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6. Textarbeit: Wenn Europas Wälder schwinden
6.1 Erstellen Sie eine Überblicksinformation. Von wem, Textsorte, Thema, Aussage?
6.2 Verfassen Sie eine Inhaltsangabe in Form von Überschriften.
6.3 Welche Absicht verfolgt der Autor?
6.4 Mit welchen sprachlichen Mitteln versucht der Autor dies zu erreichen? |
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Textaufgabe: Wenn Europas Wälder schwinden Als Napoleon 1799 von seinem misslungenen Feldzug nach Ägypten und Syrien zurückkehrte, wusste er, wie Wüste aussieht. Und er war entsetzt über die Ähnlichkeit der Landschaft in Nordafrika und Südfrankreich. Seit der Revolution standen die Adelswälder dem Volk offen. Es hatte sich nach langer Notzeit, in der Bauholz und Brennholz katastrophal knapp geworden 5 waren, gründlich bedient. Die Ursachen der Knappheit waren für jedermann sichtbar gewesen. Es gab immer mehr Menschen und Schiffe. Land wurde "urbar" gemacht Die Präfekten und Parlamentarier der Departements lagen Napoleon in den Ohren mit ewigen Klagen über Dürreschäden, Hochwasser und Erosion. Er tat, was das Politiker tun, wenn Entscheidungen fällig sind: er ordnete wissenschaftliche Untersuchungen an 10 In einer von ihnen wird geschildert, wie Weltreiche untergingen, Nationen verkümmerten, fruchtbare Regionen unbewohnbar wurden, weil man die Wälder abgeholzt hatte. Die Quintessenz: "Die Natur bindet auf geheimnisvolle Weise das Schicksal der Sterblichen an das der Wälder." Dieser Tage wurde die dritte europäische Waldschadenserhebung bekannt. Ihre dürre Auskunft: 15 Das langsame Siechtum, die Krankheit zum Tode, geht weiter. 24 Länder haben ihre Daten über das Jahr 1988 eingereicht. Sie bieten keine Überraschung außer der, dass nun auch in Großbritannien Waldschäden zugegeben werden. Überall verschwinden langsam jene alten Wälder wieder, die seit dem Beginn des vorigen Jahrhunderts unter dem Eindruck des Wüstenschocks und der Energieknappheit in Europa 20 begründet wurden. Auch wenn die Fläche zunehmen mag, weil landwirtschaftlich Grenzer- tragsböden aufgeforstet werden, gehen doch Vitalität und Qualität der Bestände dahin. Monokulturen von rasch wachsenden Nutzholzbäumen wie der Fichte sind empfindlich gegen Abgase aus Öfen, Fabriken, Kraftwerken und Auspuffen; aber auch gegen die sich häufenden extremen Wettererscheinungen: Dürre, trockener Frost, schwerer Schnee, Eisregen, warme 25 Winter und die daraus folgenden Schädlingswellen. Der Schwefel aus den Steinkohlewälder der Vorzeit vergiftet die alten Bäume, das Wild frisst die jungen. Der Wald wird dünn Zu den wenigen Zeichen der Hoffnung gehört, dass sich die Wissenschaftler nach jahrelangen Debatten des Waldsterbens einig sind: Luftschadstoffe sind die ersten und wichtigsten Schadenstifter. Die intensive Forschung habe, sagte Staatssekretär Gallus, der den Bericht 30 vorstellte, aber auch zu der Erkenntnis geführt, dass man die Schadstufe 1 differenziert betrachten müsse. Wenn in südeuropäischen Ländern die Bäume als Reaktion auf Trockenperioden einen Teil ihres Laubes abwerfen, dann sei das natürlich und kein Waldschaden. Richtig: Nur werden sich diese natürlichen Reaktionen häufen, weil es öfter als bisher Trockenperioden geben wird, nicht nur in südlichen Ländern, sondern auch in Mitteleuropa. Der Klimawandel hat begonnen, weil der ungehemmte Ausstoß von Kohlendioxid seit Beginn der Industrialisierung mindestens zur Hälfte zum Treibhauseffekt beiträgt, durch den die Erde wärmer wird. Gegen die anderen Verursacher ‑ wie FCKW in Schaumstoffen, Kühlaggregaten und Spraydosen ‑ formiert sich erster international organisierter Widerstand, weil die 40 Stichwörter Ozonloch und ‑ vor allem ‑ Hautkrebs die öffentliche Meinung, also die Politiker munter gemacht haben. Gegen das Verbrennen von Kohle, Öl, Erdgas und Holz formiert sich bislang international noch nichts. Aus ihrem Feuer entsteht ja Wirtschaftswachstum, wenigstens bis zur nächsten Wahl Können Industrieländer ohne Wald, der den Menschen Erholung bietet und den Fabriken eine gleichmäßige Wasserführung garantiert, Industrieländer bleiben? Anders als die nur international lösbaren Probleme Ozonloch und Treibhauseffekt fällt diese Frage zuerst in unsere nationale Zuständigkeit und Verantwortung. Die Erhaltung unseres Waldes ist nicht nur für den deutschen Seelenhaushalt wichtig, sondern auch für das materielle Überleben. (Aus Christian Schütze: Wenn Europas Wälder schwinden, Süddeutsche Zeitung vom 2.13. März 198 7, überarbeitet) |