Rainer Maria Rilke
Herbsttag
Herr: es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
und auf den Fluren lass die Winde los.
Befiehl den letzten Früchten
voll zu sein;
5 gib ihnen noch zwei südlichere Tage,
dränge sie zur
Vollendung hin und jage
die letzte Süße
in den schweren Wein.
Wer jetzt
kein Haus hat, baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein
ist, wird es lange bleiben,
10 wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
und wird in den
Alleen hin und her
unruhig wandern,
wenn die Blätter treiben.
Allgemeine Vorbereitung
Tageslichtprojektor
(OH P), Kassettenrecorder, Diaprojektor, Tafel, Kreide, Lesebuch, Arbeitsblatt,
Heft
Unterrichtsverlauf Medien
Musikkassette:
Meditationsmusik Recorder
z. B. „Land of Enchantment”. 2. Stück
Diapositive; Herbstbilder Projektor
Brainstorming: Herbst TA
Die Schüler sammeln spontan Begriffe, die ihnen TA
zu dem Impuls Herbst einfallen
Textbegegnung:
Lehrervortrag
„Herbsttag“ von Rainer
Maria Rilke kurze Besinnungspause Spontanäußerungen der Schüler
Sprachbetrachtung:
Schüler
lesen das Gedicht leise. Folie/OHP
Impuls: „Der Sommer war sehr groß“ —
Sag mit deinen Worten, was damit gemeint ist. TA
Der Dichter spricht zu jemanden.
Wie würdest du diese Anrede bezeichnen? TA
Provokation: Was hat die 3. Strophe mit den
schönen Bildern des Herbstes zu tun?
Schüleräußerungen TA
Schüler lesen
das Gedicht laut, AB austeilen! AB
Impuls: Das Gedicht wird von
Strophe zu Strophe
schwerer.
Begründe mithilfe der äußeren Form des
Gedichts!
Rainer Maria Rilke
Wer war der Dichter?
Suche die Daten in Lesebuch oder
in einem Lexikon. TA
Trage nun in dein Arbeitsblatt ein!
Rilkes Gedicht „Herbsttag“
1. Inhalt und Form
Rilkes Herbstgedicht „zeigt einen kunstvollen
Aufbau: drei um jeweils einen Vers vermehrte Strophen (drei Verse, vier Verse,
fünf Verse). Diese steigende Form entspricht der Steigerung im Gehaltlichen“.
Rilke wendet sich an Gott mit der
Ansprache „Herr“. Die Sehnsucht nach Erfüllung („es ist Zeit“) kommt zum
Ausdruck. In der ersten Strophe geht es um Vollendung für das Land, dann in der
zweiten für die Früchte und in der dritten für den Menschen. Hier wird auch
darauf hingewiesen, dass der Herbst für den Menschen auch Unangenehmes mit sich
bringen kann (Alleinsein, Unruhe, Einsamkeit.
2. Problematik
Es ist die Frage, ob in diesem Gedicht des Dichters
eigenstes Anliegen (Gläubigkeit) zur Gestaltung kommt oder ob er nur darauf hinweisen
wollte, dass es bei „Land und Früchten Gott allein entscheidet, beim Menschen
das jedoch anders ist: er vermag mit zu entscheiden.“
3. Entstehungszeit und Entstehungsumstände
Das Gedicht entstand im September 1902 in Paris. Rilke, des Familienstipendiums
verlustig, entwarf damals ein Lebenskonzept. Obwohl Atheist, ist er offenbar
mit Gott im Reinen.
4. Lernziele
Die Schülerinnen und Schüler sollen den
Stimmungsgehalt des Gedichtes erfühlen und deuten können, die bildhafte Sprache
verstehen, sich zum Thema Herbst äußern, zu Herbstbildern sprechen. Stimmungen
und Eindrücke verbalisieren und das Gedicht sinngestaltend lesen.
Rainer Maria
Rilke: Herbsttag
Tafelbild
Herbst Laub, Obst, Trauben, Sonne, Drachensteigen, leere Felder, bunte Blätter, Nüsse u. a. |
Herbsttag 1.
Der Sommer war heiß, er war schön; er brachte viele Früchte 2.
Bitte an den Schöpfer Der Natur (Gott) 3.
Herbst meint auch Einsamkeit, Trauer, Dunkelheit,
Lebens- ende |
Rainer
Maria Rilke *
1875 Prag gest. 1926 Montreux/ Schweiz |
Rainer Maria Rilke:
Herbsttag
Arbeitsblatt
1. Der Sommer war sehr groß.
Sage mit deinen Worten, was
damit gemeint ist!
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2. Der Dichter spricht zu jemanden:
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3. Herbst meint auch
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Der Dichter:_____________________________________________________
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gest._____________________________________________