Das menschliche Genom besteht aus 23 Paaren von
Chromosomen
das sind jeweils einzelne DNA Moleküle. Insgesamt bestehen
diese Moleküle
aus 3·109 bp (Basenpaaren). In diesen
DNA Molekülen
gibt es verschiedenene Arten von DNA-Sequenzen und zwar Einzelgenkopien
(oder Abschnitte, die keine oder nur wenige Wiederholungen aufweisen),
repetitive Sequenzen und spacer DNA.
Wahrscheinlich sind nur ca. 3% der DNA Protein-codierende
Sequenzen. Die spacer DNA ist mehr oder weniger undefiniert und trennt
die Gene voneinander.
Zerlegt man das gesamte menschliche Genom durch
mechanische
Scherung in Teile von jeweils ca. 500 bp umfassenden
Doppelsträngen
und diese anschließend durch Hitzedenaturierung in
Einzelstränge,
so finden die Stränge bei einer Renaturierung unterschiedlich
schnell
wieder zusammen. Das hängt einerseits davon ab, wie viele
gleiche
Kopien es von den Einzelsträngen gibt und wie ähnlich
sich die
Sequenzen innerhalb der Teile sind. 10% der DNA-Sequenzen finden sehr
schnell
zusammen, sie spiegeln die hochrepetitiven Sequenzen wieder, 30%
benötigen
länger, finden aber noch relativ schnell zusammen, es handelt
sich
bei ihnen um mittelrepetitive DNA, der Rest braucht lange, um wieder
Doppelstränge
zu bilden, das sind die Stränge, die nur in wenigen oder gar
nur einer
Kopie vorliegen. Diese 60% bestehen also aus Einzelkopien oder Teilen
die
in nur wenigen Kopien vorliegen.
Solche Unterschiede lassen sich auch durch Färbung
sichtbar machen, was schon länger bekannt ist. Das sog.
Heterochromatin,
das sich in der Nähe der Centromere, an den Telomeren und auf
dem
Y-Chromosom befindet, ist sehr stark färbbar und besteht aus
hoch
repetitiver DNA. Dieser Teil enthält auch einen hohen
Prozentsatz
CG-Paare, wodurch man ihn auch durch Dichtezentrifugation abtrennen
kann.
Solche Dichtezentrifugationen führen zu einem Hauptband und
drei dünneren
Bändern, die deshalb den Namen Satelliten-DNA erhalten haben.
Dadurch, dass die Gene am 5´-Ende meist von
CG-Inseln
begleitet sind, lassen sich genreiche Regionen im Chromosom erkennen.
Eine
Schätzung der Anzahl der Gene im menschlichen Genom die auf
den CG-Inseln
fußt kommt auf 80 000 Gene. Andere Schätzungen
bewegen sich
heute zwischen 60000 - 80000. Nach neueren Untersuchungen nimmt man an,
dass es nur ca. 30000 Gene gibt oder sogar noch etwas weniger.
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Abb. zur Genomorganisation des MenschenDie einzelnen Klassen werden hier nicht näher erklärt. Die Abb. soll lediglich die Einteilung der verschiedenen DNA-Sequenzen in verschiedene Klassen wiedergeben. Außerdem soll die Einteilung der repetitiven Sequenzen in drei verschiedene Klassen anschaulich gemacht werden. |
Die repetitiven Sequenzen werden in drei Klassen
untergliedert
(s. dazu auch die obige Abb.):
1. Makrosatelliten oder einfach Satelliten-DNA: Sie bestehen
aus sehr langen Sequenzen von 100en bis 1000en von bp, die ihrerseits
tandemartig
wiederholt werden. Die Sequenzen können mehrere 100000 bp lang
sein.
2. Minisatelliten: sie sind nicht länger als 100
bis 15000 bp. 15 - 100 bp werden in ihnen tandemartig wiederholt. Die
Anzahl
der wiederholten Sequenzen ist sehr variabel, so dass sehr viele
Menschen
einer Population an demselben Genlocus heterozygot sind. Dadurch eignen
sie sich dafür verschiedene Individuen voneinander zu
unterscheiden.
Sie bilden also Polymorphismen in der Population, die VNTR genannt
werden
(variable number of tandem repeats). Hierauf fußt ein
Verfahren genetische
fingerprints herzustellen. Die Telomeren enthalten solche Sequenzen.
3. Mikrosatelliten: in ihnen sind die tandemartig wiederholten
Sequenzen noch kürzer. Meist sind sie nur 4 bp lang oder sogar
weniger.
Sie liegen verstreut im gesamten Genom, machen aber insgesamt etwa 0,5%
des Genoms aus. Sie haben keine bekannte Funktion. Die Anzahl ihrer
Wiederholungen
kann sich bei der Teilung der Zelle ändern, weil bei der
Transcription
leicht eine Verrutschung der gepaarten DNA vorkommen kann (slippage).
Dadurch
sind auch sie in der Population hochpolymorph, d.h. praktisch jedes
Individuum
ist an diesen Orten heterozygot. Sie bilden die STRPs (short tandem
repeat
polymorphisms). Diese werden in der Regel in kommerziellen fingerprints
verwendet. Die Trinukleotid Wiederholungen sind z.T. mit Krankheiten
wie
Huntington, Muskeldystrophie, u.a. verbunden.
Eukaryonten haben viele Gene vierfach. Daraus schließt man, dass in der frühen Wirbeltierevolution einmal eine Tetraploidisierung vorgekommen ist. Z.B. sind ja auch die HOX-cluster vierfach vorhanden.
Encyclopedia of Life Sciences, Nature,
Genomorganizing/Human
S. Henikoff, u.a. Gene families, Science, okt. 97,
Für Anregungen und Kritik bin ich dankbar, Zusammenarbeit würde ich begrüßen.
Mario Hupfeld ,78464 Konstanz, Mario.Hupfeld@uni-konstanz.deHome