Was ist überhaupt
ein Hoxgen?
Schon die Art der Auswirkung einer Mutation solcher Gene ist
völlig überraschend und wird seltsamerweise auf der
Schule in der Regel nicht behandelt. Durch die Art der
Phänotypveränderung können diese Gene auch
definiert werden. Wenn so ein Gen vollständig ausgeschaltet
wird, treten so genannte homeotische Mutationen auf. Diese wurden zum
ersten Mal von Bateson 1894 beschrieben (s. Entdeckungsgeschichte
der Hox-Gene) und sehen folgendermaßen aus: Es
fehlt an einer Stelle des Körpers ein bestimmter
Körperteil, er ist aber durch einen anderen ersetzt.
Beispiele:
1. Die Antennapedia-Mutation bei Drosophila (s. Abb.1). Eine Antenne
ist durch ein Bein ersetzt.
2. Bei Krebsen ist manchmal ein Auge durch eine Antenne ersetzt,
3. Am zweiten Thoraxsegment von Drosophila fehlen die Halteren, sie
sind durch zwei Flügel ersetzt (s. Abb.2).
4. Bei einem Wirbeltier fehlt ein Halswirbel, er ist durch einen
Brustwirbel ersetzt, an dem sich nun eine Rippe ausbildet, usw.
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Abb.1 Links sieht man den Kopf von Drosophila wie er beim Wildtyp aussieht. Rechts haben an der Stelle, wo sich beim Wildtyp die Antennen befinden, Beine ausgebildet. |
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Abb.2 |
Die folgende Erklärung soll nur einen ganz groben
Eindruck von der Bedeutung der Hox-Gene geben. Die Einzelheiten
können erst später dazukommen und dann wird man es
besser verstehen.
Hox-Gene liegen in clustern auf der DNA (wie auf einer Perlenkette
aufgereiht). Wie sie entdeckt wurden können Sie in Entdeckungsgeschichte
der Hox-Gene nachlesen. Sie sind für die
Differenzierung der Körperachse in verschiedene Abschnitte
zuständig (AP-Achse von anterior bis posterior). Jedes Gen
determiniert einen bestimmten Körperbereich. Die Gene sind auf
der DNA kollinear zu den Körperbereichen angeordnet, d.h. das
erste Gen ist für die Ausbildung eines vorderen Abschnittes
des Körpers zuständig, das zweite für den
nächsten usw. Außerdem werden weiter vorn (also am
3´-Ende des DNA-Abschnittes) liegende Gene zeitlich vor den
hinter ihnen liegenden Genen exprimiert. Das mögen die Abb.3
und 4 verdeutlichen.
Das sollte im Moment nicht so aufgefasst werden, dass das erste Gen den
Kopf determiniert und das letzte den hintersten Teil des Rumpfes, vor
allem nicht wenn man es auf die Wirbeltiere bezieht (s. dazu die Abb.4
von der Maus). Bei Drosophila trifft das schon eher zu.
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Abb.3 Die Hox-Gen-cluster
von Drosophila |
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Abb.4 |
Da alle Tierstämme Hox-cluster besitzen, kann man sie
miteinander vergleichen. Man kann so ermitteln, wann welche der Gene
dupliziert wurden, wann welche verloren gingen usw. Dadurch wird der
Cluster zu einem wichtigen Hilfsmittel bei der Erforschung der
Evolution.
Von Myers wird in Pharyngula eine Skizze entworfen, wie sich bei
Arthropoden die Körpergliederung entwickelt hat. Dazu benutzt
er folgenden Cartoon, der in Abb.5 dargestellt ist.
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Abb.5 Evolution der Körpergliederung bei Gliedertieren Einfache Gliedertiere sind in Kopf, Rumpf und
Körperende gegliedert. Das entspricht in etwa den
Tausendfüßern. Die Rumpfsegmente sind einfach
Vielfache des gleichen Segmentes mit gleichem Aufbau. An jedem Segment
befindet sich ein Beinpaar. Es werden hierfür nur 2-3 Hoxgene
benötigt. |
Quellen:
Pharyngula (Internetzeitschrift) 29.6.2004
Andere Lehrbücher der Entwicklungsbiologie, die ich hier nicht
alle nenne.