Onkogene werden jene
Gene genannt, die für die Auslösung
von Tumoren verantwortlich sind.
Entnimmt man einem Tumor Zellen und
verpflanzt sie auf
andere Tiere, so kann dadurch in diesen Tieren ein Tumor
ausgelöst
werden.
Rous überprüfte bei
bestimmten Hühnertumoren
(Sarcome), ob die Tumorbildung auch schon durch den Zellsaft, den man
aus
Tumorgewebe auspressen kann, ausgelöst werden kann. Er presste
ihn
durch verschieden feine Siebe. Dabei stellte er fest, dass sich
Brust-Tumoren
von Küken durch ein Krebszellen-Filtrat übertragen
lassen, das
durch ein Sieb gepresst wurde, das Bakterien nicht durchdringen
können.
Daraus schloss er, dass es durch einen Virus übertragen wurde.
Darüber
berichtete er 1911 in einem kurzen weitgehend unbeachtet gebliebenen
Artikel
in der Zeitschrift Nature.
Ende der 1960er Jahre stellte sich heraus,
dass es sich
um RNA-Viren handelt und dass ähnliche Viren Brustkrebs und
Leukämie
bei Nagetieren auslösen können.
Diese Tumore wurden häufig auch
auf die Nachkommen
übertragen, so dass sich die Frage ergab, ob sie in Form von
RNA,
anderen löslichen Substanzen oder mit dem Erbgut selbst
weitergegeben
wurden.
Bei Transformationsexperimenten stellte
man fest, dass
die Infektion und Transformation der Zellen eine DNA-Synthese
erfordert.
Das war schwer zu erklären, denn es galt damals das zentrale
Dogma
der Molekularbiologie (von F. Crick), dass die Information stets von
DNA
über RNA zum Protein fließt. Wenn nun für
die Transformation
eine DNA-Synthese notwendig war, legte das die Vermutung nahe, dass aus
der Virus-RNA zunächst DNA synthetisiert wird und danach aus
dieser
die Virus-RNA. In den 1970er Jahren wurde dann tatsächlich
eine reverse
Transcriptase (ein Enzym, das mRNA in DNA umschreiben kann) gefunden,
womit
diese Vermutung wahrscheinlicher wurde. Man wandte sich dann der
Isolation
des viralen Gens zu, das die Transformation auslöst. Dazu
suchte man
Mutanten, die eine Deletion hatten und zusätzlich keine
Transformation
auszulösen vermochten. Nachdem man solche gefunden hatte, ging
man
folgendermaßen vor, um das Gen zu isolieren. Man stellte von
der
intakten Virus-RNA eine cDNA-Kopie (mit Hilfe von reverser
Transcriptase)
her. Dann wurde die RNA der Mutanten und die cDNA des intakten Virus in
Stücke zerlegt. Diese ließ man dann hybridisieren
und die Teile
der cDNA, die keinen Partner fanden, mussten das Gen enthalten oder
Teile
des Gens sein. Solche Arbeiten wurden von Varmus, Bishop und Stehelin
durchgeführt.
Sie arbeiteten mit Küken und dem ASV-Virus (avian sarcoma
virus),
das Gen nannten sie src von Sarcoma.
Die Isolation und Klonierung dieses Gens
(src) brachte
dann enorme Fortschritte mit sich. Huebner und Todaro
äußerten
die Vermutung, dass die viralen Onkogene zur normalen genetischen
Ausstattung
der Tiere gehören. Bishop und Varmus machten sich dann daran,
diese
Hypothese zu überprüfen. Sie stellten eine
komplementäre
radioaktiv markierte Nukleinsäure her. Es zeigte sich, dass
sie mit
einem Gen im Erbgut der Küken hybridisierte. Das tat sie auch
beim
Erbgut anderer Vögel. Daraus ging hervor, dass es sich
wahrscheinlich
gar nicht um ein viruseigenes Gen handelte, sondern um ein Gen, das das
Virus aufgenommen hatte und das gegenüber dem normalen Gen
wahrscheinlich
verändert war. Im Gegensatz dazu konnte man es im
Säugergenom
nicht finden. Um die Gene vom Virus und der Zelle zu unterscheiden
wurden
sie mit v-scr und c-scr bezeichnet.
Man stellte dann später fest,
dass man bei Säugern
unter weniger stringenten Bedingungen für die Hybridisierung
doch
ein ähnliches Gen finden konnte. Das ließ sich dann
sogar für
alle Wirbeltiere nachweisen. Seeigel, Fliegen und Bakterien besitzen
ein
solches Gen jedoch nicht.
Daraus konnte man schließen,
dass es sich um ein
recht altes und wichtiges Gen handeln musste. Um die Funktion dieses
Gens
herauszufinden, musste das zugehörige Protein isoliert werden.
Das
gelang zum ersten Mal Erikson. Er nannte es pp60src. Man fand bald
heraus,
dass es sich bei diesem Protein um eine membrangebundene Tyrosinkinase
handelte, d.h. um ein Enzym das andere Proteine an Tyrosinresten
phosphoryliert
und damit ihre Aktivität verändert. Da ein solches
Enzym die
Aktivität vieler anderer Proteine verändern kann, ist
verständlich,
dass es eine so große Wirkung haben kann. Bei einem Vergleich
von
v-src und c-src stellte sich heraus, dass letzteres ebenfalls eine
Tyrosinkinase
codiert, dass das erstere aber viel aktiver ist. So war die Anzahl der
phosphorylierten Tyrosinreste in transformierten Zellen etwa 8-mal so
hoch
wie in normalen Zellen.
Das Schlüsselergebnis hiervon
war, das ein Onkogenprodukt
durch seine erhöhte Aktivität die Transformation
herbeiführen
konnte. So lag es nahe zu vermuten, dass das Protoonkogen (das
zelleigene
normale Gen, das nicht zum Tumor führt) durch eine Mutation
zum Onkogen
werden kann. Weinberg führte Studien zu dieser Frage durch und
zeigte,
dass durch Injektion von DNA aus Tumorzellen der menschlichen Blase
Bindegewebszellen
der Maus transformiert werden konnten. Es fanden sich in den
Tumorzellen
der Maus anschließend keine Hinweise auf Viren. Da man zu
diesem
Zeitpunkt (1982) schon einige virale Onkogene kannte, lag es nahe bei
dem
Blasentumorgen des Menschen danach zu suchen, ob es ein entsprechendes
Onkogen bei Viren dazu gab. Tatsächlich fand man beim Harvey
Sarcoma
Virus der Ratte ein entsprechendes Gen, das mit ras bezeichnet wird.
Hier
zeigte sich dann, dass dasselbe Gen, wenn es mutiert ist, ganz
verschiedene
Tumore hervorrufen kann.
Die Mutation im ras-Gen wurde untersucht
und man stellte
fest, dass es nur in einem Nukleotid gegenüber dem normalen
Gen verändert
ist. Die Bestimmung der Sequenz des v-ras-Gens ergab, dass es an
derselben
Stelle die gleiche Codonveränderung aufweist.
Entscheidend ist aber für die
Wirkung die erhöhte
Phosphorylierungsrate in den Zellen. Sowohl ras als auch src
können,
wenn sie hinter einen viralen Promoter geraten, exprimiert werden.
Daher
ist die Entstehung von Tumoren, die auf diese Gene bezogen sind auf
zwei
ganz verschiedene Arten möglich. Zum einen kann eine
erhöhte
Expressionsrate vorliegen, z.B. dadurch dass das Virus das Gen
zusätzlich
einbringt, oder das Gen kann an der besagten Stelle mutiert sein, was
zu
einer erhöhten Aktivität des zugehörigen
Proteins führt.
Für Anregungen und Kritik bin ich dankbar, Zusammenarbeit würde ich begrüßen. Wenn Sie meine Seiten benutzen, bitte ich um entsprechende korrekte Quellenangabe. Bitte schicken Sie mir doch dann auch eine Rückmeldung.
Mario Hupfeld ,78464 Konstanz, Mario.Hupfeld@uni-konstanz.de