1. Folie    

    Todesanzeige

2. Text

Hinter der Fassade

               Anatol Feid

 

 

 Der Jugendroman „Hinter der Fassade“ schildert die Ereignisse, die zwischen dem 8. Februar und dem 27. September in der Familie Segschneider geschehen sind. Die Familie wohnt in einer Kleinstadt in der Nähe von Frankfurt. Der 17-jährige .Sohn, Klaus ist drogenabhängig geworden und bringt dadurch sich selbst und seine Angehör­igen in immer größere Schwierigkeiten. Je weiter die Sucht fortschreitet, desto deut­licher und brutaler sind die Auswirkungen in der Familie zu spüren. Erst als sich die Mutter in ihrer Verzweiflung an eine Beratungsstelle wendet, werden den Familienmit­gliedern die Augen für das ganze Ausmaß der Folgen, aber auch für einen möglichen wenn auch harten Ausweg geöffnet.

 

Klaus war grau im Gesicht, seine Augen flackerten, und die Hände zitterten so, daß er seine unvermeidliche Zigarette nicht gedreht bekam. Wütend warf er Zigarettenpapier und Tabak auf den Tisch.

Vor einer halben Stunde hatte Hasner ihn abgeliefert, alles Gute gewünscht, man wisse ja, wo man ihn erreichen könne; dann war er weggefahren.   Segschneiders waren über das Aussehen ihres Sohnes erschrocken gewesen.

„Bist du krank?“ hatte Frau Segschneider gefragt. „Sollen wir einen Arzt holen?“ Klaus hatte den Kopf geschüttelt, über sein Gesicht war kalter Schweiß gelaufen. „Ich brauche was zu trinken, was Hartes, ganz schnell.“

        Herr Segschneider hatte eine Flasche Whisky auf den Tisch gestellt. Mit Entset­zen hatten die Eltern gesehen, wie Klaus die Flasche aufgeschraubt, an die trockenen Lippen gesetzt und in einem Zug leergetrunken hatte. Sie war etwas mehr als halbvoll gewesen.

Dann war er zur Toilette gelaufen.

        „Ich habe mich an deinen Tabletten bedient“, hatte er zu seiner Mutter gesagt, als er nach einigen Minuten zurückgekommen war. „Gleich wird es besser gehen.“ „Was ist denn los mit dir?“ hatte Frau Segschneider hilflos gefragt. „Entzug. Es geht gleich wieder.“

Eine halbe Stunde lang hatte Klaus gezittert wie im Schüttelfrost, während ihm 20 gleichzeitig der Schweiß über Gesicht und Hände lief. Manchmal war es, als würde er keine Luft mehr bekommen, aber immer wieder hatte er hervorgesto­ßen: „Es geht gleich wieder.“

Jetzt nahm er das Zigarettenpapier von der Tischdecke und kratzte mit den Fin­gerspitzen den Tabak zusammen. Das Drehen der Zigarette erforderte seine ganze Konzentration.

Nach den ersten Zügen schaute er lange seine Eltern an, Trauer und Verzweiflung im Blick.

„Jetzt brauche ich wenigstens nicht mehr zu lügen“ stieß er nach einer Weile leise hervor. ‚Jetzt habt ihr gesehen, was mit mir los ist. Er machte eine Pause, nahm einen Zug, der seine Zigarette um die Hälfte verkürzte, und fuhr dann abgehackt fort: „Irgendwie bin ich froh, daß die ganze Lügerei zu Ende ist, egal was ihr mit mir macht. Ich hab nie den Mut gehabt, euch die ganze Wahrheit zu sagen. ich hab ja auch immer gedacht, daß ich‘s schon packen würde. Ehrlich. Ich dachte, alles würde wieder gut werden.“

Er schüttelte müde den Kopf. „Ich pack‘s aber nicht allein.“

„Was wirst du tun?“ fragte leise Herr Segschneider, der seinen Schock über die Entzugserscheinungen seines Sohnes immer noch nicht überwunden hatte.

Klaus schaute den Vater lange an.

„Was kann ein Süchtiger in meiner Situation schon tun? Ich muß entziehen. Ich muß einen Arzt finden, der mir Medikamente verschreibt, damit ich das durch­steh‘, und ...„‚ Klaus zuckte zusammen, als habe ihn ein elektrischer Schlag getroffen.

„Entschuldige, Papa,“ würgte er heraus. „Habt ihr noch irgendwelchen Schnaps im Schrank?“

„Glaubst du wirklich, daß das gut für dich ist?“ fragte Frau Segschneider erschrocken.

„Nee, bestimmt nicht.“ Klaus bekam die Worte kaum heraus. „Aber so ist das nun mal beim Entzug. Wenn ich jetzt keinen Schnaps krieg, latsch ich zusammen.“ Herr Segschneider hatte inzwischen eine Flasche selbstgebrannten Pflau­menschnaps aus dem Schrank geholt. Klaus riß sie fast aus der Hand, füllte die leere Teetasse seiner Mutter bis zum Rand, trank sie gierig in einem Zug leer. Danach wurde er langsam ruhiger.

„Wie lange geht das nun schon so?“ fragte sein Vater entsetzt.

Klaus füllte die Teetasse erneut. „In dieser Form seit knapp zwei Jahren. Wenn ich keinen Stoff hab, dreh ich durch. Deshalb habe ich auch so ziemlich alles getan, um an Stoff zu kommen.“

Tränen schossen ihm plötzlich in die Augen. „Aber das wißt ihr ja selbst.“

Klaus stützte den Kopf in die Hand und weinte laut. „Ich will weg von dem Zeug! Ich will entziehen“, stieß er immer wieder hervor. „Wenn ich das nicht bald packe, bring ich mich um! Das schwöre ich euch. Das ist doch kein Leben mehr. Ich bring mich um!“

Verstört schauten Herr und Frau Segschneider sich an. Herr Segschneider legte seinem Sohn beruhigend die Hand auf die zuckenden Schultern. „Warum solltest du den Entzug nicht schaffen? Andere tun das doch auch.“

„Ich hab doch kein Geld für Medikamente“, schluchzte Klaus verzweifelt. „Was meint ihr denn, was das Zeug kostet? Die richtig guten Mittel bezahlt doch die Krankenkasse nicht. Die gibt es nur auf Privatrezept.“ Klaus‘ Finger führen ner­vös in seinem langen, verklebten Haar herum. Er schaute die Eltern nicht an, als er hervorwürgte: „Wenn ihr mir jetzt nicht helft, bleibt mir gar nichts anderes übrig, als irgendwo einzubrechen und Geld zu klauen, kapiert ihr das denn nicht? Ihr seht doch, was mit mir los ist. Spätestens morgen mittag bin ich total auf Ent­zug. Dann kann ich drei Flaschen Schnaps leersaufen, das hilft mir überhaupt nichts mehr. Das macht alles nur noch schlimmer, weil dadurch auch noch die Leber in‘ Arsch geht. Ich muß an die Medikamente ran, sonst gehe ich vor die Hunde.“ Klaus weinte haltlos.

„Begreift ihr nicht, in welcher Scheiße ich stecke? Ich muß Geld klauen oder auf den Strich gehen oder irgendwelchen Mist machen, damit ich an meine Medika­mente komme. Aber ohne Tabletten kann ich nicht entziehen, und dann komme ich nie aus diesem Scheißkreislauf raus!“

Klaus wischte sich mit dem Ärmel seines verschmierten Hemdes die Tränen aus dem Gesicht. „Glaubt bloß nicht, daß ich euch erpressen will. Ich sag nur, wie es ist. Wenn ihr mir das Geld nicht gebt, muß ich es mir anderswo holen. Das mach ich auch, weil mir der Drogenscheiß zum Hals heraushängt. Aber das sage ich euch: Wenn mich die Bullen dabei erwischen, bring ich mich um!“

Er ließ den Kopf auf die Tischplatte sinken und weinte leise.

„Wir wollen für heute Schluß machen“, sagte Herr Segschneider mit zitternder Stimme. Er konnte nicht mehr. Er fürchtete, jeden Moment zusammenzubrechen. Seine Frau saß ihm erstarrt gegenüber.

„Sag nur noch kurz, ob ich damit rechnen kann, daß ihr mir helft“, sagte Klaus dumpf.

Herr Segschneider konnte nur noch flüstern.

„Ich helfe dir, Klaus. Die Medikamente, die dir der Arzt verschreibt, gehen auf meine, ich meine auf unsere Kosten. — Aber du mußt die Bedingungen erfüllen, die Herr Hasner dir genannt hat, alle Bedingungen. Du kennst sie ja. Du mußt auch gegen Roland aussagen. Ich helfe dir nur, wenn du alles tust, daß das Verfah­ren gegen dich eingestellt wird. Ich will nicht, daß in Saalheim bekannt wird, was mit dir los ist.“ Er schwieg eine Weile und stieß dann laut hervor: „Ich könnte es nicht ertragen, wenn die Leute mit Fingern auf uns zeigten! Verstehst du das?“

Klaus hob den Kopf nicht von der Tischplatte.

„Klar sage ich gegen Roland aus. Ich gehe wegen dem Schwein doch nicht zwei Jahre in‘n Knast. Der hat mich doch in die ganze Scheiße reingeritten. Ohne den hätte ich schon lange aufgehört.“

Er hob den Kopf ein wenig. „Ich paß auch auf, damit die Saalheimer nichts mitbe­kommen. Deshalb gehe ich auch nicht in diesem Nest zum Arzt. Hier kennt doch jeder jeden. Ich fahr nach Frankfurt. Ich kenne schon einen guten Doc.“

„Du darfst Saalheim nicht verlassen“, sagte Herr Segschneider und ertappte sich dabei, daß er über Hasners Anordnung unwillig wurde. Aber vielleicht, nein wahrscheinlich, hatte die Polizei das Problem der Anonymität nicht genügend bedacht.

„Ich fahr ja nur einmal, ein einziges Mal“, sagte Klaus tonlos. „Ich fahre morgen früh und bin mittags schon wieder da. Ich sag dem Arzt, was Sache ist und daß ich Medikamente für 14 Tage bis drei Wochen brauche. Der macht das bestimmt.‘ Langsam drehte er den Kopf zu seiner Mutter hin. ‚Ich brauch gleich noch so’n halbes Dutzend von deinen Tabletten, sonst krieg ich die Nacht nicht rum.“ Und er füllte sich die Teetasse ein drittes Mal mit Pflaumenschnaps.

 

3. Arbeitsblatt

Drogennest Schule

a)      Zwischen der 5. und 13. Klase nehmen 30 % der Schüler bereits Drogen.

b)      Sie beginnen am Morgen mit Koffein, nehmen dann Nikotin und dröhnen sich dann abends den Kopf mit Alkohol, Hasch, Schmerz- und Beruhigungsmitteln sowie Schlaftabletten den Kopf zu.

c)      In der Regel geschieht das ab dem 14. Lebensjahr.

d)      Die Prozentzahl steigt von der 7. zur 8. Klasse von 3,7 auf 11,5 %

e)      In der 8. Klasse torkeln bereits 4,2 % an der Grenze zum Alkoholismus.

f) „Das Unrechtsbewusstsein und die Angst vor Illegalität sind gleich Null. Wer nicht kifft, gilt als langweilig.“

g)      Partydrogen werden bagatellisiert.

h)  Auch psychisch stabile Schiller sind nicht davon zu überzeugen, dass sie - im Gegensatz zu anderen Drogen - etwas Falsches tun.

 i)  Nebenwirkungen, wie unreine Haut, Magen-, Hals-, Zahn-, und Kopfschmerzen, Depressionen,     hohes Fieber, Appetitlosigkeit sowie “grausame Rückenschmerzen werden in Kauf genommen, weil “ich mich damit (Drogen) viel besser fühle“.

j)  Jugendliche kommen heute leichter an Drogen. Das Angebot ist größer geworden. Sie dringen in immer mehr soziale Bereiche ein. (Schule!)

      k) Welche Motive gibt es?

1. Bereits mit 13 Jahren empfinden Schiller ein Gefühl der Leere und Langeweile, „das Leben bringe ihnen nichts, keine Anregung und Spannung“

2. Immer mehr Schiller haben Leistungsprobleme. Sie haben dann das Gefühl, an Rande zu stehen, nicht mithalten zu können.

3. Der Gruppenzwang spielt eine große Rolle, da die Ablösung der Eltern durch die Gruppe schon sehr früh einsetzt. (ab 13)

 

      l) Welche Verantwortung haben die Eltern?

Sie kommen oft mit der Aufgabe der Erziehung nicht mehr zurecht, oder sind gar selber schlechte Vorbilder.     

m)    Ein niedriges Einstiegsa1ter bringt höhere Suchtgefahr, „weil sich das gefährliche  Verhaltensmuster, durch passives Einnehmen einer Substanz eine Situation beeinflussen zu wollen, stärker einprägt“.

n)   Drogen unter Schülern sind das Ende einer langen Kette erzieherischer Mängel und sozialer   wie gesellschaftlicher Fehlentwicklungen.

 

 

ZERRÜTTETE  FAMILIEN; KONSUMFIXIERUNG; STEIGENDE LEISTUNGSANFORDERUNGEN; ZUKUNFTSANGST; BINDUNGSLOSIGKEIT; WERTEVERLUST UND EINE FLUT VON MEDIENEINFLÜSSEN legen in einer Gesellschaft, die Medikamente, Alkohol und Nikotin zu ALLTÄGLICHEN KONSUMARTIKELN macht, die Grundsteine für instabile, konfliktunfähige und damit suchtanfällige Persönlichkeiten.

 

o)      Bereits im Kleinkindalter werden kindliche Bedürfnisse nach Liebe und Zuwendung von den Eltern materiell mit Spielzeug, Fernsehen und Süßigkeiten „ersatzbefriedigt“.

p)      Mit 9 greifen Kids heute zum Glimmstengel und mit der Zigarette fällt die Hemmschwelle gegenüber härteren Suchtstoffen.

q)      Die Legalisierungsdiskussion ist kontraproduktiv (schädlich) zur Prävention (Vorbeugung). Durch sie ist die Probierbereitschaft gestiegen.

4. Fragebogen entwickeln

Beispiel:

Fragebogen

1. Würdest du Drogen nehmen?                                                                Ja                                Nein
2. Fühlst du dich wohl dabei?                                                                    Ja                                Nein
3. Würdest du es deinen Eltern erzählen?                                                Ja                                Nein
4. Würdest du dir von deinen Eltern helfen lassen?                               Ja                                Nein
5. Würdest du zu einer Therapie gehen?                                                   Ja                                Nein
6. Meinst du, ob Drogen süchtig machen?                                                Ja                                Nein
7. Konsumierst du Drogen zu Hause?                                                        Ja                                Nein
8.Wärst du dafür, dass Drogen als Medikament zugelassen werden?  Ja                                Nein
9.Würdest du für Drogen deine Eltern bestehlen?                                   Ja                                Nein
1O.Warst du schon mal dabei, wenn jemand Drogen genommen hat? Ja                                Nein
11 Hast du schon mal Drogen zu dir genommen9                                      Ja                                Nein
12.Nimmst du Drogen ‚weil sie deine Freunde nehmen?                           Ja                                Nein
13. Würdest du mit Leuten verkehren ‚die Drogen nehmen?                   Ja                                Nein
14. Was meinst du ‚ kann man unter Drogeneinfluss klar denken?        Ja                                Nein
15. Würdest du jemandem Geld für Drogen geben?                                Ja                                Nein
16.Würdest du dabei zuschauen, wenn jemand Drogen nimmt?             Ja                                Nein
17.Würdest du dein Geld für Drogen ausgeben?                               
     Ja                                Nein
18.Bist du auch der Meinung, dass man damit jeder Zeit aufhören kann?   Ja                                Nein

Aufsatzthema:

Aufsatzthema: Drogennest Schule

Immer mehr Schüler sind drogensüchtig. Beweisen Sie, dass diese

Behauptung zutrifft! Berücksichtigen Sie dabei auch Ihre eigenen

Erfahrungen! Welche Motive und welche Folgen zeigen sich auf?

Blicken Sie abschließend in die Zukunft und geben Sie, wenn möglich,

Lösungsvarianten an!