1.2

Bau von Proteinen

1.2.3 Peptidbindung und Raumstrukturen Teil II
Untersucht man Polypeptidketten, fallen einem mehrere Besonderheiten der räumlichen Struktur auf. Diese kann man teilweise schon bei Oligopeptiden feststellen. Damit man bei einem Molekül, das aus mehreren Tausend Atomen besteht, noch den "Durchblick" hat, haben die Wissenschaftler verschiedene Darstellungsarten entwickelt.
Alle Atome darzustellen ist sinnlos, denn wichtige Details der Gesamtstruktur sind nicht mehr sichtbar. So verzichtet man auf bekannte oder unwesentliche Strukturen wie H-Atome oder funktionelle Gruppen.

Aus den vorangegangenen Kapiteln wissen wir ja:

  • Peptidketten bestitzen eine Primärstruktur (Zick-Zack-Kette)
  • Aminosäuren sind über die Peptidbindung verbunden
  • Die Peptidkette hat ein Amino- und ein Carboxylende
  • Die Reste stehen aus der Kette heraus.

Die nachfolgende Abbildung zeigt verschiedene Darstellungsarten am Beispiel des Peptids Glucagon:

Manchmal wird noch eine reine Stick-Darstellung verwendet (dickerer Draht). Die Cartoon-Darstellung ist bei langen Peptidketten die beste.

Betrachten wir nun einmal einige computeranimierte Modelle verschiedener Peptide und Proteine.

Erkenntnisse:

  • bei allen Abbildungen sieht man schraubige Bereiche
  • die Ketten falten sich wollknäuelartig, je länger sie sind
  • bei Ribonuklease kann man daneben noch parallele Bereiche erkennen (gelb)
  • GAPD besteht aus 4 Ketten ( gelbe, blaue, grüne, hellblaue Kette)
  • Cytochrom enthält ein fremdes Molekül (rot)

Alle Proteine zeigen solche Eigenschaften.

  1. Die Aufschraubung der Primärstruktur nennt man eine Helix (siehe Glucagon oder Insulin)
  2. Parallel verlaufende Primärstrukturbereiche nennt man Faltblatt (siehe Ribonuklease)

Beide Strukturen faßt man als Sekundärstruktur eines Proteins zusammen.

  1. Die Wollknäuelstruktur nennt man Globulärstruktur oder Tertiärstruktur.
  2. Die Tatsache, daß sogar mehrere Wollknäule (Tertiärstrukturen) sich zusammenlagern können, heißt Quartärstruktur. (siehe GAPD)
  3. Wenn ein Protein noch andere Moleküle (Nichteiweiß-) eingelagert enthält, nennt man es Proteid.

Beim Cytochrom ist es ein Farbstoff mit Namen Häm, derselbe Farbstoff wie im Hämoglobin, dem roten Blutfarbstoff.

Sekundärstruktur

Helix
Betrachten wir eine geschraubte Primärstruktur (Helix) genauer. Wieso kommt es einmal zur Aufschraubung, ein anderes Mal nicht? Der Grund ist, dass meist hydrophobe Aminosäuren vorhanden sein müssen, deren Reste sich räumlich so anordnen können, daß zusätzlich zur Peptidbindung noch Wasserstoffbrücken ausgebildet werden.

Diese stabilisieren die Helix. Die Abb. 29 zeigt einen Ausschnitt aus einer Helix im Stäbchen (Stick)-Modell. Es sind 9 Aminosäuren abgebildet.

Die H-Brücken werden durch die C=O Gruppen und H-Atome der N-Atome der Peptidbindung gebildet. Nach Pauling nennt man diese Aufschraubung in Anlehnung an das Protein a-Keratin: a-Helix.

Die zweite Sekundärstruktur ist die Faltblattstruktur. Dabei verlaufen Primärstrukturen entweder parallel oder antiparallel nebeneinander und sind ebenfalls durch H-Brücken miteinander verbunden. Typisch sind auch die Haarnadel-Faltungen zwischen den Strängen. In den Abbildungen oben enthalten Insulin und Ribonuklease beide antiparallele Faltblattstrukturen (gelb) , die durch die Pfeilrichtung ausgewiesen sind.

Nach Pauling nennt man in Anlehnung an das Haarprotein b-Keratin diese Anordnung :b-Faltblatt.

Tertiärstruktur

Eine Tertiärstruktur besitzt also folgende Elemente:

 

 

 

 

 

Klicken Sie auf die Abbildungen 21-24 für die 3D-Darstellungen

 

Abb. 21
Glucagon


Kalottenmodell

Alle Atome sind als Kalotten dargestellt.

Nur das Volumen des Moleküls wird sichtbar;

die räumliche Faltung der Kette kann nur erahnt werden.

 

Abb. 22
Glucagon


Ball-and-Stick-Modell

Atome sind als Kugeln dargestellt, die Bindungen als Stäbchen.

Man sieht, daß die Aminosäurereste aus der Kette herausstehen.

 

Abb. 23
Glucagon


Wireframe-Modell (Drahtmodell)

In jedem Eckpunkt sitzt ein Atom. Etwas bessere Auflösung der Struktur    

 

Abb. 24
Glucagon

Cartoon-Darstellung

Nur die Primärstruktur wird dargestellt; auch Reste werden nicht dargestellt.
Man erkennt deutlich die schraubige Form der Primärstruktur (rot) die weißen Enden sind ebenfalls Primärstruktur ohne Windung
.

 

Abb. 25
Insulin


(51 Aminosäuren); Hormon

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Abb. 26
Ribonuklease


(104 Aminosäuren)
Protein (Enzym) im Zellkern

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Abb. 27
GAPD


(1332 Aminosäuren)
Protein (Enzym) im Cytoplasma
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Abb. 28
Cytochrom B 562

(103 Aminosäuren)
Protein in den Mitochondrien
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Abb. 29
a-Helix




Klicken Sie auf das Bild, um eine andere Ansicht der Helix zu sehen


Abb. 30
Faltblatt




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Abb. 31
Protein aus beiden Sekundärstrukturen




Fettsäure-bindendes Protein mit orthogonalem Faltblatt-Sandwich

 

Abb. 32
Proteinkonformation


Links sind die Elemente der räumlichen Struktur der Eiweiße nochmals zusammengefaßt. Je länger die Polypeptidkette und je häufiger bestimmte Aminosäuren vorkommen, desto wahrscheinlicher ist das Auftreten von Helices und Faltblättern. Grundlage ist immer die Primärstruktur, die sich zur Helix oder zum Faltblatt organisiert (= Sekundärstruktur. Beides findet sich dann in der Tertiärstruktur nochmals räumlich übergeordnet.

 

Quellen zu 3D-Molekülanimationen Online
 CHIME-Support: http://www.mdl.com/chime/index.html

Biomoleküle

http://www.nyu.edu:80/pages/mathmol/library/life/life.html

Biochemie

http://www.biologie.uni-hamburg.de/lehre/bza/eanfang.htm

Molekülanimationen

http://www.leeds.ac.uk/bionet/animation/mol_anim.htm

Moleküle

http://c4.cabrillo.cc.ca.us/

Index Biomoleküle:

http://www.umass.edu/microbio/rasmol/tutbymol.htm
http://www.umass.edu/microbio/rasmol/edsites.htm

Molekul-Daten für Chime:

http://www.umass.edu/microbio/rasmol/whereget.htm

verschiedene Proteine http://biology.kenyon.edu/BMB/chime.htm

Daten für Molekulargenetik

http://ndbserver.rutgers.edu/NDB/NDBATLAS/index.html

Weiterführende Quellen:

Um Online mehr über die Helix- und Faltblattstruktur zu erfahren gehen Sie zu:

http://info.bio.cmu.edu/Courses/BiochemMols/ProtG/ProtGMain.htm und http://www.cryst.bbk.ac.uk/PPS2/course/section10/all_beta.html

Wenn Sie die Sekundärstruktur in 3D untersuchen wollen gehen Sie zu:

 http://www.umass.edu/microbio/chime/protsecs/index.htm

 Komplette Proteinstruktur: http://www.cryst.bbk.ac.uk/PPS/