Der Schimmelreiter 1888 Novelle
Theodor Storm (1817-1888)
1.Übersicht
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Als Kleinknecht beim Deichgrafen |
S.24-34 |
Schülervortrag |
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Eisboseln |
S.25-26 |
Schülervortrag |
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Hauke wird Großknecht |
S.34-50 |
Schülervortrag |
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Tod Tede Hains |
S.50-60 |
Schülervortrag |
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Beratung: Wer wird neuer Deichgraf? |
S.62-66 |
Schülervortrag |
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Beratung auf Jevershallig |
S.75-78 |
Gem. Lesen |
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Haukes Pferdekauf |
S. -81 |
Gem. Lesen |
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Versammlung: Deichbau Elkes Pat Jewe Mannes auf Haukes Seite |
S.88-94 |
Lehrervortrag |
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Arbeiten am Deich bis November |
S.97 |
Lehrervortrag |
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Geburtsszene Wienke- Gebetsszene |
S.98-99 |
Gem. Lesen |
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Härte Haukes nimmt zu |
S.102 |
Gem. Lesen |
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Szene „Kleiner gelber Hund“- Aberglaube |
S.105-107 |
Gem. Lesen |
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Wienke bei Trin Jans |
S.113-114 |
Lehrervortrag |
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Haukes Ausritt mit Wienke- erkennt Schwachsinnigkeit Wienkes (aber eigentlich schon früher!!) |
S.115-118 |
Lehrervortrag |
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Haukes Untergang |
S.132-144 |
Gem. Lesen |
· Charakteristik Haukes
· Haukes Tragik und Schuld
· Charakter Elkes
· Gesamtüberblick
· Zusammenfassung (Frage- Antwort)























2.Die Novelle
Was ist eine Novelle?
Der Begriff Novelle stammt von lat. novus = neu. Erzählt wird eine neue Begebenheit in Prosa. Inhaltlich wird meist ein real vorstellbares Ereignis oder eine Folge von Ereignissen, die aufeinander bezogen sind, gestaltet. Die Ereignisfolge beruht auf einem zentralen Konflikt. Von der jüngeren Kurzgeschichte unterscheidet sich die Novelle vor allem durch ihre geschlossene Form, von Legende, Fabel und Märchen durch ihren Realitätsbezug. Die Handlung ist straff und meist einsträngig geführt und beschränkt sich auf einen Geschehnisausschnitt, der meist in dramatischer Zuspitzung einen Wendepunkt bringt. Häufig werden einzelne Novellen in Rahmenerzählungen eingebettet, Techniken, die es ermöglichen, die Erzählsituation sowie die jeweiligen zeitgeschichtlichen und gesellschaftlichen Zusammenhänge zu beleuchten.
Das lat. Wort "novella" bedeutet "Neuerung in einem Gesetz". Daraus leitet sich ital. "novella" ab, das eine Erzählung als Neuheit bezeichnet. In einer Novelle wird ‑ nach Goethe ‑ eine "sich ereignete, unerhörte Begebenheit" dargestellt. Meist geht es darum, wie das Schicksal eines Menschen in einer schwierigen Lage, einer inneren oder äußeren Krise, eine Änderung erfährt und plötzlich eine Wende nimmt. Oft bezieht sich dabei die Handlung auf einen Gegenstand, an dem sich der Einfluss des Schicksals besonders deutlich zeigt und spiegelt. Die Form der Novelle soll kurz, aber straff sein und auf den Höhepunkt der Erzählung, den Wendepunkt, hinzielen. Insofern ist sie mit der Anekdote verwandt, hat aber auch Ähnlichkeit mit dem Drama, das ebenfalls straff zum Höhepunkt der Handlung hinstrebt und kurz ausklingt.
Wer erzählt die Novelle?
Theodor Storm hat die Geschichte in eine zweifache Rahmenhandlung eingebettet.
Zunächst begegnet dem Leser als Erzähler der Autor selbst. Dieser berichtet davon, dass er, als er zu Besuch bei seiner Großmutter weilte, gerne in Zeitschriften blätterte und dabei auf die Geschichte vom Schimmelreiter stieß.
Als nächstes tritt nun der betreffende Redakteur als Ich‑Erzähler auf und berichtet, wie er eines Abends bei heftigem Sturm auf dem Hauke‑Haien‑Koog ritt und dem "Schimmelreiter" in Form eines Geistes begegnete. Kurze Zeit später findet der Redakteur Unterschlupf in einem Gasthof, wo er auf den alten Schulmeister trifft. Dieser erzählt nun die eigentliche Novelle vom Deichgrafen Hauke Haien, der als Schimmel‑ und Teufelsreiter bekannt wurde.
Wovon handelt die Novelle?
Der ehrgeizige und tatkräftige Hauke Haien heiratet die Tochter des Deichgrafen und wird dessen Nachfolger. Er entwickelt den kühnen und genialen Plan, einen neuen Deich mit einem sanfteren Abfall zur Seeseite zu bauen, der besser vor Sturmfluten schützen und dem Meer viel Land abgewinnen soll. Dem Tatendrang Haukes steht die Tätigkeit der Dorfbewohner gegenüber. Deren Widerstand beruht auch auf Aberglauben, der noch genährt wird, als der Deichgraf einen verkommenen Schimmel kauft, der unter seinen Händen prächtig gedeiht


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Wovon handelt die Novelle?
Der ehrgeizige und tatkräftige heiratet die Tochter des und wird dessen Nachfolger. Er entwickelt den kühnen und genialen Plan, einen mit einem sanfteren Abfall zur Seeseite zu bauen, der besser vor schützen und dem Meer abgewinnen soll. Dem Tatendrang Haukes steht die Tätigkeit der gegenüber. Deren Widerstand beruht auch auf , der noch genährt wird, als der Deichgraf einen verkommenen kauft, der unter seinen Händen prächtig gedeiht,


3. Die Personen
Tede Haien ‑ der Vater Haukes
Tede Haien ist der alte und allein erziehende Vater von Hauke. Nachdem er die Intelligenz und den Ehrgeiz seines Sohnes erkannt hat, akzeptiert er dessen Verbissenheit, Deichgraf zu werden. So hinterlässt er ihm auch ein durch jahrelange Sparsamkeit erworbenes Stück Land und verhilft Hauke somit zu dem Grundbesitz, den dieser braucht um überhaupt Deichgraf werden zu können.
Trin' Jans ‑ die abergläubische Alte
Trin' Jans ist eine alte abergläubische Frau, die allein in ihrem Häuschen in der Nähe des Binnenweges am Deich lebt. Ihr einziger Gefährte ist ein Angorakater, den ihr verstorbener Sohn zurückgelassen hat. Als eines Tages der junge Hauke den Kater mutwillig umbringt, verflucht ihn die Alte. Später, als Trin' Jans sich nicht mehr selbst versorgen kann, holt der inzwischen Deichgraf gewordene Hauke sie zu sich nach Hause. Dort entwickelt sich eine innige Beziehung zwischen ihr und Haukes Tochter, der kleinen Wienke. Auf ihrem Sterbebett prophezeit Trin' Jans das bevorstehende Unglück ‑ den Deichbruch.
Tede Volkerts ‑ der alte Deichgraf
Tede Volkerts ist der ehemalige Deichgraf und lebt mit seiner Tochter Elke zusammen auf einer hohen Werfte. Er ist sehr behäbig und faul, verspeist gerne Entenbraten und lässt lieber andere die Arbeit erledigen. So überträgt er auch Hauke, den er zunächst als Kleinknecht eingestellt hat, die notwendigen Rechen‑ und Schreibarbeiten. Die meiste Zeit verbringt er mit sorgenlosem Schlafes kurzum, er nimmt seine Aufgaben ah Deichgraf nicht besonders ernst
Elke ‑ die treue Ehefrau Haukes
Schon bei seinem ersten Besuch im Hause des alten Deichgrafen finden Hauke und Elke Gefallen aneinander. Sie gestehen sich ihre Liebe, warten aber mit der Hochzeit, bis der alte Deichgraf verstorben ist. Indem Elke ihren ererbten Grundbesitz auf Hauke übertragen lässt, verhilft sie ihm in die Position des neuen Deichgrafen. Sie ist eine kluge Frau, immer hilfsbereit und bringt den ehrgeizigen Plänen Haukes viel Verständnis entgegen, obwohl dieser wenig Zeit für sie hat.
Jewe Manners ‑ der Pate Elkes
Jewe Manners ist ein alter Deichgevollmächtigter und Pate von Elke. Er hat hohes Ansehen unter der Gevollmächtigten und eine wichtige Stimme, wenn es um Deichfragen geht. Er lobt die Weitsicht und das Engagement Haukes, gibt ihm Ratschläge und bildet so für Hauke einen wichtigen Rückhalt in der Auseinandersetzung mit der Dorfbevölkerung.
Wienke ‑ die lang ersehnte Tochter
Wienke ist das einzige, lang ersehnte Kind von Elke und Hauke. Die Eltern müssen jedoch erkennen, dass ihre Tochter schwachsinnig ist und immer ein Kind bleiben wird. Ihre einzigen Spielkameraden sind eine Möwe und ein kleiner Hund. Ihre Eltern aber lieben sie und möchten ihre zärtlichen Umarmungen nicht missen.
Ole Peters ‑ der Widersacher Hauke
Ole Peters ist der Großknecht des alten Deichgrafen Tede Volkerts und wird von diesem sehr geschätzt. Deshalb ist er auch eingeschnappt, als der Kleinknecht Hauke die rechte Hand des Deichgrafen wird und die Drecksarbeiten nur noch an ihm hängen bleiben. Er ist eifersüchtig auf Hauke und verbreitet Gerüchte über ihn. Später heiratet er Vollina Harden und wird Deichgevollmächtigter als Nachfolger von Jewe Manners, was Hauke sehr zu schaffen macht, da er ihm oft ins Handwerk pfuscht.
4. Der Aberglaube
Aberglaube ‑ eine vergangene Erscheinung?
Der Aberglaube der Dorfbevölkerung beeinträchtigt Hauke Streben sehr. Er versucht neue Ideen zu verwirklichen und verurteilt jeglichen "Altweiberglauben", setzt sich dadurch aber von den anderen ab, die an dem Alten festhalten und das Neue, Unbekannte verteufeln. Da er auch nicht auf die anderen zugeht, wird der Gegensatz immer größer. So fangen die Menschen an zu vermuten, Hauke habe einen Pakt mit dem Teufel geschlossen. Aus der Vermutung wird für sie Gewissheit, und alles, was dazu passt, wird als Bestätigung genommen.
Heutzutage wächst eine neue Neigung zum Aberglauben, auch Okkultismus genannt. Schüler befragen vielfach das Pendel, schieben Gläser oder rücken Tische, um mit Geistern in Verbindung zu treten. Wie selbstverständlich stehen in fast jeder Zeitung auch Horoskope. Neu im Trend sind auch Armbänder aus Halbedelsteinen, die verschieden Gefühle wecken sollen.
5. Der Deichbau
Seit langer Zeit schon kommt es auf der Erde zu regelmäßigen Flutkatastrophen durch Stürme, Regen oder andere Ursachen. Diese Fluten waren besonders im Mittelalter mit Tod und Zerstörung verbunden. Betroffen waren vor allem die Gebiete an der Nordseeküste. Hier kam es zu besonders schweren Katastrophen mit bis zu 200.000 Toten im Jahre 1362. Viele Orte und Inseln versanken im Meer. Die Vorsichtsmaßnahmen reichten oft nicht aus und die damaligen Deiche hielten großen Fluten nur begrenzt Stand. Wer früher direkt an der Küste lebte, war in ständiger Gefahr
Deiche schützen das Land vor den Sturmfluten der Nordsee.
Seit Menschen in unmittelbarer Nachbarschaft mit der See leben, haben sie sich bemüht, Schutzwälle vor dem Ansturm der Fluten zu errichten. Deshalb blickt der Deichbau an der Nordseeküste auf eine uralte Tradition zurück, die ersten Deiche entstanden bereits 1000 n. Chr.
Heute wie früher sind die Menschen hinter den Deichen nicht ganz vor Sturmfluten sicher. Bei der schweren Marcellusflut 1362 ertranken rund 100.000 Menschen, und noch 1962 waren es einige hundert ‑ allein in Niedersachsen brachen die Deiche an 61 Stellen.
Wie früher die Deiche ‑ noch von Hand ‑ gebaut wurden berichtete schon 1754 der Jeverländische Deich‑ und Sielrichter Albert Brahms: Deichbau war nur im Sommerhalbjahr möglich, weil nur dann keine Sturmflut zu erwarten und der Deichboden verarbeitbar war. Dazu mussten von weit her mehr als 1000 Arbeitskräfte, die so genannten Koyer, an die Küste geholt werden. Sie kampierten nahe der Deichbaustelle in
primitiven Hütten. In Marketenderzelten erhielten sie Brot" Speck" Bier und Branntwein zur Verpflegung. Die Arbeitszeit betrug täglich 12 bis 14 Stunden. Der schwere Kleiboden wurde aus so genannten Pütten gegraben., auf Karren geladen und Über Holzbohlen zur Deichbaustelle geschoben. Neun bis 12 Koyer stellten einen Ploog" eine Püttmannschaft, die sich unter der Leitung eines Püttmeisters um ein Deichpfand, eine Strecke von 30 Metern bewarben. Die Wochenarbeitszeit betrug sechseinhalb Tage. Pro Tag konnte ein Ploog ungefähr 45 Kubikmeter Boden aus der Pütt in den Deich schaffen. Für einen drei Kilometer langen Deich haben damals 1000 Mann bei einer Arbeitszeit von 80 Stunden pro Woche 400 000 Kubikmeter Kleiboden gewonnen" transportiert und eingebaut. Das entspricht ungefähr 8.000.000 Karren.
Heute wird diese Arbeit von wenigen qualifizierten Arbeitskräften mit schweren Baumaschinen in wesentlich kürzerer Zeit durchgeführt. Die Bauleistung eines Deichbauarbeiters liegt heute 70 bis 100 Mal höher wie zu Zeiten von Albert Brahm
Deichbau früher und heute
Die Verantwortlichkeit für den Bau und den Schutz der Deiche lag früher bei den Bewohnern der
Marschen (Landbesitzer und Bauern). Es bestand damals eine ganz einfache Rechtsgrundlage für
den einzelnen, die lautete: "Wer nich will dieken, der mut wieken!"
Alle Bewohner waren sich darüber einig, dass der Deichbau die wichtigste gemeinsame Aufgabe zur
Erhaltung und Sicherung des Lebensraumes war. 1866 zum Beispiel begann die Eindeichung
des "Morsum‑Kooges". wurden 150 Pferdegespanne und 1200 Mann für die Karrenmannschaft benötigt. Heute
jedoch ist der Küstenschutz Aufgabe des Staates (Bund und Länder) und wird durch Steuermittel finanziert.
Der Deichbau an der Nordseeküste hat eine lange Tradition, die ersten Deiche entstanden bereits 1000 n. Chr. Wie man der folgenden schematischen Darstellung entnehmen kann, wurde das Profil der Deiche im Laufe der Geschichte stark verändert.

Haukes Idee eines neuen Deichs
"...Und von dem Deiche, auf dem er stand, über den Priel hinweg, zog er in Gedanken eine Linie... Die Linie aber, welche er unsichtbar gezogen hatte, war neuer Deich, neu auch in der Konstruktion seines Profiles..." (S. 69)
"Vor dreißig Jahren ist der alte Deich gebrochen; dann rückwärts vor fünfunddreißig, und wiederum vor fünfundvierzig Jahren; seitdem aber, obgleich er noch immer steil und unvernünftig dasteht, haben die höchsten Flut uns verschont. Der neue Deich aber soll trotz solcher hundert und über hundert Jahre stehen; denn er wird nicht durchbrochen werden, weil der milde Abfall nach der Seeseite den Wellen keinen Angriffspunkt entgegenstellt." (S.89)
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6. Übungen
1. Übung
Der Gebrauch von Adjektiven, Partizipien und Adverbien
? suche in den angegebenen Textstellen die Adjektive, Partizipien und Adverbien
heraus. Was fällt dir auf? (S. 37, Z. 18 bis 35 und S. 113, Z. 17 bis 35)
Die Sonne wir endlich schon hinter den Deich hinabgesunken; statt ihrer glimmte ein rotvioletter Schimmer empor; mitunter flogen schwarze Krähen vorüber und waren auf Augenblicke wie vergoldet es wurde Abend. Auf den Fennen aber rückte der dunkle Menschentrupp noch immer weiter von den schwarzen schon fern liegenden Häusern nach der Tonne zu; ein besonders tüchtiger Wurf mußte sie jetzt erreichen können. Die Marschleute waren an der Reihe Hauke sollte werfen. Die kreidige Tonne zeichnete sich weiß in dem breiten Abendschatten, der jetzt von dem Deiche über die Fläche fiel. „Die werdet ihr uns diesmal wohl noch lassen!“ rief einer von den Geestleuten; denn es ging scharf her, sie waren um mindestens ein halb Stieg Fuß im Vorteil. Die hagere Gestalt des Genannten trat eben aus der Menge; die grauen Augen sahen aus dem langen Friesengesicht vorwärts nach der Tonne; in der herabhängenden Hand lag die Kugel. (S. 37, Z. 18 bis 35)
War es der Vogel seines Kindes? Hatte er Roß und Reiter erkannt und sich bei ihnen bergen wollen? ‑ Der Reiter wußte es nicht. „Vorwärts!“ rief er wieder, und schon hob der Schimmel zu neuem Rennen seine Hufe, da setzte der Sturm plötzlich aus, eine Totenstille trat an seine Stelle, nur eine Sekunde lang, dann kam er mit erneuter Wut zurück, aber Menschenstimmen und verlorenes Hundegebell waren inzwischen an des Reiters Ohr geschlagen, und als er rückwärts nach seinem Dorf den Kopf wandte, erkannte er in dem Mondlicht das hervorbrach, auf den Werften und vor den Hinsein Menschen an hochbeladenen Wagen umher hantierend, er sah, wie im Fluge, noch andere Wagen eilend nach der Geest hinauffahren; Gebrüll von Rindern traf sein Ohr, die aus den warmen Ställen nach dort hinaufgetrieben wurden. „Gott Dank! sie sind dabei, sich und ihr Vieh zu retten!“ rief es in ihm; und dann mit einem Angstschrei: „Mein Weib! Mein Weib! ‑Nein, nein; auf unsere Werfte steigt das Wasser nicht!“ (S. 113, Z. 17 bis 34)
2. Übung
Die Landschaft Nordfrieslands
Versetze dich, in die Lage von Iven Johns, des Knechts des Deichgrafen.Er steht auf dem Deich und sieht zum erstenmal das unheimliche Pferd auf Jevershallig.
Finde Adjektive, welche die Landschaft beschreiben, die er sieht.
(S. 64, Z30 bis S. 65, Z. 4)
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3. Übung
? Lies die angegebene Textstelle nochmal genau durch. Schreibe sie anschließend um, indem du auf Naturdarstellungen fast völlig verzichtest. (S. 112,Z.35 bis S.113, Z.7)
Der Deichgraf Hauke Haien jagte auf seinem Schimmel dem Deiche zu. Der schmale Weg war grundlos; denn die Tage vorher war unermeßlicher Regen gefallen; aber der nasse, saugende Kiel schien gleichwohl die Hufe des Tieres nicht zu halten, es war, als hätte es festen Sommerboden unter sich. Wie eine wilde Jagd trieben die Wolken am Himmel; unten lag die weite Marsch wie eine unerkennbare, von unruhigen Schatten erfüllte Wüste; von dem Wasser hinter dem Deiche, immer ungeheurer, kam ein dumpfes Tosen, als müsse es alles andere verschlingen. "Vorwärts, Schimmel!" rief Hauke; "wir reiten unseren schlimmsten Ritt!"
L Deine Version
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7. Der Autor
Theodor Storm ‑ der Autor der Novelle
Hans Theodor Storm wurde am 14. September 1817 in Husum geboren. Sein Vater Johann Casimir Storm war gelernter Advokat, seine Mutter Lucie Woldsen stammte aus einer alten Patrizierfamilie. Mit neun Jahren besuchte Storm die Gelehrtenschule in Husum. Anschließend (1835) ging er auf das Katharineum, ein Gymnasium in Lübeck. Später studierte er fünf Jahre Jura auf den Universitäten Kiel und Berlin. Nachdem er sein juristisches Examen abgelegt hatte, kehrte er in seine Heimatstadt Husum zurück und ließ sich dort als Rechtsanwalt nieder. Wichtiger aber war ihm das literarische Schaffen. Storm schrieb Gedichte, Märchen, Erzählungen und besonders Novellen, seine Vorbilderwaren Eduard Mörike, Joseph von Eichendorff und Heinrich Heine. 1846 heiratete Storm zur Überraschung der Familie seine Kusine Constanze Esmarch. Nach der Geburt des ersten Sohnes Ernst (1853) folgten drei weitere Kinder. Mit vierzig Jahren starb seine Frau, daraufhin schloss er ein weiteres Mal den Bund der Ehe, und zwar mit seiner früheren Geliebten Dorothea Jensen. 1888 schrieb Storm sein letztes und erfolgreichstes Werk: die Novelle "Der Schimmelreiter". Noch im gleichen Jahr erlag einer schweren Erkrankung und starb am 4. Juli.
Storms Wohnzimmer 1868 ‑ 1880
Storms »Poetenstübchen»


Theodor Storm Storms „Schimmelreiter" ‑Manuskript (Faksimile der ersten Seite),
70. Lebensjahr wie es der Dichter Anfang Februar Februar 1888 an den Verleger Paetel in Berlin abgeschickt hat.
