Strategie des Eisbären im Umgang mit Energie

Zu diesem Thema sollen unter der Voraussetzung, dass man die Ernährungsweise und den Lebensraum des Eisbären kennt theoretische Überlegungen angestellt werden.

Lebensraum: Circumpolare Region, von der Treibeisgrenze nördlich, lebt z.T. auf großen Eisschollen, im Winter also in einer Region, wo praktisch nichts wächst, auch im Sommer nur spärliche Vegetation.

Ernährung:7 Hauptnahrung sind Robben, die der Eisbär fängt und Aas, das er findet, also tote Robben, Seelöwen u.a. Tiere. In den Sommermonaten soll der Eisbär auch pflanzliche Nahrung zu sich nehmen, es soll weniger Robben geben, so dass gerade im Sommer die Ernährungssituation schwieriger für ihn ist. Dann kann er auch andere Tiere jagen, die dort leben (vielleicht Eisfuchs, Ren, in der Nähe des Menschen Rinder und Schafe usw.).

Theoretische Vorausagen: Zunächst kann man sagen, dass es im Lebensraum des Eisbären immer sehr kalt ist, dass die Landschaft durch den Schnee immer sehr weiß gefärbt ist, dass er ein weißes Fell zur Tarnung braucht, wenn er Robben jagen will. Außerdem braucht er ein dichtes gut isolierendes Fell. Auch wird er nur sehr kleine Ohren haben, um keine unnötige Wärmeenergie zu verlieren. Da die Jagd anstrengend und schwierig ist, wird er einen großen Magen haben, um auf einmal große Mahlzeiten zu sich nehmen zu können.

Da die Robben ihn als Feind kennen und sich darauf einstellen, ist anzunehmen, dass sie meist in der Nähe von offenem Wasserlöchern liegen, wenn sie sich außerhalb des Wassers aufhalten. Daher kommen folgende Jagdtstrategieen für den Eisbären in Frage:
1. "Anschleichstrategie": unter Ausnutzung von Eishügeln versucht sich der Eisbär möglichst nahe an die Robben heranzurobben und sich dann schnell auf sie zu stürzen und sie mit einem kräftigen Hieb zu töten (er braucht also dafür auch eine starke Bekrallung). Meist wird die Robbe natürlich noch ins Wasser gleiten können, so dass der Eisbär darauf angewiesen sein dürfte, ihr zu folgen. Damit das in dem eiskalten Wasser möglich ist, benötigt er neben dem dicken, dichten Fell auch eine dicke Speckschicht unter der Haut, da ein Fell unter Wasser keine wärmeisolierende Funktion ausüben kann. Außerdem muss er ein guter Schwimmer sein. Einer Überhitzung unter Wasser, falls es bei dem schnellen anstrengenden Schwimmen dazu kommen sollte, kann er leicht entgegenwirken, indem der Blutfluss direkt unter die Haut geleitet wird.
2. "Lauerstrategie": wie eine Katze vor dem Mauseloch versucht der Eisbären auf eine auftauchend Robbe zu warten. Da jede Robbe irgendwann einmal auftauchen muss, um Luft zu holen, kann sie nicht ewig unter Wasser bleiben. Dann wird er sie zu packen suchen und auf das Eis ziehen.
3. "Anschwimmstrategie": gibt es eine größere offene Wasserfläche, an dessem Rand Robben auf dem Eis liegen, so kann der Eisbär versuchen, möglichst langsam und vorsichtig schwimmend in die Nähe zu gelangen und dabei etwa eine Eisscholle als Tarnung vor sich herschieben.
Da es sehr schlecht ist, wenn er mit völlig durchnässtem Fell wieder auf das Eis kommt, kann man davon ausgehen, dass das Fell direkt über der Haut so stark wasserabstoßend ist, dass das Wasser nicht bis auf die Haut vordringen kann oder dass er es durch starkes Schütteln weitgehend an Land entfernen kann. Unter Umständen kann es ja vielleicht auch vorkommen, dass er Tiere auf dem Eis jagt. Robben sind sicher nicht so schnell. Aber er wird sich auch nicht immer bis in die unmittelbare Nähe anschleichen können. Beim schnellen Laufen auf dem Eis (wenn es denn nötig sein sollte), ist es dann möglich, dass er sich wegen seiner extrem guten Wärmeisolierung innerlich zu stark aufheizt. Für diesen Fall muss die Wärme schneller abgeführt werden können. Neben dem Hecheln, was alle Säugetiere zeigen, kommen dann vielleicht die Fußsohlen als Wärmefenster in Frage, da sie ja sowieso ohne Fell sein müssen.
Da der Eisbären oft lange Strecken zurücklegen muss, muss er ein ausdauernder Läufer sein. Das wird allerdings nicht mit hohen Geschwindigkeiten erfolgen, so dass in dieser Hinsicht keine extremen Anpassungen zu erwarten sind. Feinde hat er nicht, so dass er auch nicht schnell für eine Flucht zu sein braucht. Außerdem ist er ja als Raubtier selbst sehr wehrhaft.
Da die Nahrung im Sommer knapp ist, der Winter kalt, wird er im Winter seine Fettschicht unter der Haut verstärken. Das hätte gleich zwei Vorteile. Im Winter wird dadurch die Wärmeisolierung verbessert und das Fett kann im Sommer für das Überleben genutzt werden.

Abschließende Bemerkung: Das Beispiel des Eisbären zeigt, dass Kälte kein Hinderungsgrund für Säugetiere ist, ein Gebiet zu besiedeln bzw. zu erobern. Wenn genügend Nahrung vorhanden ist, können sich homöotherme Tiere an jede noch so große Kälte anpassen.
Das gilt im Übrigen durchaus auch für den Menschen. Wenn es in sehr kalten Gebieten wichtige Bodenschätze gibt, so wird diese Region auch besiedelt. Sonst im Allgemeinen nicht.

Kommentar
Mario Hupfeld ,78464 Konstanz, Mario.Hupfeld@uni-konstanz.de