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2. 4 Humangenetik
Im Kapitel Molekulargenetik - Mutationen haben
schon mal einen kurzen Überblick über die verschiedenen Mutationsformen
gegeben. Demnach kennt man 3 Mutationsformen:
- Genommutation (Genom = Gesamtzahl der Chromosomen einer Zelle)
- Chromosomenmutation
- Genmutation
Die Genmutation wurde dort ausführlich besprochen. Auch auf
eine besondere Genommutation, das Down Syndrom wurde dort
schon hingewiesen.
Bei den Genommutationen hat
sich die Gesamtzahl der Chromosomen verändert.
Die Ursachen sind sehr oft Meiosefehler bei der Eizellen- und
Spermaproduktion. Man schätzt, daß 1 von 5 Spermas einen solchen
genetischen Defekt trägt. Häufiger treten jedoch Fehler in der
weiblichen Meiose auf.
Man unterscheidet 2 Formen bezüglich der Anomalien in der Chromosomenanzahl:
Euploidie und Aneuploidie.
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Euploidie
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Aneuploidie
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| Monoploidie |
einfacher Chromosomensatz; selten
z. B. bei männlichen Wespen
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Nullisomie |
homologes Chromosomenpaar fehlt
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| Diploidie |
normaler zweifacher Chromosomensatz
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Monosomie |
ein Chromosom fehlt
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| Polyploidie |
3 x, 4 x, 5 x usw. vervielfachter
Chromosomensatz
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Trisomie |
ein homologes Chromosom ist zu
viel
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Tritt eine komplette Vervielfachung der
Chromosomen auf, also z.B. 23 +23 +23 Chromosomen, spricht man von Euploidie
( im oberen Fall von Triploidie).
Die Zellen der meisten Organismen sind diploid,
d.h. sie besitzen 2 x den Chromosomensatz. Eine mehr als zweifache Vervielfachung
wird als Polyploidie bezeichnet.
Fehlt dagegen ein Chromosom oder ist eines zu viel vorhanden, nennt man
dies Aneuploidie.
Fehlt ein Chromosomenpaar spricht man von Nullisomie.
Fehlt nur eines der beiden homologen Chromosomen wird dies als Monosomie
bezeichnet. Treten 3 Exemplare eines Chromosoms auf ist dies Trisomie.
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Links sind Chromosomenanomalien pro 106 Befruchtungen
beim Menschen aufgeführt.
Statt Anomalie spricht man auch von Aberration (=
Abweichung).
83% der Befruchtungen führen zu überlebensfähigen
Kindern, von denen 0,6 % Chromosomen-Anomalien aufweisen.
Insgesamt ist die Zahl der Chromosomenanomalien bei 106
Befruchtungen ca. 8%!
50% aller Fehlgeburten wird durch Chromosomenanomalien verursacht.
Monosomien führen meist zum Tod.
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Bis 1956 war es fast unmöglich, Chromosomenanomalien zu erkennen.
Durch die Forschungen von Tjio und Levan und weitere Erkenntnisse
der folgenden Jahre war es möglich die einzelnen Chromosomen durch
spezielle Färbetechniken sichtbar zu machen, (Bandenmuster) wodurch
man sie anordnen, zählen und Fehler erkennen konnte. Um Chromosomen
zu identifizieren werden sie in der frühen Metaphasen fixiert, entweder
mit
- Giemsa (G-Banding; siehe unten links) oder
- mit einem Fluoreszenzfarbstoff
(G,R-Banding) (FISH, rechts klicken
)
gefärbt, photographiert und nach Größe angeordnet (=
Karyogramm)
Beim G-Banding lagert sich der
Farbstoff in CG- reichen (hell) und AT-reichen (dunkel) Bereichen des
Chromosoms unterschiedlich an, so daß man die Chromosomen nach dem
Bandenmuster unterscheiden kann.
Eine neue Methode des "Karyotyping" ist die Anwendung von speziellen
Fluoreszenzfarbstoffen, die wiederum an bestimmte Stellen des Chromosoms
binden. Mit Hilfe variierender Farbstoffmengen hat jedes Chromosom spezielle
Spektraleigenschaften.
Weiterhin werden Chromosomen heute mit Hilfe von Fluoreszenz In-Situ
Hybridization (= FISH) untersucht. Dies ist eine Methode,
um bestimmte Bereiche eines Chromosoms zu identifizieren. Kennt man z.
B die Sequenz eines bestimmten Gens, weiß aber nicht auf welchem
Chromosom es liegt, kann man dies mit FISH identifizieren. Dabei werden
ebenfalls Fluoreszenzfarbstoffe verwendet.
Mit diesen Methoden kann man heute Mutationen des Genoms feststellen
und genauer untersuchen.
Der normale Mensch hat einen Chromosomensatz /Zelle von 46,XX oder 46,XY,
siehe hier. (Ausnahme: Gameten). Das bedeutet
in jedem Zellkern sind 2 x 22 Autosomen und 2 Gonosomen.
Nachfolgend sollen einige häufige Genommutationen angesprochen werden.
| Trisomie 21 (Down-Syndrom)
47,XY +21 oder 47,XX +21 |
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Phänotyp: rundes
Gesicht, flaches Profil, meist abgeflachter Hinterkopf, Augen
meist leicht schräg aufwärts gerichtet, Mundhöhle mit schmalem
hohen Gaumen, oft Zunge bei ungenügendem Mundschluß herausschauend,
breite Hände, kurze Finger, oft "Vierfingerfurche" auf der Handfläche,
Füße oft gedrungen |
mit einem großen Zwischenraum zwischen
der ersten und zweiten Zehe, geringere Körpergröße, Hypothyreose,
Epilepsie, Darmfehlbildungen, Leukämiegefahr, Alzheimer mit
ca. 35, verkürzte Lebensspanne, geistiger Level von drei
bis 7 Jährigen (IQ 25 -50).
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Beim Down-Syndrom findet man im
Karyogramm der Zellen 3 x das 21. Chromosom. Man unterscheidet drei
Formen des Down-Syndroms :
- die freie Trisomie 21 (95 %),
in allen Zellen ist das 21. Chromosom 3x vorhanden.
- die Translokationstrisomie
( 4 %),
Teile oder das ganze 21. Chromosom hängen am 14. oder 15.
Chromosom
- und das Trisomie-21-Mosaik
(1 %).
nur einzelne Zellen enthalten drei
21. Chromosomen.
Die Erbkrankheit ist die häufigste Ursache geistiger Fehlentwicklungen.
Die Krankheitsmerkmale wurde 1866 vom englischen Arzt John Langdon
Down (1828-1896) als erstem beschrieben. Ihm war jedoch die Ursache
des Zustandes unbekannt.
Erst 1959 zeigten Lejeune und seine Mitarbeiter in Paris, daß Menschen
mit Down-Syndrom ein zusätzliches Chromosom besitzen.
Die Häufigkeit der Krankheit ist ca. 1: 700 und steigt mit
dem Alter der Mutter.(siehe unten)
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Die Ursache liegt hauptsächlich daran, daß die Meiose
in den Ovarien der Frauen schon vor der Geburt beginnt und erst
viel später vor jeder Ovulation zu Ende geführt wird.
Auf diese Weise können Oozyten (Eizellen) 30 oder 40 Jahre
in den Ovarien "lagern" und müssen so lange versorgt
werden.
Durch Altersprozesse, Lebensweisen bzw. Umweltbedingungen kann die
Meiose gestört werden. Das Risiko ist bei einer 45-jährigen
Frau 1: 46.
95% der Trisomien sind mütterlichen Ursprungs.
Bei circa 7% aller Menschen mit Down-Syndrom wird eine Translokations-Trisomie
21 gefunden. In 70% der Fälle ist diese neu entstanden, in 30% von
einem Elternteil mit einer balancierten Translokation ererbt. (siehe
hier)
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Daneben treten weitere Trisomien beim Menschen auf:
| Trisomie 18 (Edward's
Syndrom ) 47,XY +18 oder 47,XX +18 |
| Bei dieser Erbkrankheit, die ca. 1 : 8000 auftritt,
ist das 18. Chromosom verdreifacht, was Dr. John Edward 1960 zuerst
beschrieb. Die körperlichen Defekte sind deutlich schwerer als
beim Down-Syndrom. Die meisten Kinder sterben innerhalb des 1. Lebensjahres. |
| Trisomie 13 (Patau's
Syndrom ) 47,XY +13 oder 47,XX +13 |
| Hier ist das 13. Chromosom verdreifacht (1 : 5000),
was Dr. Klaus Patau 1960 zuerst beschrieb. Die körperlichen Defekte
sind ebenfalls schwerer als beim Down-Syndrom. Die meisten Kinder
sterben innerhalb des 1. Lebensjahres. |
| Triploidie 69,XY
69,XX |
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Peridaktylie (= Verwachsung von Fingern) eines Embryos bei Triploidie
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Obwohl Triploidie z. B. Fischen verbreitet ist, ist dieser Karyotyp
beim Menschen kaum lebensfähig (< 2% aller Befruchtungen;
0,1% werden lebend geboren).
Die meisten Kinder sterben innerhalb des 1. Lebensjahres.
Ursache ist z. B. doppelte Befruchtung einer Eizelle
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Ursachen der Trisomien und Monosomien:
Trisomien und Monosomien führen in den meisten Fällen deshalb
nicht zu überlebensfähigen Individuen, da die bei der Trisomie
die Balance der Genprodukte gestört ist und bei der Monosomie die
Auswirkung letaler Gene nicht kompensiert werden kann.
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Nondisjunktion (= Nichttrennung)
von Chromosomen in der Meiose sorgt für Tri- oder Monosomien.
Dabei kann die Nichttrennung sowohl in der 1. Reifeteilung der Meiose
als auch in der 2. Reifeteilung auftreten.
Im ersten Fall entstehen auf jeden Fall 2 Gameten mit doppeltem
Chromosom und 2, denen eines fehlt.
Tritt die Nondisjunktion in der 2. Reifeteilung der Meiose auf,
ist die Hälfte der Gameten normal, 25% enthält ein Chomosom
doppelt und 25% eines zu wenig.
Kommt ein Gamet mit doppeltem Chromosom zur Befruchtung ergibt
sich Trisomie, bei einer Befruchtung mit einem Gameten, bei
dem ein Chromosom fehlt entsteht Monosomie.
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Um den Karyotyp zu analysieren, führt man vor der Geburt entweder
eine Fruchtwasseruntersuchung (Amniozentese)
oder eine Plazentapunktion (Chorionzotten-Biopsie)
durch. Weiterhin können noch bestimmte Proteine des Fötus, die
in den mütterlichen Kreislauf gelangen wie AFP untersucht
werden.
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Analyse des Karyotyps aus dem Fruchtwasser (Amniozentese)
In das Labor eingesendetes Material:
Etwa von 20 ml Fruchtwasser
Analysetechnik:
Das Fruchtwasser beinhaltet in der Regel nur relativ wenige
Zellen, die sowohl fetalen als auch mütterlichen Ursprungs sind.
Zur Anreicherung und Selektion der fetalen Zellen wird das Fruchtwasser
im Labor in Kultur genommen. Nach ungefähr 12 bis 14 Tagen sind
genügend ausschließlich fetale Zellen angereichert worden. Die Chromosomen
dieser Zellen werden präpariert, gebändert und zur Erstellung des
fetalen Karyotyps mit FISH herangezogen.
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| Aussagekraft der Analyse:
Mittels dieser Analyse können die häufigsten Erbkrankheiten (wie z.B:
Down-Syndrom, Patau-Syndrom, Edwards-Syndrom, Klinefelter Syndrom,
Turner Syndrom etc.) ausgeschlossen werden. Zusätzlich kann anhand
dieser Analyse jegliche Abweichung eines normalen menschlichen Karyotyps
nachgewiesen werden. |
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