Transcriptionsfaktoren sind Proteine, die Gene an- oder abschalten können. Für diesen Zweck besitzen sie eine Domäne, mit der sie an DNA binden können und weitere Domänen zur Aktivierung des Gens. Ihre Arbeitsweise wird in der folgenden Abbildung dargestellt:
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Abb. 1
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In jeder Zelle sind zu einer bestimmten Zeit immer viele Transcriptionsfaktoren aktiv. Dadurch werden die für den speziellen Zelltyp benötigten Enzyme hergestellt. In einer Leberzelle sind also andere Transcriptionsfaktoren aktiv als in einer Herzzelle. Die Sache kann aber noch komplizierter sein, wenn die Proteine A oder B z.B. ihrerseits Transcriptionsfaktoren sind. Dann schalten sie weitere Gene an oder aus.
Entwicklungskontrollgene steuern die Entwicklung
eines Organismusses. Sie sind Transcriptionsfaktoren, d.h. es handelt
sich um Proteine, wie sie oben beschrieben wurden.
Maternal effect genes sind nun diejenigen Gene, die ganz oben in der
Hierarchie der Entwicklungskontrollgene stehen (wie hier X), d.h. sie
müssen als erste aktiv werden. Der Name deutet an, dass sie
nicht vom Embryo selbst produziert werden, sondern von der Mutter
(maternal) und dass ihr Produkt, ein Protein, einen Effekt im Ei
auslöst. Die RNA der Entwicklungskontrollgene wurde von der
Mutter vorher in das Ei transportiert.
Das Eigenartige an diesen Genen besteht darin, dass der Embryo
völlig gesund in Bezug auf dieses Gen sein kann und trotzdem
stirbt, weil die Mutter ihm eine defekte RNA geliefert hat. Ein
Beispiel für ein solches Gen ist bicoid (bcd) bei Drosophila.
Das BCD-Protein ist für die Ausbildung der Längsachse
der Larve von Drosophila verantwortlich. Seine mRNA wird am vorderen
Eipol gebunden, so dass sie nur hier das BCD-Protein produzieren kann.
Vom vorderen Eipol aus diffundiert das produzierte Protein entsteht zum
hinteren Ende des Eis und es entsteht daher ein
Konzentrationsgefälle, vorne ist die Konzentration hoch,
hinten sehr niedrig. Dadurch wird am vorderen Pol der Kopf gebildet,
weil das BCD-Protein nun andere Gene anschaltet, die dafüt
notwendig sind. Fehlt das BCD-Protein oder ist es defekt, so entsteht
eine Larve ohne Kopf und mit zwei Hinterteilen.
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Abb 2.
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Abb. 3
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Wie die bicoid-mRNA in das Ei kommt zeigt folgende Abb. 4
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Abb. 4
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Mit dem folgenden Experiment wird nun die Wirkung der bicoid-mRNA demonstriert:
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Abb.5
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Maternale Effektgene gibt es nicht nur bei Drosophila oder Insekten, sondern auch bei Säugetieren und dem Menschen. Ein Beispiel für ein solches Gen ist das Gen Stella bei der Maus. Die Nachkommen der Mütter bei denen Stella mutiert ist sind stark in ihrer Fruchtbarkeit eingeschränkt.
Das BCD-Protein ist darüber hinaus ein sog. Morphogen. Das sind Substanzen, die das Schicksal von anderen Zellen in Abhängigkeit von ihrer Konzentration determinieren. In gesunden Embryonen liegt das BCD-Protein in einem relativ steilen Konzentrationsgradienten vor von einer sehr hohen Konzentration ganz vorn bis zu einer sehr niedrigen Konzentration am Ende des Eis. Dort wo die Konzentration hoch ist, "wissen" die Zellen, dass sie ein Vorderende der Larve bilden sollen, dort wo die Konzentration niedrig ist wird ein Hinterende gebildet.
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Mario.Hupfeld@uni-konstanz.de
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