In letzter Zeit wird viel über Stammzellen und die
Möglichkeit der Züchtung von Organen gesprochen und diskutiert.
Dafür ist es gut etwas über die Entwicklung von Organen zu wissen.
Die Entwicklung von ganzen Organen ist natürlich recht komplex und
es gibt noch kein Organ, dessen Entwicklung voll verstanden wäre.
Daher versucht man Modelle zu finden, an denen die Entwicklung möglichst
einfach zu untersuchen ist. Dafür eignen sich einfache Organe bei
Drosophila oder Caenorabdithis elegans besonders.
Als Beispiel wird hier das äußere Geschlechtsorgan
von C. elegans, die Vulva, gewählt. Sie besteht lediglich aus 22 Zellen.
In dieser Hinsicht ist sie also nicht mit menschlichen Organen vergleichbar.
Auf der anderen Seite erfüllt sie die Bedingung, ein sehr einfaches
Modell für die Untersuchung der Induktion und Entwicklung eines Organs
zu liefern. Es wird deshalb hier zunächst die rein äußerlich
zu erkennende Entwicklung beschrieben. Was sich auf genetisch-molekularer
Ebene abspielt wird dann auf der Seite
Genetik
der Entwicklung der Vulva" beschrieben.
C. elegans entwickelt sich über 4 Larvenstadien
und besitzt als erwachsenes Tier 959 Zellen. Diese Zellzahl ist konstant
bei jedem Individuum.
Die Vulva ist ein röhrenförmiges Organ, über
das die Eier abgelegt werden und über das zugleich die Begattung ausgeführt
wird. Es stellt also die Verbindung der Geschlechtsorgane zur Außenwelt
her. Sie ist normalerweise geschlossen und wird durch den inneren hydrostatischen
Druck geschlossen gehalten, sie kann durch spezielle Muskeln geöffnet
werden (s. Abb. 1).
Zunächst ist an der Art C. elegans in einigen Hinsichten
manches ungewohnt. Z.B. gibt es keine Weibchen, sondern nur Zwitter und
Männchen. Die Männchen haben natürlich keine Vulva, sondern
einen Hoden, einen Ausführgang für die Samenzellen (Vas deferens)
und eine Spicula zur Begattung. Die Zwitter haben funktionstüchtige
weibliche und männliche Geschlechtsorgane. Dabei werden die Spermien
im letzten Larvenstadium produziert und dann in einer Spermatheka gespeichert.
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Abb. 1 Anatomie des Zwitters von Caenorhabditis elegansDurch die Beschriftung erklärt sich die Abb. weitgehend von
selbst. Es sei hier noch einmal darauf hingewiesen, dass das Ovar oder
der Eierstock zweiarmig ist. Beim Männchen ist es nur einarmig. (Zum
Vergleich von Zwitter und Weibchen füge ich am Ende zwei Abb. bei,
die einen Vergleich erlauben). Die Vulva, um die es hier vorwiegend geht,
hat ihre Öffnung nach außen ungefähr in der Körpermitte.
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Abb. 2 Entwicklung der verschiedenen Zelllinien bei Caenorabdithis elegans.Die Zygote teilt sich in die AB- und die P1-Zelle.
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Abb. 3(a) Schematische Wiedergabe der Lage der 12 Pn.p-Zellen im ersten Larvenstadium von C. elegans.
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Abb. 4 Entwicklung der Zellen, die die Vulva bilden.L1 = 1. Larvenstadium. Die Zellen P1.p bis P12.p sind dargestellt. Sie liegen in der ventralen Mittellinie. Die Gonade liegt darüber. L3 = 3. Larvenstadium. Die zwei vorderen und drei hinteren Zellen werden sich noch einmal teilen, aber es wird deutlich, dass aus ihnen keine Vulva-Zellen entstehen werden. Darunter blau die Ankerzelle und die Zellen P3.p bis P8.p und wie sie sich weiter teilen. P3p, P4p, P8p nehmen das Schicksal 30 an, d.h. sie verschmelzen
mit der Hypodermis, sie tragen also letztlich nicht zur Vulva bei.
P6p nimmt das Schicksal 10 an. Sie wird 8 Tochterzellen
hervorbringen, die die röhrenförmige Innenseite der Vulva bilden
werden.
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Abb. 5 Darstellung, welche Teile der Vulva von welchen Zellen gebildet werden.(a) Zusammenhang zu den wichtigsten Körperteilen. P3p bis P8p sind die Vorläuferzellen der gesamten Vulva. Sie werden VPC = Vulva precursor cells genannt. (b) Relative Lage der VPCs, der Ankerzelle und der Gonade. Die Ankerzelle stellt die Verbindung der Vulva zur Gonade her. (c) - (e) Durch drei Teilungen bildet P6p 8 Tochterzellen (s.a. Abb.4), die den Innenraum der Vulva bilden. P5p und P7p bilden nur 7 Tochterzellen, die sich auf jeweils ihrer Seite halbkreisförmig um die inneren Zellen legen. Abb. aus Kalthoff (s.u.) |
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Abb. 6 Schema der Anatomie des Zwitters und des Männchens von Caenorabdithis elegans nach Schemazeichnungen von Wood. |
Alberts, B. u.a. Molekularbiologie der Zelle VCH, Weinheim,
1997
Kalthoff, K. Analysis of Biological Development, Mc Graw
Hill, New York, 1996
Lambie, Eric J. Variations on a vulval theme Current
Biology 1994, 4:1128-1130.
Wolpert, L. u.a. Principles of Development, Oxford University
Press, 1998
Wood, W.B. The Nematode Caenorabdithis elegans, Cold
Spring Harbor, 1988
Kontakt:: Kontakt: Mario.Hupfeld@uni-konstanz.de
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