Wie ich in meinem Text über den genetischen
Fingerabdruck schon erwähnt habe, kam nach
anfänglichen Erfolgen Kritik an diesem Verfahren auf,
insbesondere, dass sich Wahrscheinlichkeiten bei
Kriminalfällen nicht exakt berechnen ließen. Das
führte zu einer intensiven Forschung vom FBI und man
entwickelte dort das Verfahren, das ich hier in groben Umrissen
darstellen will.
CODIS bedeutet combined DNA Index system und ist dazu entwickelt
worden, dass möglichst alle Individuen einer Population
unterschieden werden können.
Basis dafür sind 13 verschiedene STRPs also short tandem
repeat polymorphisms. Wie diese Polymorphismen aussehen, soll an einem
Beispiel erläutert werden.
Die STRPs sind durch Symbole bezeichnet, die hier nicht weiter
erläutert werden sollen. Einer von ihnen heißt
D7S280. Es ist ein Abschnitt auf dem Chromosom 7. Ein Teil seiner
Sequenz sieht folgendermaßen aus:
1 AATTTTTGTA TTTTTTTTAG AGACGGGGTT TCACCATGTT
GGTCAGGCTG ACTATGGAGT
61 TATTTTAAGG TTAATATATA TAAAGGGTAT GATAGAACAC TTGTCATAGT
TTAGAACGAA
121 CTAACGATAG ATAGATAGAT AGATAGATAG
ATAGATAGAT AGATAGATAG ATAGACAGAT
181 TGATAGTTTT TTTTTATCTC ACTAAATAGT CTATAGTAAA CATTTAATTA CCAATATTTG
241 GTGCAATTCT GTCAATGAGG ATAAATGTGG AATCGTTATA ATTCTTAAGA ATATATATTC
301 CCTCTGAGTT TTTGATACCT CAGATTTTAA GGCC
Die Zahlen am Beginn der Zeile bedeuten die Nummer der Base des
DNA-Abschnitts. Die kurze tandemartig wiederholte Sequenz ist hier
"gata". Verschiedene Allele dieses Genortes können zwischen 6
bis 15 solcher Wiederholungen aufweisen. Wie hervorgehoben dargestellt
kann man ab Base 126 12 fehlerfreie "gata"-Sequenzen erkennen, worauf
noch 3 relativ ähnliche Sequenzen folgen (erste kursiv
dargestellt).
Diese STRPs verhalten sich wie mendelsche Gene. Das soll nun an einem
Beispiel vorgeführt werden.
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Abb.1a) Vererbung der STR-Sequenzen von Bob und Anne am Locus
D21S11
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Wenn man die Genotypen beider Eltern kennt, so kann
man
voraussagen, von welchem Typ ihre Kinder sein können. Jedes
Kind erbt
von jedem Elternteil genau ein Chromosom vom selben Typ, also z.B. vom
Chromosom 1 usw. und damit die Eigenschaft dieses Chromosoms. Am
Genlocus
D21S11, der auf Chromosom 7 liegt, hat der Vater Bob auf einem
Chromosom
7 ein Allel mit 29 und auf dem anderen (homologen) Chromosom 7 ein
Allel
mit 31 Wiederholungen (repeats), die Mutter Anne hat 28 und 30
Wiederholungen.
Dann sieht das Schema für die möglichen Kinder so wie
in der
Tabelle dargestellt aus (es gibt also vier Typen).
Welches der beiden Chromosomen Bob von seiner Mutter
und seinem Vater geerbt hat, läßt sich aus der
Kenntnis der
elterlichen Typen erschließen.
Fred und Norma sind Bobs Eltern. Sein Chromosom mit 31
Wiederholungen muss er von seiner Mutter haben, weil sein Vater ein
solches
nicht besitzt. Daraus folgt, dass sein Chromosom mit 29 Wiederholungen
vom Vater stammen muss, obwohl seine Mutter auch ein Chromosom mit 29
Wiederholungen
hat.
Wie man hieran leicht erkennen kann, ist schon ein Genlocus
relativ aussagekräftig, jedenfalls für bestimmte
Situationen.
Von solchen Loci wurden nun 13 verschiedene ausgewählt und zu
einem
Gesamtsystem, das man CODIS nennt, kombiniert.
Manchmal werden die Eltern bestimmter Kinder gesucht.
Auch sie können eventuell mit diesem System gefunden werden,
wie folgendes
Beispiel zeigt.
An den drei Geschwistern wurde der STRP D18S51 analysiert.
Die linke Abb. zeigt das Ergebnis. Oben über der rechten
Spalte muss
ein Chromosom mit 18 Wiederholungen stehen, weil in beiden Feldern die
18 vorkommt. So kann man weiter schließen, dass links neben
der ersten
Zeile 12 stehen muss. Daraus folgt dann, dass oben über der
ersten
Spalte 13 stehen muss und links neben der unteren Zeile 17. Die Eltern
müssen also einerseits den Typ 13;18 und andererseits den Typ
12;17
besitzen. So könnte man also die richtigen Eltern im
Zweifelsfall
herausfinden.
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Abb. 2 Suche nach den Eltern von drei Geschwistern.Die Schlussfolgerungen, wie man sie aus dem links
dargestellten Schema
ziehen kann, werden im Text erläutert.
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Das Vorgehen zur Herstellung eines genetischen
Fingerabdrucks
ist nun folgendermaßen:
1. Es wird eine DNA Probe genommen, wofür Blut,
Haare oder irgendein Gewebe verwendet werden kann.
2. Die DNA-Probe wird mit Restriktionsenzymen
geschnitten, so dass die 13 STRPs herausgeschnitten werden.
3. Zu jedem der 13 STRPs gibt es Primer, (s. hierzu PCR)
die es ermöglichen, gerade die genetischen Abschnitte um die
Tandem-Sequenzen
herum mit Hilfe der PCR
zu amplifizieren (vervielfältigen).
4. Die Primer sind nun so gewählt, dass später
bei der Gelelektrophorese die Sequenzen nicht überlappen (s.
unten),
sondern wegen ihrer unterschiedlichen Länge verschiedene
Banden bilden.
5. Die Primer sind mit fluoresceierenden Farbstoffen
beladen, so dass sie später automatisch erkannt werden
können.
Eine Analyse, bei der 3 STRPs gleichzeitig verwendet
wurden,
wurde bei Norma durchgeführt. Sie sieht so aus, wie es in der
Abb.3
dargestellt wird.
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Abb.3 Analyse von Normas Erbgut bzgl. der drei STPRs D3S1358, vWA, FGA.Oben: wird dargestellt, wie lang die
entstehenden
Sequenzen bei den drei STRPs werden können. Bei D3S1358
reichen diese
von 95-145 bp, bei vWA von 150-200 bp und bei FGA von 200-335 bp.
Überlappungen
sind also nicht möglich.
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Schon bei der Verwendung dieser drei Loci kann man sich vorstellen, dass die Wahrscheinlichkeit, dass irgend eine andere Person genau dasselbe Profil aufweist, sehr gering ist. Für diese speziellen Typen kenne ich die Häufigkeiten in der Bevölkerung nicht, aber wenn man davon ausgeht, dass sie jeweils in der Größenordnung von 10% liegen, dann ist die Wahrscheinlichkeit, dass jemand denselben Typ besitzt, nur noch ca. 0,1%.
Abschließend soll noch eine
Wahrscheinlichkeitsberechnung
vorgeführt werden. Bob hat seinen eigenen Typ für
jeden der 13
Loci bestimmt. In der folgenden Tabelle sind die 13 STRPs
aufgeführt
und darunter Bobs Typ jeweils angegeben. Außerdem wird in der
dritten
Zeile die Häufigkeit mit der Bobs Typ in der
Bevölkerung vorkommt
wiedergegeben. Daraus läßt sich nun
erschließen, dass
die Wahrscheinlichkeit, einen Menschen vom gleichen Typ zu begegnen dem
Produkt der Wahrscheinlichkeiten entspricht also:
p =
0,082*0,044*0,019*0,099*0,023*0,043*0,13*0,012*0,063*0,095*0,096*0,0352*0,07
= 1,5*1017.
Das bedeutet, dass wenn man wirklich alle 13 Loci verwendet,
man die Wahrscheinlichkeit einer Übereinstimmung praktisch
beliebig
klein machen kann.
| Locus | D3S1358 | vWA | FGA | D8S1179 | D21S11 | D18S51 | D5S818 |
| Genotyp | 15, 18 | 16, 16 | 19, 24 | 12, 13 | 29, 31 | 12, 13 | 11, 13 |
| Häufigkeit | 8.2% | 4.4% | 1.7% | 9.9% | 2.3% | 4.3% | 13% |
| Locus | D13S317 | D7S820 | D16S539 | THO1 | TPOX | CSF1PO | AMEL |
| Genotyp | 11, 11 | 10, 10 | 11, 11 | 9, 9.3 | 8, 8 | 11, 11 | X Y |
| Häufigkeit | 1.2% | 6.3% | 9.5% | 9.6% | 3.52% | 7.2% | (Mann) |
Abschließend sei bemerkt, dass es mir sehr
wahrscheinlich
vorkommt, dass die 13 STRPs keine Schlussfolgerung auf die
Persönlichkeit
der untersuchten Person zulassen werden, was ich ebenfalls sehr wichtig
finde. Zum einen sind die repeats selbst mit Sicherheit sinnlose
Sequenzen,
zum anderen wird die Länge der Sequenz, die um die repeats
herumliegt,
so festgelegt, dass sich die Längen der erhaltenen kopierten
Abschnitte
der DNA nicht überlappen. Das hat zur Wirkung, dass die
herausgeschnittene
DNA selbst keine Bedeutung haben kann.
Weiter können die Daten leicht digitalisiert werden
und so für Computer verarbeitbar.
Für Anregungen und Kritik bin ich dankbar, Zusammenarbeit würde ich begrüßen.
Nachlesbar ist das Ganze auch unter:
http://www.biology.arizona.edu/human_bio/human_bio.html
Von dort habe ich die Abbildungen, die Tabelle übernommen.