Neues zu adulten Stammzellen

Einleitung

Stammzellen haben zwei wichtige Eigenschaften: 1. sie können sich beliebig oft teilen und 2. sie können sich in differenzierte Zellen verwandeln.
In den letzten 3 Jahren wurde in einer Flut von Untersuchungen berichtet, dass sie sehr plastisch sein können, dass sich z.B. HSCs (hematopoietic stem cells) nicht nur in Zellen des Blutes differenzieren können, sondern auch zu Herz-, Leber-, Gehirn-, Nieren-, Lungen- und Muskelzellen u.a. differenziert werden können. Außerdem wurden sie nicht nur im Knochenmark gefunden, sondern auch in der Muskulatur.

Herkunft der HSCs

Die ersten Blutzellen werden im Dottersack der Säugetiere gebildet. Dort entstehen kernhaltige Erythrocyten. Man weiß nicht genau, ob die HSCs hier entstehen und in den Embryo wandern oder ob sie im Embryo selbst entstehen. Diese haben dann die Eigenschaft, dass sie im Embryo und im späteren adulten Tier alle Blutzellen erzeugen. Es kann sein, dass ein hemangioblast als Vorläufer von endothelialen und HSCs auftritt. Diese Vermutung wird durch neuere Untersuchungen gestützt. Es erscheint heute möglich, dass sich HSCs in jeden Zelltyp verwandeln lassen.
Blutzellen entstehen im ventralen Mesoderm. Dafür ist der BMP-Weg notwendig. Knock-out Mäuse in Bezug auf diesen Signalweg bilden nur wenig ventrales Mesoderm und kein Blut, was auch auf den Zebrafisch zutrifft.
Im vorderen lateralen Mesoderm gibt es eine AGM-Region (von ihr wird die Aorta, die Gonaden und der Mesonephros gebildet, daher die Abkürzung) in der wahrscheinlich auch die endgültigen HSCs entstehen. Das belegen Experimente an Küken und Xenopus. Bereits 1916 wurden Zellen in der ventralen Aortawand bemerkt. Von diesen glaubt man heute, dass sie die primären HSCs bilden. Diese Region ist bei allen Wirbeltieren konserviert. Wenn diese Zellen auch keine Erythrocyten bilden, so wandern sie doch in die fetale Leber und in das Knochenmark ein, um dort die Blutzellen zu bilden.
In Kultur kann man mit BMP-4 die HSCs am Leben erhalten. Es existiert aber bisher kein System, in dem HSCs sich dauerhaft vermehren können.

Stroma oder Mikroumgebung

HSCs sind in ein Stroma eingebettet, das sehr schwer nachzuahmen ist und das ein Gerüst für ihre Entwicklung bildet und daher eine wichtige Rolle spielt. In diesem Stroma befinden sich MSCs (mesenchymal stem cells), glatte Muskelzellen, endotheliale Zellen u.a. Aus den MSCs können sich andere Zelltypen entwickeln (Knochen-, Knorpel- Fettzellen). Außerdem befinden sich extrazelluläre in diesem Stroma Matrixproteine und lösliche Proteine.
Kürzlich wurde ein hochplastischer Zelltyp im Knochenmark entdeckt. Man findet ihn bei Mäusen, Ratten und Menschen. Er konnte in vitro 1 Jahr gezüchtet werden, ohne dass er seine Teilungsfähigkeit verlor. Danach konnte er noch in verschiedene Zelltypen differenziert werden. Unter verschiedenen Kulturbedingungen konnten sich diese Zellen in Knochen-, Knorpel-, Fett-, Muskelzellen und endotheliale Zellen differenzieren. Dieser Zelltyp wurde MPC (mesodermal oder multipotent progenitor cell) getauft. Dieser Zelltyp kann für Transplantationen zur Regeneration defekten Gewebes oder für Gentherapien verwendet werden.

Neubildung von Muskulaturaus HSCs

Es gibt viele Studien, die belegen, dass sich HSCs in Muskelzellen verwandeln lassen. In einer Untersuchung wurde gezeigt, dass nach Knochenmarkstransplantation und der zusätzlichen Verletzung der Muskulatur, diese sich auch regenerierte, was zeigt, dass die HSCs dorthin wandern müssen. Dann versuchte man Mäusen, die unter Muskeldystrophie litten Knochenmark zu transplantieren und es stellte sich heraus, dass tatsächlich Muskulatur regeneriert wurde. Die Regeneration war aber nicht so, dass man von einer Heilung reden konnte. Aber es ist durchaus als vielversprechender Ansatz zu sehen.

Neubildung von Herzgewebeaus HSCs

Bei Mäusen und Ratten wurde gezeigt, dass nach einem Herzinfarkt HSCs in der Lage waren, neues Herzgewebe zu bilden, wenn sie in das verletzte Gewebe injiziert wurden. Das wurde auch bei der Ratte in einer anderen Studie mit HSCs von Menschen gezeigt, die aber in die Blutbahn und nicht direkt in das verletzte Gewebe injiziert wurden.
Es wurde sogar gezeigt, dass eine Verbesserung der Heilung durch Zugabe bestimmter Faktoren erreicht werden konnte. Worauf die Verbesserung im Einzelnen zurückzuführen ist, läßt sich noch nicht sagen. Es kann zu besserem Gefäßwachstum oder verminderter Apoptose beitragen.
Im Augenblick laufen Versuche am Menschen, ob die Gabe bestimmter Wachstumsfaktoren zu einer verbesserten Heilung bei Herzinfarkten führen kann.
Lagasse u.a. konnten erreichen, dass in Mäusen, die in der Leber das Enzym FAH, das für den Tyrosinstoffwechsel zuständig ist, nicht bilden, ihr Gewebe zu 30 bis 50% durch HSCs so regeneriert werden konnte, dass sich ihre Leberfunktion normalisierte.

Quellen:

Krause, D.S., Gene Therapy, (2002) 9, 754-758
Orkin, S.H. u. L.I. Zon, Nature Immunology (2002), 3, 323-328,

Adresse: Helmut Hupfeld, Katzenberg 11, 27283 Verden, Mario.Hupfeld@uni-konstanz.de
     Home