Dennoch leben viele Deutsche in ständiger Sorge, dass ihnen Ausländer ihren Arbeitsplatz streitig machen könnten. Glücklicherweise sieht die Wirklichkeit besser aus:

»Für eine Verdrängung Einheimischer gibt es keine Belege«, sagt Hans-Peter Klös vorn Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln. Der Hauptgrund: Ausländer kommen meist in solchen Bereichen unter, in denen  viele Deutsche gar nicht arbeiten wollen- im Handwerk in der Metallindustrie, beim Bau, in Pflegeberufen, bei der Stadtreinigung. Wirtschaftlich gesehen helfen uns die Einwanderer also sehr. Die Sache hat nur einen Haken:                                          

Obwohl das Anwerbeabkommen seit vielen Jahren nicht mehr in Kraft ist, erhoffen sich Jahr für Jahr immer mehr Menschen- besonders aus Not leidenden Ländern-  bei uns ein besseres Leben.

Vor einigen Jahren kamen über eine Viertelmillion Asylbewerber aus den jugoslawischen Staaten, Rumänien, der Türkei, Bulgarien, Iran, Nigeria, Vietnam, der ehemaligen Sowjetunion, Afghanistan und Sri Lanka zu uns—fast ein Drittel mehr als  im Jahr davor. Hunderttausende von deutschstämmigen Aussiedlern sind dabei nicht mitgerechnet.

 

                    Beim Bundesverwaltungsamt in Köln stapeln sich schon jetzt 500 000 Anträge, vor allem aus der ehemaligen Sowjetunion. Aus Osteuropa, Asien und Afrika droht in den nächsten Jahren eine riesige Einwanderungswelle über Mitteleuropa zusammenzuschlagen.

Von dieser Sorge kann uns die Statistik nicht befreien. Jeder zweite Asylbewerber, der »in den Westen« kommt, wird erst einmal in Deutschland aufgenommen. Der Bundesinnenminister erklärt das so: Die Bundesrepublik ist das einzige Land, das den Asylbewerbern de facto ein Bleiberecht einräumt und damit einen Missbrauch des Rechts für politisch Verfolgte durch Wirtschaftsflüchtlinge ermöglicht. Das Asylrecht ist nämlich die einzige Möglichkeit — ob für politische Flüchtlinge oder für Arbeitsimmigranten —‚ nach Deutsch­land einzuwandern. »Da die Bundesrepublik leugnet, ein Einwanderungsland zu sein, zwingt sie Einreisewillige dazu, sich als politisch Verfolgte auszugeben«, schreiben Ute Knight und Wolfgang Kowalsky ihrem Buch Deutschland nur den Deutschen?

Die Experten sind sich einig: Wenn wir den Zustrom an Emigranten nicht besser steuern, wird Deutschland in wenigen Jahren chaotische Zustände erleben. »Mit sieben bis acht Prozent Einwanderern laufen die Nationen Gefahr, ihre Identität zu verändern«, sagt der Historiker Rudolf von Thadden. In Köln, Hamburg oder München beträgt der Ausländeranteil schon zwischen 15 und 17 Prozent, in einzelnen Stadtvierteln sogar bis über 40 Prozent. Schon 1981 grübelte der damalige Bundeskanzler Helmut Schmidt: »Es war ein Fehler, so viele Ausländer ins Land zu lassen.«

»In München gibt es Volksschulklassen, in denen von 26 Kindern 24 aus ausländischen Familien kommen. Wie sollen die zwei deutschen Kinder den Rest integrieren?« Diese Frage des bayerischen Staatsministers für Landesentwicklung und Umweltfragen, Peter Gauweiler, macht das ganze Problem deutlich. Wie bei so vielen Dingen, sind die USA leider auch hier der Vorreiter. 30 Prozent der Einwanderer der USA kommen heute aus Asien, 55,7 Prozent aus Lateinamerika.

Los Angeles, die mittlerweile zweitgrößte mexikanische und zweitgrößte koreanische Stadt, hat sich damit den Spitznamen »Hauptstadt der Dritten Welt« eingehandelt An manchen öffentlichen Schulen werden bis zu 110 verschiedene Sprachen gesprochen.

 

In Kalifornien werden die »Anglos«, die ursprüngliche Siedlerbevölkerung, schon in den neunziger Jahren zur Minderheit. Im Rest der USA dauert es nach den letzten Hochrechnungen noch bis zum Jahr 2060, bis es mehr »schwarze«, »braune« und »gelbe« Amerikaner gibt als »weiße«. Das wäre grundsätzlich noch kein Pro­blem — aber bisher waren es die weißen Einwanderer, die Politik, Wirtschaft und Gesell­schaft in den USA geprägt haben. Auch wer nicht zu dieser Gruppe gehörte, habe sich Mühe gegeben, diesen Werten nachzueifern. Natürlich mussten die Einwanderer auch früher um Aufstieg und Integration kämpfen.

Auch die Deutschen, die sich in Amerika niederließen, hatten Probleme. So wetterte Benjamin Franklin, einer der Väter des freien Amerika, lange vor dein Unabhängigkeitskrieg: “Warum sollte sich Pennsylvania in eine Kolonie von Fremden verwandeln, die in Kürze so zahlreich sein werden, dass sie uns zu Deutschen machen — anstatt wir sie zu Engländern?“ Franklin machte damit auf ein Problem auf­merksam, das bei jeder Einwanderung im Vordergrund steht: auf die Integration in die bestehende Gesellschaft mit all ihren Werten. Inzwischen sind die Deutschen in der amerikanischen Gesellschaft fast spurlos aufgegangen (obwohl sie in den Gründerjahren der USA so viel Einfluss hatten, dass Deutsch beinahe zur Landessprache geworden wäre).

Andere- ganz unterschiedliche- Gruppen aber, wie Chinesen, Afrikaner und orthodoxe Juden, legen Wert darauf, “unter sich“ zu bleiben, obwohl Gesetze die Integration fördern. Gerade diese Ghettos und die Machtkämpfe zwischen den Volksgruppen in New York zeigen, dass es nicht funktioniert, zu viele fremde Kulturen miteinander zu vermischen, wenn sie sich nicht vermischen lassen wollen.

Die amerikanischen Ghettos sind unregierbar geworden. Mord, Drogen und Aids haben dafür gesorgt, dass die Lebenserwartung in Harlem, dem traditionellen Viertel der schwarzen Bevölkerung von New York, fünf Jahre unter der von Bangladesh liegt: 46 Jahre.

Wie sollte sich an solchen Horrorzuständen etwas ändern, solange ein Jugendlicher die Wahl hat, bei Mc Donald‘s für 3,25 Dollar die Stunde zu arbeiten oder in wenigen Minuten Crack für mehrere hundert Dollar zu verkaufen?

Wie soll der Schmelztiegel USA noch funktionieren, wenn es keine Mehrheit mehr gibt, die seine Werte definiert?

 

Aus P.M. (Peter Moosleitners interessantes Magazin)

22. Mai 1992  

Thema: Einwanderer: Warum wir sie dringend brauchen - warum sie Fremde bleiben?

 

Ausländer: zwei verschiedene Gruppen:

haben Arbeit                                           mittellos

gründen Unternehmen                           auf Unterstützung  angewiesen                                                                                           

                                                      

                                                                   

Text lesen/ Aufgabe: Lege eine Tabelle an, teile in „Für“ und „Wider“

 

Für  Wider
- Geburtenrate zu niedrig - Jahr für Jahr  werden es mehr   
- 1961 zu wenig Arbeitskräfte    -Wirtschaftsflüchtlinge  missbrauchen das Bleiberecht, indem sie sich als pol. verfolgte ausgeben
- Anwerbeaktion für Wirtschaftsaufschwung - Nation läuft Gefahr ihre Identität zu verändern  
- Deutsche arbeiten nicht in jedem Beruf                       

                                                                               

Sieht unsere Zukunft wie die in Amerika aus?

Ghettos, Machtkämpfe, Völkergruppen wollen sich nicht integrieren lassen, Kriminalität, Lebenserwartung

 

Welche Prognosen können wir stellen?

·      Grenzen dicht

·      Grenzen weiter offen (Freies Europa)

 

Fragen zum Text:

·      Wie viel Prozent Ausländer leben in Deutschland?

·      Wie viel Prozent in Städten wie Köln, Hamburg oder München?

·      Warum gibt es so viele Ausländer?

·      Sollen wir uns aussuchen können, wen wir als Ausländer aufnehmen und wen nicht?

·      Sollen wir uns selbst einmauern?

·      Sollen wir die Grenze dicht machen und die schwere Bürde auf uns nehmen, in spätestens 40 Jahren 1 Rentner pro Kopf zu finanzieren?

·      Kann man das Problem lösen, indem man Aussiedlerheime niederbrennt?

  Aufsatzthema:

Aufsatzthema: Deutschland nur den Deutschen?

Setzen Sie sich damit auseinander, welchen Einfluss das Anwachsen des Ausländeranteils auf Deutschland hat. Welche positiven oder negativen Erfahrungen haben Sie in Bezug auf das Anwachsen des Ausländeranteils in Deutschland gemacht? Bringen Sie auch Überlegungen mit ein, welche Zukunft uns diese Entwicklung voraussagt!

Bieten Sie realistische Lösungsmöglichkeiten an!