1. Folie
2. Text
Hinter
der Fassade
Anatol Feid
Der
Jugendroman „Hinter der Fassade“ schildert die Ereignisse, die zwischen dem
8. Februar und dem 27. September in der Familie Segschneider geschehen sind. Die Familie wohnt in einer
Kleinstadt
Klaus
war grau im Gesicht, seine Augen flackerten, und die Hände zitterten so, daß
er seine unvermeidliche Zigarette nicht gedreht bekam. Wütend warf er
Zigarettenpapier und Tabak auf den Tisch.
Vor einer halben Stunde hatte Hasner ihn abgeliefert, alles Gute gewünscht,
man wisse ja, wo man ihn erreichen könne;
dann war er weggefahren. Segschneiders
waren über das Aussehen ihres Sohnes erschrocken gewesen.
„Bist
du krank?“ hatte Frau Segschneider gefragt. „Sollen wir einen Arzt holen?“
Klaus hatte den Kopf geschüttelt, über sein Gesicht war kalter Schweiß
gelaufen. „Ich brauche was zu trinken, was Hartes, ganz schnell.“
Herr Segschneider hatte eine
Flasche Whisky auf den Tisch gestellt. Mit Entsetzen hatten die Eltern
gesehen, wie Klaus die Flasche aufgeschraubt, an die trockenen Lippen gesetzt
und in einem Zug leergetrunken hatte. Sie war etwas mehr als halbvoll gewesen.
Dann
war er zur Toilette gelaufen.
„Ich habe mich an deinen
Tabletten bedient“, hatte er zu seiner Mutter gesagt, als er nach einigen
Minuten zurückgekommen war. „Gleich wird es besser gehen.“ „Was ist denn
los mit dir?“ hatte Frau Segschneider hilflos gefragt. „Entzug. —
Es geht gleich wieder.“
Eine
halbe Stunde lang hatte Klaus gezittert wie im Schüttelfrost, während ihm 20 gleichzeitig
der Schweiß über Gesicht und Hände lief. Manchmal war es, als würde er keine
Luft mehr bekommen, aber immer wieder hatte er hervorgestoßen: „Es geht
gleich wieder.“
Jetzt
nahm er das Zigarettenpapier von der Tischdecke und kratzte mit den Fingerspitzen
den Tabak zusammen. Das Drehen der Zigarette erforderte seine ganze
Konzentration.
Nach
den ersten Zügen schaute er lange seine Eltern an, Trauer und Verzweiflung im
Blick.
„Jetzt
brauche ich wenigstens nicht mehr zu lügen“ ‚ stieß er
nach einer Weile leise hervor. ‚Jetzt habt ihr gesehen, was mit mir los ist.
Er machte eine Pause, nahm einen Zug, der seine Zigarette um die Hälfte verkürzte,
und fuhr dann abgehackt fort: „Irgendwie bin ich froh, daß die ganze Lügerei
zu Ende ist, egal was ihr mit mir macht. Ich hab nie den Mut gehabt, euch die ganze
Wahrheit zu sagen. ich hab ja auch immer gedacht, daß ich‘s schon packen
würde. Ehrlich. Ich dachte, alles würde wieder gut werden.“
Er
schüttelte müde den Kopf. „Ich pack‘s aber nicht allein.“
„Was
wirst du tun?“ fragte leise Herr Segschneider, der seinen Schock über die
Entzugserscheinungen seines Sohnes immer noch nicht überwunden hatte.
Klaus
schaute den Vater lange an.
„Was
kann ein Süchtiger in meiner Situation schon tun? Ich muß entziehen. Ich muß
einen Arzt finden, der mir Medikamente verschreibt, damit ich das durchsteh‘,
und ...„‚ Klaus zuckte zusammen, als habe ihn ein elektrischer Schlag
getroffen.
„Entschuldige,
Papa,“ würgte er heraus. „Habt ihr noch irgendwelchen Schnaps im
Schrank?“
„Glaubst
du wirklich, daß das gut für dich ist?“ fragte Frau Segschneider
erschrocken.
„Nee,
bestimmt nicht.“ Klaus bekam die Worte kaum heraus. „Aber so ist das nun mal
beim Entzug. Wenn ich jetzt keinen Schnaps krieg, latsch ich zusammen.“ Herr
Segschneider hatte inzwischen eine Flasche selbstgebrannten Pflaumenschnaps
aus dem Schrank geholt. Klaus riß sie fast aus der Hand, füllte die leere
Teetasse seiner Mutter bis zum Rand, trank sie gierig in einem Zug leer. Danach
wurde er langsam ruhiger.
„Wie
lange geht das nun schon so?“ fragte sein Vater entsetzt.
Klaus
füllte die Teetasse erneut. „In dieser Form seit knapp zwei Jahren. Wenn ich
keinen Stoff hab, dreh ich durch. Deshalb habe ich auch so ziemlich alles getan,
um an Stoff zu kommen.“
Tränen
schossen ihm plötzlich in die Augen. „Aber das wißt ihr ja selbst.“
Klaus
stützte den Kopf in die Hand und weinte laut. „Ich will weg von dem Zeug! Ich
will entziehen“, stieß er immer wieder hervor. „Wenn ich das nicht bald
packe, bring ich mich um! Das schwöre ich euch. Das ist doch kein Leben mehr.
Ich bring mich um!“
Verstört
schauten Herr und Frau Segschneider sich an. Herr Segschneider legte seinem Sohn
beruhigend die Hand auf die zuckenden Schultern. „Warum solltest du den Entzug
nicht schaffen? Andere tun das doch auch.“
„Ich
hab doch kein Geld für Medikamente“, schluchzte Klaus verzweifelt. „Was
meint ihr denn, was das Zeug kostet? Die richtig guten Mittel bezahlt doch die
Krankenkasse nicht. Die gibt es nur auf Privatrezept.“ Klaus‘ Finger führen
nervös in seinem langen, verklebten Haar herum. Er schaute die Eltern nicht
an, als er hervorwürgte: „Wenn ihr mir jetzt nicht helft, bleibt mir gar
nichts anderes übrig, als irgendwo einzubrechen und Geld zu klauen, kapiert ihr
das denn nicht? Ihr seht doch, was mit mir los ist. Spätestens morgen mittag
bin ich total auf Entzug. Dann kann ich drei Flaschen Schnaps leersaufen, das
hilft mir überhaupt nichts mehr. Das macht alles nur noch schlimmer, weil
dadurch auch noch die Leber in‘ Arsch geht. Ich muß an die Medikamente ran,
sonst gehe ich vor die Hunde.“ Klaus weinte haltlos.
„Begreift
ihr nicht, in welcher Scheiße ich stecke? Ich muß Geld klauen oder auf den
Strich gehen oder irgendwelchen Mist machen, damit ich an meine Medikamente
komme. Aber ohne Tabletten kann ich nicht entziehen, und dann komme ich nie aus
diesem Scheißkreislauf raus!“
Klaus
wischte sich mit dem Ärmel seines verschmierten Hemdes die Tränen aus dem
Gesicht. „Glaubt bloß nicht, daß ich euch erpressen will. Ich sag nur, wie
es ist. Wenn ihr mir das Geld nicht gebt, muß ich es mir anderswo holen. Das
mach ich auch, weil mir der Drogenscheiß zum Hals heraushängt. Aber das sage
ich euch: Wenn mich die Bullen dabei erwischen, bring ich mich um!“
Er
ließ den Kopf auf die Tischplatte sinken und weinte leise.
„Wir
wollen für heute Schluß machen“, sagte Herr Segschneider mit zitternder
Stimme. Er konnte nicht mehr. Er fürchtete, jeden Moment zusammenzubrechen.
Seine Frau saß ihm erstarrt gegenüber.
„Sag
nur noch kurz, ob ich damit rechnen kann, daß ihr mir helft“, sagte Klaus dumpf.
Herr
Segschneider konnte nur noch flüstern.
„Ich
helfe dir, Klaus. Die Medikamente, die dir der Arzt verschreibt, gehen auf
meine, ich meine auf unsere Kosten. — Aber du mußt die Bedingungen erfüllen,
die Herr Hasner dir genannt hat, alle Bedingungen. Du kennst sie ja. Du mußt
auch gegen Roland aussagen. Ich helfe dir nur, wenn du alles tust, daß das
Verfahren gegen dich eingestellt wird. Ich will nicht, daß in Saalheim
bekannt wird, was mit dir los ist.“ Er schwieg eine Weile und stieß dann laut
hervor: „Ich könnte es nicht ertragen, wenn die Leute mit Fingern auf uns
zeigten! Verstehst du das?“
Klaus
hob den Kopf nicht von der Tischplatte.
„Klar
sage ich gegen Roland aus. Ich gehe wegen dem Schwein doch nicht zwei Jahre
in‘n Knast. Der hat mich doch in die ganze Scheiße reingeritten. Ohne den hätte
ich schon lange aufgehört.“
Er hob den Kopf ein wenig. „Ich paß auch auf, damit die Saalheimer nichts
mitbekommen. Deshalb gehe ich auch nicht in diesem Nest zum Arzt. Hier kennt
doch jeder jeden. Ich fahr nach Frankfurt. Ich kenne schon einen guten Doc.“
„Du
darfst Saalheim nicht verlassen“, sagte Herr Segschneider und ertappte sich
dabei, daß er über Hasners Anordnung unwillig wurde. Aber vielleicht, nein
wahrscheinlich, hatte die Polizei das Problem der Anonymität nicht genügend
bedacht.
„Ich fahr ja nur einmal, ein einziges Mal“, sagte Klaus tonlos. „Ich fahre morgen früh und bin mittags schon wieder da. Ich sag dem Arzt, was Sache ist und daß ich Medikamente für 14 Tage bis drei Wochen brauche. Der macht das bestimmt.‘ Langsam drehte er den Kopf zu seiner Mutter hin. ‚Ich brauch gleich noch so’n halbes Dutzend von deinen Tabletten, sonst krieg ich die Nacht nicht rum.“ Und er füllte sich die Teetasse ein drittes Mal mit Pflaumenschnaps.
3. Arbeitsblatt
Drogennest Schule
a)
Zwischen der 5. und 13. Klase nehmen 30 % der Schüler bereits Drogen.
b)
Sie beginnen am Morgen mit Koffein, nehmen dann Nikotin und dröhnen sich
dann abends den Kopf mit Alkohol, Hasch, Schmerz- und Beruhigungsmitteln sowie
Schlaftabletten den Kopf zu.
c)
In der Regel geschieht das ab dem 14. Lebensjahr.
d)
Die Prozentzahl steigt von der 7. zur 8. Klasse von 3,7 auf 11,5 %
e)
In der 8. Klasse torkeln bereits 4,2 % an der Grenze zum Alkoholismus.
f) „Das Unrechtsbewusstsein und die Angst vor
Illegalität sind gleich Null. Wer nicht kifft, gilt als langweilig.“
g)
Partydrogen werden bagatellisiert.
h) Auch psychisch stabile
Schiller sind nicht davon zu überzeugen, dass sie - im
Gegensatz zu anderen Drogen - etwas Falsches tun.
i)
Nebenwirkungen,
wie unreine Haut, Magen-, Hals-, Zahn-, und Kopfschmerzen, Depressionen,
hohes Fieber, Appetitlosigkeit sowie “grausame Rückenschmerzen werden
in Kauf genommen, weil “ich mich damit (Drogen) viel besser fühle“.
j)
Jugendliche
kommen heute leichter an Drogen. Das Angebot ist größer geworden. Sie
dringen in immer mehr soziale Bereiche ein. (Schule!)
k) Welche Motive gibt es?
1.
Bereits mit 13 Jahren empfinden Schiller ein Gefühl der Leere und Langeweile,
„das Leben bringe ihnen nichts, keine Anregung und Spannung“
2.
Immer mehr Schiller haben Leistungsprobleme. Sie haben dann das Gefühl, an
Rande zu stehen, nicht mithalten zu können.
3.
Der Gruppenzwang spielt eine große Rolle, da die Ablösung der Eltern durch die
Gruppe schon sehr früh einsetzt. (ab 13)
l) Welche Verantwortung haben die Eltern?
Sie kommen oft mit der Aufgabe der Erziehung nicht mehr zurecht, oder sind gar selber schlechte Vorbilder.
m) Ein niedriges Einstiegsa1ter bringt höhere Suchtgefahr, „weil sich das gefährliche Verhaltensmuster, durch passives Einnehmen einer Substanz eine Situation beeinflussen zu wollen, stärker einprägt“.
n) Drogen unter Schülern sind das Ende einer langen Kette
erzieherischer Mängel und sozialer wie gesellschaftlicher Fehlentwicklungen.
ZERRÜTTETE
FAMILIEN; KONSUMFIXIERUNG; STEIGENDE LEISTUNGSANFORDERUNGEN;
ZUKUNFTSANGST; BINDUNGSLOSIGKEIT; WERTEVERLUST UND EINE FLUT VON MEDIENEINFLÜSSEN
legen in einer Gesellschaft, die
Medikamente, Alkohol und Nikotin zu ALLTÄGLICHEN KONSUMARTIKELN macht, die
Grundsteine für instabile, konfliktunfähige und damit suchtanfällige Persönlichkeiten.
o)
Bereits im Kleinkindalter werden kindliche Bedürfnisse nach Liebe und
Zuwendung von den Eltern materiell mit Spielzeug, Fernsehen und Süßigkeiten
„ersatzbefriedigt“.
p)
Mit 9 greifen Kids heute zum Glimmstengel und mit der Zigarette fällt
die Hemmschwelle gegenüber härteren Suchtstoffen.
q) Die Legalisierungsdiskussion ist kontraproduktiv (schädlich) zur Prävention (Vorbeugung). Durch sie ist die Probierbereitschaft gestiegen.
Beispiel:
Fragebogen
1. Würdest du Drogen nehmen?
Ja
Nein
2. Fühlst du dich wohl dabei?
Ja
Nein
3. Würdest du es deinen Eltern erzählen?
Ja
Nein
4. Würdest du dir von deinen Eltern helfen lassen?
Ja
Nein
5. Würdest du zu einer Therapie gehen?
Ja
Nein
6. Meinst du, ob Drogen süchtig machen?
Ja
Nein
7. Konsumierst du Drogen zu Hause?
Ja
Nein
8.Wärst du dafür, dass Drogen als Medikament zugelassen werden? Ja
Nein
9.Würdest du für Drogen deine Eltern bestehlen?
Ja
Nein
1O.Warst du schon mal dabei, wenn jemand Drogen genommen hat? Ja
Nein
11 Hast du schon mal Drogen zu dir genommen9
Ja
Nein
12.Nimmst du Drogen ‚weil sie deine Freunde nehmen?
Ja
Nein
13. Würdest du mit Leuten verkehren ‚die Drogen nehmen?
Ja
Nein
14. Was meinst du ‚ kann man unter Drogeneinfluss klar denken?
Ja
Nein
15. Würdest du jemandem Geld für
Drogen geben?
Ja
Nein
16.Würdest du dabei zuschauen, wenn jemand Drogen nimmt? Ja
Nein
17.Würdest du dein Geld für Drogen ausgeben?
Ja
Nein
18.Bist du auch der Meinung, dass man damit jeder Zeit aufhören kann?
Ja
Nein
Aufsatzthema:
Aufsatzthema: Drogennest
Schule
Immer mehr Schüler sind drogensüchtig. Beweisen Sie, dass diese
Behauptung zutrifft! Berücksichtigen
Sie dabei auch Ihre eigenen
Erfahrungen! Welche
Motive und welche Folgen zeigen sich auf?
Blicken Sie abschließend
in die Zukunft und geben Sie, wenn möglich,
Lösungsvarianten an!