit Hilfe von Wasser, Sauerstoff und ATP gebildet. Ein wichtiges Enzym dabei ist ACC (= 1-amino-cyclopropan-1-carboxylic acid synthase). In der Biotechnologie wird dieses Enzym manipuliert, um die Fruchtreifung bei den "flavor saver" Tomaten zu verzögern (siehe Gentechnik). Funktionen in der Pflanze
Primärwirkung Ethen wird durch einen Membranrezeptor gebunden, der als Dimer vorliegt. Die anhaftende Proteinkinase wird aktiviert und löst, ähnlich den Peptidhormonen bei Tieren intrazellulär eine Kaskade von Phosphorylierungen aus, die im Zellkern zur Genaktivierung führen.
Daneben hat man in neuester Zeit noch andere Phytohormone entdeckt wie Jasmonsäure und Systemin, die z. B. bei Verletzungen produziert werden und sogar von Pflanze zu Pflanze diffundieren können und eine Art "Alarmsystem" bilden. |
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Weiterführende
Quellen:
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