*

Neuere Ergebnisse zu Stammzellen und Vorläuferzellen

Zunächst möchte ich zwei Beispiele vorstellen, die zeigen, dass in manchen Fällen sowohl eine Therapie mit embryonalen Stammzellen als auch Therapien mit erwachsenen Stammzellen Erfolge bei Tieren gebracht haben.

Zunächst ein Beispiel für die Verwendung adulter Stammzellen:
Die Duchenne Muskeldystrophie ist eine genetisch bedingte Muskelerkrankung. Sie ist bedingt durch eine Deletion im X-Chromosom, welche zu einem Ausfall der Dystrophinsynthese führt, einem wichtigen Protein in den Muskelzellen. Bei Duchenne Patienten wird der Untergang der Muskelfasern und ein bindegewebsartiger Ersatz derselben festgestellt.
Bisherige Therapieformen waren relativ erfolglos.
Gussoni u.a. berichteten 1999 in Nature, dass sie bei der mdx-Maus, einem Tiermodell für die Duchenne Muskeldystrophie, verschiedene Stammzellpräparate übertragen haben und dass sie dadurch die Dystrophinherstellung wiederherstellen konnten. Dies gelang ihnen mit Stammzellen, die sie aus Skelettmuskeln von 3 bis 5 wöchigen Mäusen isolierten und sie in die Schwanzvene von letal bestrahlten mdx Mäusen injizierten. D.h. es handelte sich also um die Injektion von erwachsenen Stammzellen. Sie konnten Kerne der transplantierten Zellen neben den Dystrophin positiven Zellen nachweisen. Ihre Resultate legen den Schluss nahe, dass die übertragenen Zellen neues Muskelgewebe ausgebildet haben.
Das Wissen, wie Muskelstammzellen isoliert werden können, und dass sie, wenn sie über die Vene in den Körper eingebracht werden, sich im ganzen Körper ansiedeln können lässt für die Zukunft auf eine effiziente Therapie verschiedener Muskelerkrankungen im Menschen hoffen.

Die Verwendung von ES-Zellen brachte in folgendem Beispiel einen Erfolg:
Der Verlust von Herzmuskelzellen z.B. durch Herzinfarkt ist irreversibel. An der defekten Stelle wachsen Bindegewebszellen in die Herzwand, so dass die geschädigte Region vernarbt. Die vernarbe Region bleibt funktionell untätig, das heisst, durch den Verlust an Herzmuskelzellen nimmt die Kontraktionsfähigkeit und damit die Leistung des Herzens ab.
Der Verlust von Herzmuskelzellen z.B. durch Herzinfarkt ist irreversibel. An der defekten Stelle wachsen Bindegewebszellen in die Herzwand, so dass die geschädigte Region vernarbt. Die vernarbe Region bleibt funktionell untätig, das heisst, durch den Verlust an Herzmuskelzellen nimmt die Kontraktionsfähigkeit und damit die Leistung des Herzens ab.
Klug (1996) berichtete im  Journal of Clinical Investigations Folgendes:
Die Entstehung von Herzmuskelzellen während der Entwicklung von embryonalen Stammzellen, lässt sich am Erscheinen von spontan und rhythmisch kontrahierenden Zellen erkennen. Auch die Ausbildung der Vielkernigkeit dieser Zellen folgt dem selben Programm wie bei einer normalen Entwicklung.
Klug fand nun, dass durch eine einfache genetische Modifikation der embryonalen Stammzellen aus ihnen Herzmuskelzellen entstanden. Die so gewonnenen Herzmuskelzellen bleiben in Kultur stabil, und sie besitzen die Fähigkeit, sich in das Empfängerherz zu integrieren. Im Tiermodell konnten so gewonnene Herzmuskelzellen in die Herzen erwachsener Mäuse eingepflanzt und auch nach 7 Wochen nach der Implantation beobachtet werden.

Weitere neuere Ergebnisse:

Die Bildung neuer Blutgefässe als Antwort auf eine Verminderung oder Unterbrechung der Durchblutung bestimmter Gewebe ist die
natürliche Reaktion des Körpers um die Funktion des Organs aufrecht zu erhalten sowie um Schäden durch Sauerstoffmangel zu verhindern. Faktoren wie fortgeschrittenes Alter, Diabetes oder hoher Cholesterinspiegel können diese Angiogenese schwächen.  Im Blut von erwachsenen Menschen konnten nun von Kalka u.a. Endothelvorläuferzellen identifiziert werden. Diese stammen vom Knochenmark ab und sie besitzen zusammen mit den hämatopoietischen Stammzellen eine gemeinsame Vorläuferzelle. Diese Endothelstammzellen können wie die hämatopoietischen Stammzellen aus dem peripheren Blut isoliert werden. Kalka et al. (2000) gelang es, diese Endothelstammzellen ex-vivo zu vermehren. Um den therapeutischen Effekt einer Stammzellübertragung nachzuweisen, durchtrennten sie Mäusen Arterien in einem der Hinterbeine. Darauf erhielten sie eine Infusion von in vitro vermehrten Endothelstammzellen. Nach vier Wochen wurde die Kapillarisierungsdichte der behandelten Mäuse unter dem Lichtmikroskop untersucht, und es konnte ein eindeutiger positiver Effekt der Übertragung von ex-vivo vermehrten Stammzellen nachgewiesen werden. Diese Methode könnte auch am Menschen angewendet werden, um die Vaskularisierung von Geweben zu beschleunigen.

Palmer u.a. berichten (Mai 2001) in Nature davon, dass es ihnen gelungen ist aus totem Gehirngewebe Vorläuferzellen, die sich zu Nervenzellen etwickelt haben heranzuziehen. Sie isolierten diese Zellen aus einem 11 Wochen alten Embryo, der an Myofibromatosis gestorben war und aus dem Gehirn eines 27-jährigen, der ebenfalls gestorben war.

Krause u.a. (in der Zeitschrift Cell im Mai 2001) selegierten Stammzellen des Knochenmarks danach, welche sich am besten teilen konnten. Danach wurden sie in Mäuse verpflanzt, denen das Knochenmark durch radioaktive Strahlung zerstört worden war. Sie stellten dann anschließend fest, dass die implantierten Stammzellen nicht nur zum Aufbau des neuen Knochenmarks, sondern auch zur Regeneration der Lunge, des Darms, des Magens, der Leber und der Haut beigetragen hatten.
Das erweckt Hoffnung, dass diese Stammzellen viel plastischer sind, als man bisher für möglich gehalten hätte.

Zur Entdeckung multipotenter adulter Stammzellen aus dem Knochenmark s. hier

Adresse: Helmut Hupfeld, Katzenberg 11, 27283 Verden, Mario.Hupfeld@uni-konstanz.de
     Home